Doppelkopf – mehr als ein Kartenspiel

DoppelkopfDoppelkopf – darunter versteht man normalerweise ein Kartenspiel. Manchmal gibt es auch in der „Nürnberger Zeitung“ auf Seite zwei – in den Kommentarspalten – einen „Doppelkopf des Tages“: Einen kommentierenden Beitrag mit den Kopfbildern von zwei Menschen, die an diesem Tag in Zusammenhang mit einem bestimmten Thema von sich Reden machen. Nun hat auch der Zoo in Rostock seinen Doppelkopf, nämlich eine Schlange – genauer gesagt: eine Höhlenschönnatter – mit zwei Köpfen, eine sehr seltene biologische Besonderheit.

Das Tier ist jetzt in einem Terrarium im „Darwineum“ für die Besucher zu sehen und dürfte sich zu einer echten Attraktion entwickeln. Womöglich werden nun einige Zoo-Gegner kritisieren, dass so etwas früher in Kuriositäten-Kabinetts gezeigt wurde und diese Zeit längst vorbei sei. Ich bin aber der Meinung, dass es sich um ein hochinteressantes wissenschaftliches Phänomen handelt. Zoos haben ja auch einen Bildungsauftrag, und wenn das Ganze gut erklärt wird, ist es in Ordnung, so ein Tier zu zeigen.

Geschlüpft war die  Natter schon im Juni 2015. Mittlerweile bringt sie es auf stolze 65 Zentimeter Länge. Sie besitzt nicht nur zwei Köpfe, sondern auch zwei Luft- und Speiseröhren. Die anderen Organe existieren nur in einfacher Ausführung. Das Tier kommt offenbar mit seiner Anomalität ganz gut zurecht: Die Schlange kann sogar mit beiden Köpfen fressen – allerdings nicht gleichzeitig.

Schlangen mit zwei Köpfen können durchaus bis ins Erwachsenenalter überleben. Experten erklären den Doppelkopf durch einen nicht abgeschlossenen Teilungsvorgang der Eizelle. Wie bei der Entwicklung von
eineiigen Zwillingen teilt sich auch die befruchtete Schlangeneizelle, aber diese Teilung wird vorzeitig abgebrochen.

Forever young!

HydraEinst hat uns Bob Dylan davon träumen lassen, als er „Forever young“ sang. Zehn Jahre später hat Alphaville nachgezogen.  Alle möglichen Menschen versuchen, dieses Ziel durch operative Eingriffe zu erreichen, kriegen es aber meist nicht so gut hin. Er schafft es dagegen von ganz allein: Der kleine Süßwasserpolyp der Gattung Hydra altert nicht! Das ist nun wissenschaftlich bewiesen worden.

Dazu haben Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock ein Langzeitexperiment durchgeführt. Fast zehn Jahre lang beobachteten sie die nicht einmal einen Zentimeter große Hydra und fanden dabei Erstaunliches heraus: Im Gegensatz zum Menschen baut der kleine Polyp im Alter nicht ab und vermehrt sich munter weiter. Die Forscher halten nun schon seit fast zehn Jahren 1800 der kleinen Kerlchen in einem Labor, jeweils getrennt in einer Glasschale und unter konstanten Bedingungen. Bei dem Experimant vermehren sich die Polypen asexuell; sie bilden sozusagen Ableger.

Sterbefälle gab es dagegen kaum. Pro Jahr waren es gerade mal fünf tote Hydras, die meist nicht von selber starben, sondern durch einen Laborunfall umkamen: Sie waren an den Deckeln ihrer Glasbehälter hängen geblieben und vertrockneten dann.  Nach Hochrechnungen der Wissenschaftler ist die Sterblichkeit der Hydra so niedrig, dass sogar nach einem halben Jahrtausend noch fünf Prozent eines Polypen-Jahrganges am Leben wären.

Wie macht dieses Tier das bloß? Offenbar hält die Hydra ihren Körper jung, weil sie die Fähigkeit besitzt, sich zu regenerieren. Kaputte oder verloren gegangene Körperteile kann sie ersetzen. Sie kann sich sogar aus einem fast komplett zerstörten Körper wieder voll regenerieren, denn ihr Anteil von Stammzellen ist besonders hoch.

Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass wir Menschen das nicht können. Für immer jung sein – na gut, das wäre ja vielleicht noch was. Aber praktisch ewig leben – nein, danke!

Elefantenhaltung zu teuer

Ab sofort ist auch der Zoo Rostock ein Zoo ohne Elefanten. Die letzte dort lebende Elefantendame wurde heute eingeschläfert: Sara ist 51 Jahre alt geworden – ein biblisches Alter für afrikanische Elefanten; sie war damit die älteste afrikanische Elefantenkuh in einem europäischen Zoo. Ich habe Sara bei einem Besuch des Zoos gesehen und hier im Blog auch schon über sie geschrieben. Sie war noch ein Wildfang aus Afrika und lebte schon seit 1964 im Rostocker Zoo, viele Jahre auch in einer kleinen Herde. Die letzte Artgenossin in ihrem Gehege war die Nürnberger Elefantendame Yvonne (von ihren Pflegern auch „Bibi“ genannt), die aber bald nach ihrem Umzug in den hohen Norden starb. Damit Sara wenigstens nicht ganz allein zurückblieb, hielten ein paar Kamerunschafe Einzug bei ihr. Beide Tierarten kamen gut miteinander aus, das konnte man genau beobachten.

Der Tod von Sara bedeutet gleichzeitig das Ende der Haltung dieser majestätischen Tiere in Rostock. Der Zoo kann die seit einiger Zeit erforderlichen Bedingungen dafür nicht bieten. Einen Um- bzw. Ausbau der Elefantenanlage kann sich die Hansestadt in Mecklenburg-Vorpommern nicht leisten – dafür wären Millionen nötig.

Da geht es dem Zoo an der Ostsee ganz ähnlich wie dem Tiergarten Nürnberg. Auch hier ist das Geld für die Einhaltung der heutzutage vorgeschriebenen Richtlinien nicht vorhanden. Sehr zum Bedauern vieler Tiergartenbesucher, die immer wieder betonen, wie sehr sie die Dickhäuter vermissen. Klar – Elefanten gehören zu den attraktivsten Zootieren überhaupt. Jeder findet auch, dass die Richtlinien für ihre Haltung zu Recht hoch angesetzt wurden. Aber die können nur noch wenige Zoos erfüllen – Zoos in öffentlicher Hand sind dabei klar im Nachteil. In Nürnberg dürfen wir trotzdem hoffen, dass wir irgendwann wieder graue Riesen am Schmausenbuck bewundern dürfen. Aber bis dahin wird wohl noch viel Wasser die Pegnitz hinunterfließen.

Eine Zeitreise durch die Evolution

Der Rostocker Zoo, über den ich hier schon als Urlaubstipp für Ostsee-Urlauber geschrieben habe, hat jetzt eine neue Attraktion: Das Darwineum wurde eröffnet. Bei der feierlichen Zeremonie war auch der Ururenkel von Charles Darwin dabei: Felix Padel (siehe Foto), der anthropologische Forschungen betreibt.

Das Darwineum ist mit 29 Millionen Euro – eine Million haben die Rostocker Bürger gespendet – ein Riesenprojekt für den Zoo im Nordosten der Bundesrepublik: eine Erlebniswelt zum Thema Evolutionsgeschichte. Zu der Halle gehören auch Experimentierstationen und Tagungsräume. Und für Schulklassen wird es bald Unterrichtsangebote geben.

Dank der neuen Einrichtung ist endlich Schluss mit der schlechten, längst nicht mehr zeitgemäßen Unterbringung der Menschenaffen im Zoo Rostock. Ihre Haltungsbedingungen waren zu Recht kritisiert worden. Im Darwineum steht den Gorillas und Orang-Utans jetzt eine Tropenhalle zur Verfügung, in der sie mit Zwergseidenäffchen und Spitzhörnchen zusammenleben.

Das Darwineum will den Zoobesuchern anhand von Tierbeispielen erklären, wie sich das Leben auf der Erde herausgebildet hat: zum Beispiel mit Quallen, die im Meer der Urzeit lebten, und mit Pfeilschwanzkrebsen, Seepferdchen und Schlammspringern, die den Übergang der Lebewesen vom Wasser zum Land bildeten. Stellvertretend für Saurier ist ein Nashornleguan, die ersten Säugetiere im Tertiär werden durch Antilopenziesel und Schnabeligel repräsentiert. Am Ende der Zeitreise gelangt man dann in die Tropenhalle mit den Menschenaffen. Insgesamt sind 40 Tierarten im Darwineum untergebracht.

Durch das Darwineum wurde allerdings der Eintritt in den Zoo teurer: Die Preise stiegen für Erwachsene von 11,50 Euro auf 16 Euro; für Kinder bis zu sieben Jahren ist der Eintritt frei.

Abenteuer Evolution

Letzten Sommer habe ich hier schon einmal über den Zoo Rostock geschrieben. In dem Ostsee-Zoo entsteht das „Darwineum“: Die Besucher sollen dort das Abenteuer Evolution nacherleben können. In der 5000 Quadratmeter großen Halle werden künftig Gorillas und Orang-Utans untergebracht. Die Menschenaffen müssen in Rostock derzeit noch mit altertümlich anmutenden, längst nicht mehr zeitgemäßen Käfigen vorliebnehmen.

Aber wenn das Darwineum im Spätherbst dieses Jahres eröffnet wird, kann der Zoo mit einer echten Attraktion aufwarten, die viele neue Besucher anlocken dürfte. Der Rohbau der Anlage steht bereits, im Augenblick sind Maler mit der Ausgestaltung der Innenräume beschäftigt. Engagiert wurde dafür ein echter Fachmann: der Illusionsmaler Uwe Thürnau. Der gelernte Maler und Grafiker hat sich auf die Dekoration von Tiergehegen in Zoos spezialisiert. Der 60-Jährige hat auch die Entwicklung mitbekommen, die Zoologische Gärten in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen haben: weg von Betonkäfigen mit dicken Gitterstäben, hin zu Anlagen, die der natürlichen Umgebung der Tiere nachempfunden sind.

Auch im Darwineum soll es keine Gitter geben, sondern Aussichtsplattformen und Glasfronten, die den Besuchern möglichst viel Einblick in die Gehege gewähren. Uwe Thürnau und seine Kollegen sind auf große Wandbilder und Dioramen spezialisiert. Auf die beiden Giebelwände des Darwineums haben sie tropische Landschaften gezaubert, und für den Betrachter sieht es so aus, als würde sich der Urwald tief ins Hinterland erstrecken. Dadurch, dass im Vordergrund echte Pflanzen wachsen, soll die Illusion perfekt werden.

Zoo-Interessierte dürfen also gespannt sein auf die neue Einrichtung in Rostock, die bestimmt eine große Bereicherung für die deutsche Zoolandschaft darstellen wird.

Urlaubstipp: Zoo Rostock

Auch wenn dieser Sommer seinen Namen nicht verdient: Wir haben Sommerferien in Bayern. Sollte der eine oder andere meiner Leser vorhaben, im Urlaub an die Ostsee zu fahren, dann hätte ich einen guten Tipp für einen Schlechtwetter-Tag – und davon haben die meisten Feriengäste dort oben zur Zeit ja jede Menge.

Also: Der Besuch des Rostocker Zoos ist auf  jeden Fall lohnenswert. Ich war vor ein paar Wochen selbst dort und kann die Einrichtung nur jedem ans Herz legen. In dem Zoologischen Garten leben rund 1700 Tiere aus 250 Arten. Von einem „Garten“ kann man beim Rostocker Zoo übrigens mit Fug und Recht sprechen – er ist nämlich auch unter botanischen Gesichtspunkten äußerst reizvoll. So gibt es dort zum Beispiel einen Riesen-Mammut-Baum, eine altehrwürdige Eichenallee, und in der Zoo-Gärtnerei werden über 170 Dahliensorten gezüchtet; die dürften ja zurzeit alle blühen.  Viele Pflanzen auf dem Zoogelände sind auch mit Namensschildern versehen.

Aber natürlich besucht man einen Zoo nicht wegen besonders schöner Pflanzen, sondern in erster Linie wegen der Tiere. Wenn ich anderswo in einem Zoo bin, erkundige ich mich immer, ob es dort Tiere gibt, die aus dem Nürnberger Tiergarten stammen. Das ist in Rostock im Augenblick nicht der Fall. Zwar war die letzte Nürnberger Elefantendame Yvonne im Sommer 2008 nach Rostock gezogen, sie musste aber im Frühjahr 2009 eingeschläfert werden, wie hier berichtet. Yvonne lebte in ihrer kurzen Rostocker Zeit mit der Afrikanischen Elefantin Sara zusammen, die man im Zoo noch besuchen kann: trotz ihres hohen Alters ein, wie ich finde, majestätisches Tier, das mich durch seine Größe und Haltung sehr beeindruckt hat. Sara, die nach dem Tod von Yvonne ihr Dasein leider ohne Artgenossen fristen muss, wurde übrigens mit Afrikanischen Ziegen vergesellschaftet; beiden Tierarten scheint das zu gefallen.

Im Rostocker Zoo lebt außerdem Vienna. Die Eisbärin ist die Mutter von Vilma, die – alle Nürnberger Tiergarten-Fans werden sich wohl erinnern – eine Zeitlang im Nürnberger Tiergarten lebte. Im Dezember 2007 hatte Vilma zwei Babys geboren, die fast gleichzeitig mit Flocke zur Welt kamen. Vilma hatte die beiden Jungen jedoch nach ein paar Wochen verloren.

Während die Eisbären-Anlage auf der „Bärenburg“  in Rostock leider völlig veraltet ist, gibt es in dem Zoo eine ganze Reihe anderer, äußerst attraktiv gestalteter Tiergehege und -häuser. So kann man durch eine Glasscheibe in einer künstlichen Höhle die Erdmännchen von ganz nahe beobachten (leider ist das Foto wegen des Regens an meinem Zootag in Rostock nicht besser gelungen). Auch für die Schneeleoparden hat man eine riesige Anlage eingerichtet, in die man vom Inneren eines Felsens durch einige Gucklöcher besonders beeindruckende Einblicke hat. Weitere Attraktionen sind das Südamerika-Haus, die Krokodil-Halle, die Eulen-Scheune und der Regenwald-Pavillon. Auf keinen Fall verpassen sollte man die Fütterung der Fischotter, die gemeinsam mit Waschbären in einem Gehege leben. Die meisten Waschbären sieht man erst, wenn sie zur Fütterung von den Bäumen herunterkommen, wo sie sich sonst meistens gut verstecken.

Der Rostocker Zoo ist außerdem eine sehr familienfreundliche Einrichtung, die eine Menge für Kinder jeden Alters bietet: Wasserspiele entlang eines eigenen Wasserweges, Erfahrungs- und Experimentierstationen, Abenteuerspielplatz und Streichelzoo. Besonders interessant für Kinder finde ich das Verwandlungs-Haus, in dem man z. B. den Weg vom Ei zum Küken oder von der Raupe über die Puppe zum Schmetterling verfolgen kann. Auch der „Magische Tierpfad“ mit geheimnisvollen Wissensbüchern dürfte allen Kindern Spaß machen.

Nicht mehr zeitgemäß ist in Rostock außer der „Bärenburg“ auch die Anlage für Menschenaffen. Das hat aber einen besonderen Grund: Im nächsten Jahr eröffnet der Zoo Rostock das Darwineum, in dem er das „Abenteuer Evolution“ für die Zoobesucher nacherlebbar machen will. Bis dahin müssen sich die Primaten noch gedulden, dann bekommen sie eine echtes Luxus-Gehege.

Noch ein letzter Tipp für den Zoobesuch in der Hansestadt: Es gibt mehrere Eingänge in den Zoo. Ich empfehle den Eingang Trotzenburg (auch erreichbar mit den Straßenbahn-Zoolinien 3 und 6): Man gelangt dort zunächst in den alten Teil des Zoos, der auf einem ehemaligen Parkgelände eingerichtet wurde, und gelangt denn beim Rundgang durch einen Tunnel, der unter einer Straße hindurchführt, in den neuen Teil des Zoos. – Weitere Infos zum Zoo Rostock sind hier zu finden.