Wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“

Der Wolf ist zurück. Eine Tierart, die ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben galt. Die wir nur noch aus dem Märchen kannten, und zwar als „bösen Wolf“. Oder aus Zoologischen Gärten. Belesenen Zeitgenossen dürfte auch noch die Figur des Isegrim ein Begriff sein, ein Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs. Und dann haben die meisten von uns – zumindest hier in Bayern – auch schon mal die Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald gesehen. In freier Wildbahn hingegen, beispielsweise im „dunklen Wald“ (ebenso aus dem Märchen bekannt), da ist uns höchstens mal ein Fuchs begegnet.

Seit sich hierzulande die ersten Wölfe zögerlich in der Natur wieder angesiedelt haben, machen wir allerdings ein Riesenproblem daraus – ähnlich wie bei den Bären. Ich erinnere nur an den „Problembären“ Bruno. Der Wolf reiße Schafe, falle Touristen an, bedrohe die Existenz des Viehbestands von Bergbauern und sei überhaupt eine Gefahr für den Menschen. So liest und hört man es in den Medien. Und jetzt auch noch aus dem Nationalpark (bei Lindberg im Landkreis Regen) freigelassene Wölfe! Dass sich aus diesem Vorfall eine Tragödie entwickeln würde, war Tierfreunden wie mir von dem Augenblick an klar, als die Nachricht von der rätselhaften „Befreiungsaktion“ der sechs Tiere die Runde machte. weiter lesen

Ein Traum soll wahr werden

Wenn derzeit von Afrika die Rede ist, dann haben wir die hungernden Menschen vor Augen, die unter der anhaltenden Dürre am Horn von Afrika leiden. Manche sprechen schon von einer Jahrhundertkatastrophe. Wenig hört man bei uns dagegen von einem Jahrhundertprojekt, das im Süden des afrikanischen Kontinents verwirklicht werden soll: ein Naturschutzgebiet von der Größe Schwedens, „Kaza“ genannt. Das Wort setzt sich aus den beiden Flussnamen Kavango und Sambesi zusammen. Deutschland leistet einen Anteil von 20 Millionen Euro, um diesen afrikanischen Traum wahr werden zu lassen.

Worum geht es? Der fünf Länder umfassende Naturpark soll ein Paradies für Elefant, Flusspferd, Giraffe, Antilope, Zebra & Co. werden. Aber nicht nur Tiere sollen davon profitieren, sondern auch die Menschen in Namibia, Botswana, Sambia, Simbabwe und Angola. Zwar ist in diesen Ländern – vor allem in den beiden letztgenannten – noch längst nicht alles in trockenen Tüchern, wie man so schön sagt, um das Projekt zu realisieren. Doch Mitarbeiter des WWF zeigen sich optimistisch. Eine tragende Säule des Projekts soll die lokale Bevölkerung sein. Die Menschen in den Dörfern und die in dem Gebiet lebenden Stämme erhalten neue Gebietsrechte und werden am Tourismus beteiligt – so will man ihr Interesse am Tier- und Naturschutz sowie an der Aufrechterhaltung des Tierbestands wecken. Das deutsche Entwicklungsministerium investiert ebenso wie die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau in das Projekt. Das „Kaza-Abkommen“ wurde beim Gipfeltreffen der südafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft SADC in Luanda unterzeichnet.

In den Medien hat man kaum etwas über die Kaza-Pläne gehört. Macht sich auch nicht so gut wie Berichte über Katastrophen und bringt vielleicht nicht so viel Quote. Schade – das größte Naturschutzgebiet, das es jemals in Afrika gegeben hat, hätte meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verdient.

Filmstart für neuen "Serengeti"-Film

Es war im Jahr 1959, als der unvergessliche Film „Serengeti darf nicht sterben“ von Michael Grzimek und dessen Vater Bernhard Grzimek in die Kinos kam. Er wurde übrigens 1960 mit dem Oscar für den besten Dokumentationsfilm ausgezeichnet.

260111DOK026Über 50 Jahre später startet nun am heutigen 3. Februar in den deutschen Kinos der Film „Serengeti“ des Zoologen und Naturfilmers Reinhard Radke – ebenfalls eine Dokumentation über den berühmten Nationalpark in Tansania. Mittlerweile ist das Naturparadies durch eine geplante Straße bedroht, die den Park durchqueren und zum Viktoria-See führen soll. Diese Verkehrsverbindung hätte schlimme Folgen für die jährliche Wanderung von Millionen von Tieren nach Kenia und wieder zurück. Diese Straßenbaupläne problematisiert Radke allerdings nicht in seinem Film, was ihm Naturschützer auch schon stark angekreidet haben.

Radkes großes Thema ist der Überlebenskampf der im Serengeti-Park lebenden Tiere: Es geht schlicht und einfach um Leben und Sterben,  Fressen und Gefressen werden. Radke und sein Team haben mit modernster Kameratechnik beeindruckende Szenen von Leben und Tod, vom Kampf gegen Hunger und Durst eingefangen. Reinhard Radke geht es nicht darum, dem Zuschauer den unerbittlichen Kampf zwischen Räuber und Beutetier bis ins Detail vor Augen zu führen – die grausamsten Szenen hat er dem Kinopublikum bewusst erspart. Stattdessen macht er dem Zuschauer das meist sehr komplizierte Verhältnis zwischen Räuber und Beutetier mit brillanten filmischen Dokumenten deutlich.

Radke versucht mit seinem Film, die monumentale Schönheit des Serengeti-Nationalparks auf die Kinoleinwand zu zaubern und die Zuschauer daran teilhaben zu lassen. – Ob ihm das zu unkritisch ist, muss jeder Kinobesucher für sich selbst entscheiden.