Der es mit Tigern aufnimmt

Dass es bei der Parlamentswahl in Russland vor knapp zwei Wochen zu deutlichen Verstößen und Unregelmäßigleiten gekommen ist, darin sind sich internationale Wahlbeobachter einig. Der Sieg der Putin-Partei gilt als manipuliert. Dass Wladimir Putin ein Mann ist, dem zur Durchsetzung bzw. zum Erhalt der Macht jedes Mittel recht ist, zeigt auch ein Vorfall, der schon einige Jahre zurückliegt. Er hat natürlich etwas mit Tieren zu tun – das sei all jenen gesagt, die beim Lesen der letzten Zeilen schon gemutmaßt haben, im falschen Blog gelandet zu sein.

Also, die Sache ist die: Im Herbst 2008 hat Putin eine Reise in einen Nationalpark in der Nähe von Wladiwostok angetreten. Dort wollte er sich höchstpersönlich über das Artenschutzprogramm der Regierung für Sibirische Tiger informieren, die bekanntlich vom Aussterben bedroht sind. Bei dieser Expedition ließ sich Putin – wie so oft – vom staatlichen Fernsehen begleiten. Und er nutzte die Tour offenbar, um sich als wahren Helden zu präsentieren: als Mann, der es sogar mit Tigern aufnimmt. Zunächst sah es so aus, als habe Putin durch einen gezielten Schuss mit dem Betäubungsgewehr das Kamerateam des Fernsehsenders vor dem gefährlichen Angriff eines Tigerweibchens gerettet.

Nun erheben russische Tierschützer und Blogger schwere Vorwürfe, für die sie, wie sie betonen, auch Beweise liefern könnten: Der damalige Tigerangriff sei manipuliert gewesen, haben sie der britischen Zeitung „Guardian“ berichtet. Die Tigerin habe gar nicht frei in dem Nationalpark gelebt, man habe sie vielmehr eigens aus einem russischen Zoo angeliefert und es so eingerichtet, dass sie Putin und seinem Fernsehteam praktisch über den Weg laufen musste und Putin heldenhaft zum Betäubungsgewehr greifen konnte. Anschließend hat er dem betäubten Tier noch ein elektronisches Halsband mit Peilsender umgelegt und sich mit einer rührenden Geste von der majestätischen Raubkatze verabschiedet.

Für die Tigerin verlief die Sache weniger erfolgreich: Sie starb, so die Tierschützer, an den Folgen der dreimaligen Betäubung, die für die Inszenierung dieses Abenteuers nötig war. Angeblich konnte das Tier die dreimalige hohe Dosis an Betäubungsmittel nicht verkraften.

Putin als Pate für "Flocke"?

Vladimir PutinKnut“ in Berlin hat einen Paten: unseren Umweltminister Gabriel. „Flocke“ in Nürnberg hat keinen, soll aber noch einen bekommen. Fragt sich nur, wen.

Tiergartendirektor Encke will keinen Politiker. Er denkt weiter und globaler. Ihm schwebt eher eine Tier-, Umwelt- oder Klimaschutz-Organisation vor. Aber nicht so eine populäre wie zum Beispiel WWF. Nein, er möchte, dass „Flocke“ einer weniger bekannten Initiative zu Berühmtheit verhilft. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nennt man das, wenn man kein Tierfreund ist.

Nun könnte die Zooleitung aber in Schwulitäten kommen. Denn Gerüchten zufolge ist Wladimir Putin als „Flocke“-Pate im Gespräch. Im Tiergarten hat davon zwar angeblich noch niemand etwas gehört. Aber was, wenn der kleine  große Mann aus Russland sich tatsächlich zum Paten berufen fühlt? Kann man den russischen Bären dann einfach wieder nach Hause schicken?

Der stellvertretende Tiergartenchef Mägdefrau hat eine wahrhaft salomonische Lösung parat: Putin wird nicht Pate von „Flocke“, sondern von einem anderen Bärenkind, das aus Russland kommt, als Spielgefährte für „Flocke“. Hätte man wieder zwei Fliegen mit einer …  – naja, Sie wissen schon. Oder sogar drei: Man könnte gleich die Gasversorgung des Tiergartens für alle Zeiten sicherstellen. Ich sag´s ja: Im Tiergarten denken die Verantwortlichen weiter als die meisten Menschen in der Politik.