Babyboom im Tiergarten

In Deutschland hat es unsere Familienministerin nicht hinbekommen, für einen Babyboom zu sorgen. Der Nürnberger Tiergarten schafft es auch ohne Familienministerin: Dort gibt es jetzt gleich doppeltes Mutterglück – bei den Schabrackentapiren und den Netzgiraffen.

Die Tapire haben ein paar Jahre gebraucht, bis sich nach Banju wieder Nachwuchs eingestellt hat. Doch nun ist Indah im Tropenhaus stolze Mutter eines Babys, von dem im Moment allerdings noch niemand weiß, ob es ein Männchen oder Weibchen ist. Der oder die Kleine sieht – wie bei Schabrackentapiren immer – fast so aus wie ein Frischling: Mit weißen Streifen im bräunlichen Fell. Dieses Aussehen wird er/sie mit der Zeit ändern und nach und nach seiner/ihrer Mutter ähneln: grau, mit einer helleren Schabracke um den Körper. Das Baby ist gesund und munter und kam ganz unspektakulär über Nacht zur Welt, so dass es die Pfleger am vergangenen Freitag früh entdeckten.

Netzgiraffe Lilly ist schon eine erfahrene Mutter. Ihre jüngste, ebenfalls am letzten Freitag geborene Tochter, heißt Lubaya. Die hat sich bei der Geburt etwas Zeit gelassen, streckte erst ihre Vorderfüße aus dem Mutterleib und blieb eine Zeitlang in dieser Position, bis sie es sich dann plötzlich doch anders überlegte und auf den Boden flutschte. Lubaya ist bereits Giraffe Nummer 25 im Tiergarten und spaziert inzwischen mit ihren Artgenossen durchs Freigehege. Ihr Vater heißt Charly und hat am Schmausenbuck schon ein paarmal für Nachwuchs gesorgt. Traurig ist allerdings, dass er sein jüngstes Baby selbst nicht mehr erleben durfte: Charly musste im Januar eingeschläfert werden. Die Zooleitung hatte sich entschlossen,  ihn von den unerträglichen Schmerzen zu erlösen, die ihm seine chronisch entzündeten Gelenke bereiteten.

Endlich klappt es bei den Kropfgazellen

Kropfgaz.JPGDer Trubel um Flocke hat sich weitgehend gelegt, auch wenn es immer wieder Spaß macht, dem Teenager am Schmausenbuck zuzuschauen. Aber auch andere Tiermütter haben schöne Kinder. Die Kropfgazellenmutter säugt derzeit Zwillinge, die am 23. Juni 2008 geboren wurden.

Nun sind Kropfgazellen nicht unbedingt Publikumsmagneten und gehören auch nicht zu jenen „Leittieren“ oder „Flaggschiff-Arten“, wie es Tiergarten-Chef Dag Encke nennt, über die sich ein Zoo besonders definiert. Aber dennoch sind die Tiergarten-Verantwortlichen froh, dass es wieder aufwärts geht mit den Kropfgazzellen. Die kleine Antilopenart aus dem Vorderen Orient, die schon seit 1977 im Tiergarten gehalten wird (damals wurden zwei Paare aus dem Zoo Zürich übernommen wurde), hat sich nämlich seither in ihrem Bestand nicht wesentlich vergrößert. Nach einem Gehegeumbau scheint es endlich mit der Züchtung zu klappen, denn schon im Vorjahr wurde ein Jungtier aufgezogen.

Die Kropfgazellen hatten lange auch Probleme, weil ihre eigentlich schön und saftig aussehende Wiese mit Darm-Parasiten belastet war, auf die die Tiere empfindlich reagiert haben. Nun verhindert ein neuer fester Boden neuerliche Infektionen und Mutter Gazelle muss sich nicht ständig in medizinische Behandlung begeben, sondern kann sich auf den Nachwuchs konzentrieren.

Für den Papa ging es übrigens zurück in eine Junggesellenherde in Karlsruhe, er würde die Aufzucht stören. Ein anderer Bock wird im Winter kommen, um ebenfalls bei der Vergrößerung der Nürnberger Gruppe mitzuhelfen. Da nur 90 Tiere der Gazellenart in europäischen Zoos leben, sieht der Tiergarten in der Zucht eine wichtige Aufgabe. Und Flocke kann sich freuen: Auch wenn der andere Nachwuchs oft in den Medien etwas kürzer kommt, sie ist nicht der einzige Teenager im Tiergarten.