Wenn Tiere in den Rang von Menschen erhoben werden

Die Welt wird immer wundersamer. Da beherrscht tagelang eine getötete Zoogiraffe, die den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird, die Schlagzeilen – als ob es sonst nichts Schrecklicheres auf der Welt gäbe. Und nun sind in Belgien zwei Pandabären empfangen worden, als wären sie mindestens Staatsgäste. Ich bin wirklich eine große Tierfreundin, aber meiner Meinung nach sollte man doch die Kirche im Dorf lassen und Tiere wie Tiere behandeln, nicht wie Menschen.

Gestern ist das Panda-Paar, das aus China kommt, auf dem Flughafen von Brüssel mit Glanz und Gloria begrüßt worden – von keinem Geringeren als dem Ministerpräsidenten Elio Di Rupo persönlich. Und die Presse hat das Ereignis ebenfalls wie einen Staatsempfang behandelt: 100 Journalisten waren zur Stelle, um das denkwürdige Ereignis zu dokumentieren. Außerdem hießen 40 Kinder einer benachbarten Schule die Bären willkommen. Passend dazu: Kaiserwetter mit strahlendem Sonnenschein. Die Tiere kamen in einem pagodenförmigen Käfig an, der vom Flugzeug auf einen Lastwagen umgeladen wurde.  Der Transport ging unter Polizeischutz (!) weiter zum Tierpark „Pairi Daiza“ in Brugellette. Das Panda-Paar besteht aus einem vierjährigen Weibchen namens Hao Hao (Die Freundliche) und ihrem gleichaltrigen Partner Xing Hui (Funkelnder Stern). Es ist geplant, dass die beiden 15 Jahre lang als Leihgabe in Belgien bleiben.

In dem kleinen Land wird ein Hype um die Pandas gemacht, der auszuufern droht. Im Tierpark von Brugellette waren gestern keine Eintrittskarten mehr zu bekommen – ausverkauft! Und das, obwohl die Zooleitung vorher bekannt gegeben hatte, das die Neuzugänge erst in Quarantäne müssen, bevor sie für die Besucher zu sehen sind. Auch eine Eingewöhnungszeit will man den Tieren gönnen, bevor sie Anfang April vom Publikum bewundert werden können. Der Zoo hat für die zwei Gäste aus China eine Menge investiert: Zehn Millionen Euro wurden für ein Luxusgehege aufgebracht, das den Bären ein Schwimmbecken, eine Höhle und einen Bambushain bietet. Außerdem muss der Zoo offenbar eine Million Euro als Leihgebühr für die Pandas bezahlen.

Wäre es nicht sinnvoller, dieses Geld in ein Schutzprogramm für frei lebende Pandabären und in Naturschutzprojekte zu stecken? In freier Wildbahn gibt es nur noch 1600 Exemplare dieser Tierart, die bekanntlich zu den am stärksten bedrohten Arten überhaupt gehört. Der Anteil der in Zoos gehaltenen Pandabären ist mit 300 beachtlich hoch, er soll zur Rettung dieser Art beitragen.

Im Südwesten fehlt ein Nationalpark

Nationalparks sind wichtig für den Natur- und Tierschutz. In Südwestdeutschland besteht aber noch eine große Lücke im Netz der deutschen Nationalparks. Deshalb fordert die Umweltschutzorganisation WWF einen „Nationalpark Schwarzwald“, der diese Lücke schließen könnte.

Für diese Forderung hat der World Wide Found for Nature,  der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert,  in der Stuttgarter Innenstadt mit 1600 Pandabär-Figuren und geworben, außerdem mit 72 Auerhähnen; der Panda ist bekanntlich das Wappentier des WWF. Auf diese Zahlen kamen die Veranstalter, weil es weltweit noch rund 1600 Pandas in freier Wildbahn gibt und 72 Auerhähne auf der Fläche des geplanten Nationalparks leben.  – Das Foto zeigt die Aktion auf dem Stuttgarter Rathausplatz mit Diana Pretzell, der Leiterin des Bereichs Naturschutz Deutschland beim WWF, und dem grünen baden-württembergischen Naturschutzminister Alexander Bonde.

Chinesische Pandas und der flämisch-wallonische Konflikt

Der in Belgien seit Jahrhunderten schwelende Zwist zwischen Flamen und Wallonen ist immer wieder Ursache für interessante Begebenheiten. Zwei chinesische Pandabären sorgen jetzt für neuen Zündstoff zwischen den Französisch sprechenden Wallonen und den Niederländisch parlierenden Flamen.
Was ist passiert? Die beiden Pandas wurden dem belgischen Ministerpräsidenten Elio Di Rupo auf seiner Chinareise vom dortigen Premierminister Li Keqiang als zehnjährige Leihgabe versprochen. Di Rupo betont, dass die Ankunft der Tiere eine Ehre für Belgien sei und ein Zeichen für die vertrauensvolle Atmosphäre zwischen China und Belgien. Der eher frankophone Di Rupo tendiert dazu, sie ab dem Frühjahr 2014 im Tierpark Pairi Daiza im Süden Belgiens – also in der Wallonie – einquartieren zu lassen. Daraufhin sollen – so die Nachrichtenagentur Belga – Verantwortliche im Zoo in Antwerpen mehr als sauer reagiert haben. Sie plädieren dafür, dass die Pandas bei ihnen in Flandern untergebracht werden. Der Antwerpener Zoo (dessen Website es in einer niederländischen und französischen Sprachversion gibt) beherbergt über 5000 Tiere und ist der älteste und berühmteste Tierpark des Landes. Gegründet wurde er 1843 und zählt jährlich etwa 1,3 Millionen Besucher.
Der Sprachenstreit zwischen den Wallonen und Flamen ist eine never-ending Story in Belgien und hat vor drei Jahren das Land sogar fast zum Auseinanderbrechen geführt. Damals gab es 541 Tage keine gewählte Regierung, bis der Sozialist Elio Di Rupo dann Chef einer Koalitionsregierung wurde.

Hype um Panda-Paarung

Sie zählen zu den am meisten bedrohten Tierarten auf unserer Erde: die Großen Pandas. In freier Wildbahn in China gibt es nur noch 1600 Exemplare, dazu kommen 300 in Zoos.Vielleicht lässt sich dadurch der Hype erklären, der im Augenblick um das Thema Panda-Paarung in Japan und in Schottland entstanden ist. Ganz Japan flippt aus, seit aus dem Zoo von Tokio die frohe Nachricht kam: Die beiden Pandabären Shin Shin und Ri Ri hatten Sex miteinander – und das, obwohl Pandas als Sexmuffel verschrien sind. Umso unglaublicher, dass die beiden sich in dieser Woche schon zweimal gepaart haben – einmal abends, und dann am nächsten Morgen schon wieder.

Das „Liebesspiel“ wurde auf einem Video und auf der Webseite des Zoos veröffentlicht. Das Video war sogar in den Haupt-Abendnachrichten des größten öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders zu sehen. Schon im vergangenen Jahr hatte es eine ähnliche landesweite Aufregung gegeben, als bekannt wurde, dass sich die zwei Pandabären, die 2011 als Leihgabe aus China nach Tokio gekommen waren, zum ersten Mal gepaart hatten. Im Juli 2013 erblickte sogar ein Pandababy das Licht der Welt. Es wurde aber nur eine Woche alt und starb dann an einer Lungenentzündung. Damals wurden für diese traurige Nachricht alle Fernseh- und Radiosendungen unterbrochen. Nun fiebert eine ganze Nation mit, dass es diesmal besser läuft und ein Happy End gibt. Pandamania in Japan!

Auch die Schotten geraten in Sachen Panda völlig aus dem Häuschen. Im Zoo von Edinburgh richten sich alle Hoffnungen auf die Großen Pandas Tian Tian und Yang Guang, die sich laut Expertenmeinung in den nächsten Wochen ebenfalls paaren werden. Weil die beiden im vergangenen Jahr offenbar keine Lust dazu hatten, helfen die Zoo-Mitarbeiter jetzt ein wenig nach, um möglichst günstige Voraussetzungen für ein Techtelmechtel der beiden Pandas zu schaffen. So ahmen sie zum Beispiel die natürlichen Lichtverhältnisse der Außenwelt im Gehege nach. Die beiden Bären durften auch einige Zeit im Gehege des Partners verbringen, um dort Duftmarken zu setzen oder aufzunehmen. Wenn es nichts wird mit dem natürlichen Sex, will man es mit künstlicher Befruchtung versuchen. Ob das alles von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten. Denn Pandas bekommen nur selten Nachwuchs in Zoos.

Neue Attraktion in Edinburgh

Sie heißen Sonnenschein und Liebling und sollen die Attraktion des Zoos in Edinburgh werden: zwei Panda-Bären, die am Wochenende aus China nach Großbritannien eingeflogen wurden. Die Volksrepublik China hat das tierische Paar für die stolze Summe von 750 000 Euro pro Jahr an Schottland verliehen. Dem Zoo, auf den außerdem noch rund 70 000 Euro an Kosten für die Versorgung der Tiere zukommen, ist es das wert. Er scheint besucherzahlenmäßig vor sich hinzudümpeln und will mit seinen beiden neuen Zugpferden zumindest die Millionengrenze knacken.

Nachdem der Tiergarten Nürnberg seit Jahren im Schnitt eine Million Menschen im Jahr anlockt – auch ohne Flocke (da waren es mehr), und auch heuer wird man die Million überschreiten – muss es tatsächlich schlecht bestellt sein um den Zoo der schottischen Hauptstadt, wenn er auf zwei Pandas aus China setzen muss. Man hat jahrelange Verhandlungen geführt, um die Leihgabe aus dem Fernen Osten überhaupt zu kriegen, und der Leihvertrag ist auf zehn Jahre befristet. Sollten sich Yang Guang (auf dem Foto zu sehen) und Tian Tian in Schottland fortpflanzen, gehört der Nachwuchs China.

Dafür müssten sich die beiden Pandas aber erst einmal ineinander verlieben, denn bislang sind sie noch kein Paar. Sie hatten jedoch mit anderen Partnern schon Junge. Auch in Edinburgh werden sie getrennt gehalten; schließlich sind Pandas Einzelgänger. Für eventuelle Rendezvous hat man ihnen aber einen „Liebestunnel“ eingerichtet. Und Videokameras sollen das Liebesleben von Sonnenschein und Liebling (Tian Tian wird von einigen auch mit  „Süße“ übersetzt) dann im Internet öffentlich machen.

Das alles aber erst in zwei Wochen. Bis dahin lässt man den Tieren Zeit zum Eingewöhnen in Schottland. Zwei Panda-Spezialisten, die Liebling und Sonnenschein aus China begleitet haben, sollen ihnen dabei helfen. Ab 16. Dezember werden die Bären für die Zoobesucher freigegeben. Schon jetzt soll der Kartenverkauf nach oben gegangen sein.

Tierschützer kritisieren die ganze Aktion. Sie sind der Meinung, Zoos würden den Besuchern vorgaukeln, man könne Pandabären durch Nachzucht in Zoos vor dem Aussterben bewahren, was aber unmöglich sei. Weltweit schätzt man den Panda-Bestand in der Natur noch auf etwa 1600 Tiere; in Zoos leben 300. Haltung und Zucht von Pandas gelingen nicht überall.

Yang Guang und Tian Tian sind übrigens die ersten Pandas seit 17 Jahren in Großbritannien. Der Zoo von London hatte früher mit der Panda-Dame Chi Chi einen echten Star – die Bärin stand Modell für das Logo des WWF. Wer sich dafür interessiert: Ich habe hier darüber geschrieben.

Pandas für Olympia

wolong.JPGSchon wieder eine schlechte Nachricht. Sie betrifft die wunderschönen Pandabären, die sowieso schon als „stark gefährdet“ eingestuft sind: Die schweren Erdbeben im Südwesten Chinas könnten diese Tierart noch weiter dezimiert haben.

Im Panda-Reservat in Wolong etwa kamen zwar offenbar die meisten Pandas mit dem Schrecken davon – sie brüllten laut vor Angst bei dem Beben -,  doch sie sind zum Teil so traumatisiert, dass sie jetzt „psychologische Hilfe“ benötigen, heißt es in Berichten der Nachrichtenagentur dpa. Und solche Hilfe scheinen sie sogar in China zu kriegen, denn die Pandas sind dort enorm beliebt – so sehr, dass lange, bevor man absehen konnte, wie viele Menschenleben das Erdbeben gefordert hatte, die Medien dort fragten, ob Bären Schaden genommen hätten.

Wie viele Pandas in freier Natur durch das Beben umkamen, weiß derzeit niemand zu sagen. Die Populationen laufen auch ohne Erdbeben schon Gefahr, dass ihr Erbgut sich nicht genügend mischt, weil sie durch Eingriffe des Menschen in die Natur –  z.B. Straßen, Staudämme (die durch das Beben auch noch bersten könnten) oder Äcker – voneinander getrennt werden. So bleiben einzelne Gruppen unter sich – auch bei der Paarung.

Statt die traumatisierten Tiere aus Wolong nun in Ruhe zu lassen bzw. zu behandeln, verfrachtet man jetzt auch noch acht von ihnen nach Peking, wo die Umweltverschmutzung schon den viel unempfindlicheren Menschen zu schaffen macht: Die Pandas sollen zu den Olympischen Spielen. Nicht als Sportler natürlich, sondern als  Attraktion für die Olympiagäste. Das könnte man ja noch verstehen. Aber als weitere Begründung, so heißt es, sollen sie Symbole für den Artenschutz sein. Verstört, wie sie in Peking wohl ankommen werden.  – Das verstehe, wer will, ich jedenfalls nicht. Vielleicht ticken die Köpfe der so etwas entscheidenden Menschen ja irgendwie anders. Ich glaube, ich habe jetzt schon keine Lust mehr auf diese Olympischen Spiele. Manche Sportler ja auch nicht.