Zum Tod von Eisbärenbaby Fritz

Das dürfte wieder Wasser auf die Mühlen von Zoo-Gegnern und Tierschutzaktivisten sein: Im Berliner Tierpark ist Eisbärenbaby Fritz vier Monate nach seiner Geburt an einer Leberentzündung gestorben. Ich höre schon die Peta-Leute, wie sie zum zigsten Mal ein Ende der Eisbärenhaltung in Zoos fordern. Fritz war der Sohn von Tonja (sieben Jahre) und Wolodja (fünf Jahre) und am 3. November 2016 zur Welt gekommen – zusammen mit einem Zwilling, der allerdings nicht überlebte. Es handelte sich um den ersten Eisbärennachwuchs im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde seit 22 Jahren, das wurde natürlich groß gefeiert. Mutter Tonja kümmerte sich liebevoll um ihr Baby, alles schien gut zu laufen. Der Kleine, der bislang nur über eine Webcam zu sehen war, sollte noch in diesem Monat der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch am vergangenen Wochenende gab es erste Anzeichen für gesundheitliche Probleme bei Fritz, und am Montag lag er apathisch im Stall. Die Tierärzte und Pfleger entschieden, dass man den Kleinen von seiner Mutter trennen müsse, um ihn untersuchen zu können. Fritz wurde ins benachbarte Leibniz-Institut gebracht und dort durchgecheckt. Zunächst brachten die Untersuchungen allerdings kein Ergebnis. Man stellte schlechte Leberwerte fest, gegen die Fritz ein Antibiotikum bekam, außerdem verabreichte man ihm Schmerzmittel. Am Montagabend wurde sein Atem unregelmäßig. Der kleine Eisbär starb gegen 20 Uhr. Es wurde eine Obduktion angeordnet, um die Todesursache herauszufinden.

So traurig der Tod des Eisbärenbabys ist – in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten dieser Tiere sterben viele Polarbären einen wesentlich schlimmeren Tod: Sie krepieren regelrecht, weil ihnen aufgrund der Klimaerwärmung das Eis unter dem Hintern wegschmilzt und sie deshalb nur unter schwierigsten Bedingungen auf Robbenjagd gehen können. Die Folge: Sie verhungern jämmerlich oder schleppen sich monatelang völlig abgemagert auf der Suche nach Nahrung weiter. Ich habe hier ja auch das bekannte Foto von Kerstin Langenberger gezeigt und über das Problem geschrieben. Damals gab es zwar im Netz viel Aufregung, doch leider folgten dem virtuellen Aufschrei keine Taten, sprich Kehrtwende in der internationalen Umweltpolitik. Da sollte sich Peta mal so engagieren wie bei den vielen lächerlichen Aktionen gegen Zoos.

Happy Birthday, Tierpark Friedrichsfelde!

Friedrichsfelde
Heute feiert der Tierpark Friedrichsfelde im ehemaligen Ostberlin seinen 60. Geburtstag. So etwas wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk waren vier Sibirische Tigerbabys, die Tigerin Aurora Ende April zur Welt brachte. Der Zoo wurde zu DDR-Zeiten am 2. Juli 1955 im Beisein von Staatspräsident Wilhelm Pieck eröffnet. Erste Bewohner waren ein Storch und ein Kamel, die aus dem Zoo in Halle stammten.

Die Entwicklung ging dann recht schnell weiter, etwa mit der Eisbärenanlage und dem im Jahr 1963 eröffneten Alfred-Brehm-Haus, in dem Löwen und Tiger präsentiert wurden. Später folgte eine Tropenhalle. Kurz vor der Wende kam noch ein Elefantenhaus mit Freianlage dazu. Danach gab es Überlegungen, den „Ost-Zoo“ ganz zu schließen, was dann aber doch nicht umgesetzt wurde: Der Tierpark war nämlich äußerst beliebt. Neuer Direktor wurde Bernhard Blaszkiewitz, der den Gründungsvater, Tierparkdirektor Heinrich Dathe, 1991 ablöste. Er war gleichzeitig Direktor des Berliner Zoos. In Friedrichsfelde ließ er neue Tieranlagen errichten, war aber umstritten wegen seiner oft  ruppig wirkenden Äußerungen, vor allem den Medien gegenüber. Blaszkiewitz blieb bis Frühjahr 2014 Zoochef.

Im Vergleich zum Zoo im einstigen West-Berlin ist Friedrichsfelde ein riesiger Flächenzoo: Er ist der größte Landschaftstiergarten Europas und umfasst 160 Hektar, die Platz für 7500 Tiere bieten. Der Tiergarten Nürnberg, der ja auch als Landschaftszoo gilt, hat knapp 70 Hektar. In Sachen Besucher ziehen der Nürnberger Tiergarten und der Tierpark Friedrichsfelde in etwa gleich: Rund eine Million Besucher sind es durchschnittlich pro Jahr (in Nürnberg etwas wenig mehr). In Friedrichsfelde mangelt es allerdings an ausländischen Touristen, die offenbar den Berliner Zoo vorziehen.

Zum Tierpark-Jubiläum ist von großer Feststimmung leider nicht die Rede. Denn Friedrichsfelde gilt unter Fachleuten längst als unrentabel. Der Tierpark wird mit rund 5,5 Millionen Euro jährlich vom Land unterstützt, während der Zoo im Westteil Berlins mittlerweile ohne Zuschüsse zurechtkommt. Einige Gehege stammen noch aus DDR-Zeiten und sind zum Teil altmodisch eingezäunt. Kritisiert wird eine Reihe von Dingen, etwa die nicht mehr zeitgemäße Energieversorgung, die zu wenigen und nicht besonders ansprechenden Spielplätze, die Unübersichtlichkeit der Anlage, die unzureichende Gastronomie.

Es gibt jetzt einen neuen gemeinsamen Direktor für den Zoo Berlin und den Tierpark Friedrichsfelde: Andreas Knieriem, von Beruf Tierarzt und vorher Leiter des Münchner Tierparks Hellabrunn. Er hat angekündigt, den früheren DDR-Zoo von Grund auf umzukrempeln. Ihm schwebt zum Beispiel eine Afrika-Lodge vor oder Himalaya-Gipfel für Bergtiere. Das alles unter dem neuen Motto „Ab in die Wildnis – Abenteuer erleben“. Dafür rechnet er mit Kosten in Höhe von 92 Millionen Euro – Geld, das nicht vorhanden ist, aber irgendwoher kommen soll. Vielleicht kann ja der Verein der Freunde der beiden Hauptstadtzoos einen Teil beitragen; jedenfalls steht er den Plänen aufgeschlossen gegenüber. Als erstes steht jetzt die Sanierung des Raubtierhauses an. Auf jeden Fall lehnt Knieriem jeden Schließungsplan für Frierichsfelde ab. Er ist überzeugt davon, dass für die Hauptstadt und die Metropolregion Berlin ein Zoo nicht ausreicht.

Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Vor allem müssen es aber zwei Zoos mit ganz unterschiedlichem Konzept sein. Knieriem sollte darauf achten, dass sich die beiden Einrichtungen nicht zu ähnlich werden. Und er muss aufpassen, dass in Friedrichsfelde nicht eine Art Vergnügungspark mit angeschlossenem Zoo entsteht. Damit kann man zwar mehr Geld machen – aber so etwas würde gerade zu Friedrichsfelde überhaupt nicht passen.

Vater des gitterlosen Zoos starb vor 100 Jahren

Wer kennt dieses Tier nicht: Walross Antje, das jahrzehntelang als Markenzeichen für den NDR im Einsatz war. Antje starb im Jahr 2003, aber in den Köpfen vieler Menschen ist sie unsterblich. Sie machte nicht nur den NDR berühmt, sondern auch den Zoo, in dem sie lebte: den Hamburger Tierpark Hagenbeck.

Dessen Gründer wiederum, Carl Hagenbeck, starb am 14. April 1913, also vor 100 Jahren. Doch seine Idee lebt in vielen Zoologischen Gärten auf der ganzen Welt fort: Hagenbeck gründete als erster einen Zoo, in dem die Besucher das Gefühl hatten, als würden sie Tiere in freier Wildbahn beobachten. Hagenbeck schaffte Gitterkäfige, die vorher Zoos und Menagerien geprägt hatten, weitgehend ab. Er wollte Tiere nicht in engen Käfigen zur Schau stellen. Vielmehr ließ er für seinen Zoo Kulissen bauen, die Tiere in einer der Natur nachempfundenen Landschaft präsentierten.

Im 1907 eröffneten Tierpark Hagenbeck gab es von Anfang an künstliche Gebirge für Steinböcke oder Wildschafe, Steppentiere auf freiem Gelände oder Raubtiere in Schluchten, die nur durch einen Graben von den Besuchern getrennt waren. Nach diesen Hagenbeckschen Vorstellungen wurde später, im Jahr 1939,  beispielsweise auch der Nürnberger Tiergarten am Schmausenbuck angelegt. Heute mag der gitterlose Zoo nichts Aufsehenerregendes mehr sein – zu Hagenbecks Zeit kam diese Idee aber einer Revolution gleich. Hagenbeck hat das selbst erkannt und sich seine Panorama-Idee für Tierparks patentieren lassen. Er hat Maßstäbe für die Zoowelt gesetzt, die immer noch gelten.

Carl Hagenbeck war übrigens der Sohn eines Tierhändlers und stieg selbst schon als Jugendlicher in dieses Geschäft ein. Er lieferte exotische Tiere an Zoos und veranstaltete selbst Tierschauen, etwa mit Löwen, Affen oder Giraffen in „C. Hagenbeck´s Handlungs-Menagerie“ auf St. Pauli. Auch als die sogenannten Völkerschauen zum Ende des 19. Jahrhunderts in Mode kamen, mischte Hagenbeck mit: Er präsentierte mit großem Erfolg einem sensationslüsternen Publikum zum Beispiel echte Lappländer oder Eskimos. An dieser Zurschaustellung exotischer Völker störte sich damals niemand – erst später geriet sie in die Kritik.

Der Tierpark Hagenbeck in Hamburg ist nach wie vor einer der beliebtesten Zoos in Deutschland mit durchschnittlich 1,6 Millionen Besuchern im Jahr. Hagenbecks Nachfahren führen den Zoo weiter. Sie streiten sich derzeit allerdings vor Gericht um die Geschäftsführerposten. Gut, dass Carl Hagenbeck das nicht mehr miterleben muss!

Sensation in Cottbus

Der Tierpark Cottbus zählt normalerweise nicht zu den Zoos, über die in den Medien groß berichtet wird. Nun aber hat der Zoologische Garten, der sich vor allem durch die Zucht von Wasservögeln einen Namen gemacht hat, einen echten Coup gelandet, der auch von den Nachrichtenagenturen aufgegriffen wird: Als erstem europäischen Zoo gelang dem Tierpark die Nachzucht von Sattelstörchen.

Diese größte Storchenart halten europaweit nur 25 Zoos. Die Tiere sind an ihrem langen, leicht nach oben gebogenen, leuchtend rot-schwarz-rot gefärbten Schnabel zu erkennen, dessen oberes Ende, der Sattel, kräftig gelb leuchtet – sie sind ein echter Hingucker. Sattelstörche können bis zu 1,45 Meter groß und sechs Kilogramm schwer werden. Auf der ganzen Welt hat es in Zoos außer in Cottbus erst fünf Nachzuchten dieser Vogelart gegeben. In Cottbus ist Mitte Dezember 2012 und Anfang Januar dieses Jahres jeweils ein Jungtier nach 30 Tagen Brutzeit geschlüpft.

Dieser Erfolg hat über zehn Jahre auf sich warten lassen. So lange hat man in Cottbus versucht, die in Afrika beheimateten Vögel nachzuzüchten. Geschafft hat man es letztlich durch den Bau einer neuen Aufzuchtanlage. Der Tierpark an der Spree erhofft sich durch die beiden Jungstörche in den nächsten Monaten ein deutliches Plus bei den Besucherzahlen; die Tiere dürften sich durchaus zu Publikumsrennern entwickeln.