Weltpremiere in Wien

Dem Wiener Zoo in Schönbrunn ist eine echte Weltpremiere gelungen: Die Afrikanische Elefantenkuh Tonga wurde mit dem tiefgefrorenen Samen eines in Südafrika in freier Natur lebenden Elefantenbullen künstlich befruchtet – und ist jetzt im neunten Monat trächtig. Auf dem Ultraschallbild ist der im November letzten Jahres gezeugte Embryo gut zu erkennen. Wenn alles gutgeht, soll der kleine Elefant im Herbst 2013 geboren werden.

Künstliche Befruchtung mit Elefantensamen aus anderen Zoos: Das hat es schon mehrmals gegeben. Aber mit der neuen Methode, bei der das Sperma bei minus 196 Grad tiefgefroren wird, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Sie könnte bahnbrechend sein für den Artenschutz. Denn damit lässt sich die genetische Vielfalt der im Zoo lebenden Tiere erweitern.

Forscher gehen davon aus, dass die Methode künftig nicht nur bei Elefanten angewendet wird. Sie könnte auch eine wichtige Rolle bei der Erhaltung anderer bedrohter Tierarten wie Gorillas oder Nashörner spielen. Der Elefantenbulle, von dem das Sperma für Tonga stammt, wurde vom Flugzeug aus betäubt. Nachdem er von Tierärzten untersucht worden war, nahmen sie ihm mit einer „Elektro-Ejakulation“ Sperma ab. Der Samen wurde dann in einer Forschungsstation stufenweise mit Stickstoff heruntergekühlt und eingefroren. Mit diesem Verfahren konnten bisher erstmals die sehr empfindlichen Elefantenspermien am Leben erhalten werden.

Eine künstliche Besamung von Elefanten ist seit 1998 möglich. Sie war aber bislang schwierig, weil frischer Samen exakt im Moment des Eisprungs der Elefantenkuh schnell von einem Zoo zum nächsten geflogen werden musste. Durch die neue Methode könnte in den Zoos auf einfachere Weise mehr Nachwuchs gezeugt werden, denn der gefrorene Samen lässt sich bis zum optimalen Zeitpunkt aufheben. Später wäre es möglich, aus den auf diese Weise gezeugten Elefanten neue Gruppen zu bilden, in denen sich die Tiere dann auf natürlichem Weg paaren könnten.

Arme Schweine!

Es ist unglaublich, was Tiere im sogenannten Dienst der Wissenschaft alles erleiden müssen. Ein besonders krasser Fall hat sich gerade wieder in Österreich zugetragen und führte zu wahren Proteststürmen. Nicht etwa Ratten oder Mäuse wurden dort das Opfer grausamer Tierversuche, sondern – Schweine. Wohl weil sie uns Menschen so ähnlich sind, die Ärmsten!

lawinengefahrWas ist passiert? – Im Ötztal verschütteten Wissenschaftler der Uni Innsbruck 29 Schweine im Schnee, um sie beim langsamen Ersticken und Erfrieren zu beobachten. Die Mediziner wollten neue Erkenntnisse über die Umstände des „weißen Todes“ und die Überlebenschancen von Lawinenopfern gewinnen. Langfristig sollten also  Menschenleben gerettet werden. Den Versuch starteten sie am Dienstag und brachen ihn am Donnerstagabend ab, weil es landesweit zu Protesten kam; ob er nochmals gestartet wird, ist unklar.

Bisher mussten zehn Schweine den Profilierungsdrang der Forscher mit ihrem Leben bezahlen. Viele Tierschützer bezeichneten das Unterfangen als unfassbar, unethisch und widerwärtig. Sie forderten, die Aktion zu beenden. Die Forscher mussten sich aber letztlich nicht nur Tierschutz-Organisationen beugen: Auch das Land Tirol und die österreichische Bergrettung distanzierten sich von dem Versuch.

Ursprünglich war geplant, dass ungefähr zwei Wochen lang täglich weitere zwei bis drei Schweine im Ötztal in einer simulierten Lawine eingegraben werden. Die Tiere wurden für den Versuch betäubt und an Geräte angeschlossen. Je nach Größe der Atemhöhle verfolgten die Wissenschaftler über Minuten oder Stunden das langsame Ersticken der Schweine. Wieder andere Tiere wurden nur bis zum Kopf im Schnee vergraben und beim Erfrieren beobachtet. Danach wollten die Forscher Gewebeproben von den toten Schweinen nehmen.

Zunächst bestanden die Forscher noch auf der Weiterführung des Versuchs. Doch dann beugten sie sich am Donnerstagabend
dem öffentlichen Druck – dem Himmel sei Dank! Manche Menschen glauben offenbar, sie könnten sich der Schöpfung gegenüber wirklich alles herausnehmen.

Vom Leben mit den Bären

Während es im Film für Bär Bruno ein Happy-End gab, haben seine Artgenossen in der Realität weniger Glück. Und das nicht nur in Bayern, wo der echte Bruno niedergestreckt wurde, sondern auch in Österreich: Auch dort sind in den Alpen eigens wiederangesiedelte Braunbären einfach abgeschossen worden. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt, und der WWF hat es nun publik gemacht.

Im Großraum Ötscher sind demnach zwischen 1994 und 2007 zumindest ein paar von den 20 ausgewilderten Bären illegal beseitigt worden. Blickt man auf ganz Österreich, so sind von den ursprünglich 35 dort lebenden Bären laut WWF nur noch zwei männliche Exemplare übrig. Die streifen durch die Wälder der Nördlichen Kalkalpen in den Bundesländern Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich und Salzburg. Hundertprozentig nachweisen konnte man den ungesetzlichen Abschuss aber bisher nur in einem Fall in Niederösterreich, wo es eine junge Bärin erwischt hat.

Auch am Dachstein wurde im vergangenen Sommer ein Bär gesichtet. Und nicht nur das: Er hat dort ungefähr 80 Schafe gerissen. Der Vermieter der Ferienwohnung, in der ich immer meinen Winterurlaub verbringe, ist ihm begegnet – allerdings war der Petz mindestens 100 Meter von ihm entfernt. Und da er seinen Hunger durch Schafe schon gestillt hatte, war die Situation wohl auch nicht sehr gefährlich. Für die Besitzer der Schafe ist aber ein ziemlich großer Verlust entstanden, den ihnen niemand – auch keine Versicherung – ersetzt.

Nach Meinung von Fachleuten des WWF ist nicht nur das verbotene Abschießen der Braunbären daran schuld, dass ihr Bestand so stark zurückgegangen ist. Man habe am Anfang auch zu wenige Bären ausgesetzt, um eine überlebensfähige Bärenbevölkerung aufzubauen. Deshalb wollen die Tier- und Naturschützer versuchen, deutlich mehr Bären in den Alpen anzusiedeln als bisher. Wenn das gelingt, werden allerdings auch neue Probleme auftauchen. Denn unser mitteleuropäischer Alpenraum ist inzwischen viel dichter besiedelt als früher, und das Nebeneinander von Tieren, Pflanzen und Menschen nicht mehr so einfach.