So viele schöne Männer!

GefiederAch, wäre das bei uns Menschen doch auch so: Frauen, die einen Partner suchen, können unter lauter gutaussehenden Männern wählen – einer attraktiver als der andere. In der Vogelwelt ist das so. Schillernd-schöne Männchen, dafür unscheinbare Weibchen, die sich aber ihren Traumtypen auswählen können. Es gibt allerdings – und das ist dann doch wieder eine Parellele zu uns Menschen – auch Vogelweibchen, die knallbunt gefärbt sind. (Die sind allerdings absolut in der Minderzahl, auch darum beneide ich die Vögel!)

Die Frage, warum sich das bei den Vögeln so verhält, beschäftigt die Forschung und die Ornithologie schon seit langem. Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, haben jetzt neuseeländische Wissenschaftler einen Versuch unternommen und die Gefieder-Färbung von fast 6000 Vogelarten gecheckt. Dabei haben sie festgestellt, dass es bunte Weibchen vor allem unter den besonders großen Vogelarten gibt. Das erklären sich die Forscher folgendermaßen: Auf bunte Vögel werden auch Fressfeinde eher aufmerksam; große Vögel werden jedoch seltener gefressen. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass große Vögel es sich eher erlauben können, bunt zu sein. Deshalb hat sich ihr Gefieder über lange Zeit hinweg so entwickelt.

Tja – was sagt mir das jetzt als Menschen-Weibchen? Nicht viel Neues. Freue ich mich halt weiterhin am Anblick schöner Vogelmännchen, von denen es glücklicherweise jede Menge gibt!

Schlaflos liebestoll

Meine regelmäßigen Leser wissen: Ich schreibe hier in meinem Blog gern über Tierforschung und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Welt der Tiere. Die meisten Themen finde ich dabei spannend, manches Forschungsprojekt mag ein wenig weit hergeholt sein, und das eine oder andere lässt mich schmunzeln. So auch dieses: Ornithologen haben jetzt herausgefunden, dass männliche Graubruststrandläufer – dabei handelt es sich um eine Schnepfenart – umso erfolgreicher bei den Weibchen sind, je weniger sie schlafen. (Das Foto stammt von Wolfgang Forstmeier/Max-Planck-Institut für Ornithologie.)

Tja, diese Vögel sind wirklich beneidenswert: Sie stecken Schlafmangel nicht nur locker weg, sondern sind damit sogar noch besonders erfolgreich, wenn es darum geht, Weibchen anzubaggern. Die Graubruststrandläufer-Männer fahren deshalb drei Wochen lang – so lange dauert ihre Paarungszeit – ihr Schlafbedürfnis extrem herunter. Statt zu sich auszuruhen und zu schlummern, sind sie 95 Prozent der Zeit aktiv und beglücken die weiblichen Tiere. Das tun sie allerdings nicht nur aus Jux und Tollerei. Vielmehr geht es darum, möglichst viele empfängnisbereite Weibchen zu finden und mit ihnen für möglichst viele Nachkommen zu sorgen. Um die kümmern sich dann aber ausschließlich die Weibchen.

Die Balzperiode bedeutet für diese Vogelmännchen echten Stress: Sie müssen nämlich gleichzeitig die Weibchen durch entsprechendes Werben von sich überzeugen und ihr Revier gegen männliche Konkurrenten verteidigen; dabei kommt es immer wieder zu harten Zweikämpfen zwischen den männlichen Graubruststrandläufern. Die Forscher haben außerdem herausgefunden, dass nicht alle Männchen dieser Vogelart gleich gut mit dem Schlafmangel umgehen können. Die Fähigkeit dazu hängt demnach von der genetischen Veranlagung einzelner Tiere ab.