Putin, der Leopardenflüsterer

Bleiben wir beim traurigen Thema Sotschi, auch wenn der folgende Beitrag darüber ebenfalls nicht sehr erfreulich ist.

Er stellt sich gern als toller Hecht dar, mal mit freiem Oberkörper, damit die Muckis auch gut zu sehen sind, mal mit wilden Tieren wie Tigern und jetzt – im Vorfeld der Olympischen Winterspiele – mit Leoparden: der russische Präsident Wladimir Putin. Als wahrer Leopardenflüsterer ist er jetzt aufgetreten. Vor laufenden Kameras hielt er eine dieser Wildkatzen auf dem Schoß. Das Tier hatte kurz vorher immerhin zwei Journalisten angegriffen, wohl aus Panik oder Ärger angesichts der zahlreich erschienenen Pressevertreter. Russische Medien berichten, der Leopard mit dem schönen Namen Grom (auf Deutsch: Donner) habe zwei Journalisten in seinem Käfig angegriffen. Wie und warum die dort überhaupt hineinkamen, geht aus den Meldungen leider nicht hervor. Jedenfalls soll der eine an der Hand, der andere am Knie verletzt worden sein. Da kam der große Putin und zeigte den Schlaffis von der Presse, wie man mit so einem Tier richtig umgeht: Er begab sich angeblich auch in den Käfig, um den Leoparden zu beruhigen. Und siehe da: Grom verwandelte sich zum Kuscheltier und ließ sich von Putin auf den Knien halten. Der bescheidene Kommentar des Präsidenten dazu:  „Ich mag Tiere, es scheint, ich habe ein Gefühl für sie. Wir mochten einander.“

Anlass für diesen tollen Auftritt war folgender: Putin präsentierte ein Programm zur Auswilderung von Leoparden in der Nähe der Sportanlagen für die Winterspiele bei Sotschi. Dabei behauptete er, die Umweltsituation habe sich durch die Bauarbeiten für Olympia nicht verschlechtert, sondern im Gegenteil sogar verbessert. Für diesen „Beweis“ hatte er Mitglieder des Olympischen Komitees mit seinem eigenen Geländewagen zu einer Aufzuchtstation für Leoparden in einem Naturreservat oberhalb der Stadt am Schwarzen Meer gekarrt. Umweltschützer dagegen sind der Auffassung, durch die Bauarbeiten würden Schäden verursacht, die sich nicht wieder beheben ließen. Das Auswilderungsprogramm für persische Leoparden sieht ihre Wiederansiedlung in den Bergen der Olympiaregion vor. Die Tiere gelten dort seit den 1950er Jahren als ausgestorben. Die an dem Projekt beteiligten Raubkatzen hat Russland aus Turkmenistan, dem Iran und Portugal als Geschenk erhalten.

 

Tierquälerei statt olympischer Geist

Das Problem gab es schon bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine, jetzt folgt die widerliche Neuauflage zu Olympia in der Region Sotschi: Es werden wieder Massen von streunenden Hunden getötet. Angeblich will man die Olympia-Gäste vor Infektionen schützen, die von den verwahrlosten Tieren ausgehen könnten. Tierschützer melden sich jetzt zu Wort und wollen die Weltöffentlichkeit auf die Grausamkeiten aufmerksam machen. Sie registrieren eine deutliche Zunahme von Hunde-Tötungen.

Viele dieser Tiere haben die letzten Jahre auf den Baustellen der olympischen Spielstätten bei den Gastarbeitern gelebt, die nun wieder nach Hause gefahren sind; die Hunde sind das traurige Überbleibsel. Tierschützer beobachten besorgt, wie Hundefänger aktiv werden und die geschundenen Tiere vergiften oder erschießen. Mittlerweile gibt es Tier-Blogs, in denen Tierfreunde über entsetzliche Szenen berichten, die sich oft vor ihren Augen abspielen. Auch die unabhängige Internetzeitung „Kawkaski Usel“ (Kaukasischer Knoten) bringt Augenzeugenberichte darüber, wie brutal die Fänger gegen die Tiere vorgehen.

Die Behörden schieben ihre angebliche Sorge um die hygienischen Zustände als Begründung vor: Durch Hundebisse könnten gefährliche Infektionen und Krankheiten wie zum Beispiel Tollwut übertragen werden. Da die Straßenhunde ausgehungert sind, besteht natürlich eine erhöhte Gefahr, dass sie angreifen. Doch statt wie versprochen ein Tierheim zu bauen oder die Tiere sterilisieren zu lassen, hat sich der Bürgermeister für eine skrupellose „Säuberungsaktion“ und damit gegen die Tiere entschieden. Um das Morden zu vertuschen, werden die Hundefänger vor allem nachts losgeschickt, in der Hoffnung, dass sie dann weitgehend unbemerkt bleiben. Tierschützer fordern dringend eine Massensterilisierung anstelle der Massentötung. Sie versuchen im Internet über soziale Netzwerke die Hunde vor den Fängern zu bewahren und Familien zu finden, die Hunde bei sich aufnehmen. Doch gegen die staatliche Übermacht können sie nicht viel ausrichten.

Für mich ist das Ganze noch ein Grund mehr, diese olympischen Spiele weitmöglichst zu boykottieren. Schade für die Sportler, die alles für ihre Teilnahme an den Wettbewerben geben, dass sich die Länder der ehemaligen Sowjetunion sowohl menschen- als auch tierverachtend verhalten. Ich hoffe, dass wenigstens in den Medien bei uns angemessen auch über diese Tierquälerei berichtet wird, um die Öffentlichkeit aufzurütteln und gegen die Machtelite  in Russland aufzubringen.

Friedenstauben riskieren ihr Leben

Nicht nur Pferde müssen bei den Olympischen Spielen in London sportliche Höchstleistungen bringen. Nein – auch Tauben wird einiges abverlangt, und sie bekommen dafür nicht einmal olympische Medaillen.

Bei der Abschlussfeier der Sommerspiele in der englischen Hauptstadt am 12. August werden Friedenstauben in den Himmel starten. Mit dabei sind zwei Brieftauben aus dem Schlag eines Taubenzüchters in Bayern, genauer gesagt in Bad Füssing. Die beiden Vögel sollen von London in ihre bayerische Heimat zurückfliegen – eine Strecke von über 1000 Kilometern, die sie an einem Tag bewältigen sollen.

Für diese Herausforderung hat der Taubenzüchter Hans Alznauer seine Tiere vor Olympia regelmäßig zweimal täglich  trainiert. Schließlich galt es, ausreichend Kondition aufzubauen. Bisher haben die zwei Tauben aus Bad Füssing Strecken von 700 Kilometern an einem Stück absolviert. Bei der olympischen Abschlussfeier sollen 5000 Friedenstauben über dem Stadion in den Himmel steigen. Die beiden Tauben aus Bayern aber sind diejenigen, die die weiteste Strecke zurücklegen müssen.

Dabei müssen sie nicht nur sportlich fit sein. Schon beim Training drohte ihnen jeden Tag Lebensgefahr. Denn Greifvögel wie Wanderfalken oder Habichte lauern den Tauben auf. In diesem Jahr hat Taubenzüchter Alznauer durch Greifvögel schon 14 junge Tauben verloren. Und auch das Wetter kann den Tauben schwer zu schaffen machen, bei Dauerregen müssen die Tiere ihren Flug unterbrechen.

Brieftauben orientieren sich übrigens mit Hilfe einer Art Navigationssystem, das sich in ihrem Schnabel befindet: In ihrem Sehnerv, der von den Augen zum Schnabel führt, befinden sich Eisenmoleküle. Die helfen den Tauben (wie auch allen Zugvögeln), sich nach den Magnetlinien der Erde  zu richten und so den richtigen Weg zu finden.