Vogelkinder im Tiergarten

Und wieder gibt es eine schöne Meldung aus dem Tiergarten Nürnberg: Bei den Sperbereulen und den Uralkäuzen, die auch Habichtskäuze genannt werden (Foto: Tiergarten Nürnberg), hat sich Nachwuchs eingestellt. Die Sperbereulen ziehen in diesem Jahr gleich sechs Jungvögel auf, die im April geschlüpft sind. Die Brutzeit beträgt etwa einen Monat, und die flauschigen Küken verlassen mit drei bis fünf Wochen das Nest. Die Elterntiere am Schmausenbuck stammen übrigens aus Rostock (das Weibchen) und aus Köln. Auch über den Zuchterfolg bei den Uralkäuzen freut man sich im Tiergarten. Die Käuze bringen es mit den beiden im April geschlüpften Jungen schon auf insgesamt 36 Nachkommen. Das Muttertier ist bereits 20 Jahre alt, der Vater der jungen Eulen 17 Jahre; er stammt aus dem Tierpark Berlin-Friedrichsfelde.

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Futter nur mit Passwort!

Ich gebe es zu: Bisher hatte ich noch nie etwas von Prachtstaffelschwänzen gehört – nicht, bevor ich auf eine interessante Meldung gestoßen bin. Seitdem weiß ich, dass es sich bei diesen Tieren um eine Vogelart handelt, deren Heimat Südaustralien ist.

Dem Artikel, der im Fachmagazin „Current Biology“ nachzulesen ist, kann man entnehmen, dass die Vogelmütter bei den Prachtstaffelschwänzen ziemlich raffiniert sind. Um zu vermeiden, dass sie Kuckucksküken in ihrem Nest mit durchfüttern, bringen sie dem eigenen Nachwuchs, noch bevor er aus dem Ei geschlüpft ist, so etwas wie ein Passwort bei. Das hat ein Biologenteam um Diane Colombelli-Négrel von der Flinders University in Adelaide herausgefunden.

Im Verbreitungsgebiet der Prachtschwanzstaffelschwänze kommen Kuckuckskinder im Nest recht häufig vor. Deshalb haben diese Singvögel eine Methode entwickelt, sicherzustellen, dass sie nur ihren eigenen Nachwuchs mit Futter versorgen. Die Forscher haben beobachtet, wie werdende Staffelschwanzmütter bereits ihren Eiern im Nest immer wieder das gleiche Lied vorsangen, in dem ein bestimmter, einzigartiger Ton vorkommt. Diesen Ton müssen die Küken, wenn sie geschlüpft sind und um Futter betteln, in ihre Bettel-Rufe integrieren – sonst bekommen sie nichts zu fressen. Der Ton ist von Nest zu Nest verschieden, und die Weibchen bringen ihn auch den Vätern ihres Nachwuchses bei, der sie beim Füttern unterstützt.

Die Frage, warum Kuckuckskinder dieses „Passwort“ im Gesang nicht erlernen, obwohl sich ihre Eier ja auch in den Nestern befinden, beantworten die Wissenschaftler folgendermaßen: Kuckuckseier werden erst später zu den anderen Eiern hinzugelegt. In der ihnen so verbleibenden kürzeren Zeit können die Kuckucksembryos die speziellen Brut-Rufe der Vogelmutter offenbar nicht so abspeichern, dass sie sie nach dem Schlüpfen beherrschen.

 

Die Nürnberger Kelly-Family

Angeblich sollen wir ja jetzt die Eisheiligen überstanden haben, und es wird endlich wieder wärmer. Wie wäre es da mit einem Ausflug in den Nürnberger Tiergarten? Dort gibt es jetzt eine neue Attraktion: Nachwuchs bei den Geparden.

Kelly, die Gepardendame, die aus Irland nach Franken kam, hat dem Zoo am Schmausenbuck Babys gleich im Fünferpack geschenkt: drei Jungs und zwei Mädels. Sie hören auf die schönen, afrikanisch klingenden, Namen Thabo, Kalungu, Kigali (das sind die Männchen) und Kiara und Kya (die Weibchen). Geboren wurden sie schon am 21. März, aber erst jetzt können Tiergartenbesucher sie auch sehen. Denn bisher waren sie in einem Gehege hinter den Kulissen untergebracht, damit sie bei der Aufzucht nicht gestört wurden. Inzwischen hat der Tierarzt die Kleinen gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen geimpft und sie entwurmt.

Gepardenmutter Kelly ist knapp sechs Jahre alt, und der Vater der Jungen ist Turbo, der im September zwölf wird. (Turbo ist übrigens der, der im Januar aus dem Gehege ausgebrochen war, weil er ein Pony jagen wollte. Ich habe hier darüber geschrieben.) Kelly und Turbo sind jetzt zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren Eltern geworden. Die Tiergartenmitarbeiter führen das auf ihr erfolgreiches Zuchtkonzept zurück: Sie halten Kelly und Turbo in Gehegen, die räumlich voneinander getrennt sind und in denen sich die beiden nicht sehen können. Das soll dazu dienen, dass die Partner ihr Interesse füreinander aufrecht erhalten. Man lässt die zwei nur dann zusammen, wenn Kelly rollig wird.  – Scheint ganz gut  zu funktionieren.

Noch sind die Kleinen sehr drollig, mit ihrem langen Fell am Nacken und auf dem Rücken, das sie verlieren, wenn sie größer werden. Obwohl sie bisher nur Milchzähne haben, beginnen sie schon, feste Nahrung zu sich zu nehmen und knabbern ein bisschen am Fleisch herum, das ihnen serviert wird. Der Gepardennachwuchs wird eineinhalb bis zwei Jahre in Nürnberg bei der Mutter bleiben, dann muss er in einen anderen Zoo umziehen. Denn in diesem Alter fangen die Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Kind an, und da gehen sie dann auch in der Natur getrennte Wege. Die letzten Jungen von Kelly – das waren vier Jungs – sind an die Zoos von Prag und Köln abgegeben worden. Dort leben sie in reinen Männergruppen.

Drei Geburten und ein Todesfall

Gleich drei kleine Kalifornische Seelöwen planschen derzeit im Aquapark und erobern die Herzen der Besucher. Neben dieser freudigen Nachricht musste der Nürnberger Tiergarten allerdings auch eine traurige Meldung überbringen. Der Vater der drei kleinen Seelöwen, Haremsführer Patrick, ist am Freitag gestorben.

Der 24 Jahre alte Bulle hatte bereits während der letzten beiden Brunften abgebaut und wurde immer schwächer. In den letzten Wochen hat er nichts mehr gefressen. Die genaue Todesursache ist noch unklar, soll aber durch eine Obduktion geklärt werden. Patrick gehörte als Vater von 37 Jungtieren zu den erfolgreichsten Haremsführern seiner Art in Zoos. Kalifornische Seelöwen leben in der freien Natur mit durchschnittlich 16 Weibchen in einem Harem.

Ginger, Lisa und Josi aus dem Nürnberger Harem brachten ihre Jungen im Mai und Juni zur Welt. Gingers Tochter Giselle ist am 27. Mai geboren. Lisas Tochter Luise erblickte am 16. Juni das Licht der Welt und Josi kam mit ihrem Sohn Janne am 20. Juni nieder. Mit sechs, zehn und vierzehn Jungtieren sind alle Mütter bereits sehr erfahren und der Tiergarten geht auch diesmal von einer erfolgreichen Aufzucht aus, so dass von einer erfolgreichen Aufzucht ausgegangen werden darf. In freier Wildbahn kümmern sich die Mütter normalerweise sieben Tage lang intensiv um ihren Nachwuchs. Nach zwei Wochen sind die Seelöwen bereits sehr selbstständig, bilden kleine Verbände und spielen miteinander.

Ja, wo bleiben sie denn?

Manche Kollegen in der NZ-Redaktion beneiden mich immer glühend, wenn ich zu einem Pressetermin des Nürnberger Tiergartens gehe, bei dem Tierbabys vorgestellt werden. Manche glauben, man käme dann ganz nahe an die Tiere heran oder dürfte sie sogar streicheln. Doch das ist bei diesen Terminen, zu denen alle Medien eingeladen werden, nicht so. Oft hat man als schreibender Journalist sogar recht wenig von einer solchen Einladung, denn die Fotografen und Kameraleute besetzen – völlig zurecht natürlich – die vorderen Plätze, und von weiter hinten sieht man dann nicht mehr viel von den niedlichen Babys. Außerdem muss man gleichzeitig ein Gespräch mit einem Vertreter des Zoos führen und mitschreiben.

Es kann aber noch schlimmer kommen – so wie heute. Da haben sich die kleinen Schneeleoparden Kim und Mia, die am 29. April im Nürnberger Tiergarten das Licht der Welt erblickten und die nun der Öffentlichkeit präsentiert werden sollten, über eine Stunde lang gar nicht gezeigt. Tiergartenmitarbeiter versuchten, Pia, die Mutter der Kleinen, mit leckeren weißen Ratten hinter einem Felsen hervorzulocken. Das gelang zwar nach einiger Zeit. Doch Mia und Kim blieben weiterhin unsichtbar. Die Fotografen sagten teils andere Termine ab und warteten und warteten, in ihr Schicksal ergeben und in der Ungewissheit, ob sie überhaupt ein Bild bekommen würden.

SchneeleopardenLetztlich hat es dann doch noch geklappt. Die drei Monate alten flauschigen Schneeleopardenbabys wagten sich aus ihrem Versteck hervor, die Fotoapparate klickten wie verrückt. Das Ergebnis unseres Fotografen Stefan Hippel ist hier abgebildet. Ja, die Kleinen sehen tatsächlich supersüß aus. Für den Tiergarten ist dieser Nachwuchs etwas Besonderes: Bisher gab es in Nürnberg noch keine gelungene Aufzucht von Schneeleoparden. Pia hatte zwar im letzten Jahr schon einmal ein Junges geboren, es aber nach der Geburt aufgefressen. D0ch diesmal kümmert sie sich liebevoll um ihren Nachwuchs. Mit Erfolg: Die Kätzchen haben ihr Geburtsgewicht von einem Pfund schon verzehnfacht.

"Sigena" muss sich um vier Babys kümmern

Aus dem Nürnberger Tiergarten gibt es eine Sensation zu vermelden: Dort kamen in der Nacht zum vergangenen Samstag bei den Sibirischen Tigern Fünflinge zur Welt – eine echte Seltenheit bei dieser Tierart, sagt der stellvertretende Zoodirektor Helmut Mägdefrau.

Eines der Jungen war allerdings zu schwach und starb kurze Zeit nach der Geburt, ein anderes ist deutlich kleiner als seine drei Geschwister. Tiger-Mama „Sigena“ kümmert sich vorbildlich um alle vier Babys, trotzdem ist es fraglich, ob das vierte Baby es schaffen wird. Da heißt es: Daumen halten.

Immerhin ist „Sigena“ eine durchaus erfahrene Mutter. Sie hat 2003 ihren ersten Nachwuchs – zwei männliche Tiere – ebenso gut versorgt wie ihre Drillinge – drei Mädchen – im Jahr 2007. Die erblickten im Zoo von Hoyerswerda das Licht der Welt: Dort war „Sigena“ während des Um- und Ausbaus des Raubtierhauses im Nürnberger Tiergarten sozusagen ausgelagert.

Die Zoobesucher müssen sich allerdings noch etwas gedulden: Sie können die Tigerbabys vorerst noch nicht direkt sehen, sondern nur über einen Monitor. Der hängt im Felsengang, der zum Raubtierhaus führt. Das Raubtierhaus selbst bleibt vorerst geschlossen, um die Tiger-Mama und ihre Babys nicht zu stören.

Das Geschlecht der vier Tigerbabys ist noch nicht bekannt. Wenn alles gut geht, werden die Kleinen in vier bis sechs Wochen zum ersten Mal vom Tierarzt untersucht. Erst dann wird man wissen, ob es Männchen oder Weibchen sind – oder vielleicht auch beides.

Handaufzuchten – und gar nicht verhaltensgestört

Handaufzuchten in Zoos, das ist so eine Sache, für die sich die Verantwortlichen häufig Kritik einhandeln: Es sei unnatürlich, man würde die Tierbabys voll auf den Menschen konditionieren, und wenn die Tiere einmal erwachsen seien, dann hätten sie bestimmt Verhaltensstörungen und -defizite. So wird von den Gegnern argumentiert.

Immer wieder gelingt es Zoologischen Gärten aber, das Gegenteil zu beweisen, wie jetzt wieder dem Tiergarten Nürnberg mit seinen Andenkondoren. Da hat man zwei Handaufzuchten miteinader verpaart: ein Kondorweibchen aus Nürnberg mit einem Männchen aus dem Berliner Zoo. Beide haben nun zum ersten Mal Nachwuchs. Und als hätten sie nie etwas anderes gemacht, beherrschen die Kondoreltern das Brutgeschäft sozusagen aus dem Effeff. Ohne dass die Tierpfleger irgendwie eingreifen mussten, schlüpfte das Küken – ein Weibchen – am 23. Mai aus dem Ei und wird von seinen Eltern vorbildlich versorgt.

Vor ein paar Tagen hatte der Zoo am Schmausenbuck schon die erste natürliche Aufzucht bei Pelikanen vermelden können: Pelikan-Eltern, die selbst von Pflegern aufgezogen wurden,  erledigen jetzt alles rund um den Nachwuchs allein, ohne dass sich Menschen einmischen – und auch da klappt es.

Weil sowohl Anenkondore als auch Pelikane ins Europäische Erhaltungszucht-Programm (EEP) eingebunden sind, geht man bei beiden Vogelarten aber auf Nummer sicher und lässt – parallel zur natürlichen Aufzucht – Pelikan- und Kondoreier im Brutapparat ausbrüten und die Küken von Hand aufziehen. Bei dem zweiten, alten Kondorpaar ist das auch deshalb notwendig, weil es zwar vor 25 Jahren seinen ersten Nachwuchs erfolgreich aufgezogen hat, später aber das Männchen und das Weibchen sich so sehr um das Brutgeschäft gestritten haben, dass man ihnen die Eier aus Sicherheitsgründen wegnahm, künstlich ausbrüten ließ und die Aufzucht der Jungen in die Obhut von Tierpflegern übergeben hat.

Premiere bei den Pelikanen

Zwei junge Pelikane im Nürnberger Tiergarten – das ist wieder so eine Meldung, die auf den ersten Blick niemanden vom Hocker reißt. Auf den zweiten Blick aber ist sie durchaus interessant. Denn mit den am 6. und 12. Juni geschlüpften Jungvögeln wurden erstmals in diesem Zoo Pelikane nicht von Hand – also von Tierpflegern – aufgezogen, sondern ganz natürlich von den Eltern.

Die bisherigen Handaufzuchten hatten ihren Grund. Denn das Brutgeschäft auf der Insel im vorderen Vogelweiher des Tiergartens ist normalerweise ein ziemlich gefährliches Unterfangen. Dort leben sehr viele frei lebende Krähen, die sich gerne an Eiern und Jungvögeln vergreifen. Und so gehen die Pfleger sonst lieber auf Nummer sicher, legen die Eier in den Brutapparat und ziehen die Küken dann von Hand auf.

In diesem Jahr aber machten die Krähen weniger Druck, und den Pelikanen gelang es, ihre Brutinsel zu verteidigen. Deshalb wagte man im Tiergarten die natürliche Aufzucht, die die Eltern gut hinbekommen haben, wie die beiden Jungvögel beweisen: Sie bringen mittlerweils stattliche sechs bis acht Kilo auf die Waage. Am meisten erstaunt waren die Tierpfleger, als die Pelikan-Eltern ihren Nachwuchs schon im zarten Alter von vier, fünf Wochen, mit ins Wasser genommen haben – da hatten die Jungen erst einen zarten Flaum. Doch das Baden ist ihnen offensichtlich bestens bekommen. Die Zoo-Mitarbeiter konnten außerdem beobachten, dass die Jungvögel aus den letzten zwei Jahren – durchwegs Handaufzuchten – mitgeholfen haben, die beiden Babys durchzubringen: Sie bewachten sie auf der Brutinsel, wenn die Eltern auf Nahrungssuche auf dem Weiher unterwegs waren.

Neben diesen beiden natürlichen Pelikan-Aufzuchten haben die Pfleger auch in diesem Jahr zwei Eier in den Brutapparat gelegt und die am 7. und 14. Juni geschlüpften Jungen per Hand aufgezogen. So können die Besucher nun insgesamt vier junge Pelikane beobachten – zwei Rosapelikane und zwei Krauskopfpelikane.

Seekuh-Nachwuchs: Hoffen auf ein Happyend

Das Seekuh-Baby, das vor kurzem im Nürnberger Tiergarten geboren wurde, ist ein echtes Sorgenkind: Es will einfach nicht bei seiner Mutter Mara trinken. Immer noch bekommt es regelmäßig sein Fläschchen mit einer Spezialmilch vom Pfleger. In der Vergangenheit hatte schon einmal eine kleine Seekuh erst nach einigen Wochen bei seiner Mutter zu saugen begonnen. Deshalb hat man die Hoffnung auf ein Happyend auch diesmal noch nicht aufgegeben.

Es kann aber auch sein, dass das Baby von Hand aufgezogen werden muss; solche Fälle gab es schon bei den Seekühen im Tropenhaus des Tiergartens. Dabei darf man sich die Handaufzucht allerdings nicht so aufwändig vorstellen, wie sie etwa bei Flocke war. Das Baby schwimmt mit seiner Mutter bzw. den anderen Seekühen weiter im Becken, die Pfleger kümmern sich nur um seine Ernährung.

Mutter und Kind sind zwar schon ab und zu Seite an Seite geschwommen, aber im großen und ganzen ignoriert Mara ihr Baby und das Baby seine Mutter. Im Tiergarten setzt man immer noch darauf, dass sich zwischen Mara und ihrem Nachwuchs eine Beziehung aufbaut. Das geht aber nur, wenn es von außen keine Störungen gibt. Um das zu vermeiden, hat die Zooleitung entschieden, dass das Tropenhaus für Besucher weiterhin vorläufig geschlossen bleibt.

Einer der Eisbärenzwillinge ist tot

Das ist doch wirklich vertrackt: Ausgerechnet kurz vor Flockes erstem Geburtstag ist einer der beiden Eisbärenzwillinge, die Flockes Mutter Vera im Nürnberger Tiergarten am 21. November zur Welt gebracht hatte, gestorben. Soweit es auf den Aufnahmen der Kamera in der Wurfhöhle zu erkennen war, machte das Jungtier zuletzt einen schwächlichen Eindruck. Als es anscheinend schon tot war, hat seine Mutter Vera es noch angestupst und immer wieder zu ihm hingeschaut. Heute hat man dann nichts mehr von dem toten Baby gesehen.

Ich vermute fast, dass Vera das Kleine aufgefressen hat. Das tun Eisbärenmütter auch in der Natur instinktiv, wenn sie merken, dass mit ihrem Nachwuchs etwas nicht stimmt oder dass er krank ist und sich nicht gesund entwickeln wird.

Vera hatte sich die ganze Zeit um ihre beiden Babys gekümmert und sie versorgt. Das haben zumindest die Bilder der Kamera in der Geburtshöhle so vermittelt. Ich glaube, es wird ein Rätsel bleiben, was dem Kleinen gefehlt hat. Der Tod von Vilmas Zwillingen im vergangenen Jahr im Tiergarten Nürnberg hat sich ja auch nicht mit letzter Sicherheit klären lassen. Nachdem keine Überreste von ihnen in der Wurfbox gefunden wurden, ging man davon aus, Vilma habe beide aufgefressen. Warum, konnte niemand genau beantworten. Es gab nur die Vermutung, dass die Kleinen irgendwie krank geworden oder sich eine Infektion zugezogen hatten.

Nun muss man hoffen, dass wenigstens das zweite Jungtier von Vera die nächsten kritischen Wochen übersteht. Da gibt es durchaus Anlass zu Optimismus, denn bei Eisbärenzwillingsgeburten kommt bei der Aufzucht öfter nur eines der Jungen durch. Nach den Kameraaufnahmen zu urteilen, macht das übriggebliebene Baby einen gesunden Eindruck, und Vera versorgt es gut.   

Meiner Meinung nach sollte man keinesfalls eingreifen und versuchen, Vera von ihrem Baby zu trennen, zumindest solange die Situation sich nicht verändert. Eine Aufzucht von Menschenhand wie bei Flocke sollte nur im äußersten Notfall in Erwägung gezogen werden.