Und so gehen die Geschichten weiter

Uns Journalisten wird ja oft vorgeworfen, wir würden Geschichten nur kurz aufgreifen und dann wieder fallenlassen. Das möchte ich – wenn möglich – in meinem Blog nicht tun. Deshalb heute zwei Nachträge zu meinen letzten beiden Beiträgen über Knut und die Kobra im Bronx-Zoo.

Dass Knut an einem Gehirndefekt starb, stimmt zwar. Inzwischen haben aber die Tierärzte, die an der Obduktion des berühmten Berliner Eisbären beteiligt waren, die Todesursache noch etwas präziser beschrieben. Demnach hat Knut vor seinem plötzlichen Tod bereits wochenlang – vielleicht sogar seit Monaten – an einer Gehirnentzündung gelitten. Zu dieser Entzündung, so haben die Veterinäre herausgefunden, ist es durch eine Virusinfektion gekommen. Auch das Rückenmark war davon betroffen, und man stellte fest, dass es innere Blutungen gegeben hat. Nach dem Erreger dieser Infektion sucht man noch. Die Gehirnentzündung soll so schlimm gewesen sein, dass sie tödlich für Knut enden musste. Außerdem waren die Hirnwasserkammern erweitert und Nervenwasser konnte nicht richtig abfließen.

Nun zur twitternden Kobra in New York, die im Bronx-Zoo verschwunden war. Es handelt sich um eine Uräusschlange, die inzwischen wieder aufgetaucht ist. Und zwar im Reptilienhaus selbst, wo sie sich gut versteckt hatte. Für die Menschen in New York bestand also keine Gefahr, denn Zoo-Mitarbeiter hatten das Reptilienhaus sofort geschlossen, als sie merkten, dass sich die Schlange nicht mehr in ihrem Terrarium befand. Dieses Gebäude bietet offenbar geradezu ideale Voraussetzungen für ein sicheres Versteck: Es ist verwinkelt und sehr unübersichtlich durch die vielen Pumpen und Rohre, die zur Haustechnik gehören. Die Schlange war während ihrer „Flucht“ zum Twitter-Star geworden. Zuletzt verfolgten 200 000 „Follower“, was die Schlange erlebte und wo sie sich angeblich gerade aufhielt. Welcher menschliche „Ghostwriter“ sich für das Tier auf Twitter austobte, bleibt weiter ein Rätsel.

Jetzt twittern schon Schlangen

So etwas gibt es auch nur in den USA. Da büxt eine Kobra erst aus dem Zoo in der New Yorker Bronx aus und verschwindet spurlos. Gut, bis hierhin könnte die Geschichte auch bei uns passiert sein. Doch nun kommt es: Die vermisste Giftschlange twittert und ist quasi über Nacht zum neuen Star auf Twitter geworden. Schon weit über 25 000 „Follower“ hat sie schon für sich gewinnen können.
Sie hat zum Beispiel getwittert, dass sie sich bei den Tieren des Films „Madagascar“ bedankt: „Sie waren eine wahre Inspiration für mich.“ In diesem Film waren ebenfalls Tiere aus dem Bronx-Zoo geflohen. Später hat die Kobra über Twitter wissen lassen, dass sie sich im Naturhistorischen Museum in New York in der Schlangenausstellung befinde und sich völlig ruhig verhalte. Sehr originell.
Kein Mensch weiß bisher angeblich, wer hinter der twitternden Schlange steckt.
Auf jeden Fall hat man das Reptilienhaus im Bronx-Zoo vorsichtshalber geschlossen. Die Zoo-Mitarbeiter gehen nämlich davon aus, dass sich die Bewohnerin irgendwo in dem Haus verkrochen hat. Die Suche nach ihr war bislang aber erfolglos. Bei dem Tier handelt es sich um eine ägyptische Kobra, die erst ein paar Monate alt und ungefähr einen halben Meter lang ist. Sie soll für Menschen nicht besonders gefährlich sein, weil sie normalerweise den Kontakt zu ihnen meidet und sich hauptsächlich von Kröten und Vögeln ernährt.
Aber was heißt bitteschön normal in einer Welt, wo Schlangen Stars bei Twitter werden???

Die Amis sind tierisch drauf

Also, ich kann mich immer wieder nur über Amerika wundern. Dort passieren absolut widersprüchliche Dinge, die für mich einfach nicht zusammengehen. Zum Beispiel heute: Die so tierbegeisterten Amerikaner freuen sich über die neue Fluglinie „Pet Airways“. Sie transportiert nur Tiere. Eine echte Erleichterung, weil die sonst meist im Frachtraum landen, was manchen ganz und gar nicht gut bekommt. Verschiedene Linien lehnen tierische Fluggäste auch ganz ab. „Pet Airways“ bringt die Hunde, Katzen und sonstigen Vierbeiner im Flugzeug selbst unter, wo sie in Käfigen transportiert werden. Allerdings ohne die Begleitung von Herrchen und Frauchen, die mit einer „Menschenlinie“ fliegen müssen.

So weit, so gut. Doch am selben Tag erreicht uns die Meldung aus den USA, dass die Stadt New York 2000 kanadische Gänse (Foto: pixelio/kklausi) umbringen lässt – „aus Sicherheitsgründen“. Denn diese Vögel hatten letztlich die Notlandung eines Airbus auf dem Hudson River im Januar dieses Jahres verschuldet. Schon bisher wurden deshalb immer wieder Gänse gekeult, aber jetzt müssen 2000 Artgenossen im Umkreis von acht Kilometern um die Flughäfen JFK und LaGuardia zur Strafe ihr Leben lassen, damit sie nicht mit Flugzeugen zusammenstoßen können! Besonders unfair: Die Tierfänger nutzen die Zeit der Mauser, in der die Gänse nicht einmal fliehen können.

Als ob nur Gänse Flugzeugen gefährlich werden könnten! Da sollten die so sicherheitsbewussten Zuständigen auch gleich noch alle Singvögel mit abschlachten, denn auch Schwärme von kleineren Vögeln haben schon zu Flugzeug-Unfällen geführt.  Als Asterix-Fan fällt mir dazu nur ein: Die spinnen, die Amis!

Originelle Werbung für den Klimaschutz

Werbung für Flocke und den Klimaschutz: Wir erinnern uns an die wenig originellen Plakate, die sich man sich bei der Metropolregion Nürnberg zu diesen Themen hat einfallen lassen. Auf den Spruch „Knut war gestern“ hatten nicht nur Tierfreunde sauer reagiert.

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Dass es auch anders geht, zeigt diese Idee der New Yorker U-Bahn. Die macht mit einer witzigen, fast schon künstlerischen Aktion über U-Bahn-Lüftungsschächten geschickt gleich doppelt Werbung: für den Klimaschutz und dafür, dass möglichst viele Leute das Auto stehen lassen und U-Bahn fahren.