Die Kunst ist frei!

In der Kunstgalerie Fürth waren gerade noch Bilder von ihm zu sehen – allerdings nicht solche, bei denen er  Tierblut verwendet hatte, sondern ausschließlich mit rotbrauner Acrylfarbe anstelle von Blut gestaltete. Doch normalerweise kreiert der österreichische Aktionskünstler Hermann Nitsch (Foto) seine Werke gern im Rahmen von Performances, die nach einer Art Opfer-Ritual ablaufen, mit dem Blut von frisch geschlachteten Bullen.

So eine Performance will Nitsch nun im Juni auch auf der Insel Tasmanien, die zu Australien gehört, veranstalten. Aber Tausende von Australiern haben dagegen proestiert und in einer Petition gefordert, dass  die Aufführung verboten wird. Die Performance soll drei Stunden dauern, und Nitsch tötet dabei kein Tier, er will aber das Blut und den Kadaver eines bereits geschlachteten Bullen verwenden. Für solche Performances wurde der österreichische Künstler, der dem „Wiener Aktionismus“ zuzurechnen ist, schließlich berühmt.

Die Aufführung soll im Rahmen des Dark-Mofo-Kunstfestivals stattfinden, und zwar in einem Museum in der Inselhauptstadt Hobart. Der Gründer des Museums für Alte und Neue Kunst, David Walsh, befürwortet die Performance. Er möchte damit die Frage in den Raum stellen, warum Menschen Fleisch als Lebensmittel in Ordnung finden, Fleisch für Rituale dagegen nicht. Kinder haben bei Nitsches geplanter Aufführung übrigens keinen Zutritt, zugelassen sind nur Zuschauer über 18 Jahre. Nach der Performance soll das Fleisch gegessen werden.

Also, ich bin zwar ein großer Tierfreund. Trotzdem störe ich mich nicht daran, dass bei der Aktion ein frisch geschlachteter Bulle verwendet werden soll. Ich gehe allerdings davon aus, dass es sich um ein Tier handelt, das sowieso geschlachtet werden soll. Da ich kein Vegetarier bin und Fleisch gern esse – wenn auch nicht täglich, sondern nur ein- bis zweimal pro Woche – sehe ich keinen Grund dafür, eine solche Performance abzulehnen. Ob sie mir gefallen würde, wage ich allerdings zu bezweifeln. Doch das steht auf einem anderen Blatt und ist schließlich Geschmacksache. Auf jeden Fall ist es meiner Meinung nach keine Tierquälerei – das ist für mich das entscheidende Kriterium. Die Kunst ist frei – und soll es auch bleiben!

Echt tierisch, diese Kunst

Die meisten Zoos sind knapp bei Kasse. So auch der in Heidelberg. Dort soll das Löwengehege erweitert werden, und das kostet eine Menge. Nun kam die Zooleitung auf die Idee, dass Zootiere selbst mit dazu beitragen könnten, Geld zu verdienen.

Schimpansen, Orang-Utans und Elefanten sind dafür kreativ geworden. Sie haben Pinsel, Farbe und Leinwand oder Papier bekommen und durften sich künstlerisch austoben. Auf diese Weise entstanden abstrakte, farbenprächtige Bilder, die nun versteigert wurden. Die 16 Bilder, die unter den Hammer kamen, spielten immerhin 2500 Euro ein. Das hier gezeigte Werk stammt von einem Elefanten.

Den Rekorderlös bei der Auktion erzielte ein Werk des siebenjährigen asiatischen Elefantenbullen Tarak: 260 Euro war das Höchstgebot dafür. Begehrt waren auch die Bilder des Schimpansen Henry, des Elefantenbullen Thai und der Orang-Utan-Dame Ujian. Der Zoodirektor betont, dass die Tiere nicht zum Malen gezwungen wurden, sondern freiwillig mitgemacht haben und viel Spaß bei diesem Beschäftigungsprogramm hatten. Sie bekamen auch den einen oder anderen Leckerbissen zur Belohnung.

Wirbel im Paradies

Ein Tipp für alle, die demnächst einmal nach Wien fahren: Ich empfehle einen Abstecher in den Tiergarten Schönbrunn. Nicht nur, weil er als einer der ältesten Zoologischen Gärten sowieso einen Besuch wert ist. Nein – er bietet derzeit noch eine zusätzliche Attraktion: die Kunstaktion „Trouble in Paradise“. Sie dauert bis 18. Oktober.

Christoph Steinbrener und Rainer Dempf, beides Deutsche, sorgen für Wirbel im Tierparadies. Sie haben Sachen in den Tierpark gestellt, die dort eigentlich gar nichts zu suchen haben: eine Ölförderpumpe bei den Pinguinen, ein Autowrack im Nashorn-Badeteich, Eisenbahnschienen im Bisongehege, eine Almhütte bei den Elefanten, eine Badewanne bei den Krokodilen und ein (leeres) Giftmüllfass im Aquarium.

Mit der „künstlerischen Intervention“ wollen die beiden die Rücksichtslosigkeit der menschlichen „Zivilisation“ gegenüber der Natur anprangern. Den Tiergartenbesuchern soll so das Problem der Umwelt- und Lebensraumzerstörung bewusst werden. Die Tiergartenleitung hat darauf geachtet, dass bei der Aktion die Zootiere nicht gefährdet werden.

Lustigerweise nehmen die Tiere die „Kunstwerke“ wie selbstverständlich an – so machen sie es in freier Wildbahn ja schließlich auch. Die Pinguine in Schönbrunn hüpfen also auf der Ölpumpe herum, das Nashorn wollte anscheinend schon immer mal sein dickes Hinterteil auf einem dicken Auto parken, und die Krokodile haben die Badewanne als zusätzliches Becken akzeptiert. Mit Protest haben bisher nur einige Menschen reagiert und ihre Dauer-Eintrittskarten gekündigt.  – Oder haben wir Menschen den Protest der Tiere nur wieder mal nicht mitbekommen?