Eisbärenhaltung nicht beenden!

Da war ich übers Wochenende kurz verreist. Und was muss ich schon im Autoradio hören und dann in der Online-Ausgabe der „Nürnberger Zeitung“ lesen? Die traurige Meldung, dass nun auch der zweite der Eisbärenzwillinge im Nürnberger Tiergarten tot ist – gestorben im Alter von drei Wochen.

Bisher kann noch niemand sagen, was dem Kleinen fehlte. Auf den Bildern der Überwachungskamera in der Wurfhöhle hat man offenbar lediglich erkennen können, dass das Bärchen nach und nach schwächer wurde, obwohl seine Mutter Vera es die ganze Zeit vorbildlich versorgt hat. Vera schien irgendwie aufgeregt zu sein. Sie verließ die Höhle, kehrte wieder zurück und baute das Strohlager, das sie für ihre Kleinen hergerichtet hatte, um. Danach konnten Tiergartenmitarbeiter das tote Tierchen im Stroh liegen sehen. Vera suchte aber anscheinend stundenlang immer weiter nach ihrem lebendigen Baby (siehe Foto). Mittlerweile wirkt sie allerdings ruhiger. Vielleicht hat sie nun begriffen, dass ihr Nachwuchs nicht mehr lebt.

Inzwischen konnten Tiergartenmitarbeiter die beiden toten Eisbärenbabys in der Wurfhöhle bergen. Demnach hat Vera auch nicht den Anfang letzter Woche gestorbenen Zwilling aufgefressen, wie zunächst vermutet worden war. So ist jetzt eine pathologische Untersuchung möglich, mit der sich hoffentlich klären lässt, woran die zwei Bärchen gestorben sind.

So traurig der Tod der Eisbärenzwillinge im Tiergarten ist: Die Forderung von Tierschützern wie z.B. des Tierschutzbundes Bayern, die Eisbärenhaltung in Zoos deshalb aufzugeben, halte ich doch für eine Überreaktion. Schließlich hat es mit der Nachzucht in Nürnberg früher mehrmals geklappt. Eine ganze Reihe von Eisbärenbabys wuchs am Schmausenbuck gesund in Obhut ihrer Mutter heran. Und es klappt heute ja auch in verschiedenen Zoos, wie etwa das Beispiel Wilbär in Stuttgart zuletzt gezeigt hat. Warum sollte es in Nürnberg nicht auch wieder funktionieren?

Ich finde, man sollte jetzt erst einmal das Ergebnis der pathologischen Untersuchungen abwarten. Dann kann man in Ruhe überlegen, ob Vera wieder gedeckt werden soll. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) kann man außerdem über einen weiteren Austausch von Eisbären verschiedener Zoologischer Gärten nachdenken.

Eisbären gehören inzwischen zu den beliebtesten Tieren überhaupt. Ihre Haltung in Zoos einzustellen, wäre deshalb im Moment völlig hirnrissig. In Zeiten der globalen Erderwärmung, die den Lebensraum der Eisbären in der Natur immer weiter schrumpfen lässt, wäre das außerdem ein Schritt in die falsche Richtung. Statt dessen sollte man diese Tierart noch mehr als bisher dafür einsetzen, die Menschen über die drohenden Folgen der Erderwärmung aufzuklären und sich für den Klimaschutz zu engagieren.