Hat diese Art bei uns eine Zukunft?

AufSie galt eigentlich schon als ausgestorben, doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Europäische Sumpfschildkröte, die von der Deutschen Gesellschaft für Hepterologie und Terrarienkunde zum „Reptil des Jahres 2015“ erklärt wurde, scheint gerettet. Forscher sehen für sie eine Zukunft, wenn ihre Gelegeplätze und ihr Gewässerumfeld gezielt geschützt werden – sie braucht also miteinander verbundene Biotope in großräumigen Landschaften ohne Verkehr. Die schwarzgrünen Tiere mit ihren gelben Sprenkeln und Strichen werden meist um 20 Zentimeter groß (Panzerlänge). Sie bevorzugen flache, stehende Gewässer mit vielen Pflanzen im Wasser und im Uferbereich. Diese Schildkröten benötigen frostfreie Quartiere zum Überwintern und Ablegen ihrer Eier. Die Jungtiere müssen in ihrem Bereich vor Feinden wie Füchsen, Wildschweinen oder Waschbären geschützt sein. Europäischen Sumpfschildkröten fressen Wasserinsekten, Würmer, Fische, Kaulquappen und Aas.

Es gibt sechs regionalspezifische Unterarten; ob die an ihren originalen Verbreitungsgebieten noch gerettet werden können, hängt auch vom Verantwortungsbewusstsein von Reptilienhaltern ab. Wenn sie ihre Tiere nämlich eigenmächtig einfach auswildern, kommt es zu einer genetischen Vermischung, zum Beispiel der mitteleuropäischen mit einer süd- oder westeuropäischen Unterart. Solche Aktionen sind nur im Zuge wissenschaftlich kontrollierter Projekte zulässig, wie sie etwa der Frankfurter Zoo durchführt: Dort wachsen junge Schildkröten ungefährdet ein paar Jahre heran und werden dann in den Rheinauen frei gelassen.

Diese Tierart hatte es schon seit dem Mittelalter nicht leicht, denn da kam sie während der Fastenzeit häufig auf den Tisch. Mit der traurigen Folge, dass sie schon im 18. und 19. Jahrhundert deutlich dezimiert war. Und dann ging´s weiter bergab mit ihren Beständen. Zuletzt war die Europäische Sumpfschildkröte nur noch in Brandenburg vertreten. Danach wurden auch im Westen und Südwesten Deutschlands wieder vereinzelt Exemplare gesichtet. Allerdings lässt sich nicht immer hundertprozentig sagen, ob es sich um Originale oder ausgewilderte Haustiere handelt. Sicher ist man bei Schildkröten, die in den hessischen Rheinauen und im Raum Germersheim entdeckt wurden, weil bei ihnen der genetische Nachweis erbracht werden konnte.

Soll man Tierbörsen verbieten?

An diesem Wochenende findet wieder die weltweit größte Reptilienmesse statt: die Terraristika im nordrheinwestfälischen Hamm. Im Vorfeld ist erneut ein Streit darüber entbrannt, ob man Tierbörsen nicht lieber verbieten sollte. Das fordern jedenfalls Tierschützer wie der Deutsche Tierschutzbund und Pro Wildlife.

Die Tierschützer kritisieren, dass bisher geltende Verordnungen für solche Tiermärkte nicht streng genug seien. Weil es fast nur Soll-Bestimmungen gebe, hätten die Veterinärbehörden im Ernstfall kaum eine Handhabe einzugreifen. Auf derartigen Börsen werden oft Tiere wie beispielsweise Giftschlangen angeboten. Die Tierschützer verlangen, dass zumindest das verboten werden sollte. Denn die Käufer könnten oft nicht richtig mit solchen Tieren umgehen. Im vergangenen Jahr ist zum Beispiel eine giftige Monokelkobra einem jungen Mann ausgebüxt, der das Tier auf der Terraristika gekauft hatte. Eine aufwändige Suchaktion musste deshalb eingeleitet werden.

Außerdem monieren die Tierschützer, dass auf Tierbörsen immer wieder Wildfänge zum Verkauf angeboten werden, ebenso wie Tiere, die unter Artenschutz stehen. Auch den Vorwurf der Tierquälerei erheben sie: Die Tiere würden meist in viel zu kleinen Boxen aufbewahrt und oft auch nicht artgerecht versorgt – und das nicht selten über Wochen hinweg, weil die Tierhändler von einem Tiermarkt zum nächsten reisen. Der Deutsche Tierschutzbund hat seit langem solche Veranstaltungen im Blick und stellt dabei immer wieder fest, dass der Tierschutz nicht eingehalten wird. Solange es kein Verbot von Tierbörsen gibt, raten die Tierschützer von deren Besuch ab, um diese Form des Tierhandels nicht zu unterstützen.