Delfine aus dem EEP wurden noch nie ausgewildert

Mein Artikel in der „Nürnberger Zeitung“ über den Protest der Tierrechtler-Organisation PETA gegen Delfin-Umsiedlungen nach Lanzarote, über den ich hier auch geschrieben habe, ist auf großes Interesse gestoßen. PETA-Sympathisanten aus dem ganzen Bundesgebiet haben  reagiert. Darunter waren ganz offensichtlich gesteuerte Mails mit zum Teil mit fast identisch lautenden Sätzen. Verschiedene Absender haben mir  eine falsche Berichterstattung unterstellt und behauptet, Delfine aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP seien durchaus immer wieder ausgewildert worden. Dies kann ich eindeutig widerlegen.

Der im Nürnberger Tiergarten tätige Meeresbiologe Lorenzo von Fersen ist für den Verein Yaqu Pacha auch international zuständig für den Schutz von Säugetieren, die im Wasser leben. Er hält wenig von betreuten Meeresbuchten, wie PETA sie fordert. Denn die Großen Tümmler würden auch dort irgendwo gegen eine Absperrung stoßen. Die Größe eines solchen „Sanctuarys“ könnte ja bei weitem nicht den bis zu 150 Kilometern entsprechen, die Tierrechtler immer für ein artgerechtes Leben von Delfinen reklamieren.

Bliebe also letztlich nur das Auswildern als Lösung, wenn man der Argumentation von PETA folgen würde, die eine Haltung von Delfinen innerhalb des EEP als „Gefängnis“ brandmarkt. Lorenzo von Fersen bestätigt meine bisherigen Beiträge: „Delfine aus dem EEP wurden noch nie ausgewildert.“ Das wäre sogar kontraproduktiv. Die IUCN, die sozusagen als Papst unter den einschlägigen Gremien gilt, ist weltweit zuständig für die Richtlinien bei der Auswilderung von Tieren. Sie lehnt darin diese Maßnahme bei Großen Tümmlern ab. Für eine Auswilderung Großer Tümmler gibt es auch gar keinen Anlass. Diese Delfine gehören nicht zu den bedrohten Arten. Und: Einige wenige EEP-Tümmler stammen noch aus Wildfängen vor Florida oder Kuba – zum Beispiel der mit seinen inzwischen etwa 55 Jahre alte Moby im Tiergarten Nürnberg.  Tiere wie er und seine Nachkommen haben im Mittelmeer nichts zu suchen.

Dass eine Auswilderung gründlich daneben gehen kann, hat der Fall des Schwertwals aus dem Film „Free Willy“ gezeigt. Die Aktion kostete Millionen – am Ende war er tot. Auch Auswilderungen, die der jetzige Tierbefreiungsaktivist und einstige „Flipper“-Trainer Rick O’ Barry anregte, haben nicht funktioniert.  Die Tiere waren nicht auswilderungsfähig. Bisher gibt es keine Auswilderung von Delfinen, deren Erfolg dokumentiert ist.

PETA – einmal mehr unglaublich!

delfinphilippkahWieder einmal geben sie eine Pressemitteilung heraus, und wieder einmal merken sie gar nicht, wie sie sich selbst ein Ei damit legen: die Tierrechtler von PETA. Diesmal kritisieren die „Überführung“ von vier Delfinen aus Nürnberg und Duisburg auf die Ferieninsel Lanzarote. Vor einer Woche waren die Großen Tümmler Noah und Kai aus dem Tiergarten sowie Darwin und Diego aus dem Zoo Duisburg auf die Kanareninsel Lanzarote geflogen worden. Dort sollen die vier in einer „Junggesellen“-Gruppe zusammenleben. Für PETA-Vertreter ist der Umzug in den Rancho Texas Park gleichbedeutend mit einem Transport „von einem Gefängnis ins nächste“.

PETA zufolge kämpfen Tierschützer auf Lanzarote seit zwei Jahren gegen ein Delfinarium in dem Park. Die Organisation hatte dem Tiergarten und dem Duisburger Zoo vor wenigen Wochen einen eigenartigen Vorschlag unterbreitet und vorgeschlagen, die Delfine in ein betreutes Meeresgehege umzusiedeln. Ein solches könne auf der griechischen Insel Lipsi entstehen. Bei dieser Einrichtung handelt es sich um eine abgezäunte Meeresbucht, die aber erst realisiert werden müsste. Die Idee, solche Schutzräume im Meer zu schaffen, ist nicht neu. So hat das Dolphin Research Centre (DRC) bereits vor einiger Zeit eine derartige Zone geschaffen. Pikanterweise hat PETA in der Vergangenheit schon gegen das DRC quergeschossen. Außerdem müssten die Delfine auch in dieser beschützten Bucht am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) teilnehmen. PETA kritisiert aber gerade, „dass die Meeressäuger unter dem Vorwand des EEP hin- und hergeschoben werden“. Tiere, die im EEP erfasst sind, kann man jedoch gar nicht auswildern!

Weiter prangert PETA an: Statt sich „ihre Artgenossen selbst auszusuchen, werden die Delfine in dem spanischen Freizeitpark in eine Sozialstruktur gepresst“. Dabei übersehen die Aktivisten allerdings eines: Auch frei lebende Tümmler gehören Sozialstrukturen an, die sie nicht auswählen können. Die Tiere werden vielmehr dort hinein geboren, so wie wir Menschen in eine Familie hinein geboren werden. Oder bei der Jagd auf ihre Beutetiere – auch da sind Delfine auf eine bestimmte Gruppe von Artgenossen angewiesen. In der Mitteilung von PETA ist vieles unvollständig, verdreht dargestellt oder so hingebogen, dass es irgendwie für die selbsternannten „Tierschützer“ passt. Folgender Satz ist allerdings korrekt: „Im Ozean schwimmen Delfine täglich bis zu 150 Kilometer und tauchen mehrere hundert Meter tief.“ Dazu kann ich nur eines sagen: Sie tun das nicht aus purem Vergnügen, sondern lediglich, um zu überleben. Das ist mittlerweile bekannt – aber wohl noch nicht bis zu PETA durchgedrungen!

Wieder machen zwei Delfine aus Nürnberg die Fliege

delfine_lanzaroteIm Netz schwirrte die Meldung schon am Samstag herum: Die beiden Delfine Noah und Kai aus der Lagune im Tiergarten Nürnberg sind nach Lanzarote umgezogen. Mit im Flieger: die zwei Großen Tümmler Diego und Darwin aus dem Zoo Duisburg. In ihrer neuen Heimat auf der spanischen Insel, dem Rancho Texas Park, werden sie nun alle vier in einer „Junggesellen-WG“ leben. Der Umzug erfolgte in Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Die vier Delfine wurden von zwei Tierpflegern aus Nürnberg und Duisburg begleitet. Außerdem waren eine Tierärztin und drei Trainer aus Lanzarote mit an Bord der Chartermaschine. Das vertraute Pflegepersonal wird noch eine Zeitlang bei den Großen Tümmlern aus Deutschland bleiben, um ihnen die Eingewöhnung in der neuen Umgebung zu erleichtern. Der Rancho Texas Park  ist ein modernes, neu gebautes Delfinarium. Mit dieser Einrichtung pflegen die beiden deutschen Zoologischen Gärten schon jetzt Kontakt, der künftig noch vertieft werden soll. In dem Tierpark auf der beliebten Ferieninsel wird – ebenso wie in Nürnberg und Duisburg – bei der Delfinhaltung Wert auf wissenschaftliche Forschung und Information der Besucher gelegt.

Übrigens ist keiner der vier Tümmler-Junggesellen ein Wildfang, sie wurden vielmehr alle in europäischen Delfinarien geboren: Noah kam im November 1993 in Nürnberg auf die Welt, Kai im August 2010 im Delfinarium Harderwijk (Niederlande); er lebte seit Juni 2013 in Nürnberg. Diego und Darwin sind Nachzuchten des Zoos Duisburg aus dem Jahr 2011. Vor kurzem erst hat der Tiergarten Nürnberg die beiden Großen Tümmler Arnie und Naomi abgegeben, die man nun an der Algarve besuchen kann.

Auf der Internetseite Isla Sin Corrupción wurden Fotos von der Landung des Flugzeugs in San Bartolomé gezeigt, dazu war folgender Text zu lesen:

CUATRO DELFINES LLEGAN EN AVIÓN A LANZAROTE. Acaban de llegar al aeropuerto lanzaroteño de Guacimeta (San Bartolomé), en el vuelo BBD254 de un avión de carga procedente de Nuremberg (Alemania), cuatro delfines que irán destinados al parque temático del Rancho Texas (Tías). Los delfines han llegado en cajas completamente cerradas. En las fotografías que adjuntamos se observa la descarga de esos estanques especiales en los que han volado los delfines hasta nuestra isla.