Kein Zusammenhang zwischen Evas und Mikes Tod

Zwei tote Tiere innerhalb von zwei Tagen im Nürnberger Delfinarium, erst Seelöwe Mike und gestern das Delfinweibchen Eva: Das ließ einen Zusammenhang befürchten  – etwa, dass Viren oder Bakterien eine Krankheit verbreitet hätten. Doch diese Sorge scheint nun vom Tisch: Nach Untersuchungen der beiden Kadaver im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen gibt es keinen Zusammenhang. Mike starb demnach am Montag an einem Herz-Kreislaufversagen, Eva am Mittwoch an einer Gehirnentzündung, die letztlich auf Altersschwäche zurückzuführen ist. In ihrer Lunge, den Nieren und der Bauchspeicheldrüse wurden altersbedingte Befunde festgestellt.

Immerhin hatte Eva 40 Jahre auf dem Buckel – ein biblisches Alter für einen Großen Tümmler, das diese Tiere in der Natur nicht erreichen. Dort liegt die mittlere Lebenserwartung von Delfinen bei 25 Jahren. Und: Eva hat immerhin vier Jungtiere zur Welt gebracht und großgezogen: Naomi (die hier auf dem Foto mit ihrer Mutter abgebildet ist) und Nemo, die derzeit in Harderwijk (Niederlande) leben, Nando, der nach Münster abgegeben wurde und Noah, der nach wie vor im Nürnberger Tiergarten lebt.

Vor ein paar Monaten haben sich immer mal wieder altersbedingte Schwächen bei Eva gezeigt, aber sie erholte sich wieder. Auf ihre Trainer und Pfleger machte sie den Eindruck, fit zu sein wie früher. Bereits vor zwei Wochen erlitt sie jedoch etwas, das man bei Menschen wohl als „körperlichen Zusammenbruch“ bezeichnen würde. Gestern wollte sie nichts mehr fressen, zog aber weiter ruhig und gleichmäßig ihre Runden durch das Becken im Delfinarium. Bis sie plötzlich auf den Beckenboden hinunterschwamm und Probleme hatte, wieder aufzutauchen. Als eine Pflegerin ins Wasser sprang und an die Oberfläche holte, war Eva schon tot.

Einen Zusammenhang zwischen dem Tod beider Tiere schließen die Verantwortlichen schon deshalb aus, weil Mike sich die ganze Zeit im Hauptdelfinarium aufhielt,  Eva dagegen im 300 Meter entfernten, für die Besucher nicht zugänglichen Nebendelfinarium.

Boulevard entdeckt Sex im Tiergarten

„Sex sells“ – das mag in der Medienbranche in den meisten Fällen schon stimmen. Dass aber zwei Boulevardblätter heute ausgerechnet den am Montag plötzlich gestorbenen Seelöwen Mike  für eine Sex-Skandal-Geschichte hernehmen, finde ich nun wirklich einfach lächerlich! Da muss ja wirklich totale Flaute im Nachrichten-Pool herrschen!

„Zu viel Sex im Delfinarium – Seelöwe Mike (19) ist tot!“, titelt heute die Nürnberger „Abendzeitung“. Seine Liebe zu den Damen sei Mike zum Verhängnis geworden, die Paarungszeit habe ihn schlichtweg überfordert und zu einem Herz-Kreislaufversagen bei dem 285 Kilo schweren Bullen geführt.

Während die „Abendzeitung“ wenigstens „Zu viel“ noch korrekt auseinanderschreibt, schafft die „Bild“ selbst das nicht. Sie verzichtet zwar erstaunlicherweise auf eine richtig große Schlagzeile und macht die Mike-Geschichte im Vergleich zur „AZ“ noch vergleichsweise bescheiden auf. „Zuviel Sex“ heißt es dort relativ klein, eingebettet in den Rand eines Kastens, der um den Artikel herum gezogen ist. Dann geht es aber im typischen „Bild“-Stil weiter: „Jetzt ist das stolze 285-Kilo-Tier tot: Herzinfarkt-Drama im Tiergarten – wegen zuviel Sex!“

Und das alles nur, weil der Tiergarten Nürnberg eine Pressemitteilung über Mikes Tod mit einem auf den ersten Blick ganz harmlosen Satz herausgegeben hatte: „Ein gehäufter Zeitraum für Todesfälle ist die Paarungszeit, in der die Bullen oft tagelang die Nahrungsaufnahme einstellen und voll und ganz mit der Brunft beschäftigt sind. Dies ist jährlich die kräftezehrendste Zeit für einen haremsführenden Seelöwenbullen.“

Wie man journalistisch korrekt mit dem Tod von Mike umgeht, zeigt dagegen der Artikel von Stephanie Siebert in der „Nürnberger Zeitung“.