Tierische Olympia-Maskottchen

Den Vorschlag von „mandy wagenknecht“, die in ihrem Kommentar auf meinen letzten Beitrag über Wölfe die Idee hatte, auch mal was über Werwölfe zu schreiben (gerade jetzt, da dieses Thema groß im Kino rauskommt), finde ich an sich gut. Aber der Aktualität wegen muss ich mich heute unbedingt um ein anderes Thema kümmern, das ich schon seit Tagen vor mir herschiebe: die Olympischen Spiele, die morgen in Vancouver beginnen.

Was soll denn Sport mit Tieren zu tun haben, mag sich nun vielleicht mancher fragen. Doch er vergisst, dass auf der Welt alles irgendwie zusammenhängt. Also: Auch bei diesen Spielen kommen wieder einmal tierische Maskottchen zum Einsatz. Das macht die sportlichen Ereignisse, die ich zu einem guten Teil auch am Fernseher verfolgen werde, für mich noch viel interessanter. Wenn ich schon vor einem Wettkampf den netten Glücksbringern begegne, steigt bei mir die Laune gleich ein Stück weiter nach oben. Und auch als Souvenirs werden sie eine Menge Geld in die Kassen spülen.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100203-99-02064Diesmal heißen sie Sumi, Miga und Quatchi. Drei Figuren, denen die Kanadier jetzt dauernd über den Weg laufen und umgekehrt. Es handelt sich um Wesen, die für die Ureinwohner Kanadas eine bedeutende Rolle spielen. Sumi, das ist der Schutzengel für Tiere – womit ich wieder bei meinem oben erwähnten Beitrag „Schutzengel für die Wölfe“ wäre. Sumi besitzt Flügel, nämlich die des Donnervogels. Wenn er nicht fliegt, sondern geht, dann tut er das auf den starken Fellbeinen des Schwarzbären. Miga ist ein sportliches Seebär-Mädchen, das gerne surft und snowboardet. Miga ist halb Orca, halb Bär. Das rührt daher, dass sich in den Mythen der kanadischen Urbevölkerung Orca-Wale an Land in Bären verwandeln. Das Ungetüm Quatchi mit den Riesenfüßen und dem dicken Fell soll es tatsächlich gegeben haben. Quatchi ist allerdings ein sanfter, fast schüchtern zu nennender Riese, und er hat eine Schwäche für Eishockey. Toll: Da kommt wirklich (fast) alles zusammen, was Kanada ausmacht!

Dann gibt es da noch einen Vierten im Bunde, der allerdings kein offizielles Olympia-Maskottchen ist: Mukmuk, das Murmeltier. Mukmuk heißt in der Sprache der Ureinwohner so viel wie Essen, und das deutet auch schon auf MukMuks Lieblingsbeschäftigung hin: Er widmet einen großen Teil seiner Zeit der Nahrungsaufnahme.

Im Vergleich zu diesen Gestalten nehmen sich die Maskottchen früherer Olympischer Winterspiele direkt langweilig aus. Ich erinnere mich trotzdem gern an den Waschbären von Lake Placid (1980), der auf den schönen Namen Roni the Raccoon hörte. Oder an den kleinen Wolf Vucko von Sarajevo (1984), der immer so süß „Sarajevooooooooo“ heulte und dafür sorgte, dass das vorher schlechte Image der als ekelhafte Räuber verschrienen Wölfe sich schlagartig verbesserte. Und dann fallen mir noch die zwei Eisbären von Calgary (1988) ein, Hidy und Howdy. Ob die beiden auch ein wenig zum allgemeinen Eisbären-Hype beigetragen haben, der in den letzten Jahren überall auf der Welt ausgebrochen ist?

Pandas für Olympia

wolong.JPGSchon wieder eine schlechte Nachricht. Sie betrifft die wunderschönen Pandabären, die sowieso schon als „stark gefährdet“ eingestuft sind: Die schweren Erdbeben im Südwesten Chinas könnten diese Tierart noch weiter dezimiert haben.

Im Panda-Reservat in Wolong etwa kamen zwar offenbar die meisten Pandas mit dem Schrecken davon – sie brüllten laut vor Angst bei dem Beben -,  doch sie sind zum Teil so traumatisiert, dass sie jetzt „psychologische Hilfe“ benötigen, heißt es in Berichten der Nachrichtenagentur dpa. Und solche Hilfe scheinen sie sogar in China zu kriegen, denn die Pandas sind dort enorm beliebt – so sehr, dass lange, bevor man absehen konnte, wie viele Menschenleben das Erdbeben gefordert hatte, die Medien dort fragten, ob Bären Schaden genommen hätten.

Wie viele Pandas in freier Natur durch das Beben umkamen, weiß derzeit niemand zu sagen. Die Populationen laufen auch ohne Erdbeben schon Gefahr, dass ihr Erbgut sich nicht genügend mischt, weil sie durch Eingriffe des Menschen in die Natur –  z.B. Straßen, Staudämme (die durch das Beben auch noch bersten könnten) oder Äcker – voneinander getrennt werden. So bleiben einzelne Gruppen unter sich – auch bei der Paarung.

Statt die traumatisierten Tiere aus Wolong nun in Ruhe zu lassen bzw. zu behandeln, verfrachtet man jetzt auch noch acht von ihnen nach Peking, wo die Umweltverschmutzung schon den viel unempfindlicheren Menschen zu schaffen macht: Die Pandas sollen zu den Olympischen Spielen. Nicht als Sportler natürlich, sondern als  Attraktion für die Olympiagäste. Das könnte man ja noch verstehen. Aber als weitere Begründung, so heißt es, sollen sie Symbole für den Artenschutz sein. Verstört, wie sie in Peking wohl ankommen werden.  – Das verstehe, wer will, ich jedenfalls nicht. Vielleicht ticken die Köpfe der so etwas entscheidenden Menschen ja irgendwie anders. Ich glaube, ich habe jetzt schon keine Lust mehr auf diese Olympischen Spiele. Manche Sportler ja auch nicht.