Freude oder Ärger über diese „neue Art“?

NandusWaschbären sind in meinem Blog schon ein Dauerthema. Kein Wunder, sie nehmen hierzulande einfach überhand. Nun kündigt sich der nächste Fall von Neozoen an – also von Tieren, die bei uns ursprünglich nicht vorkamen, aber mit Hilfe des Menschen auf verschiedenen Wegen hierher gelangt sind. Es handelt sich um wildlebende Nandus. Eigentlich in der südamerikanischen Pampa beheimatet und dort vom Aussterben bedroht, lassen sie sich immer öfter in Norddeutschland nieder und vermehren sich eifrig. Man trifft sie häufig auf Weiden an, wo Rinderherden grasen. Auch den Nandus schmeckt das frische Grün offensichtlich hervorragend. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern lässt die Laufvögel zahlenmäßig erfassen.

Nandus kann man recht leicht zähmen, sie werden deshalb auch von Vogelliebhabern privat gehalten. Wahrscheinlich ist die wilde Population dieser großen Vögel in Norddeutschland auf einige Einzelexemplare zurückzuführen, die einst aus einer Zucht bei Lübeck ausgebüxt sind. Momentan breiten sie sich weiter in Richtung Osten aus. Nach Schleswig-Holstein haben sie es jedoch auch geschafft, und dort wurde das Umweltministerium ebenfalls auf sie aufmerksam.

Da er eigentlich gar nicht in Deutschland lebt, hat der Nandu hier auch keine natürlichen Feinde – wie andere Neozoen auch. Höchstens die Nandu-Küken fallen manchmal Jägern wie dem Fuchs oder dem Adler zum Opfer. Oder – allerdings ganz selten – dem Menschen, beziehungsweise einer Waffe, die jeder besitzen darf: dem Auto.

Natürlich schimpfen – wie in solchen Fällen üblich – die Bauern besonders laut über die unerwünschten Eindringlinge: Sie fressen offenbar besonders gerne Rapsblüten oder zertrampeln sie, so dass die Pflanzen dann keine Früchte hervorbringen können. Bisher sind Nandus geschützt, weil sie auf der Artenschutzliste stehen. Die Landwirte dürfen sie nicht jagen – ja noch nicht einmal verscheuchen. Sie wollen, dass die Vorschriften geändert werden und fordern Ersatzzahlungen bei Schäden, die durch die Laufvögel verursacht werden. Forscher hingegen halten die durch Nadus entstehenden Verluste eher für gering. Die Bauern seien auch selber mit schuld an der Ausbreitung der Tiere: Weil sie auf riesigen Flächen Raps anbauen und so ideale Voraussetzungen für die Nandus schaffen, würden sie die Verbreitung der Vögel sogar unterstützen.

Und – zu welcher Meinung tendieren Sie/tendiert Ihr? Das würde mich interessieren, weil hier im Blog viele Leute Kommentare schreiben, die sich mit tierischen Themen bestens auskennen.