Neue Bewohner im Luchsgehege

Um zwei neue Bewohner des Nürnberger Tiergartens beobachten zu können, muss man schon ein bisschen Geduld mitbringen – und ein gutes Auge. Am besten beides. Denn das Luchs-Zwillingspaar – Kater Dayon und seine Schwester Desari (sie ist auf dem Bild zu sehen, Foto: Tiergarten Nürnberg) ist noch etwas scheu. Die beiden ziehen sich noch häufig in versteckte Winkel des Freigeheges am Schmausenbuck zurück. Es lohnt sich aber, genug Zeit mitzubringen oder ein paarmal am Gehege vorbeizushauen, wenn es auf Anhieb nicht geklappt hat, sie zu entdecken. Ein Tipp: Vom Aussichtspunkt oberhalb der Anlage aus hat man die besten Chancen.

Dayon und Desari stammen aus dem Zoo Liberec (Tschechien), wo sie im Mai 2017 geboren wurden. Sie sind im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) in den Tiergarten Nürnberg gekommen. Mancher Stammbesucher fragt sich wahrscheinlich, was mit den drei Luchs-Weibchen passiert ist, die bislang im Luchsgehege lebten. Hier ist die Antwort: Sie wurden an das „Centro Fauna Selvatica Il Pettirosso“ abgegeben, das ist ein Naturschutz- und Bildungszentrum bei Modena (Italien).

Wer von den Zweillingen Dayon und Desari dauerhaft in Nürnberg bleibt, steht noch nicht fest. Für einen der beiden Luchse ist der Tiergarten nur eine Zwischenstation. Die EEP-Pläne sehen so aus, dass ein Paar zusammengestellt wird, das genetisch zueinander passt. Die Leitung des Nürnberger Tiergartens betont, dass man Luchse vor allem im Sinne  des Artenschutzes hält. Sie sollen eine Werbung für die heimischen Luchse sein, die durch Wilderei in einigen Gebieten Deutschlands im Bestand bedroht sind.

Herrliche Raubkatze nicht mehr akut bedroht

PardelluchsWahnsinn, was das für ein tolles Tier ist: Der Pardelluchs (Lynx pardinus), auch unter dem Namen Iberischer Luchs bekannt, weil seine Heimat Spanien und Portugal ist, wo er in offenen Buschlandschaften lebt. Er ist etwas kleiner als der bei uns wieder ansässige eurasische Luchs. Ich finde ihn einfach umwerfend schön, mit seiner ungewöhnlichen Zeichnung. Und jetzt kommt die gute Nachricht: Dieses Tier, das bis vor kurzem noch als die am stärksten vom Aussterben bedrohte Raubtierart der Welt galt, beginnt sich in seinem Bestand zu erholen. Die Bemühungen in Spanien und Portugal zur Rettung dieser Raubkatzen haben sich also gelohnt.

Nach einem Bericht des Förderprogramms Life+Iberlince gab es Ende des vergangenen Jahres in Spanien und Portugal 404 Pardelluchse – das sind rund 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Vergleicht man die neuen Werte mit denen aus dem Jahr 2002, als der Bestand auf unter 100 Exemplare gesunken und die Art akut vom Aussterben bedroht war, dann hat sich die Zahl der Iberischen Luchse seitdem vervierfacht – ein großer Erfolg! Der WWF wertet die gute Entwicklung als Hoffnungsschimmer für eines der weltweit am stärksten bedrohten Säugetiere, warnt aber: Die Zukunft des Pardelluchses sei noch längst nicht gesichert.

Die Zahlen wurden auf einem  Expertentreffen in Sevilla vorgestellt. Dort wurden auch die größten Gefahren für diese Tiere genannt. Das ist zum einen der Straßenverkehr: Vergangenes Jahr wurden demnach zehn Luchse von Autos angefahren bzw. totgefahren, 2014 waren es noch etwa doppelt so viele. Zum anderen bedroht eine Krankheit die Luchse – wenn auch indirekt: In bestimmten Gegenden Südspaniens sterben Wildkaninchen an deren Folgen, und da diese Beutetiere die Hauptnahrung der Pardelluchse sind, droht den Raubkatzen Futtermangel. Sie ziehen dann in andere Gebiete weiter.

Alles in allem aber ein Lichtblick, und das in einer Zeit, wo fast täglich eine weitere Tierart in ihrem Bestand als gefährdet gilt.