Das Problem mit der reinen Rasse

Im Nürnberger Tiergarten gibt es einen traurigen Todesfall: die elfjährige Sibirische Tigerin Sigena ist tot – eingeschläfert, weil sie wegen mehrerer Tumore unter unsäglichen Schmerzen litt.

Aha: Raubkatze hat Krebs – bestimmt hat sie die Pille bekommen. So oder ähnlich werden jetzt manche denken. Das ist aber bei Sigena nicht richtig. Sie hat insgesamt acht Babys erfolgreich aufgezogen (fünf in Nürnberg, drei in Hoyerswerda). Vor ein paar Monaten wurde ihr zur Empfängnisverhütung zwar ein Hormon-Implantat eingesetzt, das ist richtig. Doch der erste Tumor wurde schon vorher bei einer Untersuchung entdeckt. Er hat in mehreren Organen Metastasen gebildet, und nun wollten die Zooverantwortlichen das Tier nicht länger leiden lassen.

Traurig ist das Ganze aber auch für Sigenas Partner Jantar. Er kriegt nämlich keine neue Partnerin mehr, obwohl er erst zwölf Jahre alt ist und eine Lebenserwartung zwischen 15 und 20 Jahren hat. Jantar könnte also noch, und er würde sicher auch wollen – allein, er darf nicht. Und warum? Weil seine Reinrassigkeit nicht erwiesen ist. Die wird derzeit im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP untersucht. Laut Zooleitung besteht ein minimales Risiko, dass bei Jantars Vorfahren irgendwo eine andere Tiger-Unterart sozusagen reingespuckt hat. Jantar kam aus Rhenen (Niederlande) nach Nürnberg.

Ist Jantar reinrassig, kann der Tiergarten auf Partnersuche für ihn gehen. Wenn nicht, bleibt er Witwer. Denn züchten dürfen Zoos nur mit reinrassigen Tigern, um die Art mit ihren besonderen Merkmalen zu erhalten. Sibirische Tiger gelten als vom Aussterben bedroht; in freier Wildbahn gibt es nur noch rund 500 Exemplare dieser Unterart. Vor drei Jahren war der Zoo Magdeburg ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil ein Tierarzt und zwei Pfleger drei Tigerbabys getötet hatten, die nicht reinrassig waren. Ich hatte in meinem Blog mehrmals darüber berichtet.

 

Neue Hoffnung für den Artenschutz

Über Artenschutz habe ich in diesem Blog immer wieder geschrieben. Meist ging es dabei um Probleme bei der Umsetzung. Jetzt gibt es zu diesem Thema mal eine gute Nachricht.

Bisher haben Wissenschaftler eine sehr hohe Messlatte angelegt, wenn es darum ging, eine Zahlengrenze festzulegen, ab der sie gefährdeten Tierarten noch Überlebenschancen in der Zukunft einräumen. Die meisten Forscher haben sehr rigoros eine Meinung vertreten: Für Arten, bei denen es einen enormen Aufwand erfordern würde, eine Population von 5000 zu erreichen, gebe es keine Hoffnung mehr. Man sollte dann die für Artenschutzprojekte vorhandenen Gelder lieber für andere Tiere einsetzen.

Jetzt aber hat sich ein Team britischer Wissenschaftler der Uni Durham auf eine andere Aussage festgelegt: Die Anzahl von Tieren einer gefährdeten Art wirkt sich nicht unbedingt auf ihre Überlebenschancen aus. In einer neuen Studie haben sie herausgefunden, dass die Populationsgröße, die eine Art für ihr langfristiges Überleben benötigt, sowohl innerhalb einer Art als auch zwischen den Arten unterschiedlich sein kann. Ein wichtiger Faktor dabei sind etwa die Bedingungen, unter denen die Tiere leben. Wenn die Tiergruppen einigermaßen stabil sind, würden schon Hunderte von Einzeltieren genügen, damit die Art nicht ausstirbt. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Zeitschrift „Trends in Ecology und Evolution“ veröffentlicht.

Da könnte man also direkt Hoffnung schöpfen für Arten, von denen es nur noch sehr wenige Exemplare gibt, zum Beispiel für die schätzungsweise noch 450 Sibirischen Tiger oder die rund 1000 Berggorillas – wenn nicht wieder andere Wissenschaftler zu einem ganz anderen Ergebnis kommen!

Tiger-Skandal in China

Die Chinesen treten nicht nur Menschenrechte willkürlich mit Füßen. Auch Tierrechte und Tierschutz – oder schlicht: der Respekt vor Lebewesen – gehen ihnen offenbar sonstwo vorbei. Ausgerechnet im chinesischen „Jahr des Tigers“ hat man im Zoo von Shenyang elf sibirische Tiger Hungers sterben lassen. Und das, obwohl es in freier Wildbahn nur noch zwischen 350 und 450 von diesen königlichen Tieren gibt!

Der Zoo hatte offenbar kein Geld für die richtige Ernährung der Tiere. Die wunderschönen großen Raubkatzen wurden nur mit billigen Hühnerknochen gefüttert und gingen zuletzt jämmerlich an Unterernährung zugrunde. Das hat ein leitender Mitarbeiter der Station für den Schutz wilder Tiere in der Provinzhauptstadt von Liaoning der Öffentlichkeit mitgeteilt. Von Zooseite hatte es nämlich zunächst geheißen, die Tiger seien an Infektionskrankheiten gestorben.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100312-99-01233Im November letzten Jahres hatten bereits zwei Tiger einen Wärter angefallen und schwer verletzt – aus Hunger! Was macht man mit solchen Tieren? Der Chinese erschießt sie natürlich! Nach dem Vorfall hat man dann die anderen Tiger kurzerhand in Käfige gesteckt. Das hat den sowieso schon geschwächten Tieren den Rest gegeben.

Nun könnte man natürlich einwenden, das sei alles in einem Privatzoo passiert, auf den der Staat keinen Einfluss hat. Aber das stimmt nicht: 15 Prozent der Zoo-Anteile befinden sich in Händen der Stadtregierung von Shenyang. Die hätte in jedem Fall einschreiten müssen.

Aber Tierquälerei ist eben im „Reich der Mitte“ ebenso an der Tagesordnung wie Menschenquälerei. Das ist die Realität, und nicht das, was der Weltöffentlichkeit mit den Olympischen Spielen vorgegaukelt wurde!

Es sind drei Kater!

Lange hat man nichts mehr aus dem Nürnberger Tiergarten über die Tigerbabys gehört, die dort Anfang August geboren wurden. Einige Wochen war auch das Raubtierhaus für Besucher gesperrt, damit Sigena und ihre Jungen nicht gestört wurden.

Inzwischen ist das Haus wieder geöffnet. Aber man muss schon ein wenig Glück haben, wenn man die Tigermutter mit ihren drei Kleinen sehen will. (Wir erinnern uns: Gleich nach der Geburt war eines von anfangs fünf Babys gestorben, ein weiteres war zu schwach und musste eingeschläfert werden). Denn Sigena hat immer noch die Möglichkeit, sich mit ihrem Nachwuchs in einen nicht einsehbaren Stall zurückzuziehen. Und das tut sie immer wieder mal. Manchmal liegt sie im Stalleingang, und die Kleinen verstecken sich irgendwo hinter ihr. Dann kommen sie aber auch wieder ganz neugierig in den Außenbereich und erkunden noch etwas tollpatschig ihr Revier.

tigerbubInzwischen hat der Tierarzt die Kleinen untersucht und festgestellt: Es sind drei Kater! Einer von ihnen ist hier auf dem Foto zu sehen. Die drei Brüder haben auch schon Namen bekommen: Rangar, Khan und Domur. Beim ersten Gesundheitscheck hat der Tierarzt gleich mehrere Dinge auf einmal erledigt: Er hat den dreien einen Mikrochip in die Schulter implantiert, auf dem die persönlichen Daten (Eltern, Geburtsdatum, Kennnummer, Herkunft) jedes einzelnen Tigerchens festgehalten sind. Außerdem wurden die Tigerbabys entwurmt und gegen Katzenseuche, Katzenschnupfen und Wundstarrkrampf geimpft – das volle Programm eben.

Rangar, Khan und Domur sind gesund und munter und bleiben es hoffentlich auch. Es gibt eigentlich nur einen Wermutstropfen: Da es drei Männchen sind, werden sie den Tiergarten verlassen müssen, wenn sie geschlechtsreif sind. Aber wir können uns trösten: Bis dahin vergehen noch drei bis vier Jahre.

"Gnadentod" für eines der Tigerbabys

Tja, schön wär´s gewesen, vier Tigerbabys präsentieren zu können – aber es hat wohl nicht sein sollen: Im Tiergarten Nürnberg musste nun eines der am Wochenende geborenen Tigerbabys eingeschläfert werden.

Das Tigerchen war von Anfang an deutlich kleiner und schwächer gewesen als seine vier Geschwister. Obwohl sich seine Mama „Sigena“ trotzdem gut um den Winzling kümmerte, wurde das Kleine immer schwächer. Seine Atemfrequenz lag zuletzt nur noch bei einem Viertel des normalen Wertes, ebenso der Blutzuckerspiegel. Das zeugte davon, dass das Tigerbaby schon längere Zeit keine Nahrung mehr aufgenommen hatte. Um dem Tierchen einen langen, qualvollen Tod zu ersparen, entschlossen sich die Verantwortlichen, es einzuschläfern.

Die restlichen drei Babys wachsen und gedeihen aber laut Tiergarten prächtig. Sie trinken regelmäßig mit großem Appetit und bewegen sich schon munter in der Wurfbox. Das nebenstehende Foto zeigt zwei der Babys, das dritte war für den stellvertretenden Zoochef Helmut Mägdefrau, der das Foto gemacht hat, zu weit von den anderen entfernt, um es mit aufs Bild zu bekommen. Hoffentlich sind die drei bald aus dem Gröbsten heraus, so dass die Besucher sie nicht nur über einen Monitor beobachten können, sondern direkt im Raubtierhaus!

"Sigena" muss sich um vier Babys kümmern

Aus dem Nürnberger Tiergarten gibt es eine Sensation zu vermelden: Dort kamen in der Nacht zum vergangenen Samstag bei den Sibirischen Tigern Fünflinge zur Welt – eine echte Seltenheit bei dieser Tierart, sagt der stellvertretende Zoodirektor Helmut Mägdefrau.

Eines der Jungen war allerdings zu schwach und starb kurze Zeit nach der Geburt, ein anderes ist deutlich kleiner als seine drei Geschwister. Tiger-Mama „Sigena“ kümmert sich vorbildlich um alle vier Babys, trotzdem ist es fraglich, ob das vierte Baby es schaffen wird. Da heißt es: Daumen halten.

Immerhin ist „Sigena“ eine durchaus erfahrene Mutter. Sie hat 2003 ihren ersten Nachwuchs – zwei männliche Tiere – ebenso gut versorgt wie ihre Drillinge – drei Mädchen – im Jahr 2007. Die erblickten im Zoo von Hoyerswerda das Licht der Welt: Dort war „Sigena“ während des Um- und Ausbaus des Raubtierhauses im Nürnberger Tiergarten sozusagen ausgelagert.

Die Zoobesucher müssen sich allerdings noch etwas gedulden: Sie können die Tigerbabys vorerst noch nicht direkt sehen, sondern nur über einen Monitor. Der hängt im Felsengang, der zum Raubtierhaus führt. Das Raubtierhaus selbst bleibt vorerst geschlossen, um die Tiger-Mama und ihre Babys nicht zu stören.

Das Geschlecht der vier Tigerbabys ist noch nicht bekannt. Wenn alles gut geht, werden die Kleinen in vier bis sechs Wochen zum ersten Mal vom Tierarzt untersucht. Erst dann wird man wissen, ob es Männchen oder Weibchen sind – oder vielleicht auch beides.