Der Eiserne Vorhang im Kopf

Es wird ja immer wieder gern behauptet, dass der sogenannte Eiserne Vorhang – obwohl längst verschwunden  – in den Köpfen vieler Menschen noch weiter existiere. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu sagen. Dass er in den Köpfen von manchen Tieren noch weiterlebt, hat jedenfalls eine neue Studie bewiesen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Forschung an Elefanten, die ja für ihr gutes Gedächtnis bekannt sind, sondern um eine Langzeitbeobachtung von Rothirschen.

Zoologen im Nationalpark Böhmerwald haben folgendes entdeckt: Die Hirsche auf der tschechischen Seite des Böhmerwalds laufen fast 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges immer noch nicht weiter in Richtung Westen, als bis an die Stelle, an der einst der Stacheldraht gespannt war, der den Sperrbereich vor der Grenze zwischen Bayern und der Tschechoslowakei kennzeichnete. Und vice versa: Auf der anderen Seite überschreiten die Hirsche aus Bayern diesen Punkt ebenfalls nicht. Beobachtet haben die Forscher das mithilfe von Funk-Halsbändern, und zwar über den relativ langen Zeitraum von sechs Jahren.

Warum die Tiere sich so verhalten, ist allerdings nicht hundertprozentig sicher. Man vermutet, dass Hirschkühe Informationen über die Grenzen ihres Terrritoriums an ihren Nachwuchs weitergeben, und zwar über Generationen hinweg. Das kennen wir Menschen dann ja auch wieder ganz gut: Was einmal auf der Festplatte drauf ist, kriegt man gar nicht so leicht wieder runter…