Seehunde als Sündenbock

In Schleswig-Holstein ist ein Streit entbrannt: Küstenfischer und Jäger machen sich dafür stark, Seehunde zum Abschuss freizugeben, weil die Population angeblich zu groß geworden ist. Tierschützer wie zum Beispiel der WWF  zeigen sich entsetzt angesichts dieser Forderung und halten sie für völlig absurd – nachdem der Schutz des Wattenmeeres als Nationalpark für die Seehunde den erwünschten Effekt gebracht und der Bestand sich auf über 24 000 Exemplare im gesamten Wattenmeer eingependelt habe. Die Seehund-Jagd war Mitte der 1970er Jahre eingestellt worden.

Dagegen beschweren sich die Fischer, dass die Seehunde ihren Fang deutlich beeinträchtigen. Es gebe im Watt fast keine Plattfische oder Kabeljau mehr. Das führen sie auf den großen Appetit der Seehunde zurück, die am Tag rund fünf Kilo Fisch verspeisen und damit den Fischern angeblich praktisch alles wegfressen.

Die Tierschützer können diese Argumentation nicht nachvollziehen. Schließlich würden die Seehunde nur kleinere Fische fressen, die sich für die Fischer sowieso nicht lohnen. Für die Küstenfischer seien außerdem Muscheln und Garnelen die Haupteinnahmequelle.

Auch schleswig-holsteinische Jäger haben sich in den Streit eingemischt. Sie befürchten, der große Seehund-Bestand könnte zum Ausbruch einer Seuche führen. Fachleute des WWF halten auch das für äußerst unwahrscheinlich. Ob die Robben eine Immunität gegen Krankheiten aufbauen oder nicht, habe nichts mit der Größe ihrer Population zu tun.

Während die Fischer in Schleswig-Holstein für den Abschuss von Seehunden plädieren und eine Begrenzung des Bestandes auf 15 000 Tiere fordern, wollen ihre Kollegen in Niedersachsen davon nichts wissen. Sie haben erkannt, dass die Jagd auf Seehunde in der Öffentlichkeit gar nicht gut ankommt und schlecht fürs Image ist.

Mir scheint die Diskussion auch an den Haaren herbeigezogen zu sein. Schließlich weiß doch jedes Kind, dass der Mensch für die Überfischung der Meere verantwortlich ist. Nun die Seehunde zum Sündenbock zu machen, stellt die Tatsachen schlichtweg auf den Kopf.

 

 

Verhungern junge Robben in der Nordsee?

urn:newsml:dpa.com:20090101:100412-99-04238Tja, gerade war ich noch in Feierlaune wegen meines 400. Postings und wegen der Feuerwehr-Transporte für den Fürther Biber, da vergeht mir das Lachen gleich wieder, als mich die Meldung von einem rätselhaften Robbensterben im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer erreicht: Dort sind fast alle jungen Seehunde, die im vergangenen Jahr zur Welt kamen, aus bisher ungeklärten Gründen eingegangen. Und niemand kann bisher sagen, warum.

Fast dreimal so viele Tiere wie sonst sind im letzten Herbst und Winter dort tot aufgefunden worden: der größte Teil des Jahrgangs 2009 . Selbst Experten können sich keinen Reim darauf machen. Es gibt die These, dass die jungen Seehunde an Unterernährung gestorben sind. Demnach sind infolge der Klimaveränderung  weniger Nährstoffe vom Atlantik in die Nordsee geströmt, was wiederum negative Auswirkungen auf den Fischbestand haben soll. Damit würde sich auch die Zahl der Beutetiere für die Robben reduzieren, die sich hauptsächlich von Krabben und Fischen wie z.B. kleinen Schollen ernähren. Und weil junge Seehunde noch nicht so lange tauchen können wie erwachsene, seien sie bei der Jagd benachteiligt.

Manche Forscher halten das allerdings für Unsinn. Einig sind sie sich aber darin, dass man dem rätselhaften Jungtriersterben auf den Grund gehen muss. Einziger Lichtblick bei der ganzen Angelegenheit: Im Vergleich zu 1975, als man mit der Robbenzählung in Schleswig-Holstein begonnen hat, gibt es jetzt rund fünfmal so viele: Beinahe 8500 Seehunde hat man im vergangenen Sommer erfasst, über ein Viertel davon waren Jungtiere. Da kann man nur gespannt in die Zukunft blicken und abwarten, wie es mit dem Robbenbestand in diesem Jahr weitergeht. Hoffentlich hat keine Trendwende von der positiven Entwicklung der letzten 35 Jahre eingesetzt!

Aktualisierung und Hoffnungsschimmer: Jetzt kommt die Meldung von den Nachrichtenagenturen, dass wenigstens die Zahl der toten Seehunde in Niedersachsen nicht deutlich angestiegen ist. Dort gab es 101 Totfunde – nur unwesentlich mehr als in den Vorjahren. Todesursache seien verschiedene Krankheiten.