Warum die Jagd auf Wölfe gar nicht geht

Nicht nur, weil ich Wolf heiße, ist mir die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ein wichtiges Anliegen, wie ich schon einige Male in meinem Blog deutlich gemacht habe. Umso weniger kann ich nachvollziehen, wie sich mehrere deutsche Bundesländer gegen die Wiederansiedlung dieser wunderbaren Tiere stemmen (Foto: dpa). In Bayern reagieren zum Beispiel einige Weideviehhalter, die ihre Tiere im Sommer auf die Alm lassen, regelrecht panisch aus Angst, Kühe oder Kälber könnten vom bösen Wolf gerissen werden. Und erst vor ein paar Tagen haben Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg einen Antrag im Bundesrat eingereicht, mit dem Ziel, Wolfsabschüsse künftig zu erleichtern. Dazu müsste sogar das Bundesnaturschutzgesetz geändert werden.

Und selbst das wäre nicht genug, denn die Dezimierung von Wölfen in Deutschland, die von der Großen Koalition in Berlin beabsichtigt wird, verstößt gegen EU-Recht. Laut für die ganze EU geltenden Verträgen soll der Wolf wieder in seine angestammte Heimat zuückkehren und wurde deshalb EU-weit unter den höchsten Schutzstatus gestellt. Bei Verstößen gegen dieses Recht riskiert Deutschland ein Strafverfahren. Und wer bezahlt am Ende die Zeche? Ganz klar: die deutschen Steuerzahler – also wir alle.

Schweden beispielsweise hat schon Verfahren am Hals, weil dort trotz Verbot Wölfe gejagt wurden und werden. In Schweden gibt es  bekanntlich eine starke Lobby von Jägern, Viehzüchtern und Bauern, die auf Wölfe Jagd machen (wollen). Überhaupt sind die Schweden mit dem Abschuss von Wildtieren schnell bei der Hand. Dabei haben – mal abgesehen von der EU – verschiedene schwedische Verwaltungsgerichte in mehreren Regionen des Landes schon vor ein paar Jahren ein Wolfsjagd-Verbot verhängt.

Wölfe abzuschießen, verbietet sich in Europa auch deshalb, weil sich laut Bundesministerium für Naturschutz noch längst nicht genügend Tiere wieder hier angesiedelt haben, um ihren Bestand für die Zukunft zu sichern. Sollen Wölfe etwa ein zweites Mal ausgerottet werden und dann womöglich endgültig aussterben?

Daumen hoch und runter für Tiere in Bayern

Gute und schlechte Nachrichten hat der Landesbund für Vogelschutz heute vermeldet, die ich unbedingt an meine Leser weitergeben möchte. Es geht um Gewinner und Verlierer im Tierreich Bayerns, die der LBV jetzt wieder ausgemacht hat. Demnach zählen die Fledermausart „Große Hufeisennase“ (Foto: Rudolf Leitl/LBV/dpa) und der Weißstorch in Bayern zu den Gewinnern, weil ihnen Naturschutzprojekte zugutekamen. Verlierer sind laut LBV Igel, Birkhühner und Insekten.

Sehr erfreulich ist, dass es der stark bedrohten Großen Hufeisennase in Bayern immer besser geht: Eine Kolonie dieser, wie ich finde, niedlichen Tiere – es sind die letzten Vertreter dieser Art in Deutschland –  ist in der Oberpfalz innerhalb von fünf Jahren von 67 auf 184 Exemplare gewachsen. Einer der Hauptgründe dafür ist der Insektenreichtum auf den pestizidfreien Flächen des Truppenübungsplatzes Hohenfels.

Der Bestand von Igeln, Birkhühnern und Schwebfliegen geht laut LBV hingegen zurück. Der alarmierende Schwund der Insekten im allgemeinen ist ja bekannt, bei den Schwebfliegen wurde in manchen Regionen ein Verlust von 27 Prozent der Arten und 84 Prozent der Individuen festgestellt. Und auch den Igeln im Freistaat – genauer gesagt handelt es sich um  Braunbrustigel – geht es an die Substanz. Für sie gibt es immer weniger Hecken als Rückzugsmöglichkeit. Der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft tut sein Übriges: Die insektenfressenden Igel finden dadurch nicht mehr genug Nahrung. Und noch einen Verlierer gibt es laut LBV: das Birkhuhn. Dem geht es speziell durch die Herausnahme des Riedberger Horns aus der strengsten Schutzzone in den Alpen an den Kragen, denn dort lebt die größte Birkhuhn-Population im Allgäu. – Tja, da kann man sehen, wohin es führt, wenn man nur nach wirtschaftlichem Gewinn strebt, statt die Alpen so weit wie möglich als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen.

Wen würden (Zoo-)Tiere wählen?

In zehn Tagen ist Bundestagswahl. Ich muss zugeben, dass ich noch nie so unsicher war wie diesmal, welcher Partei ich meine Stimme geben soll. Diverse Diskussionsrunden und Interviews mit deutschen Spitzenpolitikern im Fernsehen haben mir bisher auch nur bedingt weitergeholfen; zumindest weiß ich aber schon mal, wen ich nicht wähle. Mit dieser Eingrenzung auf bestimmte verbleibende Parteien habe ich den Wahl-O-Mat als Entscheidungshilfe herangezogen und bin wieder ein Stück vorangekommen: Nun sind nur noch zwei Parteien übrig, zwischen denen ich immer noch schwanke.

Da erreichte mich in diesen Tagen der Newsletter des WWF (siehe obiges Foto). Mitarbeiter der Umweltorganisation haben Interviews mit Spitzenpolitikern von CDU, SPD, DIE LINKE und den GRÜNEN geführt und herausgearbeitet, inwieweit umweltrelevante Themen Eingang in die Wahlprogramme gefunden haben. Außerdem wurden die Politiker befragt, welche Maßnahmen und Vorhaben für Natur- und Umweltschutz ihre jeweilige Partei konkret nach der Wahl angehen will. weiter lesen

Pro oder kontra Katzensteuer?

Dieses dpa-Foto ist schon über fünf Jahre alt. Aufgenommen wurde es 2011 in Brandenburg. Die Kinder, die das selbstgemalte Schild damals an einer Futterstelle für Vögel aufgestellt haben, haben schon damals auf ein Problem aufmerksam gemacht, was nun in der Diskussion hochkocht: Sind Katzen daran schuld, dass es in öffentlichen Grünanlagen und Gärten immer weniger Singvögel gibt? Jagen Katzen, die als Freigänger draußen unterwegs sind, inzwischen so viele Vögel, dass man von staatlicher Seite einschreiten und eine Katzensteuer erheben sollte? Quasi als Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden in der natürlichen Umgebung, zu der eben auch Wildvögel in bestimmter Anzahl gehören?

Natürlich war schon der erste Aufschrei von Katzenbesitzern zu vernehmen, die den Befürwortern einer Katzensteuer wiederum unterstellen, so etwas hätten sich nur Hundebesitzer ausdenken können. Weil die für ihre Vierbeiner auch vom Fiskus zur Kasse gebeten werden und schon lange finden, dass – nach dem Gleichheitsgrundsatz – auch Katzenbesitzer zahlen müssten. Eine Art Neid-Debatte, wie gerade wir in Deutschland sie gern führen. Immerhin gibt es hierzulande nach Schätzungen rund 13 Millionen Katzen. Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass mindestens zwei Millionen davon auf der Straße leben; dazu zählen auch Parks oder Industriebrachen.

Ist also eine Katzensteuer berechtigt? Politiker trauen sich in Wahljahren naturgemäß nicht an ein solch emotionsgeladenes Thema heran. Es könnte sie schließlich eine Menge Wählerstimmen kosten. Andere Interessenvertreter haben solche Ängste nicht. So spricht sich etwa der Deutsche Jagdverband für eine Katzensteuer aus. Mit dem Argument, die zweieinhalb Millionen besitzerlosen und unterernährten Katzen würden die Artenvielfalt gefährden. Katzenbesitzer müssten einfach mehr Verantwortung übernehmen. Wenn eine Kastrations- und Meldepflicht für Katzen – wie sie zum Beispiel die Stadt Paderborn 2008 eingeführt hat und weitere 430 Kommunen in Deutschland so oder ähnlich inzwischen haben – nicht den gewünschten Erfolg bringe, dann müsste eben die Politik mit der Katzensteuer eingreifen.

Der Tierschutzbund fordert wegen der zunehmenden Zahl von Katzen in Tierheimen und auf der Straße längst die bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten. Diese Tiere sind für die explosionsartige Fortpflanzung der Straßenkatzen schließlich mit verantwortlich. Der Tierschutzbund setzt sich deshalb für ein Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen ein. Der Naturschutzbund Deutschland, Nabu, setzt auf Kastrationspflicht, erteilt aber der Katzensteuer eine Absage. Eine der Hundesteuer ähnliche Katzensteuer hält man dort für politisch und gesellschaftlich nicht durchsetzbar. Dass Katzen besonders junge Vögel jagen, liege in ihrer Natur als Raubtier begründet.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat das Thema vor kurzem erneut aufs Tapet gebracht – und Katzenfreunde auf die Palme. Klar: Die Sache polarisiert wie wenige andere. In den sozialen Netzwerken schlägt die Diskussion natürlich auch hohe Wellen. – Und wie ist die Meiung der Leser dieses Blogs? Sind Sie für oder gegen die Katzensteuer?

Biber-Hochburg Nürnberg

ARCHIV - Am Ufer einer überschwemmten Oderwiese knabbert am 20.03.2009 ein Biber die Rinde von Weidenästen ab. Am 30.04.2014 beschäftigten sich die Abgeordneten des Landtags von Baden-Württemberg in einer aktuellen Debatte mit der Weiterentwicklung des Bibermanagements. Foto: Patrick Pleul/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Nürnberg entwickelt sich zur Biber-Hochburg! Auf der Wöhrder Wiese zwischen dem Wöhrder Talübergang und der Franz- Josef-Strauß-Brücke hinterlassen die Tiere deutliche Spuren, vor allem an den Ufern des Goldbachs entlang des Wöhrder Wiesenwegs, bis hin zur Hadermühle: So haben die emsigen Nager beispielsweise in der Nähe des Wöhrder Talübergangs eine 15 Meter hohe Pappel zu Fall gebracht. Weil der Baum quer über dem Wöhrder Wiesenweg lag, musste die Stelle abgesichert werden, Fußgänger und Radfahrer wurden über die Wiese umgeleitet. Zwei weitere Pappeln wurden von Bibern angenagt und wurden deshalb gefällt, außerdem musste der zuständige städtische Betrieb zwei schon umgestürzte Bäume beseitigen.

Es ist erstaunlich, was ein einziger Biber innerhalb einer Nacht an „Baumfällarbeiten“ so alles schafft: Je nach Härte des Holzes kann er einen bis zu 50 Zentimeter dicken Baum umlegen. Weil die Tiere nach der Naturschutz-Richtline der Europäischen Union geschützt sind, ist es für die Stadt Nürnberg nicht immer einfach, zwischen der Verantwortung für die Verkehrssicherheit und dem Natur- und Artenschutz abzuwägen. Deshalb beraten sich die zuständigen städtischen Dienststellen mit dem Wasserwirtschaftsamt, dem Bund Naturschutz (BN) und anderen Naturschutzexperten über den Biberbestand an der Wöhrder Wiese. Es gibt seit einigen Jahren ein Baumschutzkonzept vom U-Bahnhof Wöhrder Wiese bis zur Satzinger Mühle flussaufwärts, außerdem ist die „Biber Task Force“ des BN an den Flussufern an der Wöhrder Wiese unterwegs. Diese Truppe umwickelt zum Beispiel gefährdete Bäume zum Schutz vor Biberfraß mit einer Manschette aus Maschendraht.

Für die „Biber Task Force“ werden noch zusätzliche Mitarbeiter gesucht. Mitglieder des BN oder andere Interessenten können sich bei der Nürnberger BN-Geschäftsstelle unter Telefon 09 11/45 76 06 melden.

Rettet die Maui-Delfine!

MauidelfinDieses Foto könnte in einigen Jahren Seltenheitswert haben. Es zeigt einen Maui-Delfin (Foto: Auckland Conservancy/dpa). Das Aussterben dieser ausschließlich vor der Küste Neuseelands lebenden Meeressäuger ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Im Augenblick wird der Bestand dieser kleinsten Delfine der Welt – sie werden nur etwa 1,40 Meter groß und haben eine abgerundete Rückenflosse – auf ganze 45 (!!!) geschätzt. Vor 40 Jahren waren es laut Naturschutzbund (Nabu) noch etwa 2000 Exemplare. Tierschützer gehen davon aus, dass die Art in 15 bis 20 Jahren komplett verschwunden sein wird. Und sie werfen der neuseeländischen Regierung vor, der Entwicklung seit Jahren untätig zuzuschauen. Denn die Delfine bleiben häufig in den Schleppnetzen industrieller Fischer hängen. Etwa 95 Prozent dieser Meeressäuger sterben offenbar durch die Fischerei.
Als weiteres Problem kommt hinzu, dass sich Maui-Delfine sowieso besonders langsam vermehren. Bei Nabu hat man folgende Rechnung aufgemacht: Es würde über 80 Jahre dauern, bis der Bestand wenigstens wieder die 500er-Marke erreicht. Allerdings dürften dafür keine Tiere mehr durch Fischerei sterben. Und es gibt noch einen Negativfaktor: Der Lebensraum dieser kleinen Delfine wird immer interessanter für Ölfirmen. Sie sind durch ihre Bohrungen eine zusätzliche Bedrohung für die Art.
Naturschützer hoffen nun auf Druck durch die Öffentlichkeit, auf Proteste, an denen die Regierung nicht so einfach vorbeikommt. Die Hauptforderung sind mehr Schutzgebiete füßr die Maui-Delfine. Im Gegensatz zu den Verantwortlichen sind die Tierschützer nicht der Meinung, dass die bisherigen Gebiete genügen.

Hommage an Bernhard Grzimek

Wenige Wochen vor seinem 106. Geburtstag – geboren wurde er am 24. April 1909 – kehrt er ins Fernsehen zurück: der  große Bernhard Grzimek. Natürlich nicht er selbst, schließlich ist er schon 1987 gestorben. Grzimek ist in Person des Schauspielers Ulrich Tukur zu sehen (Foto unten). Die ARD drehte einen zweiteiligen Fernsehfilm über das Leben des berühmten Tierarztes, Frankfurter Zoodirektors und Tierfilmers Bernhard Grzimek. Ausgestrahlt wird das Werk auf einen Rutsch am Karfreitag, 3. April, ab 20.15 Uhr. Wer nach 165 Minuten noch immer nicht genug hat, kann sich danach noch eine halbstündige Doku über das Leben und Wirken von Grzimek reinziehen. Beide Sendungen tragen den schnörkellosen Titel „Grzimek“.
GrzimekVor sechs Jahren, zum 100. Geburtstag des großen Tierfreunds, habe ich ihn hier schon einmal gewürdigt. Sein Leben lang hat er sich unermüdlich für Tiere, Natur und Umwelt eingesetzt. Die Sendung „Ein Platz für Tiere“ – die mittlerweile Kult ist – hat ihn fast 30 Jahre lang direkt in die deutschen Wohnzimmer gebracht, immer zusammen mit einem lebendigen Tier, das bei seiner Moderation dabei sein durfte  – oder, aus heutiger Sicht, eher musste. „Ein Platz für Tiere“ startete in den 1950er Jahren, lief also in einer Zeit, als man noch nicht zwischen -zig Fernsehkanälen wählen konnte. Deshalb sah ihn praktisch jeder Zuschauer, der den Apparat an diesem Abend einschaltete.
Als Themen wie Tier-, Arten- und Naturschutz bei uns noch niemanden sonst interessierten, war Grzimek schon Vorkämpfer für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume von Tieren, vor allem auf dem afrikanischen Kontinet. Er engagierte sich dort für die Einrichtung von Naturreservaten und setzte sich mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ selbst ein Denkmal: Als erste deutsche Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg  wurde sie 1960 mit einem Oscar ausgezeichnet. Aber Grzimeks Freude darüber dürfte sich in Grenzen gehalten haben, denn ausgerechnet bei den Dreharbeiten zu diesem Werk kam sein Sohn Michael durch einen Flugzeugabsturz ums Leben; er wurde nicht einmal 25 Jahre alt. Ein weiterer schwerer Schicksalsschlag traf Grzimek, als sein Adoptivsohn Thmoas 1980 Selbstmord beging.
Die Drehbuchautoren mussten in Grzimeks Fall nicht allzu viel Phantasie mitbringen. Denn das Leben dieses Mannes war gespickt mit privaten Höhen und Tiefen und bietet so jede Menge Stoff für großes Kino, oder besser gesagt: für großes Fernsehen. Regisseur Roland Suso Richter und die Besetzung der Person Grzimeks mit Ulrich Tukur sowie seiner Frau Hilde mit Barbara Auer lassen auf einen packenden Fernsehabend hoffen!

Blick auf das „Barometer des Lebens“

Es ist kein Jubiläum, das Anlass zum Feiern gibt, aber eines, das für die Tierwelt und den Naturschutz äußerst wichtig ist: Die „Rote Liste“, auf der die gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tierarten geführt werden, gibt es seit 50 Jahren. Auf der Liste, die als absolute Richtschnur für den internationalen Naturschutz gilt, steht zum Beispiel auch das WM-Maskottchen Fuleco, über das ich hier auch geschrieben habe.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat die Liste 1964 ins Leben gerufen; die Organisation hat ihr Hauptquartier in Gland in der Schweiz. Am Anfang wurden nur Säugetiere und Vögel erfasst, inzwischen enthält die Liste alle Tierarten und zusätzlich Pflanzen. Nach dem neuesten Stand sind 22 000 Tier- und Pflanzenarten in ihrer Existenz bedroht. Dazu gehört das Dreibindengürteltier Fuleco ebenso wie die Feuchtnasenaffen in Madagaskar, die Japanischen Aale oder mehrere Nashornarten in Afrika.

Rote ListeDie Liste wird an Tausende von Fachleuten verschickt. Es handelt sich mittlerweile um die umfangreichste – und leider ständig wachsende – Datensammlung, die den aktuellsten Zustand der Tier- und Pflanzenwelt wiedergibt und zusätzlich dokumentiert, was die einzelnen Arten für das Leben auf der Erde insgesamt bedeuten. In Fachkreisen wird die Liste auch als „Barometer des Lebens“ bezeichnet.

Auf der Liste gibt es neun verschiedene Stufen. Ganz unten steht „LC“ für Least Concern, was so viel wie „nicht gefährdet“ bedeutet. „VU“ ist die Abkürzung für „Vulnerable“ und kennzeichnet die als „verletzlich“ einzustufenden Arten, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, schon in naher Zukunft auszusterben – wie etwa das WM-Maskottchen. „CR“ heißt „Critically Endangered“: Diese Arten sind in unmittelbarer Gefahr, auszusterben, und mit „EX“ („Extinct“) werden bereits ausgestorbene Arten markiert.

So alarmierend die Berichte sind, so haben sie immerhin schon dazu beigetragen, dass in verschiedenen Teilen der Welt Naturschutzmaßnahmen ergriffen wurden, die ohne sie wohl niemals zustandegekommen wären. Trotzdem sterben Fachleuten zufolge jedes Jahr einige Tausend Tier- und Pflanzenarten aus. Das klingt erst einmal niederschmetternd, muss jedoch mit folgender Zahl in Zusammenhang gebracht werden: Nach Schätzungen existieren auf der Erde bis zu 100 Millionen Arten. Dazu zählen winzige Pilzkulturen ebenso wie riesige Meeressäugetiere. Auf der Roten Liste sind bisher „nur“ 74 000 Arten erfasst – es bleibt für die Mitarbeiter der IUCN also noch unendlich viel zu tun: Die Organisation hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2020 die Zahl der aufgeführten Arten auf 160 000 zu bringen. Eine wahre Mammutaufgabe – und eine teure dazu, denn pro Jahr kosten Dokumentation und Aktualisierung der Roten Liste immerhin fünf Millionen Dollar.

Veitshöchheim ist überall

Der Tiergarten Nürnberg bietet nicht nur seinen Zootieren – am Schmausenbuck werden rund 280 verschiedene Arten gehalten – ein Zuhause. Da es ein Landschaftszoo ist, der mitten im Reichswald liegt, leben natürlich auch viele heimische Tierarten dort, angefangen von Vögeln über Nagetiere bis hin zu Amphibien. Und natürlich jede Menge Insekten, die dort wegen der großen Pflanzenvielfalt beste Voraussetzungen vorfinden.

In den Souvenirläden des Tiergartens kann man eine Samenmischung kaufen, die sich „Veitshöchheimer Bienenweide“ nennt – eine besonders blütenreiche Mischung, die aus mehr als 40 ein- und mehrjährigen Wild- und Kulturarten besteht  – eine ideale Heimat für Schmetterlinge und Co.  Die verschiedenen Pflanzen blühen von April bis November, so dass man sich immer wieder an neuen Blüten freuen kann. Zusammengestellt wurde die Mischung von der bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim. (Wahrscheinlich ist der Ort den meisten eher durch die „Fastnacht in Franken“ bekannt.) Die Samenmischung enthält zum Beispiel Buchweizen, Borretsch, Dill, Färberkamille, Fenchel, Wilde Malve, unterschieliche Kleesorten, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Margeriten, Luzerne, Schafgarbe, Wiesensalbei und Sonnenblumen, um nur die Bekanntesten zu nennen.

Ich habe vor meiner Abreise nach Italien, die mittlerweile schon drei Wochen zurückliegt, ein Tütchen mit der Mischung als Andenken an den Tiergarten geschenkt bekommen. Hier in Bolsena habe ich zum Glück eine Terrasse, auf der ich schon verschiedene Blumen angepflanzt habe. In einem Blumenkasten habe ich den Samen der Bienenweide ausgesät. Wir hatten in den letzten beiden Wochen hier allerdings wesentlich schlechteres Wetter als zu Hause in Mittelfranken, so dass es etwas gedauert hat, bis die Samen aufgegangen sind. Aber nun sieht man  schon die ersten Pflänzchen, und ich bin gespannt, ob daraus eine so bunte Wiese wird wie auf diesem Foto, das auf der Samentüte abgebildet ist. Eines weiß ich allerdings jetzt schon: Ein Känguru wird hier nicht im Kasten mit der Bienenweide herumspringen – schade eigentlich!

 

Wolf unter Verdacht

Wenn man Wolf heißt, ist man wohl bei jeder Meldung alarmiert, die man über diese Tierart aufschnappt. So geht es mir zumindest, und so ist es auch wieder bei diesem Vorfall: Im Inntal, südlich von Rosenheim, wurde eine Hirschkuh gerissen – und ein Wolf steht unter Verdacht, dafür verantwortlich zu sein. Der Nachweis dafür wurde bisher noch nicht erbracht, die DNA-Analyse soll erst in etwa zwei Wochen vorliegen. Am Kadaver deutet einiges darauf hin, dass es ein Wolf war; die Behörden können derzeit aber auch nicht ausschließen, dass ein streunender Hund der Bösewicht war. Die Hirschkuh war tot auf einer Wiese am Waldrand gefunden worden.

Die Bauern im Inntal fürchten, dass ein Wolf aus den Südwestalpen eingewandert ist und ihr Vieh bedroht. Ich halte das Ganze allerdings für Panikmache – denn selbst wenn sich wirklich ein Wolf länger in dem Gebiet aufhalten sollte, was wäre daran so schlimm? Ein einzelner Wolf ist kein Monster, und auch sein Appetit ist begrenzt. Und wenn er ein Tier reißt, dann greift das Wildtiermanagement, das für Verluste finanziell aufkommt, wenn Tierhalter trotz Vorsorgemaßnahmen (wie z.B. Elektrozäunen) Verluste erleiden. Dieses Managment tritt bei allen sogenannten großen Beutegreifern in Kraft; dazu zählen Bären, Wölfe und Luchse. Elektrozäune können die Bauern außerdem kostenlos ausleihen.

Es gibt einen Entschädigungsfonds, der hauptsächlich vom Freistaat Bayern finanziert wird. Darin sind die jeweiligen Summen für Nutztierverluste genau festgelegt, für ein getötetes Pferd etwa gibt es höchstens 5000 Euro. Die Behörden finanzieren auch Pilotprojekte wie die Anschaffung von Herdenschutzhunden. Für Almen bestehen eigene Schutzmöglichkeiten, beispielsweise die Behirtung, oder die Herden werden nachts eingepfercht. Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern beschäftigt eine eigene Wolfsbeauftragte, bei der sich die Bauern Informationen zum Wildtiermanagement holen können und die sie auch beim Kontakt mit den Behörden unterstützt.

Kein Grund zur Panik also. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder zu solchen Aufgeregtheiten kommt wie vor drei Jahren, als ein Wolf durch das Mangfallgebirge streunte. Dieses Tier hatte einiges Rotwild, ein paar Rehe und Schafe gerissen, bevor plötzlich Schluss damit war. Ob der Wolf an der Staupe verendete oder einem Wilderer zum Opfer fiel, konnte nicht geglärt werden. Auf jeden Fall fallen Wölfe in Bayern unter den strengen Artenschutz – das ist hoffentlich auch den Bauern und Almwirten im Inntal klar!