Wieder Eisbärenbabys im Nürnberger Tiergarten

WurfhöhleFreude im Tiergarten Nürnberg: Eisbärin Vera, die Mutter von Flocke, hat am 2. Dezember in ihrer Wurfhöhle wieder zwei Babys zur Welt gebracht. Nach den Aufnahmen der Überwachungskamera zu urteilen, sind die Kleinen gesund und munter. Leider ist die Qualität des Standbildes der Videokamera nicht gut. Ich möchte es meinen Lesern trotzdem nicht vorenthalten. Interessanter sind die bewegten Bilder. Der Tiergarten hat ein Video auf seine Homepage gestellt, das zeigt, wie sich Vera um ihre Babys kümmert, sie ableckt usw. Das Video ist hier zu sehen.
Nun heißt es mitfiebern: Wird es diesmal klappen, dass Vera ihren Nachwuchs allein aufzieht und die Bärchen gesund bleiben? Vor zwei Jahren hatte Vera ebenfalls zwei Junge geboren, die sich unter der Fürsorge ihrer Mama zunächst gut entwickelten. Doch nach drei Wochen wirkten die beiden auf den Videoaufnahmen plötzlich immer schwächer. Die zwei starben kurz hintereinander – wie sich später herausstellte, waren sie von gefährlichen Darmparasiten (Kokzidien) befallen worden.
In diesem Jahr haben die Tierpfleger Vera schon seit Monaten an die Geburtshöhle in den Sandsteinfelsen des Eisbärengeheges gewöhnt. Sie haben den Stall mit den beiden etwa fünf Quadratmeter großen Wurfboxen  dick mit Stroh ausgelegt. Vera wurde seit  Herbst regelmäßig darauf trainiert, bei verschlossener Tür in der Höhle zu fressen. Sie hat gelernt, dass ihr nichts passiert und dass sie ganz entspannt bleiben kann, wenn die Tür zu ist. Seit 15.  November haben die Pfleger den Stall verschlossen gelassen, weil alles darauf hindeutete, dass die Geburt bald bevorstehen würde.
Ein dicker Strohballen vor der Tür soll das Licht und alle Geräusche abschirmen, die von außen in die Eisbären-Kinderstube dringen und Vera womöglich nervös machen könnten. Vera soll absolute Ruhe genießen, wie  in einer Wurfhöhle im Polareis.
Eine Videokamera hat die Geburt eines der beiden Babys am 2. Dezember um 3.35 Uhr nachts aufgezeichnet. Als das andere zur Welt kam,  lag Vera mit dem Rücken zur Kamera. Eisbärenjunge wiegen bei der Geburt nur etwa 500 Gramm, sind also etwa so groß wie ein Meerschweinchen. Vera kümmert sich bisher gut um die Kleinen. Die Eisbärenmama ist in diesem Winter extrem kräftig. Sie hat sich im Herbst einen richtigen Speck angefressen.
Im Dezember  2007 hatte Vera  Flocke zur Welt gebracht. Auch damals schien  das Baby gut zu gedeihen. Doch dann schleppte die Eisbärenmutter, die offenbar durch ein Kamerateam in ihrer Ruhe gestört wurde, ihr Baby aus der Wurfhöhle. Die Bilder, wie Vera das kleine Fellbündel im Maul trug und immer wieder fallen ließ, gingen um die Welt. Die Tiergartenleitung entschied schließlich, Flocke von vier Pflegern aufziehen zu lassen – wochenlang wurde  in den Medien über das Schicksal des Eisbärenbabys berichtet.
Seit April  lebt Flocke bekanntlich im  „Marineland“ in Antibes an der Cote d’Azur, wo sie am 11. Dezember drei Jahre alt wird. Sie teilt sich das Gehege dort  mit ihrem Gefährten Rasputin. Die zwei waren zwischenzeitlich für ein paar Wochen getrennt, weil sie sich nicht mehr gut verstanden; doch inzwischen herrscht wieder eitel Sonnenschein in dieser Eisbärenfreundschaft.

Flocon und Raspoutine vor der Premiere

Was macht eigentlich Flocke? Wie geht es ihr und Rasputin in ihrer neuen Heimat in Südfrankreich? Aus dem „Marineland“ in Antibes hört man bisher noch nichts. Die beiden Nürnberger Eisbären waren dort zwar wohlbehalten eingetroffen, wie hier berichtet, doch seitdem herrscht Funkstille zwischen Nürnberg und der Côte d´Azur.

nice-matin-ours-polaires-30-avril-2010Ich habe daher ein wenig in der französischen Presse gestöbert und bin fündig geworden: Im „Nice Matin“, der Zeitung, die in Nizza erscheint, gab es am 30. April einen größeren Artikel über Flocke und Rasputin – die nun „Flocon“ und „Raspoutine“ heißen. Und da zeigt sich ein interessantes Phänomen: In dem Blatt ist nicht unsere „Flogge“ der Star, sondern Rasputin, der auch im Bild gezeigt und als ein für seine zwei Jahre „schon sehr beeindruckender Eisbärenmann“ bezeichnet wird. Flocke Superstar – das war einmal, zumindest in diesem Artikel hat Rasputin ihr den Rang abgelaufen. Aber das kann sich ja noch ändern in den nächsten Wochen.

Am 7. Mai, so heißt es in der Zeitung weiter, sollen die beiden Eisbären im „Marineland“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bisher waren sie zur Eingewöhnung nur im Innengehege untergebracht, unsichtbar für die Besucher. Die einzigen Menschen, zu denen sie derzeit Kontakt haben, sind  ihre Pfleger.

Doch die Freianlage wird vorab schon den schillerndsten Farben beschrieben: 2200 Quadratmeter „Tundra“-Landschaft, Wasserfälle, Meerwasserbecken mit einer konstanten Wassertemperatur von 14 Grad, klimatisierte und verschneite Höhlen – alles einzigartig in Europa. Heiße Mittelmeer-Sommer müssten Flocke und Rasputin nicht fürchten, dafür sorge ein ausgeklügeltes Klimatisierungs-System.
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Wir vergessen Dich nie, Flocke!

adeflockeJetzt ist es also wirklich so weit: Unsere „Flogge“, auf die wir so stolz waren, hat Nürnberg verlassen. Am Donnerstagnachmittag wurden Flocke und ihr Eisbärenfreund Rasputin in einen Spezialtransporter verladen. Wenig später ging die Fahrt nach Südfrankreich los.

Schon vor ein paar Tagen hatten Flocke-Fans zum Abschied am Eisbärengehege im Nürnberger Tiergarten diese Luftballons angebracht und auf die Scheibe geschrieben: „Servus, ade“ und „Au revoir“ in Antibes. Unser NZ-Fotograf Hagen Gerullis hat das natürlich im Bild festgehalten. Über den tatsächlichen Abreisetermin der prominenten Eisbärin und ihres Gefährten hatte der Tiergarten, um Presse- und Besucherrummel zu vermeiden, strenges Stillschweigen bewahrt. Boulevard-Zeitungen hatten hanebüchene Berichte veröffentlicht, entweder mit Falschmeldungen über den Transporttermin oder mit der unverschämten Behauptung, der Tiergarten  lasse die zwei Eisbären heimlich wegbringen.

In Antibes werden Flocke und Rasputin im Meeres-Themenpark „Marineland“ einziehen. Wenn wir Nachricht haben, ob die beiden gut an der Côte d´Azur angekommen sind, werde ich das natürlich gleich vermelden.

Flocke geht weg – Kritik am Tiergarten

Unsere «Flogge» verlässt Nürnberg bald. Mit dieser Entscheidung können sich manche Eisbären-Fans nur schwer anfreunden. Der Tiergarten steht bei ihnen in der Kritik, weil er angeblich sein Zugpferd gehen lässt. Und auch das «Marineland» in Antibes  (Südfrankreich), wo Flocke eine neue Heimat finden soll, halten einige für keine gute Wahl. Was ist dran an den Vorwürfen?

Er verliert die Geduld nicht, wenn er immer wieder aufs Neue erklären muss, warum die beliebte Eisbärin nicht am Schmausenbuck bleiben kann: Der stellvertretende Zoochef Helmut Mägdefrau verteidigt die Entscheidung des für Eisbären zuständigen Koordinators im Europäischen Erhaltungszucht-Programm (EEP), dass Flocke und Rasputin an die Côte d’Azur ziehen sollen. Im EEP wird europaweit geplant – lokale Vorlieben für ein bestimmtes Zootier kann da niemand berücksichtigen.

flockerasputinAußerdem betont die Tiergartenleitung, dass sie es für eine sehr gute Lösung hält, wenn Flocke mit ihrem Gefährten Rasputin (beide auf nebenstehendem Foto)  weiter zusammenbleibt, nachdem sich die beiden so gut aneinander gewöhnt haben. Dem Argument, Berlin hätte sich niemals von Knut getrennt wie Nürnberg nun von Flocke, weil man in der Hauptstadt auf eine solche Besucherattraktion nicht verzichten würde, hält Mägdefrau Folgendes entgegen: In Nürnberg hat Flocke zwar in ihrem ersten Jahr für ein Besucher-Plus von 19 Prozent gesorgt, im zweiten, als sie kein knuddeliges Baby mehr war, aber nicht mehr.

Mittlerweile kursiert über das «Marineland» das Gerücht, es sei eine Einrichtung, die mit enormem Energieaufwand betrieben werde. Dieser Zoo in Antibes hat sich auf Meeresbewohner wie Orcawale, Delfine, Robben, Haie, Pinguine und Seewasserfische spezialisiert. Kürzlich hat sich eine Frau aus Nürnberg verärgert an den Artenschutzbeauftragten des World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland gewandt: Ausgerechnet Flocke, die zur «Botschafterin für den Klimaschutz» auserkoren wurde, gehe in einen «vollklimatisierten» Zoo. – Hat der Tiergarten versäumt, sich vorher in Sachen Klimaschutz über die Einrichtung zu informieren?

«Nein», sagt Mägdefrau und holt ein wenig aus. Für Eisbären werde in Antibes gerade die europaweit einzige Meerwasser-Anlage gebaut. Die funktioniert so: Man pumpt Wasser aus der Tiefe des Meeres, das ganzjährig eine konstante Temperatur von 14 Grad Celsius hat, und leitet es in die Eisbären-Anlage. Die Innenställe der Bären werden laut Mägdefrau zwar eine Klimaanlage besitzen, «aber nur für den Notfall, zum Runterkühlen, wenn es mal zu heiß wird». Aus dem Zoo San Diego wisse man jedoch, dass dies unter ähnlichen klimatischen Bedingungen so gut wie nie nötig sei – die «Weißen Riesen» bleiben bei großer Hitze einfach draußen.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung, Eisbären bräuchten es kalt, hat man in Nürnberg ganz anderes beobachtet: Flocke und Rasputin, ebenso wie Vera, lieben die Wärme. «Selbst in der brütenden Mittagshitze legen sie sich auf die heißen Felsen in ihrer Anlage und sonnen sich. Da sind sie wie die Deutschen in Rimini», scherzt Mägdefrau.

Zurück zur Frage des Klimaschutzes im «Marineland» Antibes: Dort sei vor einem Jahr eine neue Abteilung für umweltfreundliches Zoo-Management eingerichtet worden, erzählt der Tiergarten-Vize. Der Zoo habe begonnen, mit Photovoltaik zu arbeiten und lasse Hybridfahrzeuge über sein Gelände fahren.

Flocke und Rasputin ziehen nach Südfrankreich

Bei meiner Anfrage gestern im Tiergarten, ob unsere berühmte Eisbärin Flocke tatsächlich Nürnberg verlassen wird, wollte man mir noch nicht verraten, in welchen Zoo Flocke  umsiedeln wird. Die Information, dass Flocke weggeht, sollte eigentlich erst zu einem späteren Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gelangen. Deshalb bin ich froh, dass man mir doch einiges zu dem Thema gesagt hat. Und das, obwohl der Tiergarten noch keinen endgültigen Bescheid von den Koordinatoren des Europäischen Erhaltungszucht-Programms hatte. 

Jetzt ist aber alles amtlich. Also: Flocke und Rasputin sollen Anfang nächsten Jahres nach Antibes in Südfrankreich umziehen, in den  Zoo „Marineland“ an der Cote d´Azur. Das „Marineland“ wird von der weltweit tätigen Gesellschaft Parques Reunidos betrieben. Und diese Gesellschaft richtet im „Marineland“ gerade die bisher einzige Meerwasser-Anlage für Eisbären ein – das neue Zuhause für Flocke und Rasputin. Da kann man den beiden nur wünschen, dass sie dort leben werden wie Gott in Frankreich!