Wer kennt heute noch den Dachs?

Es sind keine spektakulären Tiere, die von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild jedes Jahr zum „Wildtier des Jahres“ gewählt werden. Doch aus genau diesem Grund hat die Organisation dieses Prädikat im Jahr 1992 erstmals vergeben:  Sie will auf Tiere aufmerksam machen, die sonst von der Öffentlichkeit kaum beachtet werden und in Zeiten von „lila Kühen“ vielleicht ganz in Vergessenheit geraten würden.

DachsDas gilt mit Sicherheit auch für den Dachs, der jetzt zum Wildtier des Jahres 2010 gekürt worden ist. Kaum jemand bekommt ihn in freier Natur zu Gesicht. Denn er ist nachtaktiv, sehr scheu und hält meist eine Winterruhe in seinem Bau. Vielen Kindern dürfte er nur noch aus der Welt der Märchen und Fabeln bekannt sein, wo er den Namen „Meister Grimbart“ trägt.

Der Dachs gehört bei uns zum Glück nicht mehr zu den besonders bedrohten Tieren, steht aber unter Naturschutz. Bis in die 90er Jahre stand er noch auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Mittlerweile haben sich seine Bestände wieder erholt. In manchen Gegenden ist zu bestimmten Zeiten sogar wieder die Jagd auf ihn freigegeben.

Der Dachs ist das größte Tier in der Familie der Marder, er kommt in den Wäldern Europas und Asiens vor. In längst vergangenen Zeiten war bei uns die Dachsjagd interessant, weil man aus den Tieren Dachsfett gewann, das als Einreibemittel zum Beispiel gegen Rheuma wahre Wunder wirken sollte. Auch mit Dachsfellen gab es einst einen florierenden Handel.

Heute sind allenfalls noch Dachshaare gefragt, um Rasierpinsel oder hochwertige Pinsel für die Malerei herzustellen. In China ist nach wie vor das angeblich schmackhafte Dachsfleisch sehr begehrt und gilt als Delikatesse. Zur Fleischgewinnung würden dort allerdings wild lebende Dachse nicht ausreichen – Dachse werden in China deshalb massenweise gezüchtet.