Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Um das Thema Rettungsaktion der Vaquitas vor der mexikanischen Küste ad acta legen zu können, hier der Vollständigkeit halber die letzte Meldung: Schon vor gut einer Woche ist das Unternehmen, das die äußerst bedrohten Schweinswale zu retten versucht, vorläufig beendet worden. Das wurde inzwischen vom Tiergarten Nürnberg bestätigt, der an dem Projekt beteiligt ist, ebenso wie die in dem Zoo ansässige Artenschutzgesellschaft Yaqu Pacha und der Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg. Lorenzo Rojas-Bracho, der führende Wissenschaftler vom Umweltministerium der mexikanischen Regierung betonte jedoch im Namen des Internationalen Komitees zur Rettung der Vaquitas (International Committee for the Recovery of the Vaquita, dass man an der Aktion dranbleiben und die Anstrengungen zur Rettung der Vaquitas aufrechterhalten werde.

Die Entscheidung, die Fangaktion bei besseren Witterungsbedingungen im neuen Jahr wieder aufzunehmen, hängt auch davon ab, welche Ergebnisse der Obduktionsbericht über das nach dem Einfangen gestorbenen Vaquitas bringen wird. Außerdem benötigt VaquitaCPR dringend Geld, um Geisternetze aus dem Meer zu bergen und um noch mehr Tonaufzeichnungen von Lauten dieser gefährdeten Tiere machen zu können.
Weitere Informationen über das Projekt sind hier zu finden.

WDSF und ProWal mal wieder!

Gestern habe ich über die Schweinswal-Rettungsaktion vor der mexikanischen Küste geschrieben (Foto: Vaquita CPR). Heute lag mal wieder eine sogenannte Pressemitteilung des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) auf meinem Schreibtisch, als ich in die Redaktion kam.

Die Aktion könnte die einzige und letzte Chance sein, um den Vaquita vor der Ausrottung zu bewahren. Mittlerweile ereignete sich ein trauriger Zwischenfall: Ein Delfinweibchen starb beim Einfangen. Das WDSF macht daraus folgende Schlagzeile und verschickt sie als „Pressemitteilung“ an die Medien: „Bedrohter Vaquita-Schweinswal bei Gefangennahme verstorben“. Hinter dem im Jahr 2007 gegründeten WDSF verbirgt sich hauptsächlich eine Person: Jürgen Ortmüller. Beruflich ist er als Steuerberater tätig, er besitzt keinerlei zoologische oder biologische Ausbildung. Er ist alleiniger Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer des WDSF. Dieses ließ er 2008 als „Körperschaft des privaten Rechts mit Sitz in Hagen/Westfalen“ registrieren. Es handelt sich dabei nicht um eine Mitglieder-Organisation – angeblich, „um insbesondere die Verwaltungskosten niedrig zu halten“, heißt es auf der WDSF-Homepage.

Vielleicht, um nicht als Ein-Mann-Organisation an die Medien heranzutreten, hat sich Ortmüller für seine Presse-Info „ProWal“ ins Boot geholt (2009 aus der Privatinitiative „Walschutzaktionen“ von Andreas Morlok hervorgegangen). Morlok hatte sich davor jahrelang für den Schutz von Delfinen und Walen sowie deren Lebensräumen eingesetzt.
„Tierschützer fordern Stopp der Aktion“, steht über der Mail an die Medien. Das suggeriert, eine größere Zahl von Engagierten würde diese Forderung erheben. Doch die angeführten „Tierschützer“ sind wohl im Prinzip diese zwei Personen: Ortmüller und Morlok. Die beiden „befürchten durch den Tod des Schweinswal-Weibchens einen möglichen Zusammenbruch der Fortpflanzung des verbleibenden geringen Bestands“. Sie sprechen von „einer waghalsigen und offenbar schlecht vorbereiteten Aktion, die … sofort gestoppt werden müsse“. Weder Ortmüller noch Morlok sind Fachleute, glauben aber, die Aktion beurteilen zu können, ohne dabei gewesen zu sein. weiter lesen

Rettung für Vaquita-Schweinswale?

Dieses Projekt verdient wirklich Aufmerksamkeit und Unterstützung: die Rettung der Vaquita-Schweinswale in Mexiko. Laut Koordinator Lorenzo Rojas Bracho ist diese Aktion die einzige und letzte Chance, um den Vaquita vor der Ausrottung zu bewahren.  Es handelt sich um ein Unternehmen, das vom Tiergarten Nürnberg, der dort ansässigen Artenschutzgesellschaft Yaqu Pacha und dem Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg unterstützt wird. Das Foto zeigt ein schwimmendes Bassin (ein sogenanntes Sea Pen) an der Küste vor San Felipe, Mexiko, worin die Vaquitas vorübergehend gehalten werden (Foto: Kerry Coughlin/National Marine Mammal Foundation). Das Team der Rettungsaktion setzt sich aus mehr als 80 Fachleuten zusammen, darunter Spezialisten für Schweinswale, für den Schweinswal- und Delfinfang, für Delfinmanagement, Schweinswal-Rehabilitation und Veterinärmedizin. Die Fachleute kommen aus Mexiko, Kanada, den USA, Dänemark und den Niederlanden.

Schon kurze Zeit nach Projektstart gibt es erste Erfolge der Vaquita-Rettungsaktion zu vermelden. So ist es  zum Beispiel gelungen, einen Vaquita-Wal einzufangen. Weil es sich um ein Jungtier handelte, wurde es allerdings wieder freigelassen, um es nicht isoliert zu halten. Laut Lorenzo von Fersen, Kurator für Forschung und Artenschutz im Nürnberger Zoo und Erster Vorsitzender von Yaqu Pacha, konnte außerdem gezeigt werden, dass der Ablauf von Fang, Transport, Überführung in die Wasserbassins, medizinischer Kontrolle und Freilassung reibungslos funktioniert. weiter lesen

Luxusanlage für Pippi Langstrumpfs Lieblingstiere

Und wieder gibt es Neuigkeiten über die Totenkopfäffchen im Nürnberger Tiergarten (hier zusammen mit Tierpfleger Ramón Göschel, Foto: Günter Distler). Viele Zoobesucher – vor allem Kinder – kennen diese kleinen Primaten hauptsächlich durch die Pippi Langstrumpf-Geschichten, in denen Pippis Affe „Herr Nilsson“ ja eine wichtige Rolle spielt. Darüber habe ich in meinem Blog schon ab und zu geschrieben, zuletzt hier.

Im Frühjahr waren die Totenkopfäffchen aus dem Ausweichquartier im Gut Mittelbüg in Schwaig in ihr angestammtes Gehege zurückgekehrt. Die Totenkopfäffchen-Anlage ist im Giraffenhaus untergebracht, die lustigen Zoobewohner können sich frei von der Anlage im Innern des Hauses in einen vorgebauten Wintergarten bewegen. Dort ist jetzt für Besucher ein überdachter Unterstand neu hinzugekommen, durch den man während der kalten Jshreszeit vor Regen und Wind geschützt ist. Und auch die bislang störende Spiegelung des verglasten Wintergartens gehört endlich auch der Vergangenheit an. – Die Äffchen können in der wärmeren Jahreszeit über eine Art Hängebrücke zu einer eigenen kleinen Insel mit einer riesigen Eiche gelangen, ein Ort den sie sehr genießen. weiter lesen

Da kann man doch optimistisch sein!

Wie lang und beinahe schwarz die Zunge einer Giraffe doch ist! Davon konnte sich diese Besucherin des Tiergartens Nürnberg mit ihrem kleinen Sohn heute aus nächster Nähe überzeugen, als sie eine der Netzgiraffen mit Knäckebrot füttern durften. Mutter und Kind waren kurz vorher an der Zoo-Kasse überrascht worden, denn da hieß es plötzlich: Glückwunsch, Sie beide sind unsere millionsten Besucher des Jahres 2017! Es gab zunächst einige Geschenke – unter anderem eine 12 Monate gültige Dauerkarte für den Tiergarten. Der Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel, der auch Tiergartenreferent ist, half dann bei der Giraffen-Fütterung (Foto: Roland Fengler).

Die Besucher-Millionengrenze in dem Zoo am Schmusenbuck wurde damit früher als im Jahr 2016 geknackt. Die Zooleitung hofft deshalb, heuer ein sehr gutes Besucher-Ergebnis zu erzielen und bis Dezember über 1,1 Millionen Gäste am Schmausenbuck verbuchen zu können. Bisher hat der Tiergarten 17 mal in seiner Geschichte die Jahresmarke von einer Million Besuchern überschritten. In jüngerer Vergangenheit lag die Zahl nur in den Jahren 2000, 2010 und 2013 unter einer Million. Abgesehen von diesen drei suboptimalen Werten waren es seit 1999 immer über eine Million. Der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau hat eine aufschlussreiche Liste mit Besucher-Mittelwerten für die vergangenen Jahrzehnte erstellt. weiter lesen

Macht Manati-Mann Mandillo Mara zur Mutter?

Er hört auf den klangvollen Namen „Mandillo“ und macht das Trio mit seinen Artgenossen Mara und Zorro wieder perfekt: der neue Manati-Mann, der am vergangenen Freitag im Nürnberger Tiergarten ankam. Gut 14 Stunden hat der Transport des Seekuh-Bullen nach Nürnberg gedauert. Startpunkt war der französische Zoo Beauval, St. Aignan. Gemanagt wurde das Unternehmen Mandillo von einer auf Tiertransfers spezialisierten Firma aus den Niederlanden. Tiergarten-Veterinärin Katrin Baumgartner und Tierpfleger Armin Fritz begleiteten die Reise und betreuten Mandillo auf seiner großen Fahrt sowohl medizinisch als auch pflegerisch.

Kurz nach Ankunft am Schmausenbuck platzierten Zoomitarbeiter die Transportkiste mit dem künftigen Bewohner des Manatihauses am Rand des Seekuhbeckens. Mandillo flutschte geradezu von seiner Isoliermatte herunter. Um jede Verletzungsgefahr auszuschließen, musste das Tempo sogar ein wenig gedrosselt werden. Ob es am Wasser lag, das die Matte glitschig machte, oder an Mandillos überschäumendem Temperament ;-), das ihn möglichst schnell zu einer „Herde“ trieb, ist nicht offiziell verbrieft. Der Bulle brauchte nur ganz wenig Zeit, um sich in seinem neuen Zuhause zu orientieren. Deshalb wurden auch die Absperrschieber zu seinen beiden Artgenossen schnell geöffnet. Sofort begann Mandillo das gesamte Becken zu erkunden und – besonders wichtig! – mit den beiden anderen Seekühen Kontakt aufzunehmen. weiter lesen

Sogar Kinder können Pate werden

Nach meinem letzten Beitrag über ein trauriges Ereignis im Nürnberger Tiergarten nun wieder eine erfreuliche Nachricht von dort: Vor 25 Jahren begann für den Zoo am Schmausenbuck die Geschichte der Tierpatenschaften; die hießen damals noch „Futterpatenschaften“. Der Aufruf in verschiedenen Medien – auch in der Nürnberger Zeitung – löste schnell eine große Resonanz bei Zootierfreunden aus. Und die Zahl der Menschen, die ihre Lieblinge auf diesem Weg unterstützen, steigt seit einem Vierteljahrhundert stetig (Foto: Manuel Mederer).

Inzwischen sind es mehr als 770 Paten, die sich auf diese Art und Weise engagieren. Sie haben dafür gesorgt, dass bisher über 1,7 Millionen Euro zusammenkamen. Mit dem Geld, das dadurch für Tierfutter eingespart wurde, konnten zum Beispiel das Mediterraneum sowie die Anlagen für Buntmarder, Erdmännchen und Fischkatzen teilfinanziert werden. Tierpatenschaften werden übrigens gern verschenkt, und zwar zu allen möglichen Anlässen wie etwa Geburtstag, Weihnachten, Taufe, Schulanfang oder Hochzeit. Rund um das Thema Tierpatenschaften kann man sich bei Zoo-Mitarbeiterin Monika Prell informieren, die diesen Bereich betreut. Entweder telefonisch unter 09 11/5 45 48 38, per Mail unter monika.prell@stadt.nuernberg.de oder man klickt einfach hier. weiter lesen

„Gentleman“ Ropen ist tot

Er galt in der Damenwelt als „Gentleman“. Mit seinen Partnerinnen ging er nämlich äußerst zuvorkommend um: der mächtige Rhinozerusbulle Ropen, der seit elf Jahren im Tiergarten Nürnberg lebte. Am vergangenen Sonntag starb er. Die Tierärzte des Zoos am Schmausenbuck hatten sich schweren Herzens entschlossen, das 29 Jahre alte und rund zweieinhalb Tonnen wiegende Tier einzuschläfern.

Seit vielen Jahren, schon als Jungbulle, hatte Ropen unter Problemen mit seinen Füßen gelitten, die ihm immer wieder große Schmerzen bereiteten. Er war bereits mit dieser gesundheitlichen Einschränkung nach Nürnberg gekommen. Am 8. Mai 1988 im britischen Zoo Whipsnade geboren, zog er – koordiniert über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP – im November 1990 nach Aussig an der Elbe (Tschechien) um, und zwar in den Zoo Dvur Kralove. Im November 2006 traf er am Schmausenbuck ein. Hier versuchte man von Anfang an, Ropens Fußproblemen durch eine Umgestaltung der Böden in den Dickhäuter-Anlagen beizukommen. Das gelang zumindest teilweise: Gerade in jüngster Vergangenheit stellten Tierärzte und -pfleger trotz des hohen Alters von Ropen eine Besserung am Zustand seiner Füße fest.

Letzte Woche begannen die Schwierigkeiten aber erneut. Ropen konnte nicht mehr richtig stabil auf den Hinterbeinen stehen. Am 1. Oktober, gegen Mittag, fiel Ropen auf einmal um. Er versuchte zunächst, sich wieder aufzurappeln, kam jedoch einfach nicht mehr auf die Beine. Wäre dem Schwergewicht das nicht in einem Zoo, sondern in freier Wildbahn passiert, hätte es einen grausamen Tod zur Folge gehabt: Es wäre zum „Festliegen“ gekommen. Um ihm dieses qualvolle Sterben zu ersparen, entschieden sich die Tiergarten-Verantwortlichen, dem Nashorn ein Beruhigungsmittel zu verabreichen und es schließlich durch einen Schuss zu töten. Mit seinen 29 Jahren hat Ropen ein für männliche Panzernashörner hohes Alter erreicht. Sein Kadaver wird nun pathologisch untersucht; das Ergebnis dürfte allerdings einige Wochen auf sich warten lassen. weiter lesen

Der Tiergarten feiert den Herbst

Da staunt selbst das Graue Riesenkänguru: Schon wieder gibt es eine Veranstaltung im Tiergarten Nürnberg anzukündigen. Diesmal ist es das Herbstfest, das der Zoo am Sonntag, 1. Oktober,  feiert – und zwar unter dem Motto „Erntedank“ und „Die Tiergartenabteilungen stellen sich vor“. An einer ganzen Reihe von Mitmach-Stationen erfahren die Besucher, wie der Tierpark am Schmausenbuck funktioniert. Sie haben auch Gelegenheit, selbst aktiv zu werden. Außerdem geht es an diesem Familientag um Produkte des zooeigenen Bio-Bauernhofs, der am Gut Mittelbüg in Schwaig bei Nürnberg angesiedelt ist.

Hier einige Höhepunkte des Herbstfest-Programms: Die Besucher können Beschäftigungsfutter für Zootiere selber basteln. Die Speisekammer des Tiergartens im Betriebshof wird ebenso vorgestellt wie landwirtschaftliche Geräte. Kinder dürfen sich auf der Hüpfburg und beim Baumklettern vor dem Dickhäuterhaus austoben. Die Zoo-Tierärzte stehen bei Fragen der Besucher Rede und Antwort. Ums Fressen und Gefressenwerden geht es beim Steinbockgehege – und um das Bauen für Tier und Mensch beim Raubtierhaus. Auf eine spannende Mitmachaktion können sich die Gäste freuen, wenn es heißt: „Dem Tiger auf der Spur“. weiter lesen

Eine klassische Win-win-Situation

Vergesellschaftung heißt das Zauberwort, das in Zoologischen Gärten seit einiger Zeit an Bedeutung gewinnt. Auch im Tiergarten Nürnberg werden immer mehr Tierarten mit anderen, aus ihrem natürlichen Lebensraum stammenden, gemeinsam in einem Gehege gehalten. Die Idee dahinter ist u.a. auch, dass die Besucher einen bessere Vorstellung davon bekommen, wie die Tiere in freier Wildbahn zusammenleben und sich gegenseitig im oft schwierigen Kampf ums Überleben sogar unterstützen können. Natürlich funktioniert das in Zoos nur mit Tierarten, die sich vertragen. Und natürlich ist eine Vergesellschaftung von Arten, bei denen die eine zum Beuteschema der anderen gehört, ausgeschlossen. Daher setzt es sich immer mehr durch, Tieren bei der Haltung in Menschenobhut zumindest einen Teil ihres ursprünglichen Lebensraums auch in den Zoologischen Gärten zu bieten. Von der Vergesellschaftung profitieren also einerseits die Tiere, weil diese Haltung für sie eine Bereicherung ihres Alltags darstellt, andererseits auch die Besucher.

Im Nürnberger Tiergarten teilen sich neuerdings die Panzernashörner ihre Anlage mit einer Hirschziegenantilope (Foto: Tiergarten Nürnberg). Ich finde, es ist für die Besucher ein beeindruckendes Bild, wenn sie diese sehr feingliedrige, zerbrechlich wirkende Antilopenart zwischen den beiden mächtigen Nashörnern Sofie und ihrem Sohn Sanjai beobachten können. weiter lesen