Wilbär im Bären-Paradies mit Ewa

Ob Wilbär die Reise nach Schweden verschlafen hat oder nicht (siehe hier), sei jetzt mal dahingestellt. Auf jeden Fall hat er die Fahrt nicht nur gut überstanden und sich schon ganz gut eingelebt, sondern wird schon von schwedischen Eisbär-Fans umschwärmt. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in dem neuen Bärenpark „Polar World“ Orsa hatte es acht Grad Celsius – eine Temperatur, die Wilbär anscheinend sehr angenehm findet; er plantschte jedenfalls vergnügt in seinem „Pool“ – sehr zur Freude der Besucher.

Wilbär ist eineinhalb Jahre alt und eigentlich noch zu jung, um auf Brautschau zu gehen. Trotzdem haben die Verantwortlichen bereits die „Richtige“ für ihn ausgewählt: Eisbären-Dama Ewa, die allerdings doppelt so alt ist wie der aus Stuttgart stammende Wilbär. Da der aber ein ziemlich aufgewecktes Bürschlein und sehr neugierig ist, scheint er sich auch schon für Ewa zu interessieren. Er ist allerdings noch durch einen hohen Zaun von ihr getrennt – man will testen, ob die beiden sich auch wirklich riechen können. Höchstwahrscheinlich sucht Wilbär in Ewa erst mal eine Spielgefährtin, denn er ist noch im zarten „Knabenalter“ und längst nicht geschlechtsreif.

Dass Wilbär seine neue Umgebung sehr ansprechend findet, verwundert nicht: Der Bärenpark umfasst fast 40 000 Quadratmeter, es gibt einen künstlichen Gletscher, fast ganzjährig Schnee (im Sommer notfalls aus Schneekanonen) und jede Menge für Eisbären angenehm kühles bis kaltes Wasser.

Tja, nun heißt es: abwarten und Tee trinken, wie sich die „Beziehung“ zwischen Wilbär und Ewa anlässt. Der Parkdirektor hat schon mal ausgerechnet, wie es im Idealfall laufen könnte: Eisbärennachwuchs im Frühling 2011. – Wilbär, lass´ dich nicht unter Druck setzen!!

Hat Wilbär die Reise verschlafen?

Wilbär ist jetzt in Schweden angekommen – kürzlich habe ich seine bevorstehende Abreise aus der Stuttgarter Wilhelma hier ja schon angekündigt.

Aber die Meldung, die jetzt in deutschen Redaktionen über die Agenturen lief, kann so nicht stimmen: Wilbär sei betäubt auf die Reise in seine neue Heimat Orsa gegangen, wurde berichtet. Also, wenn die Verantwortlichen in Stuttgart das tatsächlich gemacht haben, hätten sie gegen eindeutige Vorschriften verstoßen. Große Raubtiere wie Eisbären müssen bei jedem Transport wach sein. Sie würden sich sonst zu leicht verletzen, wenn sie im Transportauto z. B. bei Bremsmanövern oder Kurven mit ihrem Körper nicht reagieren können. Außerdem wäre jede längere Betäubung für Herz und Kreislauf eine viel zu starke Belastung.  

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Wilbär tatsächlich betäubt war. Die Kollegen in den Agenturen haben das Procedere wohl verkürzt wiedergegeben – oder die Meldung wurde später gekürzt. Es dürfte so gewesen sein, dass Wilbär betäubt – oder, noch wahrscheinlicher – etwas sediert wurde, um ihn von seiner Mutter zu trennen oder ihn in die Transportkiste hineinzubugsieren. Doch dann muss er erst wieder richtig wach sein, bevor er die Reise antreten kann. Solche Dinge werden streng von Pflegern und Tierärzten kontrolliert.

Wie dem auch sei – hoffentlich lebt Wilbär sich in Schweden gut ein und findet dort die passende Partnerin. Noch ist es zwar zu früh, um schon an Nachwuchs zu denken. Aber die Zeit vergeht schneller als man denkt. Und zum richtigen Zeitpunkt soll der bärige Star aus Stuttgart schließlich auch in Schweden die besten Voraussetzungen haben.

Wilbär, du alter Schwede!

Wilbär und seine Mutter Corinna schmusen zwar noch in der Stuttgarter Wilhelma. Doch aus dem zärtlichen Spiel könnte schnell bitterer Ernst werden: Eisbärenmütter verbeißen ihren Nachwuchs oder vertreiben ihn, wenn er erwachsen wird. In freier Natur bekommen sie in der Regel alle zwei Jahre Junge. Da trennen sich die Mütter von ihren Söhnen oder Töchtern, um sich wieder auf ein neues Baby vorzubereiten. Corinna hatte Wilbär im Dezember 2007 zur Welt gebracht.

Nun soll Wilbär nach Schweden auswandern, in einen Bärenpark. Noch in diesem Monat wird er die Reise nach Orsa antreten. Dort hat man auch schon eine Partnerin für ihn ausgeguckt: das Eisbären-Mädchen Ewa. Mal sehen, ob die beiden sich auch mögen und verstehen.

Da haben wir im Nürnberger Tiergarten direkt Glück, dass Flocke im Gegensatz zu Wilbär eine Handaufzucht ist und daher von Vera getrennt gehalten wird. Sonst müsste unser Lieblingseisbär womöglich auch bald auf Reisen gehen. Und das wollen wir doch alle nicht, oder?