Schneeleoparden – bald nur noch in Zoos?

Im Nürnberger Tiergarten kann man sie sehen, auch in anderen deutschen Zoos wie Dresden, Berlin (Tierpark Friedrichsfelde), Karlsruhe, Köln, Krefeld, Leipzig, Magdeburg, München, Neunkirchen, Rostock, Stuttgart und Wuppertal. Doch frei lebende Schneeleoparden sind stark bedroht. Was man für die Erhaltung dieser Tierart noch tun kann, wird in dieser Woche in Kathmandu bei einer Konferenz beraten, die sich um die Rettung der ebenso spektakulären wie scheuen Raubkatze dreht. Das Treffen ist Teil des Globalen Programms zum
Schutz des Schneeleoparden und seines Lebensraums. Wie dringend nötig solche Maßnahmen sind, zeigen diese Zahlen: Nach offizieller Schätzung gibt es nur noch 3500 bis 7000 ausgewachsene Exemplare dieser herrlichen Raubkatze, die vor allem in Zentralasien vorkommt. Am Konferenztisch sitzen Regierungsvertreter aus zwölf Ländern: Afghanistan, Bhutan, China, Indien, Kasachstan, Kirgistan, die Mongolei, Nepal, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan.

Schneeleoparden leben in Bergregionen in über 3000 Metern Höhe, meist als Einzelgänger. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass immer noch sehr wenig Genaues über das Verhalten von Schneeleoparden bekannt ist. Moderne Technik kannl da weiterhelfen, zum Beispiel Halsbänder mit einem GPS-Sender. Der Lebensraum dieser Tiere ist durch den Klimawandel bedroht. Das wunderschöne Fell der Schneeleoparden macht sie außerdem zu einem begehrten Ziel für Wilderer. Und: Es wird für die Raubkatzen immer schwieriger, in den extrem hoch gelegenen Verbreitungsgebieten genügend Beute zu finden. Ein Schneeleopard, so schätzt man, muss auf einem Areal von bis zu 25 Quadratkilometern jagen, um sich zu ernähren. Das kostet Kraft und verbraucht gleich wieder einen großen Teil der Kalorien, die das Futter ihm liefert.

23 Regionen sollen bis zum Jahr 2020 Schutzräume für Schneeleoparden werden, so der bisherige Stand der Dinge. Auf der Konferenz wollen die Teilnehmerländer nicht darüber berichten, wie dieses Projekt vorankommt. Außerdem sollen Möglichkeiten gefunden werden, Menschen, die ihren Lebensraum mit den Schneeleoparden teilen, in Schutzmaßnahmen für diese Tiere einzubeziehen. Das bedeutet auch, dass die Lebensbedingungen für die Menschen dort verbessert werden müssen.

Zoos leisten bereits seit 1987 durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) ihren Beitrag zum Schutz der attraktiven Raubkatzen. Doch wenn nicht schnell etwas für die in der Natur lebenden Tiere getan wird, könnte diese Art bald nur noch in Zoologischen Gärten vorkommen. Das darf auf keinen Fall passieren!

Jata und Istar – zwei neue Stars

Der Tiergarten Nürnberg kann sich über Nachwuchs bei einer Tierart freuen, die in freier Natur als stark gefährdet gilt: Bei den Schneeleoparden kamen am 21. April zwei weibliche Jungtiere zur Welt. Bei der Geburt brachten die Katzenbabys gerade mal etwa ein halbes Kilo auf die Waage; inzwischen haben sie kräftig zugelegt und wiegen ungefähr sechs Kilogramm. Die Zootierärzte haben sie in der vergangenen Woche untersucht und gegen Tollwut, Katzenseuche und Katzenschnupfen geimpft.

Die jungen Schneeleoparden wurden auf die Namen Istar und Jata getauft. Ihre Mutter ist Pia, die seit 2004 im Tiergarten Nürnberg lebt, ihr Vater Indra kam 2006 nach Nürnberg. Pia und Indra haben vor zwei Jahren schon einmal für Nachwuchs gesorgt. Die Jungen von damals sind an Zoos in Schweden und Indien abgegeben worden. Wegen ihrer Gefährdung in freier Natur versuchen Zoos, Schneeleoparden im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP zu züchten und so einen Beitrag zu leisten, um die Art zu erhalten.

Schneeleoparden leben in Freiheit in den Hochgebirgen von Zentralasien. Ihre Lebensräume liegen in einer Höhe zwischen 1000 und 5500 Metern. Man geht davon aus, dass es noch zwischen 3500 und 7500 Exemplare dieser Tierart gibt. Schneeleoparden, die man auch Irbisse nennt, können dank ihres langen, dichten Fells Temperaturschwankungen von minus 40 Grad im Winter bis 40 Grad im Hochsommer verkraften. Doch dieses schöne Fell wird ihnen auch zum Verhängnis, denn es führt dazu, dass viele Schneeleoparden Opfer von Wilderern werden. Der illegale Handel mit Schneeleoparden-Pelz bringt hohe Gewinne ein.

Bisher wurden die zwei kleinen Schneeleopardenbabys im Tiergarten Nürnberg hinter den Kulissen und abgeschirmt von der Öffentlichkeit gehalten. Nun können die Besucher Istar und Jata zusammen mit ihrer Mutter Pia in ihrem Gehege bewundern.

Genau schauen, was hinten rauskommt

Sie gehören zu den stark bedrohten Tierarten: die Schneeleoparden. Und nun stellt sich heraus, dass sie noch stärker bedroht sind als sowieso schon befürchtet. Tja, der Leser merkt schon: Wieder nichts Positives aus der Tierwelt. Oder vielleicht doch? Ach, das soll am Ende jeder selbst entscheiden.

Die Sache ist die: Schneeleoparden leben äußerst zurückgezogen im Himalaya. Man kann sie in den schwer zugänglichen Gebieten kaum beobachten. Und so beruhen die bisher angenommenen Bestandszahlen von 350 bis 500 Tieren auf Schätzungen. Nun aber haben Forscher eine neue Methode entwickelt, die genauere Rückschlüsse auf die Population zulässt: Sie nehmen genetische Analysen von Kotresten vor.

Diese Analysen haben ergeben, dass in der letzten Zeit ein hoher Anteil von Kotproben, die man Schneeleoparden zugeordnet hatte, gar nicht von diesen scheuen Raubkatzen stammen. Damit ist die von der Zahl der Proben abgeleitete Schätzung der in der jeweiligen Gegend lebenden Individuen zu hoch gegriffen. Außerdem war man bislang davon ausgegangen, dass die Proben von mehr verschiedenen Tieren stammen. Die DNA-Analysen zeigten jedoch, dass mehr Proben identisch waren als angenommen. Nun muss man also ganz neue Schätzungen vornehmen – und das verheißt nichts Gutes für diese wunderbaren Tiere.

Die Forscher sehen trotzdem einen Hoffnungsschimmer. Weil sich mit der neuen Methode zum ersten Mal ganz genau nachweisen lässt, wo sich einzelne Schneeleoparden aufhalten, kann man auch besser eingrenzen, welche Gebiete unter einen speziellen Schutz gestellt werden müssen. Über die neuartige Analyse haben die Wissenschaftler neun Individuen eindeutig identifizieren können. Diese neun Tiere wiederum leben in zwei verschiedenen Schutzgebieten in Nepal. Es handelt sich um drei Männchen und sechs Weibchen, und damit besteht die Aussicht, dass die Tierart fortbestehen kann. Nun sollen auch in anderen Schutzgebieten Kotproben gesammelt und analysiert werden. So wird es bald zuverlässigere Zahlen als die bisherigen groben Schätzungen geben.

Wer sich also dem Optimismus der Forscher anschließen möchte – bitteschön! Hoffen wir das Beste, lieber Leser!