Jetzt heißt es: Insekten zählen!

Das Vogelzählen, zu dem der Landesbund für Vogelschutz regelmäßig aufruft, kennen wir ja schon gut. Nun geht es um die Insekten. Der Naturschutzbund (Nabu) ruft ab heute zur Teilnahme an der Aktion „Insektensommer“ auf. Dabei soll man an einem Ort eine Stunde lang Sechsbeiner beobachten, bestimmen und zählen. Die Ergebnisse kann man dann dem Nabu online oder mit der kostenlosen App „Insektenwelt“ melden. Der Naturschutzbund möchte so Daten zur Artenvielfalt und der Häufigkeit von Insekten sammeln – schließlich ist das Insektensterben in aller Munde.

Wer mitmacht, kann an verschiedensten Orten zählen: zum Beispiel im Garten, auf dem Balkon, auf einer Wiese oder im Wald. Und wer sich bei Insekten nicht so gut auskennt, der findet Hilfe zur Insektenbestimmung auf der Homepage des Nabu. Für den „Insektensommer“ sind zwei Phasen geplant: Die erste beginnt jetzt und läuft bis zum 9. Juni, die zweite folgt dann vom 2. bis 11. August. Denn manche Arten sind früh im Sommer gut zu beobachten, andere später. Der Nabu-„Insektensommer“ lief auch schon im vergangenen Jahr. Im Juni 2018 waren das die häufigsten Meldungen: Steinhummel, Hainschwebfliege und Asiatischer Marienkäfer, der auch auf dem Foto oben zu sehen ist (Foto: dpa).

Heute ist der „Tag des Wolfes“

WolfstagSo viel Ehre wäre ja gar nicht nötig gewesen! Ich habe jetzt einen eigenen Tag, den „Tag des Wolfes“, der heute, am 30. April,  begangen wird. 😉  Anlässlich dieses Tages hat der Naturschutzbund NABU allerdings eine gemischte Bilanz zur Situation frei lebender Wölfe in Deutschland gezogen. Zwar hält er den wachsenden Bestand mit derzeit 40 Wolfsfamilien im ganzen Bundesgebiet für erfreulich, doch das Wolfs-Management reicht nach Ansicht der Zuständigen beim NABU noch längst nicht aus.

Gerade erst in der zu Ende gehenden Woche wurde in Niedersachsen erstmals ein Wolf – „MT6“ oder „Kurti“ genannt – aufgrund einer Ministeriumsentscheidung erschossen, weil er Menschen bzw. Hunden mehrmals zu nahe gekommen war. Diese Entscheidung konnte der NABU aber nachvollziehen:  Wolf „Kurti“ stellte durch sein  Verhalten ein nicht mehr zu kalkulierendes Risiko dar. Trotzdem kann die Geschichte keinen Tierfreund oder Tierschützer zufriedenstellen, denn das konzentrierte Monitoring hat zu spät begonnen, außerdem war die Vergrämungsphase viel zu kurz, und man hat dabei auch nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft. Vor allem: Es wurde nicht ausreichend untersucht, was zu dem auffälligen Verhalten von Kurti geführt hat.

Nach Experteneinschätzung ist die wahrscheinlichste Ursache für die Verhaltensveränderung dieses Wolfes die Fütterung durch Menschen oder zurückgelassene Speisereste. Schließlich sind wir den Umgang mit diesen Wildtieren nicht mehr gewöhnt. Der NABU fordert eine unabhängige wissenschaftliche Kommission auf Bundesebene, die Kriterien für ein funktionierendes Monitoring und für die Vergrämung erarbeitet – und die Einhaltung dieser Kriterien auch überprüft. Jeweils am 30. April endet das offizielle Wolfsjahr, in dem alle wissenschaftlichen Daten gesammelt werden, um Erkenntnisse über das Leben freilebender Wölfe in Deutschland zu erhalten. Daher hat der NABU im Jahr 2013 den „Tag des Wolfes“ eingeführt.

Die Wölfe im Land müssen sich am meisten vor der Deutschen liebstem Kind in Acht nehmen: dem Auto. Denn das größte Risiko für den Wolf ist bei uns der Straßenverkehr. Seit dem Jahr 2000, als der erste Wolf nach Deutschland zurückkehrte, fanden 95 von diesen wunderbaren Tieren auf der Straße den Tod. An der Spitze liegt dabei Brandenburg mit 42 totgefahrenen Tieren. Auch die Akzeptanz von freilebenden Wölfen in der Gesellschaft lässt noch zu wünschen übrig, selbst wenn die allgemeine Zustimmung zur Rückkehr der Wölfe hoch ist. Es kommt außerdem immer wieder zu illegalen Abschüssen. Hierbei belegt das Land Sachsen den traurigen ersten Platz. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Dunkelziffer illegal getöteter Wölfe bundesweit deutlich höher ist als die offiziell bekannt gegebenen Zahlen.

Und so verteilen sich die freilebenden Wölfe über unser Land: Wolfsreichstes Bundesland ist Sachsen mit zwölf Wolfsfamilien, gefolgt von Brandenburg mit elf. In Niedersachsen leben derzeit neun, in Sachsen-Anhalt sechs und in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wolfsrudel. In den vergangenen 15 Jahren konnten  Wölfe auch in allen anderen Flächen-Bundesländern nachgewiesen werden. Die Zählung funktioniert mit Hilfe von Fotofallen, DNA-Hinweisen nach Nutztierrissen oder eben tot aufgefundenen Tieren.

Die Kohlmeise hat das Rennen gemacht

KohlmeiseVor drei Wochen habe ich meine Leser hier gebeten, bei der „Stunde der Wintervögel“ mitzumachen. Nun sind die Ergebnissse des Landesbundes für Vogelschutz da, und die will ich natürlich weitergeben. Also: The winner is …  die Kohlmeise! Wieder, muss man dazu sagen, denn im vergangenen Jahr war sie es auch schon, die am häufigsten in Bayerns Gärten gesichtet wurde. Sie hat von den guten Brutbedingungen im langen Sommer 2015 profiiert, teilen der LBV und der Naturschutzbund Nabu mit. In Bayern machten in diesem Jahr 26.000 Teilnehmer bei der Aktion mit. Sie zählten insgesamt 700.000 Vögel, im Durchschnitt 40 Vögel pro Garten.

Außerdem interesssant für (Hobby-)Ornithologen: Der Fichtenkreuzschnabel ist bei der Zählung so oft aufgetaucht wie noch nie zuvor. Und auch beim Erlenzeisig ist eine deutliche Zunahme im Vergleich zum Vorjahr feststellt worden – er kam in Bayern auf 45.000 „Treffer“. Der Stieglitz erreichte mit 11.000 Sichtungen ebenfalls ein ungewöhnlich hohes Ergebnis. Wie schon in den letzten Jahren waren es in Bayern auch wieder mehr Silberreiher, die hier den Winter verbrachten: mindestens 700.

 

Stunde der Wintervögel – die sechste!

Blaumeise
Bundesweit ist es bereits die sechste Auflage der „Stunde der Wintervögel“, die der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) vom 8. bis 10. Januar ausrufen. Auch diesmal geht es darum, eine Stunde lang Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und dann zu melden. Der NABU hofft auch diesmal wieder auf eine rege Beteiligung bei dieser Mitmachaktion. Die verspricht heuer, besonders spannend zu werden. Denn die große Frage ist: Hat das bisher extrem milde Winterwetter Zugvögel zur Überwinterung in Deutschland verleiten können? Interessant ist auch, ob der Kaltlufteinbruch im Osten Deutschlands oder lautes Silvesterfeuerwerk Vögel dazu gebracht haben, den Ort zu wechseln. Es könnte also durchaus sein, dass eine Reihe von Vogelfreunden andere Vögel als 2015 beobachten werden.

Der Stieglitz, der zu den Finken gehört und zum Vogel des Jahres 2016 auserkoren wurde, verdient besondere Aufmerksamkeit, denn sein Bestand nimmt bei uns deutlich ab. Er ist aber häufig an Futterstellen anzutreffen. Bisher hat er es auf Rang 22 der häufigsten Wintervögel geschafft. NABU und LBV bitten darum, viele bunte Meter aus samenreichen Wildblumen anzulegen oder zu erhalten. Die Stunde der Wintervögel wird zeigen, ob die Aktion zu höheren Stieglitzbeständen führt. Und so funktioniert die Wintervogelzählung:  Von einem ruhigen Beobachtungsposten aus notiert man von jeder Art die höchste Anzahl, die während einer Stunde gleichzeitig zu sehen ist. Die Ergebnisse meldet man dann bis zum 18. Janua via Internet unter:

www.stundederwintervoegel.de

Außerdem ist am 9. und 10. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Telefonnummer 0800/1157-115 geschaltet.

Bei der letzten großen Vogelzählung im Januar 2015 machten über 77.000 Tierfreunde mit und meldeten über zwei Millionen Vögel aus über 53.000 Gärten. Damals lag der Haussperling auf dem Spitzenplatz als häufigster Wintervogel, gefolgt von der Kohlmeise. Dann kamen auf Rang drei bis fünf Feldsperling, Blaumeise und Amsel. NABU und LBV wollen mit der Aktion nicht nur Daten erheben, sondern auch den Zählern die Natur vor ihrer Haustür näher bringen und sie dazu anregen, ihren Garten naturnah zu gestalten, damit sich Vögel dort ansiedeln. Zur „Stunde der Wintervögel“ stellt der NABU eine Zählhilfe, Porträts der häufigsten Vogelarten und Tipps zur Winterfütterung zur Verfügung.

So, und jetzt wünsche ich viel Spaß beim Zählen!

Glückwunsch, Feuersalamander!

Feuersalamander Zuletzt hatte man nur schlechte Nachrichten über ihn gehört. In Belgien und den Niederlanden hatte der Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans, der vermutlich über den Tierhandel aus Asien nach Europa eingeschleppt wurde, zu einem Massensterben unter Feuersalamandern geführt. In Deutschland kommt der Erreger ebenfalls schon in Terrarien vor. Experten betrachten den Pilz auch als Gefahr für alle freilebenden Salamander in Deutschland.

Doch nun zur erfreulichen neuen Meldung: Der Feuersalamander ist zum „Lurch des Jahres 2016“ auserkoren worden. Diese Aktion hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde im Jahr 2006 ins Leben gerufen. Und ich finde: Der Feuersalamander ist wirklich ein besonderes Tier. Jedes einzelne Exemplar besitzt auf seiner schwarzen Haut ein einzigartiges Muster aus gelben bis orangefarbenen Streifen und Flecken. Das hat einen ganz pragmatischen Sinn: Es soll Fressfeinde warnen und abwehren. Der Name „Feuersalamander“ hat aber weniger mit der Färbung zu tun als vielmehr mit dem Aberglauben, dass diesem 14 bis 18 Zentimeter langen Lurch Feuer nichts anhaben könne und er mit seinem giftigen Hautsekret Glut löschen könnte.

Am häufigsten kommen Feuersalamander hierzulande in feuchten Laubmischwäldern der Mittelgebirge vor, wo es kühle Quellbäche und -tümpel gibt. Doch diese Lebensräume werden durch forstliche Nutzung immer seltener. Außerdem nimmt der Freizeitverkehr auf Waldwegen immer mehr zu. Die Wahl zum Lurch des Jahres soll auch dazu dienen, auf diese Gefahren aufmerksam zu machen; die Aktion wird deshalb von den Umweltverbänden BUND und Nabu unterstützt.

Für die Störche war es ein durchwachsenes Jahr

Stoerche

Der NABU hat ein neues Blog, und als Bloggerin möchte ich mich natürlich solidarisch zeigen und darauf hinweisen. Also: In dem Blog analysiert und kommentiert der NABU-Storchenexperte Kai-Michael Thomsen unter dem Titel „Störche auf Reisen“ den Zug der Störche Richtung Süden. Denn in diesen Tagen ist es ja so weit: Der diesjährige Storchennachwuchs tritt seine erste Reise in die südlichen Winterquartiere an. Die Eltern der Jungstörche starten dann ein paar Tage später. Der NABU hat einige Tiere mit Sendern ausgestattet, und so kann mit Hilfe der Satelliten-Telemetrie der Storchenzug auf einer interaktiven Karte verfolgt werden

Die Storchenschützer des NABU nehmen den Beginn des Storchenzugs zum Anlass, Bilanz über das Storchenjahr 2015 zu ziehen. Die Bestände dieser Vögel haben sich demnach, wie in den vergangenen Jahren auch schon, in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich entwickelt: In den westlichen Bundesländern gab es eine Zunahme, in den Hauptverbreitungsgebieten des Weißstorches östlich der Elbe hingegen sind leichte Rückgänge zu verzeichnen.

Die Brutsaison hatte bundesweit ganz gut begonnen. Die Störche, die in Spanien überwinterten, kehrten in diesem Jahr sehr zeitig in ihre Brutgebiete zurück. Tiere, die auf der Ostroute nach Deutschland zurückkehrten, trafen schon Anfang April wieder in ihren ostdeutschen Brutgebieten ein. Weißstörche, die danach noch unterwegs waren, hatten allerdings Pech: Das schlechte Wetter auf ihrer Reise führte dazu, dass viele mit Verspätung zu ihren Nesten zurückkamen. Da war es schon zu spät, um noch mit einer erfolgreichen Brut zu beginnen. In Brandenburg haben die Storchenpaare durchschnittlich weniger als zwei Nachkommen großgezogen. Das bedeutet für das storchenreichste deutsche Bundesland, dass der Bestand heuer nicht erhalten werden konnte. Außerdem hat sich die Ausweitung des großflächigen Mais-, Raps- und Sonnenblumenanbaus in Brandenburg ungünstig auf den Lebensraum der Weißstörche ausgwirkt.

In Westdeutschland hingegen wirkte sich die Witterung gut auf die Entwicklung der Störche aus. Obendrein war das ein echtes Mäusejahr, das Meister Adebar viel Futter bescherte. Im Westen wuchsen deshalb überdurchschnittlich viele Jungstörche heran. Die endgültigen Zahlen will NABU zum Jahresende vorlegen. Sicher ist aber jetzt schon, dass die Zahlen von 2014 heuer nicht erreicht werden.

Rettet die Maui-Delfine!

MauidelfinDieses Foto könnte in einigen Jahren Seltenheitswert haben. Es zeigt einen Maui-Delfin (Foto: Auckland Conservancy/dpa). Das Aussterben dieser ausschließlich vor der Küste Neuseelands lebenden Meeressäuger ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Im Augenblick wird der Bestand dieser kleinsten Delfine der Welt – sie werden nur etwa 1,40 Meter groß und haben eine abgerundete Rückenflosse – auf ganze 45 (!!!) geschätzt. Vor 40 Jahren waren es laut Naturschutzbund (Nabu) noch etwa 2000 Exemplare. Tierschützer gehen davon aus, dass die Art in 15 bis 20 Jahren komplett verschwunden sein wird. Und sie werfen der neuseeländischen Regierung vor, der Entwicklung seit Jahren untätig zuzuschauen. Denn die Delfine bleiben häufig in den Schleppnetzen industrieller Fischer hängen. Etwa 95 Prozent dieser Meeressäuger sterben offenbar durch die Fischerei.
Als weiteres Problem kommt hinzu, dass sich Maui-Delfine sowieso besonders langsam vermehren. Bei Nabu hat man folgende Rechnung aufgemacht: Es würde über 80 Jahre dauern, bis der Bestand wenigstens wieder die 500er-Marke erreicht. Allerdings dürften dafür keine Tiere mehr durch Fischerei sterben. Und es gibt noch einen Negativfaktor: Der Lebensraum dieser kleinen Delfine wird immer interessanter für Ölfirmen. Sie sind durch ihre Bohrungen eine zusätzliche Bedrohung für die Art.
Naturschützer hoffen nun auf Druck durch die Öffentlichkeit, auf Proteste, an denen die Regierung nicht so einfach vorbeikommt. Die Hauptforderung sind mehr Schutzgebiete füßr die Maui-Delfine. Im Gegensatz zu den Verantwortlichen sind die Tierschützer nicht der Meinung, dass die bisherigen Gebiete genügen.

Europas Geier in Lebensgefahr!

Europas Geier sind in Lebensgefahr! Davor warnen der Naturschutzbund NABU, sein internationaler Partner BirdLife International und die European Vulture Conservation Foundation. Die Gefahr geht von dem Wirkstoff Diclofenac aus, einem starken schmerz- und entzündungshemmenden Mittel. Wenn die Greifvögel von toten Tieren fressen, die damit behandelt wurden, sterben sie einen qualvollen Tod: Ihre Nieren versagen. Auf diese Weise wurden schon die meisten Geierarten in Indien, Pakistan und Nepal beinahe ausgerottet. Dieses Schicksal könnte sich nun in Europa wiederholen, befürchten die Vogelschützer. Sie fordern daher ein Verbot des Einsatzes von Diclofenac bei Nutztieren. Das Mittel wurde kürzlich für die Behandlung von Tieren wie Rindern, Schweinen und Pferden in Italien und Spanien zugelassen – dabei gibt es andere Medikamente für Tiere, die für Geier unschädliche Wirkstoffe enthalten. In den genannten Ländern leben 80 Prozent aller Geier Europas. In Deutschland ist der Wirkstoff verboten.

Fachleute von NABU und BirdLife International befürchten ein Geier-Massensterben in Europa. Das wäre doppelt tragisch, denn zuletzt haben jahrzehntelange Schutzprogramme für die Greifvögel endlich Erfolge gezeigt. Die in Europa vorkommenden vier Geierarten sind Schmutzgeier, Mönchsgeier, Gänsegeier (siehe Foto) und Bartgeier. Gänsegeier und Bartgeier haben sich in ihrem Bestand einigermaßen erholt – durch Schutzmaßnahmen, die die Europäische Union Millionen Euro gekostet haben. Es wurden auch erfolgreiche Auswilderungen durchgeführt, beispielsweise mit Bartgeiern aus dem Tiergarten Nürnberg.

Auf dem indischen Subkontinent haben Millionen von Geiern in den 1990er Jahren mit dem Leben dafür bezahlt, dass sie Rinder-Kadaver gefressen haben, die Diclofenac-Rückstände enthielten. Innerhalb von etwa zehn Jahren sind so 99 Prozent aller Geier Indiens verschwunden. Fast wären sie ganz ausgestorben, wenn nicht Naturschützer über das Netzwerk SAVE-Vultures ein Verbot der Anwendung von Diclofenac bei Tieren durchgesetzt hätten. In den EU-Mitgliedsstaaten gilt die EU-Vogelschutzrichtlinie und eine Gesetzgebung, die Tier-Medikamente vorschreibt, die keinen ökologischen Schaden anrichten.  Der NABU hat deshalb die Bundesregierung aufgefordert, bei der EU-Kommission eine europaweite Neubewertung und ein Verbot des Mittels zu verlangen.

Von wegen "Wolfserwartungsland"!

Es ist schon ein Trauerspiel. Da gilt eine Tierart – in diesem Fall der Wolf – ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben, und wir haben das Glück, dass sie wiederkehrt. Und was machen wir daraus?  Wir fahren die wertvollen Tiere, über die wir uns freuen müssten, tot. 30 (!) von ihnen sind schon im Verkehr auf deutschen Straßen umgekommen, hat der Naturschutzbund NABU gezählt. Innerhalb nur einer Woche mussten jetzt drei Wölfe dran glauben: Einer wurde auf einer Bundesstraße im nördlichen Sachsen-Anhalt von einem Auto überfahren, einer auf dem Berliner Ring, und ein paar Tage vorher hat man einen in der Lausitz abgeschossen – unerlaubterweise. (Das Thema Wölfe hat ja auch der „Polizeiruf 110“ in der ARD am vergangenen Sonntag aufgegriffen – wie ich finde, ganz gut, auch wenn die gesamte Geschichte jetzt nicht so stringent war.) Dabei hatte es vor kurzem in Bayern noch geheißen, wir seien „Wolfserwartungsland“.

Ich weiß nicht – vielleicht liegt es ja an meinem Namen, dass mich das Schicksal von Wölfen besonders berührt. Aber selbst wenn man die Sache nüchterner betrachtet, muss man sich doch fragen: Wie intolerant und unachtsam sind wir Geschöpfen gegenüber geworden, die nicht in unser Schema vom braven oder süßen Haustier und vom scheuen Wild passen? Mag sein, dass der Wolf gefährlicher werden kann als andere Tiere, die bei uns in freier Wildbahn leben. Aber Jagd auf ihn zu machen, nur weil man argwöhnt, er könnte irgendwo ein Lamm reißen (für das es ja in der Regel eine Entschädigung gäbe)? Haben wir denn jeden Respekt vor einer seltenen Tierart verloren, bei der wir sozusagen noch einmal eine zweite Chance bekommen?

Vonseiten des NABU ist nach den Vorfällen der letzten Tage jedenfalls der Ruf nach einem „nationalen Wolf-Kompetenzzentrum“ laut geworden. Dort sollten deutschlandweit Daten zur Population der Wölfe bei uns erfasst und gesammelt sowie der Schutz der Tiere organisiert werden, fordern die Tierschützer. – Ich reagiere ja sonst auf das Wort „Kompetenz“ eher allergisch. Doch in diesem Fall ist es mir schnurzegal, wie das Ding heißt – Hauptsache, es bringt etwas!

Graue Maus wird zum Star

Sie ist ein eher unauffälliger Zeitgenosse, nicht zum Knuddeln süß und reißt auch das Maul nicht so weit auf. Eine graue Maus wie sie findet in den Medien normalerweise keine große Beachtung. Trotzdem macht sie jetzt Karriere. Denn sie wurde zum „Lurch des Jahres 2014“ gewählt: die Gelbbauchunke (Bombina variegata). Das hat die Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) in Mannheim beschlossen. Die Umweltverbände BUND und Nabu unterstützen diese Aktion. So soll die Aufmerksamkeit auf sonst kaum beachtete Tiere gelenkt werden und ein Beitrag zu ihrem Schutz geleistet werden.

Während der nur ungefähr fünf Zentimeter messende Lurch europaweit noch nicht zu den stark bedrohten Tieren gehört, hat er es in Deutschland ziemlich schwer: Er verliert immer mehr von seinen natürlichen Lebensräumen – der Mensch schnappt sie ihm immer öfter weg. Doch diese Unke zeigt sich äußerst flexibel: Sie gibt sich auch mit Abbaugruben und militärischen Übungsplätzen zufrieden.

Erst auf den zweiten Blick erkennt man, warum das Tier zu seinem Namen gekommen ist. Von oben ist die Gelbbauchunke wegen ihrer graubraunen bis lehmfarbenen Rückenfärbung eher unauffällig. Ihr gelb-schwarz gemusterter Bauch aber ist ihr Markenzeichen. Er sieht nicht nur attraktiv aus, sondern hat einen nützlichen Effekt. Wenn sich die Unke nämlich aufrichtet, schreckt sie ihre Feinde ab; das rettet ihr mitunter das Leben. Und dieses Leben kann für so ein vergleichsweise kleines Tier ganz schön lang dauern: bis zu 19 Jahre alt werden Gelbbauchunken.