Tierbilder von Wilhelm Kuhnert

Der eine oder andere meiner Leser hat vor Weihnachten vielleicht ein paar Tage Urlaub – so wie ich selber im Augenblick auch. Jetzt ist ja die ideale Zeit für Städtereisen, die sich gut mit Weihnachtseinkäufen oder dem Besuch von Weihnachtsmärkten verbinden lassen. Oder mit Museumsbesuchen. Wenn es dann noch einen Zusammenhang gibt zwischen einem Museum und dem Thema Tiere, dann nichts wie hin! So etwas gibt es derzeit in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main, wo eine Retrospektive des Künstlers Wilhelm Kuhnert zu sehen ist. Die Schau mit 120 Werken heißt „Der König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika“ (Foto: epd).

Als einer der ersten europäischen Künstler hat Wilhelm Kuhnert (1865-1926) Expeditionen nach Afrika unternommen, und das gleich vier Mal. Er hat dort Tiere wie zum Beispiel Löwen, Elefanten und Kaffernbüffel in ihrem Lebensraum eingehend studiert und sich Notizen über ihre Verhaltensweisen gemacht. Seine Bilder sind sogar in Naturkundebüchern – etwa in „Brehms Tierleben“ – zu finden; sie zierten auch Schokoladeverpackungen oder Wände von öffentlichen Gebäuden. Trotzdem ist dieser Künstler weitgehend unbekannt – höchste Zeit also, sein Werk kennenzulernen!

Kuhnerts Bilder sind außerdem vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte interessant. Sein Werk hat in Deutschland oder auch den USA die Vorstellung von Afrika als Land mit wilder Natur und ohne menschliche Kultur geprägt. Auf seinen Gemälden sind Inszenierungen wilder Tiere zu sehen. Zu Lebzeiten Kuhnerts galten Darstellungen von Löwen oder Elefanten als Sinnbild der Stärke, Herrschaft und Überlegenheit. Sie waren auch Ausdruck von Sehnsucht nach wilder Freiheit.

Die Ausstellung dauert bis zum 27. Januar 2019. Wer also vor Weihnachten keine Gelegenheit hat, nach Frankfurt zu fahren und sie anzuschauen, dem bleibt nach den Feiertagen noch ausreichend Zeit dazu.

1+1=Sex

Der Frühling ist da – und nicht nur bei uns Menschen, sondern auch bei Tieren stellen sich Frühlingsgefühle ein. Passend dazu gibt es jetzt eine neue Ausstellung in Chemnitz: Das dortige Museum für Naturkunde zeigt ab 13. März die Sonderausstellung „1+1 = Sex – Das Liebesleben der Tiere“.
Im Tierreich existieren ja verschiedenste Methoden, mit denen liebestolle männliche Tiere ihre Angebetete für sich zu erobern versuchen. Hirsche liefern sich gefährliche Duelle mit Nebenbuhlern, Vogelmännchen werfen sich in ein knallbuntes Prachtgewand, die Sexualpartner werden mit verführerischen Düften angelockt. Im Chemnitzer Museum ist auch eine richtige „Piepshow“ zu sehen. Die Ausstellung dreht sich außerdem um die Fragen, wie sich im Tierreich die Partner finden oder wer sich mit wem paart. Auch das Thema, warum Tiere fremdgehen, wird für die Besucher aufbereitet. Die Ausstellung lädt nicht nur zum Schauen und Staunen ein; es gibt eine Reihe von interaktiven Stationen.
Wer jetzt noch keine Gelegenheit zu einem Kurzurlaub in Sachsen hat – kein Problem: Die Ausstellung läuft noch bis weit in den Sommer hinein, nämlich bis zum 31. August.

Adresse: Museum für Naturkunde, Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz – Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag: 9 bis 17 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 10 bis 18 Uhr; mittwochs geschlossen.

Schweinerei im Alten Schlachthof

urn:newsml:dpa.com:20090101:100427-10-12127Ich habe zwei oder drei Bekannte, die ein und derselben Sammelwut verfallen sind: Sie horten Schweine in ihrer Wohnung. Das sind aber keine Fälle von Tierquälerei – vielmehr beschränken sich die Sammler auf Schweinefiguren, Schweinebilder, Schweinekalender, Schweinebücher etc. pp. Dass Schweine absolut „in“ sind, zeigt sich jetzt auch in Stuttgart:  Am 1. Mai öffnet dort – im Alten Schlachthof, au (Schweine-)Backe! – ein Schweinemuseum.

Nicht weniger als 40 000 Schweine sind auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche in 25 Themen-Räumen untergebracht. Die Auswahl der Geschichten rund ums Schwein reicht von Kunst bis Kitsch, von Wissenschaft bis Mythos. Die ganze Schweinerei wird in einem wahrhaft schweinewürdigen Ambiente ausgestellt: Der Alte Schlachthof ist ein sehr ansprechendes Jugendstilgebäude.

Die Ausstellungsstücke stammen von der passionierten Sammlerin Erika Wilhelmer, die sie in 25 Jahren zusammengetragen hat. Hier nur ein paar Beispiele: Korkenzieher, Feuerzeuge, Krawattennadeln, Puppen und – die dürfen natürlich auf keinen Fall fehlen – Sparschweine in allen denkbaren Varianten. Erika Wilhelmer ist 70 Jahre alt und fühlt sich in ihrer Sammlung, wie sie selbst sagt, „sauwohl“.

Im Alten Stuttgarter Schlachthof soll nun dem Schwein ein Denkmal gesetzt werden. Erika Wilhelmer hat bereits Erfahrung als Museumsleiterin: 1989 schon hatte sie in Bad Wimpfen bei Heilbronn ihr „Glücksschweinemuseum“ gegründet – doch das platzte inzwischen aus allen Nähten. Die Schweineliebhaberin hat in ganz Deutschland nach einem geeigneten neuen Standort gesucht und stieß in Hamburg, Köln und Dresden auf Interesse. Überall, nicht nur in Stuttgart, wären die Schweine in einen alten Schlachthof gewandert. Die Stadt am Neckar setzt nun mit dem neuen Museum auf eine zusätzliche Touristen-Attraktion.

Wilhelmers ausgefallene „Rotte“ ist bereits als umfangreichste Schweinesammlung im Guinnessbuch der Rekorde verzeichnet. Das größte Exemplar heißt übrigens Annabelle und nimmt die Besucher vor dem Museumseingang in Empfang.

Und hier die Adresse des neuen Schweinemuseums: Alter Schlachthof, Schlachthofstraße 2 in Stuttgart.  Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 19.30 Uhr.