Taiwan lässt die Sau raus

Ich kaufe bewusst keine Produkte mit dem Vermerk „Made in Taiwan“. Allerdings bin ich nicht so naiv, zu glauben, dass man mich als Kunden tatsächlich immer darauf hingeweist, wenn etwas dort hergestellt wurde. Sehenden Auges aber lasse ich jedenfalls die Finger von Waren aus Taiwan.

Ich boykottiere diese Produkte also sowieso schon. Täte ich das nicht, würde ich jetzt damit beginnen, nachdem ich eine dpa-Meldung vom Wochenende gelesen habe. In Taiwan wird immer noch eine etwa 200 Jahre alte Tradition hochgehalten, die ich für Tierquälerei der unmenschlichsten Art halte: Der Wettbewerb um das dickste Schwein, das dann für einen Gottheit geschlachtet und geopfert wird. In diesem Jahr sind neun Schweine in die Endrunde um den bei ihren Züchtern begehrten Titel gekommen. Gewonnen hat ein Borstenvieh, das über eine Tonne auf die Waage brachte. Es konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, so fett war es. Früher sollte der Brauch dem Besitzer Glück bringen, und das Fleisch wurde unter den Bewohnern eines Dorfes geteilt Heute erkaufen sich Großbauern Anerkennung mit dem Mästen der Tiere. Dabei schrecken sie nicht vor den grausamsten Mitteln zurück: Auf Video ist zum Beispiel dokumentiert, wie ein Schwein mit einem Schlauch zwangsernährt wird.

Über 100 000 Menschen haben am Wochenende bei dem Opferfest in Xinbei mitgefeiert. Dort steht der letzte Tempel in Taiwan, wo das Spektakel noch über die Bühne gehen darf. Das Ritual sieht so aus: Erst werden die Schweine bemalt, dann mit Früchten und Schmuck herausgeputzt, damit sie der Gottheit auch wirklich gefallen, wenn man sie opfert.

Taiwanesische Tier- und Umweltschützer versuchen zwar, etwas gegen den grausamen Brauch zu unternehmen, aber die Besucher wollen unbedingt an dieser Tradition festhalten.