Dackelparade: In Krakau politisch korrekt

Von Loriot stammt der Satz „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“. Der geniale Humorist hat freimütig und mit einem sympathischen Augenzwinken zugegeben, dass er einen Großteil seines Lebens sozusagen auf den Hund gekommen war.
In Polen gibt es zu dem deutschen Universalkünstler – zumindest was die große Liebe zu den Vierbeinern anbelangt – ein Pendant: Slawomir Mrozek. Der aus Krakau stammende Schriftsteller und Satiriker, der im Gegensatz zu Loriot noch lebt, ist allerdings kein Mops-, sondern bekennender Dackelfan. Vertreter dieser Rasse haben ein gesundes Selbstbewusstsein und wenig Respekt vor größeren Hunden. Auseinandersetzungen mit diesen gehen sie keinesfalls aus dem Weg, ganz im Gegenteil. Und nicht selten tragen sie dabei den Sieg davon.

Slawomir Mrozek, der wie einst Loriot nicht nur schreibt, sondern auch zeichnet,  hat dem Dachshund in vielen Werken ein Denkmal gesetzt. Im Jahr 1990 organisierte Mrozek zu seinem 60. Geburtstag in Krakau zum ersten Mal eine Dackelparade: Kostümierte Vierbeiner zogen durch die mittelalterliche Altstadt. Damit wollte Mrozek die kommunistischen Aufmärsche in Polen karikieren und der Lächerlichkeit preisgeben. Eine spontane Aktion, die schnell zur festen Tradition wurde.

Krakau – die Nürnberger unter meinen Lesern wissen es natürlich – ist die Partnerstadt von Nürnberg. Beim diesjährigen Internationalen Fest der Partnerstädte am kommenden Wochenende dreht sich alles um Polens heimliche Hauptstadt. Am Sonntag steht eine Dackelparade nach Mrozek´schem Vorbild auf dem Programm, die sich vom Hauptmarkt in Richtung Tucherschloss bewegt. Allerdings werden die Hunde nicht verkleidet sein – da sind die Tierschützer vor…

P.S.: Ich weiß, in diesem Blog habe ich auch schon gegen Umzüge mit verkleideten Hunden geschrieben. Weil ich solche Veranstaltungen albern finde und mir nicht vorstellen kann, dass Hunde glücklich sind, wenn sie in Glitzerkostüme gesteckt werden oder Hüte tragen müssen, die sie stören, weil sie ihren Gesichtsradius einschränken. Der politische Hintergrund hingegen, den die Paraden in Krakau haben, rechtfertigt meiner Meinung aber sogar eine Verkleidung der Tiere – wenn auch nur in Maßen.

Diesmal orakelt ein Elefant

Kein großes Fußball-Ereignis ohne Tier-Orakel. Nachdem Krake Paul während der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2010 die Ergebnisse so treffsicher wie sonst niemand vorhergesagt hatte, muss nun natürlich zur Fußball-Europameisterschaft 2012 auch ein Tier her, das sich ähnlich gut mit dem runden Leder auskennt. Lange hat man gesucht, nun hat man es gefunden: Es ist eine Elefantenkuh namens Citta aus dem Krakauer Zoo, ein früherer Zirkuselefant.

Cittas Tipp soll folgendermaßen vonstatten gehen: Vor jedem Spiel darf die Dickhäuterdame zwischen zwei Äpfeln wählen, die für die jeweils antretenden Mannschaften stehen. Der Apfel, zu dem Citta greift, verkörpert also die spätere Siegermannschaft. Dass Citta etwas von Fußball versteht, hat sie bereits am vergangenen Wochenende bewiesen: Sie hat den FC Chelsea als Sieger im Champions-Leage-Finale gegen FC Bayern München prophezeit. Und da lag sie auf jeden Fall besser mit ihrer Einschätzung als die meisten Fachleute.

Gut, warten wir ab, wie Citta sich im Laufe des Turniers als Orakel macht. An Pauls Traumquote heranzukommen, dürfte allerdings gar nicht so einfach sein!