Eine klassische Win-win-Situation

Vergesellschaftung heißt das Zauberwort, das in Zoologischen Gärten seit einiger Zeit an Bedeutung gewinnt. Auch im Tiergarten Nürnberg werden immer mehr Tierarten mit anderen, aus ihrem natürlichen Lebensraum stammenden, gemeinsam in einem Gehege gehalten. Die Idee dahinter ist u.a. auch, dass die Besucher einen bessere Vorstellung davon bekommen, wie die Tiere in freier Wildbahn zusammenleben und sich gegenseitig im oft schwierigen Kampf ums Überleben sogar unterstützen können. Natürlich funktioniert das in Zoos nur mit Tierarten, die sich vertragen. Und natürlich ist eine Vergesellschaftung von Arten, bei denen die eine zum Beuteschema der anderen gehört, ausgeschlossen. Daher setzt es sich immer mehr durch, Tieren bei der Haltung in Menschenobhut zumindest einen Teil ihres ursprünglichen Lebensraums auch in den Zoologischen Gärten zu bieten. Von der Vergesellschaftung profitieren also einerseits die Tiere, weil diese Haltung für sie eine Bereicherung ihres Alltags darstellt, andererseits auch die Besucher.

Im Nürnberger Tiergarten teilen sich neuerdings die Panzernashörner ihre Anlage mit einer Hirschziegenantilope (Foto: Tiergarten Nürnberg). Ich finde, es ist für die Besucher ein beeindruckendes Bild, wenn sie diese sehr feingliedrige, zerbrechlich wirkende Antilopenart zwischen den beiden mächtigen Nashörnern Sofie und ihrem Sohn Sanjai beobachten können. weiter lesen

Eine besondere Art von Haustier

Wenn wir schon beim Thema Haustiere sind: Wer sagt denn, dass das immer Hunde oder Katzen, Goldhamster oder Meerschweinchen, Wellensittiche oder Kanarienvögel sein müssen? Gerade Kinder und Jugendliche können sich ebenso gut für andere Tiere begeistern, beispielsweise für Käfer. Die haben obendrein den Vorteil, dass sie nicht vielArbeit machen und sich leicht halten lassen. In einem Terrarium kann man ihre Umgebung leicht nachbilden. Und dann lässt sich gut beobachten, wie sich die Tiere entwickeln. Eine spannende Sache für Kinder!

Besonders Rosenkäfer (wie auf obigem Foto), aber auch Hirsch- und Riesenkäfer eignen sich gut dafür. Man kann die Käfer bereits im Larvenstadium kaufen. Die sind in Zoohandlungen erhältlich, in denen es einen Terraristikbereich gibt, oder bei Züchtern. Wie groß der Behälter zur Aufzucht und das Terrarium sein müssen, hängt vom Käfer ab. Manche Engerlinge sollten einzeln gehalten werden, weil sie sich sonst gegenseitig anknabbern. Sie vertragen auch keine zu hohen Temperaturen. Die Käfer benötigen ausreichend Bodensubstrat, außerdem Borken und Äste. In Zoohandlungen kann man sich beraten lassen, was genau die einzelnen Arten brauchen, um sich wohlzufühlen. In Sachen Nahrung sind Rosen-, Hirsch- und Riesenkäfer pflegeleicht, sie mögen es süß und fressen gern Bananen und Ahornsirup. In Tierhandlungen gibt es auch ein spezielles Gelee. Das ist aber für die normale Versorgung nicht notwendig.

Hände weg von den "sanften Riesen"!

Von wegen „sanfte Riesen“: Elefanten sind viel gefährlicher, als es den Anschein hat. Jedes Jahr kommen Zoo-Tierpfleger durch Angriffe von Elefanten zu Tode oder werden schwer verletzt. Der Verein Elefanten-Schutz Europa hat eine Aufklärungskampagne gestartet, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, und spricht von einem „vertuschten Skandal in deutschen Zoos“.

Das Problem der Übergriffe von Elefanten ist nicht neu. Die Dickhäuter werden leicht aggressiv und drücken ihre Pfleger dann meist an die Wand. Die Statistik, die der Verein Elefanten-Schutz Europa aufmacht, liest sich verheerend: Seit dem Jahr 2000 sind in europäischen und US-amerikanischen Zoos 12 Elefantenpfleger bei solchen Vorfällen gestorben. Insgesamt hat man in US-amerikanischen Zoos bereits 22 tote und 204 verletzte Elefantenpfleger verbuchen müssen, in deutschen Zoos 12 Tote und 51 Verletzte. In 15 deutschen Zoos hat man seit 1990 mindestens einen, zum Teil mehrere schwere Zwischenfällen mit Elefanten registriert. Der Verein geht außerdem von einer hohen Dunkelziffer an Unfällen aus, bei denen die Verletzungen nicht tödlich ausgehen, und die deshalb verharmlost werden.

Der springende Punkt ist die Art der Elefantenhaltung: Man unterscheidet dabei „Direkten Kontakt“ bzw. „Hands on“, wobei Pfleger und Elefanten ohne trennenden Schutz miteinander in Kontakt treten, und „Geschützten Kontakt“ bzw. „Hands off“: Hier sind Mensch und Tier durch schützende Gitter, Zäune, Pfähle oder ähnliches voneinander getrennt. Die Intensität der Pflege beeinträchtigen solche Schutzvorrichtungen nicht, die Elefanten können entsprechend umgewöhnt werden.

Doch in der überwiegenden Mehrzahl deutscher Zoos, in denen Elefanten gehalten werden, beharrt man immer noch auf dem „Direkten Kontakt“, während die Zoos in ganz Europa schon weiter sind und zu 70 Prozent auf „Geschützten Kontakt“ umgestellt haben, um die Sicherheit ihrer Pfleger zu gewährleisten. In Deutschland sind nur Zoos, die erwachsene Bullen halten, zu „Geschütztem Kontakt“ verpflichtet – wohl weil man davon ausgeht, dass männliche Dickhäuter gefährlicher sind. Doch es ist erwiesen, dass rund 80 Prozent der Unfälle mit Elefantenkühen passieren.

Aus der verpflichtenden Umstellung auf „Geschützten Kontakt“ wurde bei uns möglicherweise auch deshalb noch nichts, weil eine ganze Reihe von Pflegern den „Direkten Kontakt“ wollen, in der (leider manchmal irrigen) Meinung, sie würden ihre Tiere genau kennen und könnten einschätzen, wie gutmütig sie sind. Außerdem kostet es natürlich, wenn man entsprechende Schutzmaßnahmen einbaut – und kein Zoo der Welt wird für so etwas gern Geld ausgeben, wenn es ihm an allen anderen Ecken und Enden fehlt.

 

Lasst die Finger von Exoten!

So, ich glaube, für den Moment haben die meisten erst einmal genug von allem, was mit dem Bereich Delfine/Lagune zu tun hat. Zumindest mir geht es so. Deshalb: Neue Woche, neues Thema.

Da hat heute der Deutsche Tierschutzbund einen weiteren Anlauf genommen, um das von ihm geforderte Verbot der Haltung von exotischen Tieren in Privathaushalten wieder ins Gespräch zu bringen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd sagte die Referentin für Heimtiere und Artenschutz beim Tierschutzbund, Sandra Giltner: „Wer keinen wissenschaftlichen Grund dafür hat, sollte keine Exoten halten dürfen.“ Anlass für das Gespräch mit dapd war, dass gerade jetzt in der sommerlichen Reisezeit viele Touristen tierische Souvenirs aus dem Urlaub mit nach Hause bringen. Der Zoll beschlagnahmt jedes Jahr Hunderte solcher Mitbringsel.

Nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes können Privatleute die meisten exotischen Tiere einfach nicht artgerecht  halten. Viele Besitzer wissen nicht einmal, was ihre Schützlinge brauchen, damit zumindest deren Grundbedürfnisse erfüllt werden. So artet die Exotenhaltung bei Privatpersonen häufig in Tierquälerei aus und führt immer wieder sogar zum Tod der armen Viecher; deshalb will der Deutsche Tierschutzbund ein Verbot erreichen – wenn  nicht das der Haltung von Exoten, dann zumindest ein Verbot der Reptilienbörsen, auf denen bei uns diese Tiere ganz legal ver- und gekauft werden dürfen.

Es kann eine Menge passieren, wenn ahnungslose Menschen solche Lebewesen bei sich zu Hause unterbringen. Die Folgen sind oft skurril – Geschichten darüber kann man regelmäßig in der Zeitung lesen oder auch in diesem Blog, zum Beispiel hier (unter dem Stichwort „Teuer“). Manchmal wird es aber richtig lebensgefährlich, etwa wenn Giftschlangen ihre Besitzer beißen. Oder wenn die Tiere ausbüxen bzw. von ihren überforderten Haltern ausgesetzt werden. Da kann es dann vorkommen, dass ahnungslose Spaziergänger giftigen Reptilien wie Schnappschildkröten in einem Teich begegnen. Das endet dann höchstwahrscheinlich böse, denn Schnappschildkröten beißen äußerst kräftig zu: einen Besenstiel  knacken sie beispielsweise mühelos.