Ein Video und die Folgen

Ein Video der Tierschutzorganisation Peta wirbelt die Textilindustrie durcheinander. Es zeigt grausamste Tierquälerei, die zur Herstellung von Angora-Kleidung an der Tagesordnung ist: In China wird Angora-Kaninchen das Fell vom lebendigen Leib gerupft – die Tiere schreien dabei vor Schmerzen. Laut Peta stammt 90 Prozent der Angora-Wolle auf der ganzen Welt aus China. YouTube Preview Image
Die großen Textilketten C&A sowie H&M haben angekündigt, keine Angora-Produkte mehr unter diesen Bedingungen herstellen zu lassen. Man möchte natürlich nicht als Marke dastehen, die sich am unsäglichen Leid von Tieren bereichert. Das ist ja schön und gut – aber ich frage mich: Waren die Vertreter der beiden Handelsketten, die sich nun von der schlechten Behandlung der Tiere distanzieren, wirklich ahnungslos? Konnten sie im Ernst annehmen, bei den Preisen, für die sie Angora-Wolle einkaufen, würden die Kaninchen nach den Vorschriften des Tierschutzes gehalten? Genau das gaben sie in ihren Stellungsnahmen aber an: Sie hätten bei den im Auftrag ihrer Unternehmen angefertigten Angora-Produkten nichts von Verstößen gegen den Tierschutz gewusst. Das ist der Gipfel der Scheinheiligkeit!

Für wie naiv halten diese Leute eigentlich uns Verbraucher? Offenbar gibt es in Deutschland eine tierschonende Angora-Produktion, bei der die Kaninchen sorgsam geschoren werden. Aber die Menge an Wolle, die dabei gewonnen wird, ist nur ein winziger Bruchteil der Massenproduktion in China. Dort nimmt man wenig Rücksicht auf Tiere – genauso wie auf Menschen. Das dürfte mittlerweile bekannt sein. Wer also Produkte von dort kauft, muss mit so etwas wie der Quälerei der Angora-Kaninchen rechnen. So einfach ist das, da gibt es keine Ausreden!

Oh je: Pelz ist wieder angesagt!

Nein, über diesen Trend können sich Tierfreunde wahrlich nicht freuen: Pelz ist in diesem Winter wieder modern. Ausgerechnet in einem Winter, der ein verkappter Frühling ist, sind Pelze in. Allerdings weniger als ganze Mäntel, sondern als Accessoires, etwa als Pelzkragen, Ohrenschützer oder an der Kapuze. Und vor allem junge Leute fahren offenbar darauf ab.

Dabei werden Kunstpelze leider meist verschmäht, wirklich Modebewusste bevorzugen echten Pelz. Ob Kaninchen oder Waschbär, Fuchs oder Kojote: Designer bei Edelmarken, aber auch bei Jeans-Kollektionen setzen aufs Fell – und haben offenbar selber ein dickes, wenn sie auf das Thema angesprochen werden. Der Handel verlangt danach, also werden die Modelle geliefert. Pelz gehört anscheinend einfach zum Gefühl von Luxus, wie es auch das Mannequin auf diesem Foto vermittelt.

Kritik von Tierschützern stößt da auf taube Ohren. Der eine oder andere Modemacher windet sich vielleicht ein klein wenig, wenn er gefragt wird, ob er denn keine moralischen Bedenken gegen echte Pelze habe. Und er verspricht möglicherweise, künftig auf Pelz-Besätze zu verzichten. Doch wer erinnert sich später schon an solche halbherzigen Versprechen?

Die einzige Möglichkeit, Pelz-Mode zu unterlaufen, besteht im Boykott. Wenn der Kunde die Ware verschmäht, wird sie auch nicht mehr angeboten. Doch offenbar muss das Problembewusstsein für dieses Thema erst wieder geschaffen werden. Und ich dachte schon, das hätten wir längst hinter uns.