Hat Ric O´Barry den "Bambi" verdient?

Die diesjährige „Bambi“-Verleihung dürfte in die Mediengeschichte eingehen: Nicht nur die Verleihung des Medienpreises an den Rapper Bushido ist mehr als fragwürdig und hat bekanntlich Proteste ausgelöst. Nein, auch dass der Preis in der Kategorie „Unsere Erde“ an Richard O´Barry für sein Engagement als Delfinschützer geht, kann man durchaus kritisch hinterfragen.

Für viele Tierschutz-Aktivisten ist O´Barry eine Art Heiliger, allerdings einer, der sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. Schließlich arbeitete er einst als Delfintrainer bei der Fernsehserie „Flipper“. Gut, er hat das später bedauert; man sollte ihm das also nicht sein Leben lang immer wieder aufs Brot schmieren. Und keiner kann wohl O´Barrys Verdienst vom Tisch wischen, das er sich durch den Film „Die Bucht“ erworben hat: So wurden Millionen von Menschen auf das sinnlose Abschlachten von Delfinen in der Bucht von Taiji aufmerksam und protestierten dagegen – wenn auch leider (noch?) nicht mit großem Erfolg.

Doch O´Barry schlägt auch manchmal über die Stränge. „Auswilderung“ lautet das Zauberwort, das er in Sachen Delfinhaltung gebetsmühlenartig wiederholt und als Allheilmittel betrachtet. Dass Auswilderung aber oft gar nicht möglich ist, hat er selbst schon schmerzhaft erfahren müssen. Bei publikumswirksam inszenierten Befreiungsaktionen hat er Tieren nämlich schon schwer geschadet.

Ein Beispiel gefällig? O.k.: 1996 konnten zwei zuvor in menschlicher Obhut gehaltene Delfine wenige Tage nach ihrer  „Befreiung“ vor der Küste Floridas durch den prominenten Tierrechtler gerade noch rechtzeitig gerettet werden; sie waren schwer verletzt und stark unterernährt, weil niemand sie auf das Leben in freier Wildbahn vorbereitet hatte. Das hatte schwerwiegende Konsequenzen: O´Barry und seine Organisation wurden wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz im Meer lebender Säugetiere und wegen Tierquälerei zur Höchststrafe von 40 000 Dollar verurteilt. Damit nicht genug: Wegen unsachgemäßer und illegaler Auswilderung bekam er eine zweite Strafe aufgebrummt: 19 500 Dollar. Und auch das von O´Barry mit ins Leben gerufene „Sugarloaf Dolphin Sanctuary“ hat man geschlossen und die Delfine beschlagnahmt. Die Behörden konnten u.a. nachweisen, dass die Tiere nicht ausreichend von Veterinären versorgt wurden.