Schrecklich: Wenn der Hund zum Hamster mutiert

Endlich Sommerferien in Bayern! In diesen Tagen beginnt auch für viele Familien der langersehnte Urlaub. Wer ein Tier besitzt und verreisen will, hat jedoch möglicherweise ein Problem an der Backe. Tierpensionen sind oft schon lang im Voraus ausgebucht. Unter Verwandten oder Bekannten findet sich nicht so einfach jemand, der sich um einen Vierbeiner kümmert, der größer ist als ein Hamster oder ein Meerschweinchen. Und wer ist schon bereit, einen „Pflegekater“, der sonst an seinen Freigang gewöhnt ist, bei sich in der Wohnung aufzunehmen?
Der tierische Liebling der Familie wird plötzlich zur Last – eine Tatsache, die traurig enden kann: Pluto, Minnie & Co werden ausgesetzt. Für die Mitarbeiter von Tierheimen oder ähnlichen Tierschutzorganisationen ist der Beginn der Ferienzeit deshalb nicht unbedingt eine Freude, sondern der reinste Horror.
Diese Erfahrung macht auch Robert Derbeck immer wieder. Der Vorsitzende des Nürnberger Tierschutzvereins Noris hat ein paar sehr drastische Beispiele zusammengetragen. Die sind nicht in den vergangenen Tagen passiert, haben sich aber so, wie er sie schildert, in den letzten Jahren ereignet. Ich lasse den engagierten Tierschützer einfach mal mit seinen Worten erzählen:
„Mit Grauen erinnere ich mich an den Fall, wo Kinder in einem Müllcontainer einen großen Kleintierkäfig entdeckten, der entsorgt werden sollte. Bei näherer Betrachtung fanden sie in dem Meerschweinchenhaus noch zwei lebende Meerschweinchen. Nur durch diesen Zufall wurden die Tiere vor der Müllverbrennung gerettet.
In einem anderen Fall wurden Katzenbabys in einen verschlossenen Pappkarton gesteckt und mit Müll zugedeckt. Einem Hund, der die Welpen erschnüffelte, ist es zu verdanken, dass seine Halterin auf die ausgesetzten Tiere aufmerksam wurde.
Ganz schlimm war ein Fall im letzten Jahr, als ein Hundewelpe in einen Hamsterkäfig gesperrt und bei einem Parkplatz hinter einem Gebüsch versteckt wurde. Das Tierbaby wurde von einem aufmerksamen Tierfreund nur zufällig entdeckt.“
Das Aussetzen von Tieren ist zwar nach dem Tierschutzgesetz strafbar, aber das hat nur sehr selten Konsequenzen für den Halter. Meist lässt sich der Täter nicht ermitteln, oder man kann nicht beweisen, dass er das Tier vorsätzlich ausgesetzt hat. Im besten Fall wird das Ganze als Ordnungswidrigkeit mit einer geringen Geldstrafe geahndet. Eine Chip- und Registrierungspflicht besteht innerhalb von Deutschland noch nicht.

Das war eine Fehlentscheidung, Herr Söder!

Es ist schon komisch: Irgendwann kommt jeder Politiker mal auf den Hund. Also, ich meine das jetzt im wörtlichen Sinne und beziehe mich nicht etwa auf aktuelle Ereignisse in Deutschland. Nein, ich meine es, wie ich es sage: Viele Politiker mögen Hunde – vielleicht weil die sich so gut herumkommandieren lassen, vielleicht weil sie treu sind und man sie nicht erst im Wahlkampf von sich überzeugen muss, vielleicht weil (fast) jedes Tier (fast) jeden Politiker sympathischer macht.

Ein solcher Hundeliebhaber ist auch Markus Söder, der sich vor seiner Berufung zum bayerischen Finanzminister selbst gern als “Lebensminister” bezeichnet hat.  Zum Leben gehören Tiere ja irgendwie dazu, und wohl deshalb hält Söder sich privat einen Labrador. Doch damit nicht genug: Rechtzeitig vor Weihnachten hat er dieser Tage im Nürnberger Tierheim die Patenschaft für einen Cocker-Spaniel-Mischlingswelpen namens Wendy übernommen – kohlpechrabenschwarz, eben passend zur CSU. Künftig zahlt der Finanzminister 75 Euro pro Jahr für dieses sein Patentier, und spätestens wenn Wahlkampfzeiten ins Haus stehen, wird er wohl auch mal mit ihm Gassigehen, in öffentlichen Parks, dort, wo viele potenzielle Wähler ihn mit dem netten Hund sehen.

Im Tierheim posierte auch Söders Parteigenosse Marcus König – in Personalunion geschäftsführender Vorsitzender des Tierschutzvereins – mit einem Hundebaby vor den Kameras: mit der Französischen Bulldogge Pünktchen. Vorher hatte auch Söder das Hündchen mal halten dürfen (siehe Foto), aber es war für den Minister wohl nicht schwarz genug.

Mir persönlich gefällt Pünktchen aber viel besser als Wendy, weil ich Französische Bulldoggen einfach liebe – es sind meine zweitliebsten Hunde nach Jack-Russell-Terriern. Hätte sich Söder für Pünktchen als Patenkind entschieden – na ja, wer weiß, ob er damit künftig eine Stimme mehr bekommen hätte. So aber bleibt alles beim Alten.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten, liebe Blogleser!