Zum Abreagieren für Hundehasser

Beim Thema Hunde scheiden sich ja bekanntlich die Geister: in Hundehalter, die alles für ihre Schützlinge tun würden, und Hundehasser, die sich entweder über die üblen Hinterlassenschaften der „blöden Köter“ aufregen oder über die bösen Tiere, die Jogger oder – noch schlimmer: Kinder – anfallen. In Nürnberg ist das Thema in den letzten Wochen wieder einmal hochgekocht – soweit dieser Ausdruck in dem Zusammenhang überhaupt möglich ist. 13 000 Hunde produzieren dort pro Jahr 18 000 Tonnen Kot, das hat der städtische Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör) errechnet – macht eine Tagesration von vier bis fünf Tonnen. Und die Hundebesitzer? Die meisten scheren sich offenbar einen Dreck drum und sind kaum bereit, die Häufchen – oder, je nachdem, auch Haufen – aufzusammeln. „Wofür zahle ich schließlich Hundesteuer?“, ist ein Satz, den man oft zu hören bekommt, wenn man einen Hundebesitzer auf das Thema anspricht.

Wer sich darüber so richtig ärgert, der kann bald Luft ablassen. Denn in Deutschland erscheint nach den vielen Zeitschriften für Hundeliebhaber nun die erste für Hundehasser. „Kot & Köter“ heißt das Blatt, das der freie Journalist Wulf Beleites aus Hamburg herausgibt. Der Hundefeind war in den 90er Jahren immer wieder Gast in verschiedenen Talkshows und hat schon vor über 20 Jahren sein Zeitschriften-Projekt angekündigt, das er jetzt realisiert hat. Das Geld für die erste Ausgabe, die in einer Auflage von 1000 Exemplaren erscheint, hat Beleites im Internet bei Unterstützern gesammelt. Möglich wurde das mit Hilfe der Plattform Krautreporter.de. Das Heft kostet 7,80 Euro, und Beleites will jedes Jahr vier Ausgaben in einer Auflage von jeweils 5000 Stück herausbringen. Das neue Printerzeugnis soll am Freitag in Hamburg vorgestellt werden.

Die Autoren haben „eindeutig etwas gegen die Vierbeiner und ihre Halter“, lässt Beleites auf der Internetseite von „Kot und Köter“ wissen. In der ersten Nummer behandelt ein Artikel zum Beispiel die „Kleine Phänomenologie des Nuttenpudels“; er beschreibt die „bedingungslose und schamfreie Allianz zwischen Pudel und Rotlicht“. Das Heft enthält u. a. auch eine Hassschrift über Möpse, was ich persönlich besonders geschmacklos finde. Denn wie sagte  schon Loriot: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“

Großer Tierschützer wird 90

Natur- und Umweltschutz – das war in den 1970er Jahren bei uns noch ein Fremdwort. Doch nicht für ihn: Horst Stern. Der berühmte TV-Journalist, Tierfilmer und Schriftsteller wird am Mittwoch, 24. Oktober, 90 Jahre alt.

Ich erinnere mich noch gut an seine Sendung „Sterns Stunde“, die in den 1970er Jahren in der ARD lief. Darin brachte er dem Publikum Haus- und Wildtiere auf neuartige Weise näher. Immer achtete er darauf, Tiere nicht zu vermenschlichen. Ähnlich wie bei Bernhard Grzimeks „Ein Platz für Tiere“ hing ich damals vor der Glotze und verpasste keine Folge der Serie.

Schon frühzeitig kritisierte Horst Stern scharf den gedankenlosen Eingriff des Menschen in die Natur und berichtete über die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen. Er warnte früher als andere vor dem Waldsterben, prangerte beispielsweise den Ausbau des Main-Donau-Kanals an oder berichtete über Tiere in der Pharmaforschung.  Gerechtigkeit für Tiere und Umwelt hat er sich dabei stets auf die Fahnen geschrieben und damit – sowie mit seinen beeindruckenden Filmaufnahmen von Tieren – Millionen von Fernsehzuschauern begeistert. Weniger bekannt dürfte sein, dass er im Jahr 1975 einer der Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) war – unter anderem zusammen mit Bernhard Grzimek. Übrigens war Stern nicht von Haus aus Journalist, sondern gelernter Bankkaufmann.

Aus der aktuellen Fernsehberichterstattung hat Stern sich Mitte der 1980er Jahre ausgeklinkt. Aber er arbeitet als Schriftsteller weiter, der Bücher wie „Jagdnovelle“ , „Kopfliebe“ oder „Das Gewicht einer Feder“ schrieb. Er lebt jetzt in Passau und hat sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen (deshalb stammt obiges dpa-Foto auch aus dem Jahr 1997). Auch alle Interview-Wünsche anlässlich seines 90. Geburtstags hat er abgelehnt.

 

 

"Wetten, dass…" und der tote Hund

Das war komplett überflüssig: Ein Hund ist bei der ZDF-Premieren-Sendung „Wetten, dass…“ mit Markus Lanz ums Leben gekommen – nur weil wieder einmal unbedingt lebende Tiere in einer TV-Show auftreten mussten.

Der vierjährige Toypudel namens Monarch war Teil einer Wette: Eine Hundefriseurin hatte behauptet, sie könne durch das Ertasten von Hundehaaren die Rasse bestimmen. Dabei fasste sie mit verbundenen Augen in Gefäße, die mit Hundehaaren gefüllt waren. Für diese Wette hielt sich der Pudel zusammen mit anderen Hunden im Saal auf – obwohl das eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, denn die Hundehaare befanden sich ja wie gesagt in einem Gefäß. Nach der Wette sprang „Monarch“ von einer Bank. Bei diesem Sprung stieß er sich am Kopf und verlor das Bewusstsein. Obwohl er gleich von einem Tierarzt versorgt wurde, konnte sein Leben nicht mehr gerettet werden.

Der Tierschutzbund hat meiner Meinung nach völlig zurecht kritisiert, dass für eine Wette Hunde auf die Bühne geholt wurden. Ich bin auch überzeugt, dass das nicht notwendig war. Grelles Scheinwerferlicht, die vielen unbekannten Leute im Publikum und der Lärm, der zum Beispiel beim tosenden Applaus und beim Trampeln der Zuschauer entsteht, sind einfach keine geeignete Umgebung für Tiere. Auch wenn die Tierbesitzerin der Meinung war, der Pudel sei durch die Teilnahme an Hundeausstellungen an solche Situationen gewöhnt gewesen und hätte mit der Situation umgehen können. Offenbar stand das Tier halt doch unter Stress – und musste mit seinem Leben dafür bezahlen.

 

"Die Bucht": Jagd auf Delfine liefert Diskussionsstoff

Schon bevor der Film bei uns überhaupt angelaufen ist, löst er heftige Diskussionen aus. In allen möglichen Fernsehsendern und im Internet wurde eifrig und umfangreich vorberichtet: „Die Bucht“ („The Cove“) von Louie Psihoyos und Ric O`Barry ist ein Öko-Thriller, der grausame, blutrünstige Bilder zeigt von der traditionellen Treibjagd auf Delfine in Taiji (Japan). Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Film klagt nicht nur das grausige Abschlachten der Tiere an. Er rechnet auch mit denen ab, die nach Ansicht der Macher verantwortlich sind für das Riesengeschäft, das weltweit mit Delfinen, Delfin-Shows und Delfinarien läuft.

Ric O`Barry hat in den 60er Jahren die Delfine für die Serie „Flipper“ trainiert. Seitdem gehören Delfine auf der ganzen Welt zu den meistgeliebten Tieren. Später distanzierte sich O`Barry davon. Er engagiert sich seit Jahrzehnten gegen den Delfinfang und die Geschäftemacherei mit Delfinen. Auch in dem Film „Die Bucht“, der das Thema mit den Mitteln eines Thrillers spannend inszeniert.

Die Frage ist aber, ob der Film die Delfinarien nicht zu pauschal über einen Kamm schert. Seriöse Delfinarien, die in Zoos betrieben werden, halten keinen einzigen Delfin, der aus solchen Treibjagden stammt. Diese Zoos verurteilen die Delfin-Treibjagden ebenso wie der Film. Viele betreuen Artenschutz-Projekte für Meeressäuger in verschiedenen Regionen der Welt. „Wir lassen uns ungern mit einem Delfinarium vergleichen, das einfach nur ein paar Tiere für Touristen in einen Pool schmeißt“, sagt der Direktor des Nürnberger Tiergartens, Dag Encke. Nach den Ankündigungen, die vorab über „Die Bucht“ liefen, meint er, die Vorwürfe gegen Delfinarien seien zu undifferenziert.

Und was ist Ihre Meinung?

Live vom großen Flocke-Auftritt

Reporter.JPGDie Eigentümerin dieses Blogs ist mit Fernglas und Handy bewaffnet (Bild: Fengler) zum großen Auftritt des kleinen Eisbär-Mädchens Flocke in den Tiergarten abgedüst. Ute Wolf hat da keine Hände mehr frei, um auch noch live zu bloggen. Macht nichts! Da übernehme ich das ausnahmsweise und transferiere die Worte der großen Tiergarten-Fachfrau in ihr Blog.

14.20 Uhr: Testanruf von Ute: „Wollte nur mal sehen, ob das mit dem Handy funktioniert.“ Dazu muss man wissen, Ute benutzt das NZ-Diensthandy, ansonsten verwendet sie solch neumodisches Zeugs nicht (aber Blogs schreiben!). Außerdem berichtet sie noch: „Der Kollege von der AZ hat mir geraten, die Telefonseelsorge anzurufen.“ Offenbar hat Ute im Tiergarten einen ziemlich aufgeregten Eindruck gemacht. Wie soll es da erst der kleinen Flocke ergehen, wenn selbst erwachsene Menschen derart abgehen?

14.45 Uhr: „Da sind zwei Peta-Leute über den Zaun gestiegen und schreien was von Tierquälerei.“ Gut verstehen könne man sie aber nicht, berichtet Ute. Sie ist, wie die mehr als 400 anderen Journalisten, ziemlich sauer auf das ZDF. Damit der Sender seine Sendezeit für die Serie „Nürnberger Schnauzen“ einhalten kann, muss Flocke nämlich noch drinnen bleiben und die Journalisten müssen unnötig warten. Die zwei Tierschützer sind während des Telefonats noch von Ordnern zurückgeholt worden.

14.55 Uhr: Nachdem es die zwei Tierschutzaktivisten geschafft haben, über den Zaun zu steigen, machen sich die Journalisten jetzt Sorgen, irgend ein Durchgeknallter könnte einen Anschlag verüben. Ute sieht das eher gelassen. „Für Flocke würde ich sterben“, sagt sie. Ich bin gerührt. Dass Tierliebe so weit gehen kann!

15.00 Uhr: Ute ist happy. Sie hat eine Parkscheibe mit integriertem Münzfach und Gurtschneider, aber vor allem mit dem Bild von Flocke, ergattert. „In meiner Lieblingsfarbe blau.“ Die Parkscheibe wird demnächst auch im Handel erhältlich sein.

15.05 Uhr: Flocke ist draußen. „Wie ein kleiner Hund hängt sie am Bein von Steffi Krüger dran.“ Steffi Krüger ist eine der Tierpflegerinnen. Außer ihr ist auch Revierleiter Harald Hager und ein ARD-Fernsehteam mit Flocke im Gehege. Ute sieht kaum etwas. „Die Fotografen versperren hier alles.“

15.10 Uhr: Flocke hat einen Ausflug zum Wasserfall unternommen und ein paar Schluck getrunken. „Sie schaut richtig sauber aus“, freut sich Ute. „Ganz weiß, wie mit Perwoll gewaschen.“

15.20 Uhr: „Jetzt hat sie sich hinter dem großen Baumstamm versteckt.“ Zunächst hat Flocke versucht, am Baum hochzuklettern. Aber das klappte noch nicht. OB Ulrich Maly, „ganz leger gekleidet“, ist mittlerweile auch eingetroffen und gibt Interviews. Ute überlegt, wie sie Flocke wissen lässt, dass sie diejenige ist, die immer über sie bloggt. Ihr ist aber noch nichts Richtiges eingefallen. „Ich hoffe da auf die Zukunft.“

15.30 Uhr: Flocke ist ins Wasser gesprungen und schwimmt ein paar Runden. Ute hat sich mit Ralf Schedlbauer unterhalten. Er war bislang der einzige, der Flocke fotografieren durfte. Das ist nun auch vorbei. Schedlbauer nimmt es gelassen und wird sich halt künftig wieder anderen Aufgaben widmen.

15.35 Uhr: Ute hat, während Flocke im Gehege herumtollt, mit OB Maly gesprochen. „Ein richtig neugieriges Eisbärbaby“, zeigte sich der Oberbürgermeister begeistert. Er hofft jetzt nur, dass das mit dem Besucheransturm nicht gar so schlimm wird und Unmut aufkommt, weil nicht jeder Flocke gut genug zu Gesicht bekommt.

15.40 Uhr: Bis 17 Uhr dürfen die Journalisten dem kleinen Eisbären zuschauen. Dann ist Schluss. Ute wird schon ein bisschen eher gehen müssen. „Ich habe für heute abend Theaterkarten.“ Dummerweise hat sich das mit dem Theaterbesuch nicht anders terminieren lassen. Und schreiben für die NZ-Druckausgabe muss sie ja auch noch.

15.45 Uhr: Die ersten Besucher gehen schon. Ihnen reicht es jetzt. „Ich gehe dann auch“, kündigt Ute an. „Schweren Herzens.“ Dann bleibt sie aber doch noch: „Gerade spielt Flocke mit der Pflegerin und hat die Pfoten auf sie drauf gelegt.“…

15.50 Uhr: Ute macht sich auf den Weg in die Redaktion. „Ich hoffe, dass ich Flocke bald einmal von näher sehe, wie die Stadträte auch.“ Bekanntlich haben die Nürnberger Städträte bereits vor den Journalisten Flocke aus nächster Nähe sehen dürfen. Nicht allen ist das gut bekommen. 50 der 70 von Bürgermeister Horst Förther eingeladenen Volksvertreter sind übrigens der Einladung gefolgt. Ute wird sich Flocke nach dem Theater noch einmal in Ruhe vor dem Fernseher anschauen. „Ich habe mir das natürlich aufnehmen lassen.“