Delfine sind eben keine Engel

Was wird in bestimmten Kreisen nicht für ein Popanz um sie gemacht: Delfine sind für manche Menschen und besonders für bestimmte Tierschrechtler wahre Über-Tiere, die man an völlig anderen Maßstäben misst als andere Tiere. Das mag mythologisch begründbar sein. So sind auf altgriechischen Darstellungen die Nereiden rittlings auf dem Rücken von Delfinen abgebildet. Und der Sänger Arion von Lesbos soll von Delfinen gerettet worden sein, nachdem er aus Eifersucht von einem Schiff ins Meer gestoßen worden war. Auch das scheinbar immer lächelnde Gesicht von Delfinen trägt zu ihrer außerordentlichen Beliebtheit bei. Und die Generation, die in ihrer Jugend die Serie „Flipper“ im Fernsehen verfolgte, hat immer wieder sehen können, wie intelligent und menschenfreundlich diese Tiere sind. Kleine Anmerkung am Rande: Der Delfintrainer von damals tut sich heute als Delfin-Schützer hervor und möchte seine Vergangenheit wohl am liebsten ungeschehen machen. Weil das aber nicht geht, stellt er sein Leben als eine Art „Saulus wird zu Paulus“-Geschichte dar.

Dass es durchaus intelligentere Tiere gibt als Delfine und dass die in freier Wildbahn ebenso zu grausamen Räubern werden wie andere – vor allem, wenn sie Hunger haben -, das erwähnt man gemeinhin lieber nicht. So wird nun auch ein Ereignis medial aufgeblasen, das eigentlich ganz normal ist: Ein Delfin, der im vergangenen Herbst in der Kieler Bucht oft beobachtet wurde, dort sogar zwischen Menschen herumschwamm und als „Delfin Freddy“ bekannt ist, hat höchstwahrscheinlich einige Schweinswale in der Ostsee umgebracht. Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung hat Kadaver der Schweinswale obduziert und ist zu diesem Ergebnis gekommen, das aber nicht zu 100 Prozent sicher ist.

Denn man hat keine DNA eines Delfins an den Schweinswal-Leichen nachgewiesen, ebenso wenig wie Zahnabdrücke von Delfinen. Es wurde aber genau beobachtet, dass der Delfin jeweils zur gleichen Zeit an der jeweiligen Fundstelle der toten Wale in der Ostsee geschwommen war. Nun vermuten Meeresbiologen, entweder „zu robustes Spielen“ des Delfins könnte die Todesursache gewesen sein –  Schweinswale sind schließlich deutlich kleiner als „Freddy“. Wahrscheinlicher scheint mir aber die andere Überlegung: dass es dem Delfin nur um eines ging, nämlich darum, an Beute zu gelangen.

Da kann man doch nicht länger zuschauen!

Heute ist Tag des Ostseeschweinswals. Am 17. Mai wird auf die Bedrohung dieser Tiere aufmerksam gemacht. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand der Schweinswal-Population in der Ostsee alarmierend zurückgegangen, auf nur noch 450 Tiere!!! Umweltorganisationen werfen Bund und Ländern vor, sie würden beim Schutz der letzten Ostseeschweinswale versagen. Sie verlangen deren Schutz durch bessere Regulierung von Fischerei und Unterwasserlärm.

Der Schweinswal ist der einzige Wal, der in Deutschland vorkommt. Er ist mit dem Delfin verwandt und steht unter dem strengen Schutz der Habitat-Richtlinie der EU. In den letzten Jahren werden immer wieder Schweinswale tot an der Küste angeschwemmt, viele verenden jämmerlich in Stellnetzen. Zahlreiche Tiere erleiden schlimme Gehörschäden durch den sogenannten Rammschall, der etwa beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen entsteht, aber auch bei der Sprengung von Alt-Munition oder bei seismischen Untersuchungen mit Schallkanonen.

Seit acht Jahren gibt es zwar offiziell Offshore-Meeresschutzgebiete in der Ostsee, die Fischerei ist aber nicht eingeschränkt. So finden unzählige Tiere als Beifang in Stellnetzen den Tod. Außerdem wird kritisiert, dass die verschiedenen Bundesländer an der Ostseeküste keine einheitlichen Schutzmaßnahmen ergreifen. In Schleswig-Holstein existieren nur freiwillige Vereinbarungen in einer Wischiwaschi-Fischereiverordnung. Mecklenburg-Vorpommern schiebt die Verantwortung dem Bundeslandwirtschaftsministerium zu. Und die geplante Ausweitung der Offshore-Windkraft in sensiblen Naturräumen macht Schutzmaßnahmen für Schweinswale völlig zunichte. Das Schallschutzkonzept des Bundesumweltministeriums zum Schutz von Schweinswalen bei der Errichtung von Offshore-Windkraft-Anlagen bezieht sich nämlich bisher nur auf die Nordsee.

Verschiedene Umweltorganisationen haben Ende Januar den Bund verklagt: wegen der Nicht-Umsetzung von Fischereiregelungen in
den deutschen Meeresschutzgebieten. Sie kritisieren außerdem den Entwurf des deutschen Maßnahmenprogramms der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Denn darin fehlen vor allem nutzungsfreie Zonen in den Schuutzgebieten, die bedrohten Arten wie dem Schweinswal als Rückzugsgebiete dienen. Die Umweltverbände haben eine „Schattenliste“ aufgestellt, mit den wichtigsten Herausforderungen zum Schutz der Nord- und Ostsee auf deutschem Gebiet. Die Liste kann man hier herunterladen. Wer sich für das Maßnahmenprogramm der Bundesregierung interessiert, kann sich hier informieren.

Die Rückkehr der Kegelrobben

Na, wenn das nicht eine höchst erfreuliche Nachricht ist: Der Bestand der Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste stabilisiert sich wieder. Vor der Küste von Mecklenburg-Vorpommern, vor Rügen, dem Darß und Zingst, hat sich die Population auf 30 bis 40 Exemplare eingependelt. Nun fehlt nur noch eines: die erste Geburt eines  Robbenbabys in diesen Gebieten. Das wäre für Fachleute der Durchbruch in Sachen Rückkehr der Kegelrobben an die deutsche Ostseeküste. Denn Robben kommen später immer wieder an ihren Geburtsort zurück. Durch die Geburt eines oder mehrerer Robbenbabys könnte sich deshalb ein Besiedlungskern herausbilden. Darauf hoffen Forscher jetzt.

Lange Zeit galten Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste als ausgestorben. Dabei gab es Ende des 19. Jahrhunderts noch rund 100 000 von diesesn Meeressäugern in der Ostsee. Aber sie wurden in der südlichen Ostsee durch erbarmungslose Jagd bis in die 1920er Jahre ausgerottet. Katastrophal wirkte sich auch die Belastung der Ostsee durch PCB aus: Die meisten weiblichen Tiere wurden dadurch unfruchtbar. Anfang der 1980er Jahre wurde der Kegelrobben-Bestand in der Ostsee mit 2500 angegeben. Mittlerweile geht man in der gesamten Ostsee wieder von 10 000 bis 25 000 Tieren aus, wobei der größte Teil in der nördlichen und zentralen Ostsee lebt.

Vor der deutschen Ostseeküste dauerte es länger, bis sich die Anzahl der Kegelrobben wieder auf einem stabilen Niveau hielt. Das ist nach Meinung von Fachleuten des Deutschen Meeresmuseums, des Bundesamts für Naturschutz und des WWF nun zumindest gesichert. Als nächstes wollen Fachleute die Bevölkerung – sowohl Einheimische als auch Touristen – über die Rückkehr der Kegelrobben informieren. Dazu werden an den Stränden Infotafeln aufgestellt, mit Hinweisen über Biologie, einstige Ausrottung und Wiederansiedlung der Tiere. Damit die auch weiterhin gelingt, bitten Forscher und Tierschützer, einen gebührenden Abstand zu den Tieren zu halten. Vor allem in den ersten Lebenswochen brauchen die Robbenmütter und die Heuler abgeschiedene Liegeplätze.

 

Hoffnungsschimmer für Schweinswale

Auch wenn sich der Bestand der Schweinswale in der Ostsee noch nicht stabilisiert hat, gibt es doch eine positive Entwicklung: In diesem Jahr wurden in der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern so viele Schweinswale beobachtet wie noch nie zuvor. Wissenschaftler des Bundesamtes für Naturschutz führen das darauf zurück, dass Bootsbesatzungen und Wassersportler diesen Tieren mehr Aufmerksamkeit als bisher widmen und ihre Sichtungen sofort dem Meeresmuseum in Stralsund (von dem auch dieses Foto stammt) oder an das Bundesamt für Naturschutz melden. Auch das ist schon ein Fortschritt, denn je aufgeschlossener Menschen bestimmten Tierarten gegenüber sind, desto eher sind sie auch bereit, für deren Schutz einzutreten.

Auch in Sachen Walforschung sind neue Projekte am Laufen. So gibt es jetzt eine länderübergreifende Überwachung der Ostsee-Schweinswale, an der sich außer Deutschland auch Schweden, Finnland, Estland, Polen und Lettland beteiligen. Sie haben vor ihren Küsten spezielle Messstellen verankert, die Schweinswale registrieren und entsprechende Daten speichern. Die akustischen Signale, die Schweinswale über ihre Echo-Ortung aussenden, wollen Forscher erfassen und auswerten, um mehr über die Wanderbewegungen und die Bestandsgrößen dieser Tiere in der Ostsee herauszufinden.

Exakte Zahlen über Schweinswalbestände in der Ostsee liegen nämlich bisher nicht vor. Es soll einmal über 20 000 von diesen Tieren, die auch als Kleine Tümmler bezeichnet werden, im Skagerrak, in der Dänischen Ostsee und in der Kieler Bucht gegeben haben. Diese Population ist bis zum Jahr 2005 auf knapp 11 000 Exemplare geschrumpft. Der Bestand der Schweinswale ist vor allem durch Stell- und Treibnetze gefährdet, außerdem finden die Kleinen Tümmler aufgrund der Überfischung immer weniger Nahrung. Auch der rege Schiffsverkehr und der Lärm unter Wasser, der beim Bau der Fundamente für Offshore-Windparks entsteht, bedrohen die Tiere.

Großes Kranichtreffen an der Ostsee

Es ist jedes Jahr wieder ein beeindruckendes Naturereignis: die Herbstrast der Kraniche, die auf ihrem Flug nach Süden an der Ostseeküste eine Pause einlegen und Energie für ihre weite Reise tanken. Heuer haben sich die majestätischen Vögel früher als sonst im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft versammelt. Und es sind mit 7000 Tieren nach Auskunft des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf auch fast 25 Prozent mehr Vögel als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Die an der Ostseeküste lebenden Vögel haben schon vor einigen Wochen angefangen sich zu sammeln. Inzwischen haben sich noch rund 6000 Kraniche aus Skandinavien dazugesellt. Ein wirklich eindrucksvolles Bild wird sich den Vogelbeobachtern Anfang Oktober bieten: Man geht davon aus, dass die Zahl der Kraniche in der Rügen-Bock-Region dann bis zu 70 000 Tiere beträgt. Tausende von Tierfreunden und Fotografen wird es wieder zu diesem wunderbaren Naturschauspiel dort hinziehen.

In letzter Zeit beobachtet man allerdings einen neuen Trend: Nicht mehr alle Kraniche ziehen für die Winterzeit in wärmere Gefielde. Einige bleiben jetzt auch in Deutschland – die milderen bzw. kürzeren Winter machen es möglich.

Das Rätsel der toten Schweinswale

Vor kurzem konnte ich hier über das gute Seehund-Jahr am niedersächsischen Wattenmeer berichten. Endlich mal etwas wirklich Erfreuliches.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100908-10-11629Jetzt gibt es leider schon wieder eine Katastrophen-Meldung: An der Ostseeküste zwischen Warnemünde und Rügen hat man in den letzten beiden Wochen schon zwölf tote Schweinswale gefunden. Bisher kann man sich dieses Phänomen nicht richtig erklären. Wissenschaftler schließen aber nicht aus, dass der Bau eines Windparks vor dem Darß mit verantwortlich für das Schweinswal-Sterben ist. 

Seit Jahren verzeichnen die Forscher eine Zunahme von toten Schweinswalen im Juni und Juli. Dafür gibt es einen einleuchtenden Grund: In diesen Monaten sind manche der Muttertiere, die gerade gekalbt haben, sehr geschwächt und für Krankheiten anfällig. Außerdem überleben einige der einjährigen Jungtiere die Entwöhnung von der Mutter nicht. Auch der Fischerei in der Ostsee fallen immer wieder Schweinswale zum Opfer: Die Tiere verheddern sich in den Netzen und verenden jämmerlich.
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Muss "Robben-Watching" in der Ostsee sein?

RobbeNa, das ist doch mal eine Nachricht aus dem Tierreich, über die man sich wirklich freuen kann: In der Ostsee gibt es wieder  Robben. Infolge der Robbenjagden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts kamen die Meeressäuger dort nicht mehr vor. Jetzt jubeln Wissenschaftler, weil erstmals eine Säugetierart, die in der südlichen Ostsee als verschwunden galt, in ihren früheren Lebensraum zurückgekehrt ist. 

Mittlerweile ist der Robben-Bestand in der Ostsee wieder so angewachsen, dass sogar Schiffstouren zu freilebenden Robben im Greifswalder Bodden für Touristen geplant werden.

Ich frage mich schon, ob so ein  „Robben-Watching“ unbedingt sein muss. Klar, man will Touristen damit anlocken. Und angeblich sollen zumindest bei den ersten Ausflugsfahrten Biologen dabei sein, deren Beobachtungen der Forschung nutzen. Aber irgendwie befürchte ich, dass die Wissenschaftler da eine reine Alibi-Funktion haben werden. Warum lässt man die Tiere nicht einfach in Ruhe? Nimmt man nicht zu leichtfertig das Risiko auf sich, dass die Robben weiter hinaus ins offene Meer abziehen – oder womöglich ein weiteres Mal aus der Ostsee verschwinden?