Nürnberger Giraffenbulle Leon tot

Turbulente Zeiten im Nürnberger Tiergarten: Gerade wurde der junge Nashornbulle Sanjai an den Zoo von Edinburgh abgegeben, kurz darauf ist der knapp zehn Jahre alte Giraffenbulle Leon (Foto: Tiergarten Nürnberg) gestorben. Die Tierpfleger haben ihn zu Dienstbeginn tot im Stall gefunden, die  Tierärzte konnten nur noch seinen Tod bestätigen. Mit Leon, der im August 2009 in der Stuttgarter Wilhelma das Licht der Welt erblickte und im Mai 2012 von dort an den Schmausenbuck kam, hatte der Tiergarten kein Glück. Der Giraffenbulle soll an einem Hoden-Hochstand leiden und konnte deshalb nicht für Nachwuchs sorgen, obwohl er zeitweise mit drei Weibchen zusammenlebte, von denen zuvor zwei erfolgreich Jungtiere aufgezogen hatten.
Außerdem litt Leon seit Jahren an Huf- und Verdauungsproblemen, und in der jüngeren Vergangenheit auch noch an Bewegungsstörungen und Hautveränderungen, deren Ursachen nicht ermittelt werden konnten. Leon wird nun von Pathologen untersucht. Weil es Leon in den letzten Wochen immer schlechter ging, hat die Tiergartenleitung wohl schon damit gerechnet, dass er nicht mehr lange leben würde, und deshalb das Europäische Arterhaltungsprogramm (EEP) um die Übernahme eines anderen Weibchens gebeten, damit die Nürnberger Giraffe Lubaya nicht zu lange alleine im Giraffenhaus bleiben muss.

Mops-Dame Edda, Teil 2

Darf eine Kommune ein Haustier einfach pfänden und dann im Internet verticken? Vor knapp drei Wochen habe ich hier schon über das Schicksal einer Mops-Dame namens Edda beziehungsweise Wilma geschrieben (Foto: dpa). Jetzt ist das Rechtsgutachten – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: ein Rechtsgutachten für einen Mops! – fertig, das die Stadt Ahlen in Auftrag gegeben hatte. Demnach hat es die Stadt nun schwarz auf weiß (und das auf 19 Seiten!), dass sie Edda pfänden und im Internet verkaufen durfte. Meiner Meinung nach ist das eine tierverachtende Haltung, weil hier ein Lebewesen rechtlich wie eine Sache behandelt wird.

Der Inhalt des Gutachtens ist zum Teil wirklich hanebüchen. Ein dreiköpfiges Team einer Anwaltskanzlei hat dafür den Fall rekonstruiert und kommt zu dem Ergebnis: Die Mops-Pfändung war zulässig, weil sich Eddas Frauchen hartnäckig geweigert habe, ihre Schulden zu bezahlen. Stattdessen kaufte sie Edda für teures Geld – angeblich für 2400 Euro. Die Anwälte bezweifeln auch, dass eine starke emotionale Bindung der Hundebesitzerin zu dem Mops bestanden habe; schließlich habe sie nicht einmal versucht, Edda zurückzubekommen.

Auf die Stadt Ahlen könnte wegen des juristischen Aufwands indessen einiges an Kosten zukommen. Noch steht nämlich die Rechnung der Anwälte aus. Und Eddas neues Frauchen, die den Namen der Mops-Dame in Wilma umänderte, hat Klage gegen die Stadt eingereicht. Die Frau verlangt den Kaufpreis von 690 Euro zurück und möchte außerdem Geld für die Tierarztkosten. Diese Forderungen soll nun dieselbe Anwaltskanzlei juristisch prüfen, die schon das Gutachten erstellt hat.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es in der ganzen Geschichte zu vermelden: Edda/Wilma hat inzwischen ihre Augenoperation gut überstanden.

Ein Leben ohne Mops…

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Nach diesem Motto leben immer mehr Menschen – der Mops ist zum Mode-Hund avanciert. Wohl auch deshalb sorgt das Schicksal von Mops-Dame Edda aus Ahlen in diesen Tagen für internationale Schlagzeilen – eine schier unglaubliche Geschichte!

Die etwa eineinhalbjährige Edda wurde gepfändet, weil ihre Besitzer hohe Schulden bei der Stadt haben. Ein Mitarbeiter der Kommune wollte den Hund dann über seinen privaten Ebay-Account für 750 Euro verkaufen: als gesunden Mops inklusive Stammbaum. Auf diesem Weg erfuhr auch Eddas Züchterin, dass die Mops-Dame verhökert werden sollte. Doch die erkannte die Hündin wegen ihrer Augenerkrankung auf dem Foto wieder. Sie hat angeblich dem städtischen Mitarbeiter 500 Euro für Edda geboten, aber der soll 2000 Euro verlangt haben. Gekauft hat den Hund schließlich eine Frau aus der Nähe von Wuppertal. Sie will die Stadt Ahlen jetzt wegen arglistiger Täuschung verklagen, sie möchte auch den Kaufpreis zurück und verlangt eine Kostenerstattung für die Behandlung der Mops-Dame. Denn die Hündin – die von ihrem neuen Frauchen Wilma genannt wird – musste sich mehreren teuren Augen-Operationen unterziehen.

Der Stadtkämmerer von Ahlen sagt laut Medienberichten, dass die Stadt etwas weniger als die auf Ebay angegebenen 750 Euro Verhandlungsbasis für den Hund bekommen habe. Das Geld sei in die Stadtkasse geflossen. Er beharrt außerdem darauf, dass die Pfändung der Mops-Dame völlig legal gewesen sei. Die Stadt Ahlen hat ihrerseits eine Versicherung und einen Anwalt eingeschaltet, die prüfen sollen, ob das Tier zum Zeitpunkt des Verkaufs krank war und ob Regressansprüche bestehen. Auch der Frage, ob Edda zu einem günstigeren Preis hätte behandelt werden können, geht die Kommune nach.

Meiner Meinung nach völlig zu Recht lehnen Tierschützer den Handel mit Tieren über Internet-Plattformen ab, weil auf diese Weise Lebewesen zu Waren degradiert werden. Was die Pfändung von Edda angeht, sind Juristen der Ansicht, dass so etwas bei wertvollen Tieren rechtlich zwar möglich sei. Doch in diesem Fall habe die Stadt Ahlen unverhältnismäßig gehandelt, weil es um einen Hund gehe, der einer Familie mit Kinder gehöre. Ich denke auch, dass in diesem Fall mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde.

Jetzt hat es auch noch Lilli erwischt

Das Jahr nähert sich so langsam seinem Ende. Für den Tiergarten Nürnberg wird 2018 als ein eher trauriges Jahr in die Geschichte eingehen: Zoomitarbeiter und -besucher mussten sich heuer schon von mehreren „Senioren“ am Schmausenbuck verabschieden. Heute nun der neueste Todesfall: Die 19 Jahre alte Giraffendame Lilli wurde eingeschläfert. Diese Netzgiraffe war wohl den meisten Zoobesuchern bekannt, weil sie wegen einer Fehlstellung des rechten Hinterbeins leicht hinkte und dadurch besonders auffiel. Mit dieser Einschränkung lebte Lilli (Foto: News5/Grundmann), seit sie ein Giraffenbaby war.

Im August 1999 hatte sie im Tiergarten das Licht der Welt erblickt. Die Giraffendame hat in Nürnberg drei Jungtiere geboren und aufgezogen, die wiederum für sieben Enkel sorgten. Haltung und Zucht von Netzgiraffen werden durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP koordiniert. Eigentlich kam Lilli mit ihrer Einschränkung überraschend gut zurecht. Die Fehlstellung konnte zumindest teilweise korrigiert werden: durch tiermedizinisches Training und regelmäßige Klauenpflege. Doch in den vergangenen Monaten verschlimmerte sich Lillis Behinderung zusehends – so sehr, dass die alte Giraffendame kaum mehr auftreten konnte. Auch eine Schmerztherapie hat nicht mehr angeschlagen.

Deshalb hat der Tiergarten heute die Entscheidung getroffen, Lilli von ihren Schmerzen zu erlösen und einzuschläfern. Mit 19 Jahren erreichte das Tier immerhin ein erstaunlich hohes Alter. Unter den 99 weiblichen Netzgiraffen, die in europäischen Zoos gehalten werden, war Lilli die drittälteste.

Mit Lilli ist – nach dem Silberrücken Fritz, dem Gorillaweibchen Bianca, dem Löwenpaar Thar und Keera und dem Delfinbullen Moby – also jetzt ein weiterer hochbetagter Zoobewohner tot. – Und ich höre sie schon wieder aufschreien, die Zoogegner und Tierrechtler von Peta & Co., die nun wahrscheinlich wieder mit ihren altbekannten Vorwürfen gegen den Tiergarten kommen und behaupten, die Tiere seien in diesem Jahr nur gestorben, weil sie in einem Zoo „gefangengehalten“ wurden, der ihnen nicht die Lebensbedingungen wie in der Natur bieten kann. Nur: Durch ständige Wiederholung wird diese Behauptung auch nicht wahrer!

Schwedischer Zoo tötet Junglöwen

Dieses Löwenpaar im Tiergarten Nürnberg (Foto: dpa) ist schon alt und wird mit Sicherheit nicht mehr für Nachwuchs sorgen. Trotzdem bleibt es bis zum Tod im Tiergarten. Anders verfahren da skandinavische Zoos – überzählige Tiere werden da häufig einfach getötet. So auch in einem Zoo in Südschweden, der damit jetzt wieder für Schlagzeilen sorgt, weil dort über mehrere Jahre hinweg immer wieder junge Löwen getötet wurden – insgesamt neun gesunde Jungtiere, wie die Zooleitung einräumt.

Die Aggression in der Gruppe ist laut dem Zoodirektor zu groß geworden, da habe man sie eben töten müssen. Das war besonders heikel, weil die jungen Löwen schon Namen bekommen hatten und den Besuchern damit als Individuen bekannt waren. Für problematisch halte ich außerdem, dass die Löwenbabys dem Publikum noch stolz präsentiert wurden. Später dann waren sie plötzlich „Überschusstiere“ und passten nicht mehr in den Tierbestand des Zoos. Der Direktor argumentiert damit, dass es für eine Löwenherde wichtig sei, Junge zu bekommen, um natürliche soziale Verhaltensweisen auszubilden. Später habe man versucht, Platz in anderen Zoos und Tierparks für den Löwennachwuchs  zu finden, allerdings ohne Erfolg. Für die eineinhalb Jahre alten Löwen gab es nirgends Platz.

Zoos – das muss man zugeben – sind da in einem gewissen Dilemma: In der Wildnis verlassen Junglöwen die Familienherde spätestens dann, wenn die älteren Tiere sie nicht mehr akzeptieren. In einem Zoo geht das natürlich nicht; man kann den Nachwuchs nur an andere Zoos abgeben. Doch gerade männliche Tiere sind oft schwer zu vermitteln.

Ich kann zwar die Aufregung nicht verstehen, wenn skandinavische Zoos angegriffen werden, weil sie regelmäßig tote Zootiere vor den Augen des Zoopublikums sezieren. Darüber habe ich ja in meinem Blog auch schon geschrieben, zum Beispiel hier. Da kann ich nichts Schlimmes dran finden. Aber eine Tierart bewusst zu züchten, nur um den Nachwuchs dann schnell wieder umzubringen – das halte ich denn doch für übertrieben. Wozu gibt es das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP)? Mit dessen Hilfe kann sich jeder Zoo vorab informieren, wie es bei einer bestimmten Art mit Individuen in europäischen Zoos aussieht. Da wäre es bestimmt ersichtlich gewesen, dass man – zumindest männliche – Junglöwen später nicht loswerden kann. Da keimt bei mir dann schon der Verdacht, dass man nur mit niedlichen „Katzenbabys“ Besucher anlocken wollte und das Tierwohl hintangestellt hat. Was meint Ihr?

Einfach tierisch, das Jahr 2017!

Ohne einen Jahresrückblick geht es auch in diesem Blog nicht. Wer schon länger zu meinen Lesern gehört, kennt das ja schon. Lustige, erstaunliche oder fast unglaubliche – aber immer wahre! – Tiergeschichten aus dem zu Ende gehenden Jahr. In einer davon spielt das Stachelschwein auf diesem Foto (Foto: Kreispolizeibehörde Herford/dpa) die Hauptrolle. Das Tier hat die Feuerwehr ganz schön auf Trab gehalten. Erst war es bei einem Tierarzt in Nordrhein-Westfalen ausgebüxt. Auf der Straße wurde es von Passanten entdeckt, die bei der Feuerwehr anriefen. Die hatte alles andere als einen einfachen Einsatz: Es dauerte Stunden, bis der Ausreißer wieder eingefangen war. Immer, wenn jemand ihn zu fassen bekam, stellte er nämlich schnell seine Stacheln auf.

Kommen wir zum Thema Tiere und Flughäfen. Auf einem Flugplatz in Alaska, der nahe am Meer gelegen ist, tauchte plötzlich eine Robbe auf der Landebahn auf. Möglicherweise war sie während eines Schneesturms aus dem Wasser gekommen. Die Robbe konnte schließlich mit einem Schlitten in Sicherheit gebracht werden. In Japan ist es einem Pudel gelungen, den Zeitplan eines Flughafens durcheinanderzuwirbeln. Auch er wurde auf der Landebahn gesichtet, wo er hin- und herrannte, nachdem ihm die Flucht aus einer Transportbox gelungen war. Der Hund raste fast eine Dreiviertelstunde  herum, bis ihn endlich jemand erwischte. Bis zu diesem Augenblick durften einige Flugzeuge weder starten noch landen.

Das Thema monsterartige Tiere deckt folgende Meldung ab: In einem Museum in Genf gibt es eine Schildkröte mit zwei Köpfen. Sie heißt Janus und hat mit dieser Abnormität bereits recht lang überlebt; immerhin ist sie schon 20 Jahre alt. Dabei tun die beiden Köpfe meistens etwas anderes.  Beispielsweise versucht einer, dem anderen ein Salatblatt wegzuschnappen. Kein Aprilscherz, sondern immer mal wieder von Museumsbesuchern so beobachtet!

Zum Thema Tiere und Rekorde passt folgende Nachricht: Ein Kater namens Arcturus Aldebaran wurde im September zur größten Hauskatze der Welt gekürt. Er hat eine Körperlänge von 48,4 Zentimetern und lebt in einem Tierheim in den USA. Sein Mitbewohner Cygnus Regulus ging als Hauskatze mit dem längsten Schwanz in die Annalen ein: Buschig und 44,66 Zentimeter lang ist sein „bestes Stück“.

Den Rückblick auf das Nürnberger Tiergarten-Jahr 2017 liefere ich Euch demnächst in diesem Blog. Jetzt erst mal einen schönen Jahreswechsel und dann: alles Gute für 2018!

Elsbeth – unsterblich, aber verschwunden

Mit der Kommunikation ist es so eine Sache – gerade in unserer sogenannten Kommunikationsgesellschaft. Sie klappt halt oft einfach nicht. Funktioniert umso weniger, je kürzer die Wege sind. Zum Beispiel der zwischen Nürnberg und Fürth. Für alle Auswärtigen: Die beiden mittelfränkischen Städte liegen nicht nur nebeneinander, sondern sind zumindest baulich längst zusammengewachsen. Trotzdem – oder gerade deshalb –  sind sie sich aus Tradition nicht grün.

Diese Woche haben die Fürther erfahren, dass eine ihrer Prominenten die Stadt verlassen hat. Dabei ging es um die berühmte Zwergflusspferddame Elsbeth. Dieses Tier hatte vor Jahrzehnten mit einem Zirkus in Fürth gastiert, war aber ausgebüxt und in den vorbeifließenden Fluss namens Pegnitz geflüchtet, wo sie erst nach tagelanger Suche aufgespürt und zum Zirkus zurückgebracht wurde. Der zog nach seinem Gastspiel weiter.

Die Geschichte erfreut die Menschen heute immer noch. Über Elsbeth gibt es bereits Kinderbücher und sogar eine von Gudrun Kunstmann geschaffene Skulptur in Bronze. Die befand sich bis vor kurzem in einem Fürther Einkaufszentrum (das allerdings inzwischen fast leer steht). Das Foto oben zeigt Elsbeth, geschmückt mit Faschingsgirlanden in besagtem Einkaufszentrum. Voriges Jahr hat ein Immobilienunternehmen das Ding gekauft und will wieder Leben in die Bude bringen. Die Sprecherin des Unternehmens ließ die staunende Bevölkerung nun wissen, Elsbeth – respektive ihrer Skulptur – gehe es bestens. Sie sei vom Einkaufszentrum in den Nürnberger Tiergarten zurückgekehrt, dorthin, wo sie als Leihgabe einst herkam. Nun müsse die Plastik ihr Dasein nicht mehr im tristen Fürther Kellergeschoss fristen. Vielmehr komme sie im zooeigenen Flusspferdgehege zu neuen Ehren. Das Dumme ist nur: Es gibt dort gar kein Flusspferdgehege, auch kein Flusspferdhaus. Das frühere „Nilpferdhaus“ aus dem Jahr 1939, in dem aber niemals Zwergflusspferde gehalten wurden, soll ein „Wüstenhaus“ werden. Zwergflusspferde gab es einige Jahre lang im Tropenhaus des Tiergartens.

Elsbeth ist jetzt erst einmal hinter den Zookulissen verschwunden. Möglicherweise wird sie im Frühjahr von dort hervorgeholt. Denn im Rahmen eines Inklusionsprojekts will man Besuchern mit Sehbehinderung mehr Angebote zum Ertasten und Anfassen machen und zu diesem Zweck auch einige der eingelagerten Plastiken auf dem Zoogelände verteilen. Vorerst aber hat Elsbeth keinen guten Tausch gemacht, und schon gar nicht kam sie zu neuen Ehren.

So tierisch war das Jahr 2016

Der tierische Jahresrückblick ist in meinem Blog mittlerweile schon zur lieben Gewohnheit geworden. Ich muss mich da bei meinen Kollegen von den Presseagenturen bedanken, die auch eine Menge Material zusammengetragen haben. Für meine Leser habe ich die schönsten und komischsten Geschichten herausgepickt. Über das eine oder andere Ereignis habe ich schon im Laufe des Jahres geschrieben, manches klingt schier unglaublich – aber alles ist wahr.

Erst vor ein paar Wochen spielte sich die dramatische Rettungsaktion um ein Eichhörnchen in München ab. Der kleine Nager steckte in einem Gullydeckel fest, weil er zu viel Speck angesetzt hatte. Man sieht: Tiere können sehr menschliche Probleme haben. Zum Glück wurde dem Eichhörnchen sein Übergewicht nicht zur tödlichen Falle. Es wurde befreit!

Ähnlich anrührend ist das, was Faultier in Ecuador auf der Straße erlebt hat. Es klammerte sich verängstigt an einen Pfosten – warum, ist nicht bekannt. Die Polizei machte ihrem Ruf als Freund und Helfer alle Ehre und rettete das niedliche Tier. Später ließ man es in einem Wald wieder frei.

Ein großes Abenteuer dürfte Krake Inky erlebt haben, der spurlos aus einem Aquarium in Neuseeland verschwunden war. Laut Vermutung der Mitarbeiter in dem Aquarium hatte sich Inky eines Nachts durch ein Abflussrohr verdünnisiert – ein Rohr, das in den Pazifischen Ozean führt. Die Angestellten sahen am nächsten Morgen die nasse Spur auf dem Boden, die bis zu dem Rohr führte. Ob die Geschichte ein gutes Ende genommen hat, weiß niemand. Inky ist nicht wieder aufgetaucht.

Viele Menschen haben sich im zu Ende gehenden Jahr auch für den Wombat Derek interessiert, ein verwaistes Beuteltier-Baby in Neuseeland. Weil seine Mutter gestorben war, suchte man per Internet einen „Wombat-Kuschler“. Der Sieger durfte nach Neuseeland fliegen und dort für ein paar Tage Dereks Ersatz-Mama spielen. Und wenn wir schon bei niedlichen Tieren sind: In diese Rubrik gehören auch die ebenfalls elternlosen Fuchswelpen in Niedersachsen, für die es Rettung in einer Einrichtung für wilde Tiere gab.

Noch ein tierisches Happy-End: Zwei Papageien, die in einem Loch in der Außenwand eines Wohnhauses in Düsseldorf gebrütet hatten, sahen dieses Loch plötzlich verschlossen. Jemand hatte es mit Bauschaum gefüllt. Die Vogel-Eltern pickten und hackten so lange an der Fassade herum, bis sie ihre Küken befreien konnten.

Wie eng Freud´und Leid auch in der Tierwelt zusammenliegen, zeigte sich in der Stuttgarter Wilhelma. Dort feierte man erst den 50. Geburtstag von Hannibal, dem wohl ältesten Zwergflusspferd der Welt  – sechs Wochen später starb er dann. Sein Alter kann man getrost als „biblisch“ bezeichnen, denn es entsprach ungefähr 140 Menschenjahren.

Im Karlsruher Zoo fand Papagei Douglas eine neue Bleibe. Er wurde einst durch den Film „Pippi in Taka Tuka Land“ berühmt, in dem er allerdings Rosalinda hieß. Seine Berühmtheit nützte ihm jedoch wenig: Weil es in einem schwedischen Zoo keinen Platz für ihn gab, sollte er eingeschläfert werden. Karlsruhe zeigte sich gnädig.

Weil mit dem Ende des alten Jahres ja auch ein neues beginnt, zum guten Schluss hier noch etwas Zukunftsweisendes: Die Orang-Utan-Damen Sinta und Conny in der Wilhelma setzen in Sachen Liebe auf Video-Dating. So wurden sie mit Männchen in Hamburg und Belgien verkuppelt. Ob das nun ein Fortschritt ist, wenn Tiere es den Menschen gleichtun, oder eher eine Gefahr – die Zukunft wird es zeigen. Deshalb: Auf die Zukunft, auf das Jahr 2017!!!

Irre Geschichte: „Moby Dick“ im Rhein

MobydickManchmal lohnt es sich, einen Blick zurückzuwerfen auf Ereignisse, die sich vor Jahrzehnten abgespielt haben. So wie dieses: Heute vor 50 Jahren, am 18. Mai 1966, wurde „Moby Dick“ im Rhein gesichtet. Eigentlich war die Arktis der angestammte Lebensbereich des vier Meter langen Belugawals, der sich in den deutschen Strom verirrt hatte.

Die Besatzung eines Tankschiffs sichtet das Tier als erstes und alarmiert die Wasserschutzpolizei in Duisburg. Die Polizei hält das Ganze erst einmal für einen Scherz bzw. glaubt man, die Männer an Bord hätten einen über den Durst getrunken. Bis sie den Weißen Wal selbst entdecken – eine echte Sensation, die wahre Menschenmassen ans Rheinufer lockt. Und zwar zwischen Duisburg und Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt. Dort zieht es die Journalisten und Fotografen von der Pressetribüne des Bundestages weg an den Fluss. Das für unsere Breiten exotische Tier liefert tagelang Schlagzeilen. Und die „Whalewatcher“ zeigen sich vor allem begeistert, wenn das Tier eine Wasserfontäne in die Luft bläst. Das Ereignis löst auch hektische Aktivität aus. So will zum Beispiel der Direktor des Duisburger Zoos den Wal einfangen.

Das Rätsel, wie der Beluga aus arktischen oder subarktischen Gewässern in den Rhein gelangte, ist bis heute ungelöst. Etwa vier Wochen lang hält sich der Wal im Rhein auf – und wechselt dabei seine Farbe vom strahlenden Weiß zu einem schmutzigen Grau. Das liegt an der Verschmutzung des Flusses, dessen Wasserqualität damals bedeutend schlechter war als heutzutage. Der Beluga findet wochenlang einfach nicht zurück ins Meer. Er schlägt aber allen, die ihn mit Netzen, Stangen und Betäubungspfeilen zu fangen versuchen, ein Schnippchen. Bei Bonn bringt „Moby Dick“ auch ein Radschiff der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt in die Bredouille: Als der Wal auftaucht, rennen die Passagiere auf die Seite, von der aus man gute Sicht auf das Tier hat – das Schiff bekommt Schlagseite und kann kurzfristig nicht weiterfahren.

Nach ungefähr einem Monat und wochenlangem Hin- und Herschwimmen findet der Wal schließlich doch den Weg zurück ins Meer und gelangt Mitte Juni wieder in die Nordsee. Zur Erinnerung an die Geschichte wurde zehn Jahre später der Ausflugsdampfer „Moby
Dick“ in Betrieb genommen. Er besitzt die Form eines Wals und verkehrt zwischen Köln, Bonn und Linz.

Heute ist der „Tag des Wolfes“

WolfstagSo viel Ehre wäre ja gar nicht nötig gewesen! Ich habe jetzt einen eigenen Tag, den „Tag des Wolfes“, der heute, am 30. April,  begangen wird. 😉  Anlässlich dieses Tages hat der Naturschutzbund NABU allerdings eine gemischte Bilanz zur Situation frei lebender Wölfe in Deutschland gezogen. Zwar hält er den wachsenden Bestand mit derzeit 40 Wolfsfamilien im ganzen Bundesgebiet für erfreulich, doch das Wolfs-Management reicht nach Ansicht der Zuständigen beim NABU noch längst nicht aus.

Gerade erst in der zu Ende gehenden Woche wurde in Niedersachsen erstmals ein Wolf – „MT6“ oder „Kurti“ genannt – aufgrund einer Ministeriumsentscheidung erschossen, weil er Menschen bzw. Hunden mehrmals zu nahe gekommen war. Diese Entscheidung konnte der NABU aber nachvollziehen:  Wolf „Kurti“ stellte durch sein  Verhalten ein nicht mehr zu kalkulierendes Risiko dar. Trotzdem kann die Geschichte keinen Tierfreund oder Tierschützer zufriedenstellen, denn das konzentrierte Monitoring hat zu spät begonnen, außerdem war die Vergrämungsphase viel zu kurz, und man hat dabei auch nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft. Vor allem: Es wurde nicht ausreichend untersucht, was zu dem auffälligen Verhalten von Kurti geführt hat.

Nach Experteneinschätzung ist die wahrscheinlichste Ursache für die Verhaltensveränderung dieses Wolfes die Fütterung durch Menschen oder zurückgelassene Speisereste. Schließlich sind wir den Umgang mit diesen Wildtieren nicht mehr gewöhnt. Der NABU fordert eine unabhängige wissenschaftliche Kommission auf Bundesebene, die Kriterien für ein funktionierendes Monitoring und für die Vergrämung erarbeitet – und die Einhaltung dieser Kriterien auch überprüft. Jeweils am 30. April endet das offizielle Wolfsjahr, in dem alle wissenschaftlichen Daten gesammelt werden, um Erkenntnisse über das Leben freilebender Wölfe in Deutschland zu erhalten. Daher hat der NABU im Jahr 2013 den „Tag des Wolfes“ eingeführt.

Die Wölfe im Land müssen sich am meisten vor der Deutschen liebstem Kind in Acht nehmen: dem Auto. Denn das größte Risiko für den Wolf ist bei uns der Straßenverkehr. Seit dem Jahr 2000, als der erste Wolf nach Deutschland zurückkehrte, fanden 95 von diesen wunderbaren Tieren auf der Straße den Tod. An der Spitze liegt dabei Brandenburg mit 42 totgefahrenen Tieren. Auch die Akzeptanz von freilebenden Wölfen in der Gesellschaft lässt noch zu wünschen übrig, selbst wenn die allgemeine Zustimmung zur Rückkehr der Wölfe hoch ist. Es kommt außerdem immer wieder zu illegalen Abschüssen. Hierbei belegt das Land Sachsen den traurigen ersten Platz. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Dunkelziffer illegal getöteter Wölfe bundesweit deutlich höher ist als die offiziell bekannt gegebenen Zahlen.

Und so verteilen sich die freilebenden Wölfe über unser Land: Wolfsreichstes Bundesland ist Sachsen mit zwölf Wolfsfamilien, gefolgt von Brandenburg mit elf. In Niedersachsen leben derzeit neun, in Sachsen-Anhalt sechs und in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wolfsrudel. In den vergangenen 15 Jahren konnten  Wölfe auch in allen anderen Flächen-Bundesländern nachgewiesen werden. Die Zählung funktioniert mit Hilfe von Fotofallen, DNA-Hinweisen nach Nutztierrissen oder eben tot aufgefundenen Tieren.