Besucherrückgang im Tiergarten – woran liegt´s?

Der Tiergarten verzeichnet in diesem Jahr einen Besucherrückgang. Und ich wusste es: Sofort kommt wieder das alte Argument: Die Lagune ist schuld, weil sie angeblich den Eintrittspreis verteuert hat und weil obendrein viele Besucher die Delfinhaltung sowieso ablehnen.  Derzeit rechnet die Zooleitung für 2013 mit 985.000 Besuchern; das wäre das zweitschlechteste Ergebnis in den letzten zehn Jahren. Nur 2010 waren es mit 933.157 weniger. Damals gab es allerdings einen nachvollziehbaren Grund für die ausbleibenden Gäste: Mehrere Baustellen – allen voran die der „Lagune“ – sorgten für Schmutz, Lärm und ein nur wenig ansprechendes Ambiente, vor allem im Eingangsbereich des Tiergartens.

Doch schon 2011, im Eröffnungsjahr von Delfinlagune und Manatihaus, schien die Welt wieder in Ordnung: Über 1,22 Millionen strömten in den Zoo. Das war der zweitbeste Wert nach 2008, dem „Flocke-Jahr“ (1,28 Millionen). Die Rechnung der Verantwortlichen schien aufzugehen. Sie hatten mit 1,18 Millionen Besuchern jährlich kalkuliert, um die Kosten für die Lagune wieder hereinzubekommen. Allerdings wurde diese Marke mit 1.095.482 Besuchern bereits 2012 nicht erreicht. Damals führte man – wie jetzt auch – das maue Ergebnis auf das schlechte Wetter zurück. Die verregneten Oster- und Pfingstferien waren nicht mehr hereinzuholen.

Bei Besucherbefragungen punktet der Tiergarten vor allem mit Landschaft, Delfinen und Sauberkeit. Negativ beurteilt das Publikum, dass es keine Elefanten mehr gibt. Auch große Krokodile und Riesenschlangen werden vermisst, viele Besucher möchten außerdem mehr Affen sehen. Kritisch wird die Beschilderung eingestuft, die aktueller sein könnte. Immer wieder wurden auch leerstehende Gehege moniert, etwa bei den Wölfen, Brillenbären und Braunbären. Das Wolfsgehege wird nach dem Tod von Wölfin Cora jetzt für Luchse umgestaltet.

Im Sommer hat auch der Leipziger Zoo im Großraum Nürnberg plakatiert. Während manch einer mutmaßte, die Sachsen hätten dem Tiergarten Konkurrenz machen wollen, sieht die Tiergartenleitung das anders: Einige Leute seien dadurch überhaupt erst auf die Idee gekommen, mal wieder in den Zoo zu gehen – und zwar nicht unbedingt in Leipzig, sonedrn in Nürnberg.

Zoo-Plakate, wohin man schaut

„Zwergflusspferde schwimmen nicht. Sie machen Aqua-Jogging“. So lautet einer der Slogans auf Plakaten, mit denen der Zoo Leipzig derzeit in verschiedenen Städten Nordbayerns wirbt – unter anderem auch in Nürnberg. Wollen die Sachsen jetzt dem Tiergarten Konkurrenz machen?  Der hat in diesem Sommer ebenfalls eine Plakat-Offensive gestartet, zusammen mit einer neuen Werbeagentur.

Das Ergebnis ist derzeit an verschiedenen Bus-, Straßen- und U-Bahn-Haltestellen im Stadtgebiet zu sehen. Das Motiv mit dem Eisbären, der abgekämpft in den Seilen hängt und für einen Tiergartenbesuch anstelle eines Biergartenbesuchs plädiert, hängt seit einigen Wochen an „City-Lights“-Plakatwänden. Jetzt kommt noch ein weiterer Aushang hinzu: Unter dem Motto „Bauch – Beine – Po“ machen Gorilla Fritz, ein Flamingo und ein Zebra für „ihren“ Tiergarten Reklame.
Die Nürnberger Tiergartenleitung ist davon überzeugt, dass die gleichzeitige Werbung beider Zoos sogar Synergieeffekte mit sich bringt. Wenn der Leipziger Zoo in Nürnberg wirbt, sieht man das hier als Werbung für die „Marke Zoo“ schlechthin. Die Plakate sollen auf Zoos im allgemeinen aufmerksam machen. In Nürnberg räumt man aber ein, dass sich die Kollegen in Sachsen mit Öffentlichkeitsarbeit leichter tun als. Der Werbeetat des Tiergartens wurde von einst 500 000 Euro auf Null gesenkt. Der Zoo Leipzig verfügt über Werbemittel, mit denen der Nürnberger nicht mithalten kann.
Die Presseabteilung in Leipzig hat meine Anfrage, wie hoch diese Mittel sind, allerdings nicht beantwortet. In der Mail aus Leipzig heißt es nur, der Zoo sei „eine Freizeiteinrichtung mit überregionaler Ausrichtung“, der in seinem Kommunikationsmix auch entsprechende überregionale Plakatkampagnen habe – „vorwiegend in Regionen, die als Tagesausflugsziel in Frage kommen“.

Eins, zwei – was ist im Ei?

Die Frage, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei, hat schon so manchen Philosophen beschäftigt. Nun sind Forscher der Frage nachgegangen, was im Ei drin ist. Da wird der eine oder andere meiner Leser sagen: Was soll schon drin sein – ein Küken natürlich. Tja – mit so einer Antwort gibt sich ein echter Wissenschaftler nicht zufrieden; zumindest nicht an der Uni Leipzig. Dort haben sie jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem man bestimmen kann, welches Geschlecht das Küken hat – und zwar schon bevor es geschlüpft ist.

Sollte jemand glauben, in Leipzig wüssten ein paar ehrgeizige Biologen gar nicht mehr, was sie noch alles erforschen sollen und hätten sich sich deshalb diese neue Aufgabe vorgenommen – dann kann ich das zwar nachvollziehen. Doch es sieht so aus, als würde in dem betreffenden Institut Forschung durchaus anwendungsbezogen betrieben. Die Antwort auf die Frage, welches Geschlecht das Küken im Ei hat, bevor es die Schale geknackt hat, soll dem kleinen Vogel tatsächlich nützen und ihm Leid ersparen.

Wie das?, höre ich schon wieder den einen oder anderen ungeduldigen Leser. Ganz einfach: Wenn man vorher weiß, ob das Küken männlich oder weiblich ist, kann man die männlichen Exemplare früher aussortieren und töten als bisher – bereits vor dem Schlüpfen, zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch kein Schmerzempfinden entwickelt haben. Männliche Tiere umzubringen – ja, bei Küken ist das gang und gäbe! Sie eignen sich nämlich weder zur Zucht noch zur Hähnchenmast. Deshalb werden jedes Jahr 40 bis 50 Millionen Küken in Deutschland getötet, sobald sie aus dem Ei gekrochen sind. In der Regel verwendet man dabei Kohlendioxid – die männlichen Küken werden also vergast.

An der Universität Leipzig hat eine Tierärztin im Zuge ihrer Doktorarbeit das neue Verfahren der frühzeitigen Geschlechtsbestimmung entwickelt: Durch ein winzig kleines Loch in der Eierschale entnimmt man dem Embryo einen Tropfen Urin und untersucht die darin enthaltenen Geschlechtshormone. Bei dieser Methode landen die Forscher in 98 Prozent aller Fälle einen Treffer. Das heißt, die Geschlechtsbestimmung ist fast immer korrekt.

Die Professorin, bei der die Tierärztin promoviert, betont: Noch wisse man nicht, ob die Embryonen irgendwie weitervermarktet werden könnten. – Na dann!! Schöne neue Welt, mehr möchte ich dazu gar nicht mehr sagen.

Er heißt Baru!

Das muss man dem Leipziger Zoo wirklich lassen: Er versteht es wie kaum ein anderer Zoologischer Garten in Deutschland, die Werbetrommel zu rühren und die Aufmerksamkeit der Medien zu gewinnen. Durch die Zoo-Doku „Elefant, Tiger & Co.“ des MDR hat der Zoo auch deutschlandweit eine ungeheuere Popularität erreicht.

Auch die Geburt eines Schabrackentapirs im Februar  – der erste Tapirnachwuchs im Leipziger Zoo seit dem Jahr 1929 – haben die Leipziger äußerst geschickt und publikumsträchtig vermarktet. Wochenlang lief eine Aktion, bei der man Namensvorschläge für das Tierbaby machen konnte. Über verschiedene Foren im Internet fanden sich Fans auf der ganzen Welt für das niedliche Tapirbaby. So gingen schließlich 4500 Vorschläge für einen Tapirnamen ein.

Schließlich wurde sogar eine Jury eingesetzt, die aus den vielen Ideen die schönsten auswählte. Und aus den vier, die am Ende noch zur Auswahl standen, konnte sich der kleine Tapir nun selbst seinen Namen aussuchen – wiederum äußerst medienwirksam vor laufenden Kameras. Die Pfleger schrieben die Anfangsbuchstaben der vier Vorschläge jeweils auf einen Apfel. Das Tapirbaby schnüffelte erst und entschied sich schließlich für das Obst mit dem großen B darauf.

B stand für Baru, und auf diesen Namen wurde der Kleine schließlich getauft. Baru ist ein Begriff aus dem Indonesischen und bedeutet so viel wie „der Neue“.

Als im vergangenen Jahr im Tiergarten Nürnberg ein Schabtrackentapirbaby zur Welt kam, versuchte man auch, ein großes Interesse in der Öffentlichkeit zu erreichen: Die Kleine bekam den Namen Pinola. Doch selbst als der Namensvetter, der beliebte Spieler des 1.FC Nürnberg, das Tier besuchte, blieb die Publicity auf den Großraum Nürnberg beschränkt. Aber das passt ja irgendwie zur fränkischen Mentalität: lieber nicht zu viel Aufsehen um sich machen, den Ball immer schön flach halten!

 

Ungebetener Hausgenosse

Manche Tiergeschichten sind so schön, dass man sie kaum glauben kann. So auch die folgende: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat einen neuen Hausbewohner – einen Waschbären. Ja, stimmt tatsächlich.

Das Tier hat sich auf einem Sims unter Vorsprüngen an der Fassade des Gerichtsgebäudes häuslich eingerichtet. Dort schläft es seit einigen Tagen, und es schläft vor allem auch tagsüber. Denn Waschbären sind nachtaktiv. Und obwohl sie ursprünglich in Nordamerika heimisch waren, trifft man immer öfter auch in Mitteleuropa auf diese Tierart. Vor allem in Großstädten sind sie keine Seltenheit mehr. Dort finden sie in Gärten Früchte und Gemüse, und ganz  besonders haben sie es auf Speisereste aus dem Müll abgesehen.

Warum das Tier sich ausgerechnet das Bundesverwaltungsgericht ausgesucht hat, weiß niemand so genau. Man vermutet, dass der Waschbär im nahegelegenen Park auf Futtersuche war und sich dann einen geeigneten Schlafplatz gesucht hat. Waschbären können sehr gut klettern, sogar Dachrinnen sind ihnen nicht zu glatt.

Quoll-Babys, ach wie süß!

Eine Woche ist vergangen seit dem Pressetermin im Duisburger Zoo, wo vor einigen Wochen drei Delfinbabys das Licht der Welt erblickt haben, wie hier ausführlich berichtet. Und – was haben die Journalisten draus gemacht? Wenig, würde ich mal sagen. Zumindest was die großen Presseagenturen betrifft, die sonst das Thema Delfine ausschlachten wie kaum ein anderes. Außer Fotos kam nichts – nur ein ganz kurzer Text über dpa, verschwindend wenig im Vergleich zu den seitenweisen Meldungen über den Tod von Delfinen in den verschiedenen Delfinarien. So viel zur Berichterstatung von Nachrichtenagenturen, die eigentlich zu einer objektiven Berichterstattung verpflichtet wären.

Dieselben Agenturen reißen sich dagegen geradezu ein Bein aus, wenn sie Neuigkeiten über den Leipziger Zoo absetzen. Egal, was in dem – zugegeben: tollen – Zoo passiert: Die Medien überschlagen sich regelrecht, allen voran der MDR, der sich zum Haus-Fernsehsender des Zoos entwickelt hat.

Während also die Weltsensation der drei Delfinbabys in Duisburg schön klein gehalten wurde, berichtet dpa über den neuesten Nachwuchs in Leipzig doch recht ausführlich: Dort gibt es sechs junge Tüpfelbeutelmarder. Es sind die ersten Tierbabys, die in der neuen Tropenhalle „Gondwanaland“ zur Welt gekommen sind. Tüpfelbeutelmarder – der Name verrät es Tierfreunden schon – stammen aus Australien, genauer gesagt von der Insel Tasmanien; nur dort kommen sie heute noch in freier Natur vor. Man kennt diese Art auch unter dem Namen Quoll, und ich muss sagen, die Tierchen sehen wirklich süß aus.

Der Zoo Leipzig kann sich damit rühmen, die einzigen Quolls außerhalb Australiens zu halten und bei der nicht einfachen Zucht dieser Tierart erfolgreich zu sein. Allerdings bleiben die Kleinen für die Besucher vorerst noch unsichtbar: Die ersten 100 Tage haben sie den Beutel der Mutter nicht verlassen, und um ihnen Stress zu ersparen, hält man die Babys weiterhin unter Verschluss.

Aber ich bin sicher: Sobald die Mini-Quolls dem Publikum präsentiert werden, erfahren wir es alle rechtzeitig – dank Journalisten, die dem Leipziger Zoo mehr als nur gewogen sind.

Wenn Beutelratten alt werden

Gerade erst war sie in der neu eröffneten Tropenhalle “Gondwanaland” des Leipziger Zoos nach mehrmonatiger Abstinenz ans Licht der Öffentlichkeit zurückgekehrt, schon macht sie die ersten Negativ-Schlagzeilen:  Das schielende Opossum Heidi zeigt angeblich erste Alterserscheinungen. Hat jedenfalls die „Bild“-Zeitung behauptet, und wenn die irgendeinen tierischen Laut von sich gibt, müssen sich Zoo-Verantwortliche hinterher leider von den Nachrichtenagenturen dazu befragen lassen. Anscheinend muss bei denen auch ein riesengroßes Sommerloch gefüllt werden.

Nun könnte man natürlich fragen, warum ich dann auch noch auf das Thema aufspringe. Aber es ist leider immer so eine Sache: Tut man es nicht, heißt es, man ist nicht auf dem neuesten Stand der Dinge. Tut man es, macht man sich derselben Sensationsgeilheit verdächtig, die das Springer-Blatt kennzeichnet.

Also: Heidi soll unter Rückenschmerzen leiden. Das liegt wohl auch einfach daran, dass die Beutelratte bereits dreieinhalb Jahre auf dem Buckel (!) hat, und mit dem Alter kommen bekanntlich die Wehwehchen. Heidis Artgenossen in freier Wildbahn werden nur ganz selten so alt – und vor allem auch nicht so fett, wie Heidi es war, bevor sie von Dänemark nach Leipzig umzog. Dort musste sie bekanntlich erst mal abspecken. Aber ihr einstiges Übergewicht rächt sich jetzt eben.
Sollte der sächsische Zoo für die Zukunft mit süßen Babys von Heidi geliebäugelt haben, die schließlich noch mehr Publikum ins anscheinend permanent überfüllte  „Gondwanaland“ gelockt hätten, so musste er diese Hoffnung mittlerweile fahren lassen. Für Nachwuchs ist Heidi schlichtweg zu alt. Sie lebt jetzt auch nicht mehr mit ihrem Partner Teddy zusammen, nur noch mit ihrer gleichaltrigen Schwester Naira. Das ist auf jeden Fall stressfreier für sie.