Der mit den Nashörnern redet – und der sie rettet

Es gehört zu den interessantesten Revieren des Nürnberger Tiergartens: das weitläufige „Revier 4“. Sein Mittelpunkt ist das Dickhäuterhaus – Kenner des Tiergartens wissen, dass es früher „Elefantenhaus“ hieß, als am Schmausenbuck noch Elefanten gehalten wurden. Im „Revier 4“ leben pflanzenfressende Tiere aus vier verschiedenen Kontinenten: südamerikanische Guanakos, schottische Hochlandrinder, aus Asien stammende Panzernashörner und Hirsche sowie die in Afrika beheimateten Somali-Wildesel und Grévy-Zebras. Die „Stars“ des Reviers sind natürlich die Panzernashörner. Derzeit gibt es im Tiergarten allerdings nur noch die oben abgebildete Nashorndame Sofie (Foto: Tiergarten Nürnberg) und ihren Sohn Sanjay. Sein Vater Ropen lebt bekanntlich seit Herbst vergangenen Jahres nicht mehr.

Jeder Tierpfleger würde wohl gern in einem solchen Revier arbeiten, in Nürnberg hat René Kaiser dieses Glück. Der stellvertretende Revierleiter berichtet am Donnerstag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens über seine Arbeit. Er will die ganz besonderen Ansprüche seiner Schützlinge vorstellen, ebenso wie das tägliche Management und das Spezialtraining mit den Tieren in seinem Revier. Außerdem geht es bei Kaisers Vortrag um die Frage, ob seine „gepanzerten“ Nashörner in Wirklichkeit nicht eher „dünnhäutige Dickhäuter“ sind. (Der Eintritt zum Vortrag ist gratis.)

In freier Wildbahn sind die asiatischen Panzernashörner stark bedroht. Dieses Stichwort bringt mich auf einen anderen Vortrag, den ich letzte Woche im Nürnberger Presseclub besucht habe. Dort war Ralph Koczwara zu Gast. Er ist Gründer der „Hemmersbach Rhino Force“, einer privaten Schutztruppe, die im südlichen Afrika den Kampf um das Überleben der Nashörner gegen Wilderer und deren Geschäfte mit asiatischen Syndikaten aufgenommen hat. (Über das Unheil, das kriminelle Tierhändler und verbrecherische Geschäftsleute aus Asien durch verbotenes Bejagen und Abschlachten von bedrohten Tierarten anrichten, habe ich in diesem Blog ja schon öfter geschrieben, etwa hier oder hier.) Etwa ein Fünftel des jährlichen Gewinns, den Koczwara mit seiner IT-Firma Hemmersbach GmbH & Co. KG macht, fließt in diesen Nashorn-Trupp. Beileibe keine geringe Summe, die Koczwara allerdings nicht veröffentlicht haben möchte. Man kann sich aber vorstellen, dass es sich um viel Geld handelt, wenn man die Firmendaten kennt: rund 3500 Mitarbeiter in 35 Ländern, 700 davon sind in Nürnberg tätig.

Ich werde demnächst über eine zweite Rettungsaktion berichten, die Ralph Koczwara gestartet hat: die Umsiedlung von bedrohten Elefanten in Gebiete, wo sie in Sicherheit leben können.

Panzernashorndame nach Fehlgeburt tot

Traurige Nachricht aus dem Tiergarten Nürnberg: Die 20-jährige Panzernashorndame Purana , die seit Juli 1993 am Schmausenbuck lebte, ist tot. Sie war bei den Zoobesuchern äußerst beliebt und hat im Tiergarten drei Jungtiere großgezogen. Der Vater der ersten beiden Jungtiere Albrecht (geboren am 8. Oktober 1999) und Hans (geboren am 29. Januar 2004) war Noel. Der Vater von Seto Paitala (geboren am 27. August 2009) ist Ropen, der noch im Tiergarten Nürnberg lebt. Auf diesem Foto ist Purana mit ihrer Tochter Seto Paitala im Januar 2010 zu sehen.

Purana war eine erfahrene Mutter. Sie hat sich vorbildlich um ihre Jungtiere gekümmert. Auch jetzt war Purana wieder trächtig; ihr Nachwuchs hätte im Frühsommer 2013 zur Welt kommen sollen. Doch am 3. November hatte sie eine Fehlgeburt. Der tote Fötus war sieben bis acht Monate alt. Ursache für den Abgang des Fötus war eine eitrige Gebärmutterentzündung. Purana wurde gegen die Infektion behandelt, und die Behandlung schlug erst einmal gut an – die Nashorndame erholte sich zunächst. Doch plötzlich zeigte sie Störungen im zentralen Nervensystem und hielt den Kopf ungewöhnlich schief. Die Zootierärzte zogen Fachärzte für Augenerkrankungen hinzu, und die diagnostizierten eine starke Entzündung in einem Auge von Purana. Man versuchte, die Infektion gezielt antibiotisch zu bekämpfen, aber der Krankheitsverlauf  war nicht mehr aufzuhalten.

Am Abend des 14. November war Purana so schwach, dass sich die Tierärzte schweren Herzens entschlossen, sie einzuschläfern. Das tote Tier wird nun im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen untersucht. Ob die Obduktion Klarheit über den Krankheitsverlauf und die Fehlgeburt bringt, weiß im Augenblick noch niemand.
Puranas  Tochter Seto Paitala hat bisher die meiste Zeit mit ihrer Mutter zusammengelebt, war aber auch schon zeitweise von ihr getrennt. Da Seto auch schon lange nicht mehr gestillt wird, hofft die Tiergartenleitung, dass sie Puranas Tod verkraftet. Bisher haben sich sowohl Seto Paitala als auch Ropen ruhig verhalten.

Wie es mit der Panzernashorn-Haltung im Tiergarten nun weitergeht, ist derzeit noch unklar. Die Zooleitung möchte Ropen auf jeden Fall hier behalten. Ob er eine neue Partnerin aus einem anderen Zoo bekommt und mit ihr weiterzüchten soll, oder ob für Seto ein Jungbulle nach Nürnberg geholt wird, mit dem sie in einigen Jahren selbst Nachwuchs haben könnte, muss von der Koordinatorin des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms entschieden werden, die im Zoo Basel sitzt.

 

Aus Schaden nicht klug geworden

Also, irgendwie werden die Australier auch nicht schlauer: Nun hat ein Wissenschaftler aus Downunder die Idee, die immer wieder auftretenden Buschbrände mit Afrikanischen Elefanten zu bekämpfen. Dabei hat es in der Vergangenheit in Australien schon ein paarmal Probleme mit Tieren gegeben, die von anderswo importiert wurden: Kamele, die man ins Land holte, damit sie Waren in der Wüste transportieren, haben auf der Suche nach Wasser ganze Dörfer belagert (darüber habe ich hier schon geschrieben). Aga-Kröten aus Amerika, die in australischen Zuckerrohrplantagen Schädlinge bekämpfen sollten, haben sich übermäßig vermehrt und setzen mit dem Gift aus ihren Drüsen den einheimischen Tieren Australiens ganz schön zu.

Und jetzt sollen also Elefanten aus Afrika Feuerwehr spielen. Nicht etwa, indem sie mit ihrem Rüssel Löschwasser versprühen. Nein, sie sollen das Bartgras in der Savannne auffressen. Dieses Gras fängt nämlich extrem leicht Feuer und wirkt regelrecht als Brandbeschleuniger. Und jetzt kommt der Clou: Auch dieses Gras haben die Australier (sie nennen es „Gamba grass“) einst aus Afrika eingeführt – als Weidegras. Inzwischen breitet es sich unkontrolliert aus, und niemand schafft es, sein Wachstum in vernünftige Bahnen zu lenken.

Tiere, die von Natur aus in Australien leben, sind zu klein, um das sehr hoch wachsende Bartgras zu fressen – deshalb schielen die Forscher von der Universität Tasmanien nun nach größeren Viechern und sind auf die Elefanten gekommen. Auch Nashörner könnten ihrer Meinung nach geeignet sein, um das Gras zu vertilgen. Auf alle Fälle halten die Wissenschaftler die natürliche Unkrautvernichtungsmethode für besser als den Einsatz von Chemie: Die wäre wiederum eine Gefahr für einheimische Tierarten.

Tja, so hat man sich nun in einen Teufelkreis hineinmanövriert, weil man der Natur ständig ins Handwerk pfuscht. Ob der Mensch irgendwann einsieht, dass er nicht ungestraft Gott spielen darf?

Krieg der Nashorn-Mafia!

Auch wenn die Emotionen beim Thema Delfine wieder mal hochkochen – wechseln wir das Thema. Es gibt schließlich noch andere Tiere auf der Welt, um die man sich Sorgen machen muss. Zum Beispiel die Nashörner. Da ist leider eine ganz ungute Entwicklung in Südafrika zu beobachten. Mag sein, dass sich manche Tierfreunde weniger darüber aufregen, weil das weiter weg ist als die Delfinlagune vor der Haustür. Mag sein, dass Nashörner einfach nicht so gut rüberkommen wie die ewig lächelnden Delfine. Oder widmen ihnen die Medien nur weniger Aufmerksamkeit? Ich weiß es nicht.

Das sind jedenfalls die traurigen Fakten: In Südafrika ist die Jagd auf die Dickhäuter zwar verboten, aber die Wilderei nimmt leider weiter zu. So wurden im Laufe dieses Jahres, das ja noch gar nicht zu Ende ist, schon 341 Nashörner Opfer von Wilderei. Im letzten Jahr waren es insgesamt 333 tote Nashörner – und das waren dreimal so viele wie im Jahr 2007. Man kann also von einer verheerenden Entwicklung sprechen.

Ich finde es besonders schlimm, dass die Nashörner nicht (nur) durch schlechte Umwelt- bzw. Lebensbedingungen dezimiert werden, wie es – leider – bei vielen anderen Tieren der Fall ist. Wilderei: Das klingt irgendwie nach früheren Zeiten, hat sogar ein wenig den Beigeschmack von Abenteuer und mutigen Männern, die sich unter Einsatz ihres Lebens auf die Pirsch machen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Die Nashorn-Wilderei hat fast schon mafiöse Züge angenommen, denn es geht um ein Millionengeschäft. Auf dem Schwarzmarkt stehen die Hörner vor allem in Vietnam, wo man ihnen Wunderwirkung in der Krebsbehandlung nachsagt, hoch im Kurs. Dort kann man mit einem einzigen Horn bis zu einer halben Millioen Dollar verdienen.

Die Regierung von Südafrika fährt scharfe Geschütze gegen die Jäger auf und setzt sogar das Militär gegen sie ein. Die Wilderer sind nämlich keine Einzelpersonen, die mal ein Tier abschießen, um ihre Familie durchzubringen. Man hat es vielmehr mit hochgerüsteten Wilderer-Banden zu tun, die über eine technische Maschinerie wie z.B. Hubschrauber, Nachtsichtgeräte und Hightech-Waffen verfügen.

In Vietnam aber schaut man offenbar untätig zu, wie der kriminelle Nashorn-Horn-Handel blüht. Nun hat der WWF Alarm geschlagen. Er fordert die Asiaten auf, sich ein Beispiel an Südafrika zu nehmen und etwas gegen die organisierten Verbrecher zu unternehmen. Der Bestand an freilebenden Nashörnern liegt in Südafrika bei 2200 Spitzmaul- und 18 800 Breitmaulnashörnern.

 

Bald Nachwuchs bei Eisbären und Nashörnern?

Wir erinnern uns noch an die ersten Monate dieses Jahres: Da blickte die ganze Welt plötzlich nach Nürnberg – in den Tiergarten, wo ein kleines Eisbärenbaby namens Flocke für ziemlichen Wirbel sorgte.

Jetzt wird wieder spekuliert: Ist Flockes Mama Vera wieder trächtig? Schließlich hatte sie mit Flockes Papa Vera im März wieder ein Treffen, bei dem es recht leidenschaftlich zuging. Die Verantwortlichen im Tiergarten halten sich allerdings noch zurück. Sie sind sich „halbwegs sicher“, dass Flocke ein Geschwisterchen bekommt. Um sich auf den Fall der Fälle vorzubereiten, haben sie schon mal Kameras in den Stallhöhlen im Sandsteinfelsen von Veras Gehege installiert. So konnten sie sehen, dass Vera sozusagen ein Nest baut: Sie hat ein Strohlager hergerichtet und es sich auch schon mal in einer der Wurfboxen bequem gemacht.

Doch ganz sicher weiß man nix. Schließlich kann man bei Eisbären nicht sehen, ob sie trächtig sind. Denn die Babys erreichen bis zur Geburt nur die Größe von Meerschweinchen, was bei der Statur von Eisbärenmüttern nach außen hin nicht auffällt. Es gibt auch keine Schwangerschaftstests für Eisbären. So lässt sich bisher lediglich aus Veras „Nestbau-Verhalten“ schließen, dass sich in Nürnberg Flocke II ankündigt – wenn sie nicht nur für sich selbst ein Winterlager einrichtet. Eisbären bringen ihre Jungen normalerweise irgendwann zwischen November und Februar zur Welt. Insofern könnte es jetzt jeden Tag bei Vera im Tiergarten so weit sein…

Auf jeden Fall darf sie in nächster Zeit nicht gestört werden. Denn Eisbärenmütter, die sich gestört fühlen, fressen ihre Jungen meist auf. Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: In der Natur kommen nur andere Eisbären für eine Störung in Frage. Und ein fremder Eisbär würde in jedem Fall die Kleinen fressen. Da greifen Eisbärenmütter im Sinne der Arterhaltung lieber selber zu, um sich mit ausreichend Energie und Nährstoffen für die nächste Geburt zu versorgen. In der Natur geht es halt manchmal ganz schön grausam zu.

Um bei Veras Gehege für möglichst viel Ruhe zu sorgen, hat die Tiergartenleitung vorsichtshalber eine Besucherterrasse bei Veras Gehege sperren lassen und will auch noch einen Unterwassergang dichtmachen.

Purana.JPGGanz nebenbei rückte der stellvertretende Tiergartenchef mit einer neuen freudigen Überraschung heraus: „Mit 99-prozentiger Sicherheit ist unsere Panzernashorndame Purana schwanger“, sagte er auf einer Pressekonferenz. Purana hat in Nürnberg schon zweimal für Nachwuchs gesorgt, es wäre also ihr drittes Baby. Auf dem Foto ist sie zusammen mit ihrem Sohn Hans zu sehen, der im Januar 2004 zur Welt kam. Auch das erste Junge von Purana war ein Bulle: Albrecht, der Liebling der Nürnberger Tiergartenbesucher, lebt mittlerweile im Zoo von Lisieux in Frankreich.