Enttäuschung für Präriehund-Fans

PräriehundpaarSo – nach dieser Woche voller Aufregung um eine grottenschlechte Sendung mit Mario Barth schnaufen wir jetzt einmal tief durch und konzentrieren uns auf Interessanteres. Es betrifft auch den Tiergarten Nürnberg. Ich hatte ja in diesem Blog vor ein paar Monaten schon über das rätselhafte Verschwinden der Präriehunde aus dem Zoo am Schmausenbuck geschrieben. Daran hat sich leider nichts geändert: Die süßen Nager sind und bleiben wie vom Erdboden verschluckt. Der Tiergarten hat die Suche längst eingestellt.

Wer diese Tiere so niedlich findet wie ich, der wird wahrscheinlich enttäuscht sein: Der Tiergarten gibt zumindest vorläufig die Haltung der netten Nager auf. Grund ist, dass man derzeit kein geeignetes Gehege für sie hat. Denn der Platz hinter dem alten Flusspferdhaus, wo sie zuletzt untergebracht waren, ist noch länger wegen des Umbaus dieses Tierhauses, dass aus dem Jahr 1939 stammt, eine Baustelle; das historische Gebäude soll ja bekanntlich zum Wüsten-Haus umgestaltet werden.

Der stellvertretende Zoochef Helmut Mägdefrau würde ja am liebsten Präriehunde frei im Tiergarten herumlaufen lassen – wie es schon einmal vor einigen Jahren praktiziert wurde, als die aus Noramerika stammenden Tiere bei den Bisons herumwieselten. Doch das geht auch nicht: Die Viecher büxen nämlich schnell aus, indem sie sich durch Tunnel in den benachbarten Wald absetzen. Das ist dann ein echtes Problem: Die Präriehunde, die eben nicht zu den einheimischen Tieren gehören, könnten das natürliche Gleichgewicht im Wald durcheinanderbringen. So etwa, wie Waschbären oder Marderhunde das schon in verschiedenen Gegenden bei uns tun. Das Freilassen von solchen Tieren ist bei uns nicht erlaubt, da gibt es strenge Vorschriften.

Na gut – oder vielmehr schlecht: Wir Präriehund-Fans müssen uns im Tiergarten halt erst einmal mit Tieren zufriedengeben, die den Präriehunden ähnlich sind: Erdmännchen und Fuchsmangusten bieten sich da an, oder auch die Zwergmangusten im Naturkundehaus und die Ziesel im Mediterraneum. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwann auch wieder Präriehunde gibt!

Wie viele Tiere verschwinden noch?

2_09O5FPUErst verschwindet ein Schaf aus dem Nürnberger Tiergarten, nun ist eine zehnköpfige Gruppe von Präriehunden (siehe Foto) wie vom Erdboden verschluckt. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn die zur Unterfamilie der Erdhörnchen gehörenden Tiere, die im Freigehege beim alten Nilpferdhaus lebten, zogen sich im vergangenen Herbst in den Winterschlaf zurück und tauchten im Frühling nicht mehr aus ihrem weitverzweigten unterirdischen Höhlensystem auf. Warum, das weiß bisher niemand. Die Zoodirektion steht vor einem Rätsel und kann den Grund nur vermuten: Ursache könnte eine Krankheit ebenso sein wie der Iltis, der den aus Nordamerika stammenden Tieren den Garaus gemacht haben könnte.

Die Untersuchung des Präriehunde-Geheges mit einem kleinen Bagger, der die oberste Erdschicht abtrug, blieb erfolglos. Nun will man noch mit größerer Gerätschaft anrücken, um tiefer zu graben. Die Tunnels der Präriehunde können nämlich bis etwa fünf Meter tief unter der Oberfläche liegen. Damit das Gehege am Flusspferdhaus nicht verwaist bleibt, sind erst einmal Riesen-Kaninchen dort eingezogen.

Nachdem die beiden Meldungen über das verschwundene Schaf „Rosi“ und die untergetauchten Nager eher zufällig an die Öffentlichkeit kamen, stellt sich die Frage, ob die Informationspolitik der Tiergartenleitung geschickt ist. Auf meine Frage dazu meinte der stellvertretende Zoochef Helmut Mägdefrau, man gebe Informationen erst dann nach außen, wenn man geklärt habe, was dahinter steckt. Sonst würde man nur unnötig bei den Medien Spekulationen auslösen und könnte sich vor nachfragenden Journalisten nicht mehr retten. Ich bin da nicht ganz seiner Ansicht. Denn so, wie das jetzt gelaufen ist – erst berichtet die Presse über verschwundene Tiere, dann gibt der Tiergarten eine Stellungnahme dazu ab -, entsteht schnell der Eindruck, als würde man nicht offen mit solchen Vorkommnissen umgehen. Und das ist dann wieder Wasser auf die Mühlen der Zoo-Gegner.