Aarany und Subali sollen zum Artenschutz beitragen

Der neue Gorillamann Thomas im Nürnberger Tiergarten hat in den vergangenen Tagen zwei anderen Tieren die Show gestohlen, die ebenfalls in diesem Jahr als Neulinge in den Zoo am Schmausenbuck gekommen sind: die beiden Löwen, nämlich die Katze Aarany und der Kater Subali (Foto: Tiergarten Nürnberg). Aarany lebt seit Mai dieses Jahres in Nürnberg, Subali kam im August. In den ersten Monaten wurden sie voneinander getrennt gehalten, kürzlich durften sie sich in der Außenanlage beim Raubtierhaus zum ersten Mal beschnuppern. Und fanden offenbar Gefallen aneinander: Bis auf kleine Rangeleien, die dazu dienen, die Rangordnung zu klären, gab es keine Probleme. Nun bleibt abzuwarten, ob aus den beiden ein Zuchtpaar wird.

Ihre Vorgänger in Nürnberg waren Thar und Keera. Dieses Duo konnte aus Altersgründen längst nicht mehr für Nachwuchs sorgen. (Für mich ist es gefühlt eine Ewigkeit her, seit die letzten Löwenbabys in Nürnberg zur Welt kamen.) Die Zooleitung hatte sich dafür entschieden, dass Thar und Keera im Tiergarten ihr Gnadenbrot erhalten und bis zu ihrem Tod im Innen- und Außengehege für Löwen bleiben dürfen. Im Februar dieses Jahres starb erst Thar, seine Partnerin dann im Juli.

Im Nürnberger Tiergarten werden seit Jahrzehnten Asiatische Löwen gehalten. Diese Unterart war infolge starker Bejagung Anfang des 20. Jahrhunderts schon fast ausgerottet. Nachdem sie unter Schutz gestellt wurden, ein Jagdverbot in Kraft trat und in den 1960er Jahren ein Nationalpark eingerichtet wurde, konnte die Art gerade noch gerettet werden. Aber aufgrund des geringen Bestands ging die genetische Vielfalt verloren, es kam auch zu Inzuchten. Die heute in Zoologischen Gärten lebenden Asiatischen Löwen gehen auf zwei Paare zurück, mit denen ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm aufgebaut wurde. Der Fortbestand der Asiatischen Löwen ist nach wie vor gefährdet, sie stehen auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Tierarten.

Umso wichtiger wäre Nachwuchs im Tiergarten Nürnberg. Natürlich sind Löwenbabys auch ein Publikumsmagnet, aber der Artenschutz dieser Tiere ist für den Zoo noch wichtiger. Hoffen wir also, dass Aarany und Subali ihren Teil dazu beitragen!

Blick auf das „Barometer des Lebens“

Es ist kein Jubiläum, das Anlass zum Feiern gibt, aber eines, das für die Tierwelt und den Naturschutz äußerst wichtig ist: Die „Rote Liste“, auf der die gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tierarten geführt werden, gibt es seit 50 Jahren. Auf der Liste, die als absolute Richtschnur für den internationalen Naturschutz gilt, steht zum Beispiel auch das WM-Maskottchen Fuleco, über das ich hier auch geschrieben habe.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat die Liste 1964 ins Leben gerufen; die Organisation hat ihr Hauptquartier in Gland in der Schweiz. Am Anfang wurden nur Säugetiere und Vögel erfasst, inzwischen enthält die Liste alle Tierarten und zusätzlich Pflanzen. Nach dem neuesten Stand sind 22 000 Tier- und Pflanzenarten in ihrer Existenz bedroht. Dazu gehört das Dreibindengürteltier Fuleco ebenso wie die Feuchtnasenaffen in Madagaskar, die Japanischen Aale oder mehrere Nashornarten in Afrika.

Rote ListeDie Liste wird an Tausende von Fachleuten verschickt. Es handelt sich mittlerweile um die umfangreichste – und leider ständig wachsende – Datensammlung, die den aktuellsten Zustand der Tier- und Pflanzenwelt wiedergibt und zusätzlich dokumentiert, was die einzelnen Arten für das Leben auf der Erde insgesamt bedeuten. In Fachkreisen wird die Liste auch als „Barometer des Lebens“ bezeichnet.

Auf der Liste gibt es neun verschiedene Stufen. Ganz unten steht „LC“ für Least Concern, was so viel wie „nicht gefährdet“ bedeutet. „VU“ ist die Abkürzung für „Vulnerable“ und kennzeichnet die als „verletzlich“ einzustufenden Arten, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, schon in naher Zukunft auszusterben – wie etwa das WM-Maskottchen. „CR“ heißt „Critically Endangered“: Diese Arten sind in unmittelbarer Gefahr, auszusterben, und mit „EX“ („Extinct“) werden bereits ausgestorbene Arten markiert.

So alarmierend die Berichte sind, so haben sie immerhin schon dazu beigetragen, dass in verschiedenen Teilen der Welt Naturschutzmaßnahmen ergriffen wurden, die ohne sie wohl niemals zustandegekommen wären. Trotzdem sterben Fachleuten zufolge jedes Jahr einige Tausend Tier- und Pflanzenarten aus. Das klingt erst einmal niederschmetternd, muss jedoch mit folgender Zahl in Zusammenhang gebracht werden: Nach Schätzungen existieren auf der Erde bis zu 100 Millionen Arten. Dazu zählen winzige Pilzkulturen ebenso wie riesige Meeressäugetiere. Auf der Roten Liste sind bisher „nur“ 74 000 Arten erfasst – es bleibt für die Mitarbeiter der IUCN also noch unendlich viel zu tun: Die Organisation hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2020 die Zahl der aufgeführten Arten auf 160 000 zu bringen. Eine wahre Mammutaufgabe – und eine teure dazu, denn pro Jahr kosten Dokumentation und Aktualisierung der Roten Liste immerhin fünf Millionen Dollar.

Noch mehr Arten auf der Roten Liste

So nett Geschichten über feige Zuchtbullen oder ungebetene Hausgäste auch sein mögen – heute heißt es erst mal, zum Ernst des Lebens zurückzukehren. Und der dreht sich im Vorfeld des UN-Gipfels für Nachhaltigkeit in Rio de Janeiro um gefährdete Tiere und Pflanzen. Die Weltnaturschutzunion IUCN, das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen, hat ihre aktualisierte Rote Liste vorgelegt. Die zeigt leider einen negativen Trend: Die Zahl der bedrohten Tiere und Pflanzen ist trotz aller Schutzbemühungen weiter angestiegen.

Laut IUCN sind von den 64 000 untersuchten Tier- und Pflanzenarten derzeit fast 20 000 vom Aussterben bedroht. Die aktuellen Zahlen sehen folgendermaßen aus: Die Liste der bedrohten Arten führen die Amphibien an, von denen 41 Prozent betroffen sind. Bei den Korallen sind es 33 Prozent, bei den Säugetieren 25 Prozent, bei den Vögeln 13 Prozent. Neu in die Liste aufgenommen wurden unter anderen der Caqueta-Springaffe, der Tintenfisch Sepia apama, der Netz-Peitschenschwanz-Rochen, der Große Feuerfalter, der Rotkehl-Brilliantkolibri, der Rote Fruchtvampir (oben im Bild zu sehen) und der Python bivittatus.

Die Wiederkehr des Einhorns

Vor über einem Jahr habe ich hier schon einmal über das letzte Einhorn geschrieben – respektive über das Tier, das der Legende nach dieses Fabelwesen sein soll: die Oryx-Antilope. Im Profil sehen ihre Hörner nämlich aus wie ein einziges Horn. Schon damals gab es Erfreuliches über diese Tiere zu berichten, die in freier Wildbahn bereits ausgestorben waren und durch Nachzuchten in menschlicher Obhut doch noch als Art erhalten werden konnten. Ein neues Auswilderungsprojekt für diese Tiere in einem Naturpark in Abu Dhabi lief damals gut an.

Jetzt hat sich der Bestand der einst von unserer Erde fast schon verschwundenen Antilopenart weiter erholt. Sie hat sich auf der Roten Liste gefährdeter Arten von der Kategorie „Vom Aussterben bedroht“ erst bis zu „Stark gefährdet“ und nun noch weiter bis zu „Gefährdet“ verbessert. Nachdem Oryx-Antilopen fast 40 Jahre lang von Menschen gezüchtet wurden, ist ihre Zahl wieder auf weltweit 1000 Exemplare gestiegen. Erste Auswilderungsprojekte gab es 1982 in Oman, später in Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien.

Das klingt wie ein Wunder, denn noch nie hat sich bisher eine Tierart auf der Roten Liste um drei Kategorien hocharbeiten können. Man könnte beinahe meinen, es gibt sie doch, die Zauberkraft der Einhörner.

Niederschmetternd: Die neue Rote Liste

Es ist ein Trauerspiel: Die neueste Ausgabe der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten, die jetzt von der Weltnaturschutzunion IUCN veröffentlicht wurde, malt ein düsteres Bild. Von den 47 677 untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind 17 291 bedroht – noch einmal mehr als bei der letzten Erhebung zur Jahresmitte. Dabei sollte die Aussterberate eigentlich ab kommendem Jahr gesenkt werden. Das wird laut IUCN nicht mehr zu schaffen sein.

Am schlechtesten sieht es für die Amphibien aus: Von den 6285 bekannten Arten sind fast ein Drittel – nämlich 1895 Arten – vom Aussterben bedroht. Nun sind Tiere wie Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander den meisten Menschen möglicherweise nicht sonderlich sympathisch. Aber auch ein Blick auf die Säugetiere auf der Roten Liste verheißt nichts Gutes: 21 Prozent der Säugetiere gelten demnach als akut gefährdet, ebenso wie 12 Prozent aller Vögel, 28 Prozent der Reptilien und 37 Prozent der Süßwasserfische.

So mancher Zeitgenosse mag das alles für Zahlenspielerei, vielleicht auch für Schwarzmalerei halten. Und er wird nicht wahrhaben wollen, dass fast ausschließlich durch den Menschen verursachte Umweltveränderungen verantwortlich für den Artenschwund sind.  Es macht aber keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen. Wenn Arten von unserer Erde verschwinden, hat das schnell Folgen für das ökologische Gleichgewicht. Und wenn wir die erst einmal alle zu spüren bekommen, ist es zu spät.

Regelmäßig wird die Rote Liste der bedrohten Arten aktualisiert. Die Warnungen der Umweltschützer sind nicht neu. Sie dürfen nicht länger beiseite gewischt werden.

Gibt´s bald keine Feldhamster mehr?

Sie ist wirklich alarmierend: die neue Rote Liste gefährdeter Tiere in Deutschland. Von 478 heimischen Wirbeltier-Arten, deren Vorkommen bei uns untersucht wurde, sind 207 Arten – immerhin 42 Prozent!! –  gefährdet und 132 Arten (38 Prozent)  „akut in ihrem Bestand bedroht“.  Zu den analysierten Wirbeltieren gehören Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche und Süßwasserfische.

FeldhamsterMan muss sich das mal vorstellen: Der Feldhamster ist laut dieser Liste bei uns vom Aussterben bedroht! Das heißt, er ist aus der Kategorie „stark gefährdet“ noch einmal weiter nach oben gerückt, sozusagen in Alarmstufe eins. Früher kamen diese Tiere fast so häufig vor wie Mäuse. Heute gibt es für die niedlichen Nagetiere so gut wie keinen geeigneten Lebensraum mehr bei uns: An den Äckern sind die – früher üblichen – breiten Randstreifen verschwunden.

Kiebitzen oder Seggenrohrsängern ergeht es auch nicht viel besser: Ihr bevorzugter Lebensraum, die sogenannten Feuchtwiesen, verschwinden in Deutschland nach und nach. Schuld daran ist die im Vergleich zu früher intensivere Landwirtschaft, aber auch der Bau von Siedlungen und Straßen trägt seinen unrühmlichen Teil zum Verlust tierischer Lebensräume bei.

Die Rote Liste gefährdeter Wirbeltiere in Deutschland wird alle zehn Jahre aktualisiert. Seit dem letzten Mal hat sich zumindest für einige Arten etwas zum Positiven gewendet: Durch die unterschiedlichsten Schutzprogramme hat sich zum Beispiel der Bestand von Seehunden, Fischottern, Bibern, Fledermäusen, Uhus, Weißstörchen und sogar von Seeadlern leicht erholt. Immerhin ein gewisser Trost!

Man muss also nicht machtlos zusehen, wie eine Art nach der anderen ausstirbt. Mit Natur- und Artenschutz lässt sich durchaus etwas erreichen. Doch die entsprechenden Organisationen wie Bund Naturschutz, Naturschutzbund Deutschland oder Landesbund für Vogelschutz müssten dafür auch politisch mehr Unterstützung bekommen als bisher.