Wie viel Freiheit darf es denn sein?

Tiere, die aus dem Zoo ausbüxen: Das passiert immer wieder – auch im Nürnberger Tiergarten -, und die Medien stürzen sich regelrecht auf diese Ereignisse, die gern als Flucht interpretiert werden. Kommen sie doch der Überzeugung so manches Journalisten entgegen, Zootiere würden schrecklich darunter leiden, dass sie ihr Dasein in viel zu enge Gehege eingesperrt fristen müssen. In Wirklichkeit stecken oft ganz andere Gründe hinter den „Ausbruchsversuchen“. Die den meisten Tieren angeborene Neugierde zum Beispiel. Oder auch Menschen, wie die Zoobesucher, die kürzlich in Nürnberg Tigerdame Katinka so lange gereizt haben, bis die Raubkatze (zum Glück nur) fast die Mauer am Wassergraben überwunden hätte.

Jetzt ist der Osnabrücker Zoo wegen seines Mantelaffenweibchens Lubaya in die Schlagzeilen geraten. Die Affendame hat ihr Gehege verlassen und macht jetzt die unmittelbare Umgebung des Tierparks unsicher. Wobei  „unsicher“ nicht das richtige Wort ist, denn von Lubaya geht keinerlei Gefahr aus. Immer wieder wird sie von Anwohnern gesehen, die dann beim Zoo anrufen – mal in einem Garten, mal auf einem Dach. Die Verantwortlichen des Tierparks planen von sich aus keine große Suchaktion oder gar Jagd, weil sie fürchten, Lubaya damit nur zu verschrecken und weiter von ihrem Zuhause wegzutreiben.

Denn – und das vergessen viele, vor allem auch die Medien – der Zoo ist für das Affenweibchen längst zur Heimat geworden. Auch wenn diese Affenart ursprünglich aus Afrika stammt, hat sie doch mit ihrem Ursprungsland nichts mehr am Hut. Zootiere werden heututage in der Regel schon im Zoo geboren, Wildfänge gibt es – zumindest in Europa – nicht mehr. Und in ihrer Heimat könnten diese Tiere in den meisten Fällen höchstens kurze Zeit überleben. Sie sind weder daran gewöhnt, sich lebenslang ihr Futter selbst zu beschaffen, noch haben sie gelernt, sich gegen Feinde zu wehren. Und wenn sie in freier Wildbahn krank werden, kommt nicht – wie im  Zoo – der Tierarzt, um sie wieder gesund zu machen.

Man geht deshalb davon aus, dass Lubaya über kurz oder lang ihren Ausflug von selbst beenden und in den Zoo zurückkehren wird. Verhungern muss sie draußen nicht, denn Pflanzen und Obst findet sie derzeit noch in den umliegenden Gärten. Und auch die Temperaturen kann sie – noch – gut aushalten. Dass Lubaya „die Flucht“ überhaupt gelungen ist, liegt übrigens daran, dass die Mantelaffen im Osnabrücker Zoo nicht hinter Gittern, sondern in einem weitläufigen Gehege gehalten werden. Also genau so, wie es immer gefordert wird. Aber zu viel Freiheit im Zoo – das scheint einigen Leuten dann auch wieder nicht recht zu sein. Ein Problem, mit dem sich Zoologische Gärten und Tierparks tagtäglich auseinandersetzen müssen. Und eine Frage, die man sich auch am Welttierschutztag am morgigen 4. Oktober stellen sollte.