Salomon macht Kunstalgen den Garaus

„Seelöwen fraßen Delfinen die Algen weg“, meldete die in ihrer heutigen Online-Ausgabe. Daraufhin haben gleich einige Leser beim Tiergarten Nürnberg angerufen und sich erkundigt, ob sie helfen könnten. Ein Mann hat sogar Algen aus seinem Swimmingpool angeboten. Doch so einfach ist die Sache nicht – und zwar aus mehreren Gründen.
Die Kelpalgen, um die es sich handelt, sind nämlich künstliche Wasserpflanzen. Der Tiergarten hat sie von einer dänischen Spezialfirma bezogen, die auch den Zoo von Bristol in Südengland beliefert. Dort ist die 1999 eröffnete Anlage für Seelöwen und Pinguine eine der Hauptattraktionen. Nach den guten Erfahrungen mit diesem Kelp in Bristol hat sich die Leitung des Tiergartens entschieden, ihn  auch für die Lagune in Nürnberg zu bestellten. Er wurde im Frühjahr von Tauchern im Boden der Lagune befestigt (wie auf diesem Foto von Mathias Orgeldinger zu sehen). Echter Kelp, der nur in Salzwasser und nur in Uferzonen von Meeren in gemäßigten Breiten gedeiht, ist unter künstlichen Bedingungen schwierig zu halten. Und kaum jemand dürfte in der Lage sein, die synthetischen Gewächse von natürlichen zu unterscheiden.
Die Unterwasserdekoration aus Kelpwald und Felsen in der Lagune soll den Großen Tümmlern und Seelöwen eine optische Abwechslung bieten, aber auch den Zoobesuchern, die durch die große Panoramascheibe in die Becken schauen. Eine Zeitlang gab es kein Problem damit, doch dann entdeckte vor etwa einer Woche Seelöwe Salomon seinen Spieltrieb. Er ist mit zwei Jahren ein echter Flegel und – obwohl noch nicht einmal in der Pubertät – ziemlich rabiat. Der Kelp war nicht mehr sicher vor Salomon, der nicht etwa nur ein bisschen daran herumspielte. Nein, er leistete ganze Arbeit, beutelte die mit viel Aufwand installierten Pflanzen und riss sie teilweise ganz heraus. Wer weiß – vielleicht lehnt er Plastikpflanzen ab oder findet sie kitschig?
Salomon war offenbar nicht der alleinige Übeltäter. Er dürfte zumindest einen Komplizen gehabt haben. Sollten die beiden beim Anknabbern etwas vom Kunst-Kelp verschluckt haben, scheint es ihnen jedenfalls nicht geschadet zu haben: Die achtköpfige Seelöwen-Truppe in der Lagune ist wohlauf. Trotzdem wurde der gesamte Kelp entfernt – „vorsichtshalber“, wie es seitens der Zooleitung heißt. Salomons Verbiss hatte also (den gewünschten?) Erfolg.

Schwebfliege imitiert Hummel

Neulich bei uns, in der NZ-Lokalredaktion: Der Fotograf hatte ein schönes Bild zum Thema Frühling gemacht, und eine Kollegin sollte einen kurzen Text dazu schreiben. „Summ, summ, summ! Bienchen, summ herum…“, fiel ihr dazu ein. Ein anderer Kollege meldete jedoch Zweifel an: Ist das nun wirklich eine Biene auf dem Foto? Denn da reagieren die Leser sehr ungehalten, wenn in der Zeitung bei Tier- und Pflanzennamen Fehler drin stehen.

Auf der Suche nach einem Experten mailte die nächste Kollegin einem freien Mitarbeiter der NZ, der Tier-Fachmann ist, das Foto nach Hause. Wissenschaftlich sorgfältig, wie er ist, nahm er sich viel Zeit und scheute keine Mühe, um das Viech auf dem Bild zu identifizieren. Die Antwort, die er an die Redaktion schickte, lässt sich sehen. Ich möchte sie meinen Blog-Lesern deshalb nicht vorenthalten:

Ein Insekt anhand einer Seitenansicht, ohne Größenangabe und vor einem farbigen Hintergrund zu bestimmen, ist sehr schwer. Ich kann auf dem Foto nicht sicher erkennen, ob das Insekt zwei oder vier Flügel hat. Fliege oder Hautflügler? Es gibt zahlreiche Schwebfliegen, die Hummeln imitieren. Aufgrund der Augenform würde ich trotzdem auf die Ordnung der Hautflügler tippen. Vermutlich aus der Familie der Bienen. Vermutlich eine der 36 Hummelarten, die in Deutschland vorkommen. Aber das ist nur eine Vermutung. Sorry.

Weniger wissenschaftlich, sondern praktisch-zupackend ging dann der Kollege aus dem Bayernressort an die Sache heran: „Das ist eine Wildbiene“, sagte er wie aus der Pistole geschossen. So steht es nun auch im Bildtext der NZ-Ausgabe vom Mittwoch, 15. April. Noch hat sich kein Leser beschwert…

Tier-Blogger sind im Urlaub

Es ist mal wieder so weit: Ich habe zwei Wochen Urlaub. So sehr ich mich darauf freue, bedeutet es doch auch, dass ich mein Blog vernachlässigen muss. Das ist mir jetzt echt peinlich, denn in den beiden letzten Monaten hatte mein Tier-Blog die meisten Zugriffe von allen NZ-Blogs (danke fürs Klicken und Kommentieren, liebe Leser!).

Aber ich fahre in ein Bergdorf am Dachstein, und da möchte ich mal richtig abschalten vom Redaktionsalltag. Deshalb habe ich auch eine Ferienwohnung ohne Internetzugang gemietet. Im Urlaub habe ich auch keine Lust, ein Internet-Café zu besuchen. Deshalb werde ich also nichts Aktuelles bloggen können.

Es hat sich ja aber in der Vergangenheit schon bewährt, dass mein Kollege Marco Puschner, der zweitgrößte Tierfreund in der NZ-Lokalredaktion, ab und zu für mich einspringt und einen Beitrag schreibt. Marco hat sich freundlicherweise wieder dazu bereiterklärt. Allerdings: Unsere Urlaube überschneiden sich diesmal um eine Woche, und so wird es mit dem Einspringen wahrscheinlich auch nicht so leicht sein.

Also: Bitte haben Sie/habt Nachsicht mit den urlaubsreifen NZ-Redakteuren. Frisch erholt fällt uns dann (hoffentlich!!) wieder viel für dieses Blog ein!!

Muss mehr Flocke ins Blatt?

Braunbaer.JPGKürzlich erreichte uns in der Redaktion der Anruf einer ärgerlichen Leserin. Tagelang schon, meinte die Frau, habe sie in der Nürnberger Zeitung nichts mehr Neues über Flocke gelesen. Dabei sei das Eisbärbaby doch das Einzige, was Nürnberg habe.

„Der Club, der bringt doch auch nix mehr“, schimpfte die Leserin. Sie komme nicht so oft in den Tiergarten und sei deswegen auf unsere Berichterstattung angewiesen.

Weissbaer.JPGUnseren Hinweis, dass einerseits auch andere Themen ins Blatt drängen und andererseits nicht alle Leser Flocke-Fans seien, ließ sie nicht gelten: „Die Menschen, die Flocke nicht mögen, sind hartherzig.“ Wir haben über die Ansicht der erbosten Leserin beraten und beschlossen: Sie hat Recht, Flocke muss wieder mal ins Blatt. Also ist unser Fotograf Harald Sippel in den Tiergarten gedüst und hat dort Flockes Wandel vom Braun- zum Weißbär nach einem beherzten Sprung ins Wasser beobachtet. Für ein schönes Bildmotiv, im Journalistenjargon „Schmuckbild“ genannt, ist Flocke immer gut, auch wenn sich der Text daneben oder drunter dann manchmal eben etwas in Grenzen hält.

Das grundsätzliche Problem, das die Kollegin Ute Wolf an dieser Stelle ja schon thematisiert hat, bleibt freilich: Uns gehen derzeit etwas die Flocke-Neuigkeiten aus, die Kleine wächst und gedeiht und dankenswerterweise gibt es keine Komplikationen. Aber vielleicht widerlegt ja der andere lokale Hoffnungsträger unsere Leserin: Beim 2:0 über Duisburg hat der Club jedenfalls mal wieder ein Lebenszeichen gegeben…

NZ-Buch "Flocke und ihre Freunde"

NZ-Buch “Flocke und ihre Freunde im Tiergarten Nürnberg”Wir Journalisten sollen heutzutage ja „crossmedial“ denken. Hat mir erst kürzlich ein Kollege gesagt, der für die NZ selbst in einem Blog schreibt.

Also denke ich jetzt crossmedial und mache nicht in der NZ Werbung für die Online-Ausgabe unserer Zeitung, sondern umgekehrt im Blog für die NZ. Beziehungsweise – noch viel altmodischer – für ein Buch. Ein Buch, das ich aus Flocke- und Tiergarten-Artikeln und -Fotos in der NZ zusammengestellt und aktualisiert habe und das die Nordbayerische Verlagsgesellschaft herausgegeben hat: „Flocke und ihre Freunde im Tiergarten Nürnberg“ heißt es und ist ab sofort für 5 Euro im Flocke-Shop im Tiergarten und in allen NZ- und NN-Geschäftsstellen in Nürnberg, aber auch  im ganzen Großraum, erhältlich. Vom Verkaufspreis geht 1 Euro pro Exemplar an den Tiergarten und kommt dadurch wieder Flocke und ihren Freunden zugute. Deshalb ist es mir auch nicht peinlich, hier Reklame dafür zu machen.

So, und jetzt denke ich wieder normal und nicht crossmedial!!!