Ein gutes Vorhaben fürs neue Jahr

WaldrappDas neue Jahr ist schon fast drei Tage alt. Manche haben da vielleicht ihre guten Vorsätze für 2016 bereits wieder vergessen. Ich finde aber, man kann sich nach dem vielen Feiern jetzt erst ernsthaft Gedanken darüber machen, was man in den kommenden Monaten unbedingt angehen beziehungsweise schaffen möchte oder auch darüber, was man unterstützen will. Das hier ist so ein Projekt: Der Waldrapp (Geronticus eremita) soll in Mitteleuropa und auch in Deutschland endlich wieder heimisch werden. Eine gute Sache, finde ich.

Mag sein, dass er nicht der schönste Vogel ist, mit seiner Fast-Glatze, die nicht etwa von der Mauser herrührt. Auch ein Farbtupfer wie viele andere Vögel ist er mit seinem dunklen Gefieder nicht. Der Waldrapp, der zu den Ibissen gehört und etwa so groß wie eine Gans wird, ist aber als äußerst gesellig und zutraulich bekannt. Eine Eigenschaft, die ihm schließlich gefährlich wurde. Bis ins 17. Jahrhundert lebte er im Alpen- und Mittelmeerraum, doch weil er die Menschen zu wenig scheute, hatten Vogelfänger und -jäger ein leichtes Spiel. Inzwischen kommt er in freier Natur so gut wie nicht mehr vor; in verschiedenen Zoos kann man ihn allerdings noch beobachten.

Jetzt gibt es ein EU-Projekt namens LIFE+Biodiversity, mit dessen Hilfe diese Zugvögel bis zum Jahr 2020 wieder in unseren Breiten heimisch werden sollen. Die für das Wiederansiedlungsvorhaben zuständigen Biologen haben Überlingen am Bodensee dafür ausgewählt. Ganz in der Nähe befindet sich das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, außerdem gibt es für diese Vogelart zwischen Überlingen und Sipplingen gute Brutmöglichkeiten in den Sandsteinfelsen – deshalb hält ja auch der Nürnberger Tiergarten mit seinen Felden am Schmausenbuck Waldrappe. Das Projekt wird von der Heinz-Sielmann-Stiftung betreut.

In den Jahren 2017 und 2018 sollen jeweils 30 im Wiener Tierpark Schönbrunn aufgezogene Küken mit Hilfe von Leichtflugzeugen über die Alpen in die südliche Toskana geleitet werden, zum Überwintern. Man hofft, dass die Waldrappe dann im darauffolgenden Frühjahr an den Bodensee zurückkehren. Bis zur Landesgartenschau 2020 soll sich der Waldrapp in Überlingen wieder angesiedelt haben und in den Felsnischen brüten. Dafür gibt es natürlich auch öffentliche Gelder, die das Projekt gut brauchen kann.

Das Max-Planck-Institut für Ornithologie hat übrigens Solarsender entwickelt, mit denen man die Position der Vögel bestimmen kann. Die Daten werden auf die Internetplattform Movebank übertragen. So können Vogelfreunde die Flugstrecken der bayerischen und österreichischen Waldrappe verfolgen.

Vögel winterhärter als gedacht

Mir gehen so manche Floskeln in den Medien, den derzeit kalten Winter betreffend, ziemlich auf die Nerven: Begriffe wie „Sibirische Kälte“ treffen auf unsere Breiten einfach nicht zu. Und den allzu häufig verwendeten Satz „Der Winter hat Deutschland fest im Griff“ kann ich einfach nicht mehr hören. Zugegeben, es ist kalt draußen, auch etwas kälter als sonst bei uns üblich. Aber Kälte-Katastrophen spielen sich – Gott sei Dank! – anderswo ab, nicht hierzulande.

Hart ist der Winter ohne Frage für einige Tierarten. Um den Vögeln zu helfen, die sich bei über längere Zeit hinweg tiefgefrorenem Boden schwer tun bei der Futtersuche, stellen viele Menschen Futterhäuschen auf oder bringen in Gärten und auf Balkonen Meisenknödel an. Das ist im Augenblick durchaus sinnvoll.

Ornithologen beobachten, dass die Vögel dem Winter in Deutschland durchaus die Stirn bieten. Sie weichen der Kälte nicht aus, bleiben vielmehr in ihren Brutgebieten. Und das selbst im äußersten Nordosten Deutschlands, wo die Bedingungen besonders schwierig sind. In Mecklenburg-Vorpommern etwa lassen sich bei Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius immer noch Kraniche blicken. Ähnlich verhält es sich mit den Vögeln an der Nordsee (das dpa-Foto zeigt Austernfischer an einer Deichkante an der Ostküste der Insel Borkum). Aber die Vögel im Wattenmeer haben es wirklich schwer: Die Nordeeküste ist mittlerweile fast völlig vereist. Experten gehen davon aus, dass viele Wasservögel dort verenden.

Die Vögel sind wegen des anfangs milden Winters und dann wegen des bereits hohen Sonnenstandes in Deutschland geblieben – und das, obwohl sie normalerweise sehr schnell auf Kälteeinbrüche reagieren. Die Tiere haben auch einen Grund dafür, nicht in südlichere Gefilde auszuweichen: Für sie gilt es, die ersten im Brutgebiet zu sein. Außerdem wollen sie Energie sparen und diese nicht durch überflüssige weite Flüge verschwenden.