Bizarr, bizarr!

Sie sehen fast aus, als seien sie künstlich: knallbunt und bizarr geformt. Aber es sind echte Tiere, die jetzt von Forschern auf Madagaskar entdeckt wurden: zwei Riesenstabschrecken. Auch ihre Größe ist beeindruckend. Sie erreichen über 20 Zentimeter Körperlänge und gehören damit zu den größten Insekten der Welt. Ihr Aussehen ist eigentlich schon seit 15 Jahren bekannt, die Wissenschaftler konnten aber jetzt erst nachweisen, dass es sich bei den Schrecken um eigene Arten handelt. Präsentiert werden die Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift „Frontiers in Ecology and Evolution“ (Fotos: Frank Glaw/SNSB-ZSM/dpa).

Das Besondere an den neuen Arten, die „Achrioptera manga“ und „Achrioptera maroloko“ benannt wurden: Im Gegensatz zu anderen Stabschrecken tarnen sich die Männchen nicht als unscheinbare Äste, sondern zeigen sich auffallend farbenprächtig. Das wundert auch die Forscher, weil die wichtigste Überlebensregel für Stabschrecken eigentlich lautet: Mach´dich  unsichtbar, sonst wirst du gefressen! Nun vermuten die Wissenschaftler, dass die Schrecken vielleicht mit der Blätternahrung Pflanzengifte aufnehmen, die sie in ihrem Körper bunkern und mit ihrer Farbenpracht die Fressfeinde davor warnen, dass sie ungenießbar sind. Die beiden neuen Arten sind allerdings hauptsächlich nachts aktiv, deshalb macht die auffällige Färbung eigentlich gar nicht viel Sinn.

Und genau das ist es, was ich an der Tierwelt so liebe: Sie lässt sich nicht immer und überall enträtseln, manches bleibt einfach geheimnisvoll – toll!

Bleiben dieser Schildkröte nur noch 20 Jahre?

Ich hätte ja gerne – passend zur Ferien- und Feiertagsstimmung vor Ostern – über ein erfreulicheres Thema geschrieben. Aber die Meldung über eine aussterbende Schildkrötenart in Madagaskar kann ich nicht einfach übergehen.

Die Strahlenschildkröte kommt ausschließlich auf der ostafrikanischen Insel vor. Diese Tiere können bis zu 20 Kilogramm schwer werden, ihr Panzer kann eine Länge von 40 Zentimetern erreichen. Seit längerem warnen Tierschützer davor, dass die Art vom Aussterben bedroht ist. Bislang war man davon ausgegangen, dass die seltenen Tiere in etwa 45 Jahren verschwunden sein werden. Doch nun wurde dieser Zeitraum korrigiert: Die Schildkröten könnte es nach neuesten Einschätzungen nur noch 20 Jahre lang geben.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen schrumpft der Lebensraum der Tiere vor allem durch Abholzen und Überweidung atemberaubend schnell. Außerdem werden immer mehr Strahlenschildkröten gefangen und verzehrt. Die Menschen in Madagaskar leiden unter so bitterer Armut, dass sie sich kein anderes Fleisch leisten können und deshalb auf das Schildkrötenfleisch zurückgreifen. Früher wurde es bei den einheimischen Stämmen nur zu Festen serviert und war sonst tabu. Auch die Panzer dieser Schildkrötenart mit ihren strahlend verlaufenden gelben Linien – daher kommt auch der Name Strahlenschildkröte – sind sehr begehrt. Auf dem Schwarzmarkt werden für einen Panzer Preise von bis zu mehreren Tausend Euro geboten.

 

Findige Frosch-Forscher

Das ist doch mal eine positive Meldung: Deutsche Forscher haben auf Madagaskar 130 neue Froscharten – vielleicht sogar 200 – entdeckt. Bisher ging man davon aus, dass auf der Insel im Indischen Ozean knapp 250 verschiedene Froscharten leben. Diese Zahl erhöht sich nun beträchtlich durch die gründliche Arbeit einer Gruppe Biologen um den Braunschweiger Professor Miguel Vences. Sie haben keine Mühe gescheut, in der Regenzeit unter widrigsten Bedingungen mehr als 2800 Amphibien an 170 verschiedenen Orten auf Madagaskar zu analysieren. Eine derart vollständige Bestandsaufnahme existierte bisher nicht.

Viele Tier- und Pflanzenarten gibt es nur auf dieser Insel, sonst nirgends auf der Welt. Wissenschaftler nennen das ein „endemisches Vorkommen“. Unter den neuen Fröschen sind einige, die wiederum nur in einzelnen, winzigen Waldstücken leben. So zum Beispiel diese Neuentdeckung, die zur Gattung Platypelis gehört und auf Madagaskar höchstwahrscheinlich nur auf einer Fläche von lediglich 100 mal 100 Metern existiert. Dieser Frosch ist schwarzweiß und zweieinhalb Zentimeter groß.

Die große Freude der deutschen Entdecker wird allerdings gleich wieder geschmälert durch die Sorge um die unsichere Lage auf der Insel: Nach den Fortschritten, die es in letzter Zeit in ökologischer Hinsicht auf Madagaskar gab, sind nun wieder viele Lebensräume der Tiere bedroht: durch unerbittliches Abholzen von Wäldern.