Das Tiergarten-Jahr 2016

Während die meisten deutschen Zoos ihre „Inventur“ für die Medien immer schon um den Jahreswechsel durchführen, lässt sich der Nürnberger Tiergarten stets etwas mehr Zeit für seinen Jahresrückblick. Heute war es wieder so weit. Und das Interesse der Journalisten ist auch diesmal wieder groß gewesen, was das Interesse der Bevölkerung ja durchaus widerspiegelt. Auf dem Weg zur Pressekonferenez sind wir bei den Grauen Riesenkängurus vorbeigekommen, die munter in ihrer verschneiten Anlage herumhüpften.

Große Höhepunkte gab es 2016 für den Zoo am Schmausenbuck nicht. Es war ein Jahr ohne wirklich attraktiven Nachwuchs (siehe unten), aber zum Glück auch eines ohne ganz schlimme Nachrichten. Zumindest, wenn man vom „Dauerbrenner“ undichte Delfinlagune absieht, die für teures Geld saniert werden muss. Deshalb wird jetzt auch das nicht-öffentliche Delfinarium II (hier im Bild) für rund 1,2 Millionen Euro renoviert, um Große Tümmler oder Seelöwen ausquartieren zu können, wenn es bei der Lagunen-Reparatur zu laut oder zu staubig wird. Erfreulicher Ausblick für das neue Jahr: Rechtzeitig zu den Osterferien soll die Außenanlage der Totenkopfäffchen fertig saniert sein; dort ziehen dann – als neue Tierart – Sumpfmeerschweinchen mit ein. Und für den Herbst ist die Fertigstellung des Wüstenhauses angekündigt, das durch den Umbau des alten Flusspferdhauses entsteht.

Und das war das Tiergarten-Jahr 2016 in Zahlen:

Zum Jahresende lebten 3802 Tiere aus 287 Arten am Schmausenbuck, davon 216 Wirbeltierarten mit 2727 Individuen.
Nachwuchs: sechs Alpenmurmeltiere, sechs Pelikane, vier Flamingos, regelmäßige Zucht von Seidenspinnen
Abgabe von Tieren: drei Große Tümmler (Kai, Noah und Arnie) nach Portugal und Lanzarote, zwei Kleine Pandas nach Köln und Kerkrade und ein Tiger nach Hannover
Nachwuchs: sechs Alpenmurmeltiere, sechs Pelikane, vier Flamingos, regelmäßige Zucht von Seidenspinnen
Todesfälle: ein männlicher Gepard und das Zuchtpaar der Buntmarder (Gorbi und Alisa). Für die Tochter der beiden kam ein Partner aus dem Tierpark Berlin nach Nürnberg.
Auswilderung: drei Habichtskäuze (seit 2003 gingen 14 dieser Jungvögel in den Nationalpark Bayerischer Wald, neun in das Biosphärenreservat Wienerwald und in das Wildnisgebiet Dürrenstein).
Führungen: Von der Zoopädagogik wurden 16.147 Teilnehmer (Kinder und Erwachsene) in 1412 Führungen und anderen Angeboten betreut. Außerdem gab es fast 40 Vorträge im Naturkundehaus.
Tierpatenschaften: 770 Tierpaten mit einer Spendensumme von 132.517 Euro. 470 Tierpaten (61 Prozent aller Paten) setzten ihre Patenschaft nach einem Jahr fort.
Besucher: 1.087.360 Besucher (3,3 Prozent weniger als 2015)

Neuer Lebensabschnitt für Arnie und Naomi

arnieinportugalWahnsinn! Niemals hätte ich geglaubt, dass mein letzter Blog-Beitrag auf so großes Interesse stoßen und so gegensätzliche Meinungsäußerungen auslösen würde. Das Thema Gewalt gegen Zootiere ist schließlich – wie einer der Kommentarschreiber richtig bemerkt – nicht so ganz neu. Ich habe es trotzdem aufgegriffen, weil sich die Situation in Nordrhein-Westfalen in dieser Hinsicht anscheinend zuspitzt. Allerdings muss man auch sehen, dass es dort die größte Zoodichte innerhalb Deutschlands gibt und das Phänomen deshalb wohl stärker in den Blickpunkt rückt.

Gestern war ich zu sehr mit meiner beruflichen Hauptaufgabe beschäftigt (nämlich mit der Arbeit für die Lokalredaktion der „Nürnberger Zeitung“, für dieses Blog schreibe ich ja eher nebenbei) , als dass ich über diese wichtige Zootier-Nachricht hätte bloggen können, die den Tiergarten Nürnberg betrifft: den Umzug des 16 Jahre alten Großen Tümmlers Arnie aus der Lagune im Tiergarten nach Portugal an die Algarve. Das hole ich jetzt nach – gestern blieb mir nur Zeit für eine kurze Meldung via facebook.

Also: Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP wurde für das Delfinmännchen, das seit acht Jahren in Nürnberg lebte und ursprünglich aus dem Heidepark Soltau stammte, endlich ein neues Zuhause gefunden. Über das EEP arbeiten die wissenschaftlich geführten Delfinarien Europas zusammen. Arnie ist ein sehr starker Bulle, er ließ sich nur schwer in die Nürnberger Delfingruppe integrieren. Dort ist immer noch Moby mit seinen weit über 50 Jahren der Boss. Dem Delfin-Senior ist ein harter Konkurrent wie Arnie – der mittlerweile geschlechtsreif ist – aber nicht zuzumuten, selbst wenn Moby sonst noch fit ist und von den übrigen Großen Tümmlern in der Lagune respektiert wird. Die Zooleitung suchte deshalb seit längerem eine andere Unterbringungsmöglichkeit für Arnie – doch lange Zeit ohne Erfolg. Ist ja auch gar nicht so einfach, nachdem immer wieder Delfinarien schließen.

Nun ist es aber geschafft: Arnie gewöhnt sich (wie auf obigem Foto zu sehen) bereits in der Zoo-Wasserwelt „Zoomarine – Mundo Aquatico“ in Guia ein. Dieser Themenpark liegt nördlich von Albufeira an der Algarveküste. Arnie soll dort in eine Junggesellengruppe integriert werden. Er war übrigens nicht der einzige Delfin, der Anfang der Woche in einem Flugzeug die Reise nach Portugal antrat. Mit an Bord war das in Nürnberg geborene Delfinweibchen Naomi, das zuletzt im Delfinarium Harderwijk (Niederlande) gelebt hat. Sie wird an der Algarve – wenn alles klappt wie geplant – in einen anderen sozialen Verband eingegliedert als Arnie, nämlich in eine Zuchtgruppe.

Ich wünsche den beiden wunderbaren Tieren alles Gute in ihrer neuen Heimat! Hoffentlich kann man dort möglichst bald  Babys von Naomi bewundern!

 

Ein typischer Peta-Vorschlag!

delfinlaguneDas ist mal wieder so ein Vorschlag, bei dem man sich sofort denkt: typisch Peta – einfach unsinnig! Die Tierschutzaktivisten haben dem Nürnberger Tiergarten jetzt 100.000 Euro angeboten, wenn der Zoo seine Delfinlagune schließt. Einfach lächerlich, diese Idee! Was soll ein Zoologischer Garten mit einem Jahresetat von 13 Millionen schon mit dieser Summe groß anfangen? Allein die von Peta geforderte Umsetzung der Delfine in eine geschützte Meeresbucht würde ein Vielfaches kosten – ganz abgesehen von folgender, nicht ganz unwichtiger Tatsache: So eine betreute Einrichtung existiert bislang gar nicht!

Kein Wunder also, dass die Tiergartenleitung nicht auf das Angebot eingeht. „Eine Gruppierung, die uns regelmäßig anzeigt, ist für uns kein Gesprächspartner“, zitiert nordbayern.de den stellvertretenden Zoochef Helmut Mägdefrau. Er verweist darauf, dass sich der Tiergarten auch nicht – wie von Peta behauptet – in einer prekären finanzielle Situation befinde. Mägdefrau führt außerdem Zahlen an, die für sich sprechen: An Wochenenden besuchen bein gutem Wetter oft 15.000 Zoogäste die Lagune, sie ist also bei vielen Zoobesuchern äußerst beliebt.

Anfang dieser Woche hatte Peta dem Duisburger Zoo der ebenfalls Große Tümmler hält, ein ähnliches Angebot unterbreitet. In beiden Fällen dürfte das Geld laut den Tierschutzaktivisten ausschließlich zur Verbesserung der Situation bereits vorhandener Zootiere verwendet werden. Die Summen, die von den Tierrechtlern geboten werden, stammen angeblich von privaten Spendern.

Kein Zoff um Delfine!

Delfinarium2Auch wenn es eine andere Nürnberger Tageszeitung heute auf ihrer Seite eins meldet: Es gibt nicht schon „wieder Zoff um Delfine“ im Nürnberger Tiergarten! Es gab gestern lediglich eine Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats. Dort wurde beschlossen, für 1,2 Millionen Euro das ehemalige Delfinarium II so weit instand zu setzen, dass es während der Ausbesserungsarbeiten an der Lagune als Ausweichquartier dienen kann. Diese Pläne sind seit Sommer bekannt.

Das war Ende der 1980er Jahre schon einmal der Fall. Damals diente die ungefähr 20 mal 30 Meter große Holzhalle mit zwei Rundbecken (siehe Foto), die sich über zwei Schleusen verbinden oder trennen lassen, als vorübergehende Behausung für Meeressäuger wähernd der Renovierung des alten, 1971 eröffneten Delfinariums. Später fanden dort Geburten von Delfinbabys und deren Aufzucht statt, außerdem konnte man einzelne Tiere bei Krankheit oder Streit kurzzeitig unterbringen, wenn es im alten Delfinarium zu eng wurde. Spätestens seit Eröffnung der Lagune war die Halle überflüssig.

Wenn sie während der Ausbesserung der Lagune wieder benutzt werden soll, benötigt sie ein neues Dach mit Wämedämmung. Große Tümmler könnten vorübergehend dort beherbergt werden, falls der Baulärm in der Lagune zu groß wird. Damit die Stadt die 1,2 Millionen nicht nur für diesen Notfall ausgeben muss, soll die Halle künftig auch anderweitig genutzt werden: zum Beispiel für  Kalifornische Seelöwen oder Pelikane während der Wintersaison.

Was ETT so alles behauptet…

LaguneNormalerweise stelle ich Artikel, die ich für die NZ geschrieben habe, nicht eins zu eins in mein Blog. Heute tue ich das ausnahmsweise, weil bei einer verknappten Darstellung die Argumente nicht genau genug wiedergegeben werden können. Also, es folgt – abgesehen von kleinen Änderungen – nun ein Artikel, der am Samstag im Lokalteil der NZ erscheint:

Sie möchte für ein Ende der letzten beiden Delfinarien in Deutschland eintreten: die Bewegung „Empty the Tanks“ (ETT). Sie hat für Samstag, 7. Juni, vor dem Tiergarten eine Demonstration gegen die Delfinlagune organisiert. Die Idee zur Bewegung „Empty the Tanks worldwide“ stammt von Rachel Carbary aus Seattle, einer „Sea Shepherd“-Aktivistin. „Sea Shepherd“ („Meereshirte“) ist eine Umweltschutz-Organisation, die für den Schutz der Meere, den Kampf gegen Walfang und Robbenjagd sowie gegen unverhältnismäßige Fischerei eintritt.
ETT fordert, Deutschland solle seine Gesetze ändern und „delfinariumfrei“ werden – so wie andere europäische Länder: die Schweiz, Kroatien, Estland, Irland, Lettland, Luxemburg, Österreich, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern. Ich habe die Fragen oder Vorwürfe von ETT gegen den Tiergarten und die Antworten von Tiergartendirektor Dag Encke gesammelt und gegenübergestellt.

ETT:
Man stand in Nürnberg vor der Entscheidung, sich von den Delfinen zu trennen, das vorhandene Delfinarium abzureißen oder zu investieren und den Zoo durch geplante Mehreinnahmen zu retten, denn die Besucherzahlen waren/sind rückläufig.
Encke:
Die Besucherstatistik widerlegt diese Behauptung. Die Besucherzahlen hatten 2010 und 2013 Einbrüche aufgrund schlechter Witterung, sind ansonsten seit dem Jahr 2000 stabil mit einem Mittelwert von 1 070 000 Besuchern pro Jahr.

ETT:
Der größte Anteil der bisher bekannten Gesamtkosten von 30 Millionen Euro wird scheinbar über Kredite finanziert, welche die Stadt Nürnberg vorgestreckt hat und vom Tiergarten zurückgezahlt werden sollen. Klappt dies nicht, muss die Stadt dafür aufkommen, da der Tiergarten eine städtische Institution ist. Bisher funktionierte die Rückzahlung des Kredits jedoch offenbar nur unter Zuhilfenahme von Rücklagen, die inzwischen laut aktuellen Presseberichten auf 600 000 Euro abgeschmolzen wurden. Gelingt es dem Tiergarten nicht, seine Einnahmen exorbitant zu erhöhen, sind auch die verbliebenen Rücklagen in ein bis zwei Jahren aufgebraucht, und das Finanzierungsmodell droht zusammenzubrechen.
Encke:
Der Tiergarten hat mit einer Direktzahlung aus seinen Rücklagen die Hälfte der Mehrkosten von 7 Millionen Euro bezahlt. Aus dem gesamtstädtischen Haushalt wurden die verbliebenen 3,5 Millionen Euro finanziert, da der Tiergarten selbst im Bauvorhaben keinerlei Mehrkosten verursacht hatte. Beim Bau von Lagune und Manatihaus handelt es sich um eine gesamtstädtische Entscheidung, die von der Stadt Nürnberg beschlossen und umgesetzt wurde. Die Rückzahlung des vom Stadtrat beschlossenen Kredits in Höhe von 19,5 Millionen Euro durch den Tiergarten läuft seit 2012 regulär ab, und zwar ohne Rückgriff auf die wieder steigenden Rücklagen.

ETT:
Bei der Finanzierung der Lagune im Nürnberger Tiergarten unterstützt der Steuerzahler Tierquälerei.
Encke:
Es wurde noch nie Tierquälerei bei den Delfinen in Nürnberg festgestellt. Tierquälerei ist ein justitiabler Begriff, der vorsätzliches und dauerhaftes oder wiederholtes Verursachen von Leiden für die Tiere voraussetzt. Die Unterstellung von Tierquälerei ist eine Verleumdung.

ETT:
Im Tiergarten Nürnberg leben acht Delfine. (Es werden aber in einem Dokument, das mir vorliegt, neun aufgezählt.)
Encke:
Falsch: Im Tiergarten gibt es aktuell zehn Große Tümmler! Es wurden Dolly und Donna vergessen, Nachzuchten von 2007 aus Duisburg, die seit Mai 2014 in Nürnberg leben. Dafür wird noch Rocco aufgelistet, der gar nicht mehr in Nürnberg lebt, sondern in Malaga.

ETT:
Weiß der Zoobesucher, dass in der Delfinlagune auch teilweise kranke Tiere täglich Vorführungen mitmachen müssen? Moby und Jenny sind nierenkrank und werden  künstlich mit Süßwasser ernährt.
Encke:
Kranke Tiere nehmen nicht teil. Die bei Moby angeführte Süßwassergabe aufgrund schwacher Nieren führt dazu, dass das Tier sich vollkommen normal verhält und eben wegen der Wassergaben ein gesundes Leben führen kann. Deswegen nimmt er natürlich auch genauso an den Vorführungen teil wie die anderen Tiere.

ETT:
Wenn der Tiergarten Nürnberg, wie er behauptet, alle Delfine in einer Gruppe hält, verstößt er gegen das Säugetiergutachten („Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom 7. Mai 2014“). Dieses besagt: „In einer Zuchtgruppe soll nur ein zuchtfähiges Männchen leben.“
Encke:
Die Haltung der Tümmler in Nürnberg wurde nach den Vorgaben des Säugetiergutachtens von 2014 genehmigt – ohne irgendwelche Beanstandungen. Es wurde sogar festgestellt, dass die Lagune für die Haltung von 18 erwachsenen Tümmlern zuzüglich Jungtiere geeignet wäre.

ETT:
Wissen Zoobesucher, dass es vor Nami keinerlei nennenswerten Delfin-Zuchterfolg im Tiergarten Nürnberg gab? Von 21 Geburten gelangen nur fünf Aufzuchten. Den aktuellsten Zuchterfolg gab es 2014, davor 1998! Große Tümmler unterliegen nicht dem Artenschutz, da sie nicht hoch bedroht sind. Deshalb gibt es hier keine Begründung für eine Zucht.
Encke:
Nach der EU-Zoorichtlinie ist der Einsatz von unbedrohten Tierarten bei entsprechendem Einsatz in der Zoopädagogik und Forschung als Beitrag zum Artenschutz klar definiert. Sonst dürften Zoos keine Tiere ohne Bedrohungsstatus mehr halten. Für alle Tierarten ist eine nachhaltige, also sich selbst erhaltende Population anzustreben. Dies ist bei Delfinen, die dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP angehören, der Fall. – In der ETT-Bilanz nicht berücksichtigt ist die Tatsache, dass in Nürnberg zwischen 2007 und 2012 die Delfinzucht unterbrochen wurde. Bei Sunny wurde erst im Herbst 2011 die Pille abgesetzt, Jenny und Anke bekommen sie nach wie vor. Auch von 1998 bis 2004 gab es keine Zuchtversuche.

ETT:
Delfintherapie – das ist eine höchst umstrittene Therapie ohne nachweislichen Erfolg. Eltern kranker Kinder sind verzweifelt. Es ist unseriös, ihnen für viel Geld Hoffnung zu machen.
Encke:
Es gibt nicht die Delfintherapie, sondern viele höchst unterschiedliche Ansätze von tiergestützten Therapien. Der Begriff ist nicht geschützt. In Nürnberg wird der Begriff „dolphin assisted therapy“ nur für die Methode, die Behinderungen und die Altersklassen von Kindern verwendet, für die signifikante Therapieeffekte nachgewiesen wurden. Diese publizierte Form der Therapie ist bis heute wissenschaftlich unumstritten. – Ein Geschäft wurde mit Therapien noch nie gemacht.

Ich denke, eine Organisation, die so schwere Vorwürfe gegen einen Zoo bzw. ein Delfinarium erhebt, und nicht einmal weiß, wie viele Delfine dort leben, disqualifiziert sich für jede ernsthafte Diskussion selbst. Aber immer schön Wirbel machen – wer die Lagune oder den Tiergarten nicht mag, wird´s schon glauben!

Er hat nach meiner Pfeife getanzt!

Nach meinem Beitrag über die themenbezogenen Präsentationen in der Lagune des Nürnberger Tiergartens hat sich einer meiner treuesten Leser und Kommentatoren gemeldet: Stephan Koch. Er hatte im „Blauen Salon“ ein Erlebnis, das er so schön fand, dass er es mit möglichst vielen anderen teilen möchte. Mir gefällt die Geschichte auch. Deshalb veröffentliche ich sie hier als Gastbeitrag.

taktErinnern wir uns an einen wundervollen Tag im Tiergarten. Ich war zusammen mit guten Freunden im zahlenmäßig gen Nachmittag hervorragend besuchten Tiergarten, und als sich der Tag dem Ende neigte, wurde es auch mal Zeit, sich ein wenig auszuruhen: Der Blaue Salon sollte es dieses Mal sein. Das Spiel zwischen den Großen Tümmlern und den Kalifornischen Seelöwen, die zusammen in der Lagune leben und miteinander interagieren, ist immer sehenswert.

Wenn man zudem ein bisschen Geduld investiert, dann kann man auch Geschichten erleben, kleine, aber prägnante Geschichten. Kaum war wieder ein bisschen Ruhe nach der letzten Präsentation der Großen Tümmler eingekehrt und die Kalifornischen Seelöwen wieder zu den atlantischen Tümmlern gelassen worden, da widmete ein Seelöwe seine ganze Aufmerksamkeit der kleinen Hand eines Mädchens jenseits der Unterwasserscheibe. Ganz freiwillig – ohne Konditionierungspfeife und ohne Fisch als Belohnung – schwamm das Tier nahe an die Scheibe und untersuchte das, was es sah. Sein Interesse steigerte sich noch, als die Mutter sich zur Kleinen hinunterbeugte, sie in den Arm nahm und einen bunten Stab aus Plastik hervorholte. Ich weiß nicht genau, was dieser Stab nun konkret war, aber das Ding steigerte die Neugier des Seelöwen ins Unermessliche – ebenso wie die Freude des kleinen Mädchens, das nun vergnügt quietschend die Scheibe von links nach rechts und von rechts nach links ablief, während der Seelöwe brav dem Stock folgte … und zwar solange, bis das Tier verstand, dass es sich drehen sollte, wenn die Kleine den Taktstock drehte.

Dieses Spiel ging über eine halbe Stunde lang. Wenn der verspielte Seelöwe Luft brauchte, tauchte er auf, holte Luft und tauchte zur Freude der Kleinen wieder ab. Ganz um sich dem Mädchen mit dem Spielzeug zu widmen und mit ihm zu tanzen, Blickkontakt zu halten und dem Kind einen ganz bezaubernden Tag zu schenken. Dieser Augenblick des Glücks ist einer von denen, die das kleine Mädchen niemals vergessen wird. Mit stolzer Brust wird es Freundinnen und später vielleicht seinen Kindern erzählen, dass ein Seelöwe in seinem Takt getanzt hat.

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Tiergarten geht auf Besucher zu

350_4NWHJAOIn der Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg geht man neue Wege: Es gibt jetzt Präsentationen mit den Großen Tümmlern zu bestimmten Themenbereichen. Besucher dürfen zum Beispiel Fragen stellen, die Tierpfleger klären das Publikum darüber auf, wie postitive Konditionierung funktioniert, wie die Delfine medizinisch untersucht werden usw. Und im „Blauen Salon“ (Foto) sieht man Delfine und Kalifornische Seelöwen aus einer ganz anderen Perspektive. Erklärungen zur Anatomie der Tiere werden durch die Nähe zu den Meeressäugern unmittelbar an der Unterwasserscheibe viel plausibler.

Weil bekanntlich nichts langweiliger ist als ein auswendig gelerntes Programm, kann das den Vorführungen nicht schaden – ganz im Gegenteil. Man hat ja in Nürnberg schon in den letzten Jahren bewusst den Zirkus-Charakter der Vorführungen vermieden, mehr auf Information gesetzt und sich so von den Shows abgehoben, die in vielen Aquarien und Vergnügungsparks  – vor allem in den USA – geboten werden.

Jetzt werden auch noch die Besucher stärker einbezogen. Und bekommen von kompetenten Ansprechpartnern direkt Antwort auf ihre Fragen. Von Tierpflegern und Trainern, die seit Jahren tagtäglich mit den Tieren arbeiten und sie kennen wie andere Menschen ihre Kinder oder Partner. Und die sich immer wieder mit unsachgemäßer Kritik und nicht zutreffenden Vorwürfen von Tierschutzaktivisten auseinandersetzen müssen, etwa von Peta oder dem WDSF. Diese Leute werden sich auch durch die neuen Präsentationen nicht den Wind aus den Segeln nehmen lassen, für sachliche Argumentation sind sie ja nicht eben berühmt. Aber für alle anderen Zoobesucher – auch die kritischen – öffnet sich der Tiergarten nun ein ganzes Stück. Das kann ihm nur gut tun, finde ich.

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Der Post SV hat ein Herz für Delfine

Delfin_BasketballAus dem Lager der Zoo-Gegner kommt immer wieder der Vorwurf, Zoos und Tiergärten existierten heutzutage praktisch nur noch um ihrer selbst willen. Und wegen einiger Ewig-Gestriger, die solche Einrichtungen besuchen – in einer Zeit, in der man längst überall dorthin reisen könnte, wo die im Zoo gezeigten Tiere in der Natur leben. Lassen wir diese abstruse Argumentation mal beiseite und gehen auf eine weitere Behauptung der Anti-Zoo-Front ein, die da lautet, Zoos seien isolierte Einrichtungen und nicht ins  soziale Umfeld ihrer Standorte eingebunden. Dass auch das nicht stimmt, zeigt unter anderem ein Beispiel aus Nürnberg. Hier hatte man beim Post SV in der Basketball-Abteilung vor ein paar Jahren eine gute Idee: Statt gebrauchte Basketbälle, die für den Einsatz in der Halle nicht mehr taugen,  auszurangieren und zu entsorgen, bringt man sie lieber in den Tiergarten. Dort freuen sich die Delfine und ihre Betreuer in der Lagune über diese Spielsachen zum Nulltarif. Große Tümmler sind wie Kinder grundsätzlich  neugierig auf alles, was ihnen zum Zeitvertreib angeboten wird.

Der Post SV macht außerdem mit seinen U 10-Mannschaften jedes jahr zum Abschluss der Saison mit allen Spielern und deren Eltern einen Ausflug an den Schmausenbuck, um gemeinsam den Tiergarten zu besuchen. Dabei beobachten alle Beteiligten mit Freude, wie sich Kai (auf dem Foto) und seine Delfinfreunde die ehemaligen Post SV-Bälle zuwerfen. Und das – auch wenn es Zoo-Gegner einfacch nicht glauben wollen – ganz freiwillig und ohne Drill.

Besucherrückgang im Tiergarten – woran liegt´s?

Der Tiergarten verzeichnet in diesem Jahr einen Besucherrückgang. Und ich wusste es: Sofort kommt wieder das alte Argument: Die Lagune ist schuld, weil sie angeblich den Eintrittspreis verteuert hat und weil obendrein viele Besucher die Delfinhaltung sowieso ablehnen.  Derzeit rechnet die Zooleitung für 2013 mit 985.000 Besuchern; das wäre das zweitschlechteste Ergebnis in den letzten zehn Jahren. Nur 2010 waren es mit 933.157 weniger. Damals gab es allerdings einen nachvollziehbaren Grund für die ausbleibenden Gäste: Mehrere Baustellen – allen voran die der „Lagune“ – sorgten für Schmutz, Lärm und ein nur wenig ansprechendes Ambiente, vor allem im Eingangsbereich des Tiergartens.

Doch schon 2011, im Eröffnungsjahr von Delfinlagune und Manatihaus, schien die Welt wieder in Ordnung: Über 1,22 Millionen strömten in den Zoo. Das war der zweitbeste Wert nach 2008, dem „Flocke-Jahr“ (1,28 Millionen). Die Rechnung der Verantwortlichen schien aufzugehen. Sie hatten mit 1,18 Millionen Besuchern jährlich kalkuliert, um die Kosten für die Lagune wieder hereinzubekommen. Allerdings wurde diese Marke mit 1.095.482 Besuchern bereits 2012 nicht erreicht. Damals führte man – wie jetzt auch – das maue Ergebnis auf das schlechte Wetter zurück. Die verregneten Oster- und Pfingstferien waren nicht mehr hereinzuholen.

Bei Besucherbefragungen punktet der Tiergarten vor allem mit Landschaft, Delfinen und Sauberkeit. Negativ beurteilt das Publikum, dass es keine Elefanten mehr gibt. Auch große Krokodile und Riesenschlangen werden vermisst, viele Besucher möchten außerdem mehr Affen sehen. Kritisch wird die Beschilderung eingestuft, die aktueller sein könnte. Immer wieder wurden auch leerstehende Gehege moniert, etwa bei den Wölfen, Brillenbären und Braunbären. Das Wolfsgehege wird nach dem Tod von Wölfin Cora jetzt für Luchse umgestaltet.

Im Sommer hat auch der Leipziger Zoo im Großraum Nürnberg plakatiert. Während manch einer mutmaßte, die Sachsen hätten dem Tiergarten Konkurrenz machen wollen, sieht die Tiergartenleitung das anders: Einige Leute seien dadurch überhaupt erst auf die Idee gekommen, mal wieder in den Zoo zu gehen – und zwar nicht unbedingt in Leipzig, sonedrn in Nürnberg.

Zwei neue Delfine in Nürnberg

Im Delfinarium des Nürnberger Tiergarten schwimmen seit heute zwei neue Delfine: die beiden Bullen Rocco und Kai. Sie kamen  aus dem niederländischen Delfinarium Harderwijk an den Schmausenbuck . Es sind keine Wildfänge, sondern wurden beide in Delfinarien geboren.
Rocco wird demnächst acht Jahre alt und kam in Harderwijk zur Welt. Bereits seine Eltern wurden in Zoos geboren – in England und den USA . Kai kam im  August 2010 ebenfalls in dem holländischen Delfinarium zur Welt und ist der Sohn der Nürnberger Delfindame Nynke, die im September 2008 vom Tiergarten an Harderwijk abgegeben worden war.
Nach acht Stunden Fahrt erreichten Rocco und Kai heute in den frühen Morgenstunden ihren Bestimmungsort Nürnberg. Auf ihrer Reise wurden sie von einem Tierarzt und Tierpflegern betreut. Eine knappe Stunde nach ihrer Ankunft schwammen sie ihre ersten Runden im Becken des Delfinariums und nahmen von einem vertrauten Pfleger aus Harderwijk  schon die erste Mahlzeit an. In den nächsten Tagen werden für die Zoobesucher unterschiedlich viele Delfine in der Lagune zu sehen sein: Alle acht Becken, sowohl im Delfinarium als auch in der Lagune, werden genutzt, um die Tiere aneinander zu gewöhnen.
Mit dem gleichen Spezialtransporter, mit dem Kai und Rocco nach Nürnberg gereist waren, verließ heute früh der kräftige, 22 Jahre alte Delfin Joker den Schmausenbuck in Richtung Harderwijk. Der Austausch wurde durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm bestimmt. Joker ist mittlerweile in Harderwijk angekommen und schwimmt bereits in der Freianlage. Der Große Tümmler war im November 2008 aus dem Heidepark Soltau nach Nürnberg gelangt. Er soll in Harderwijk für Nachwuchs sorgen.  Schon kurz nach seiner Ankunft hat er mit großem Appetit 1,5 Kilogramm Fisch gefressen.

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