Endlich haben die Qualen ein Ende

Das ist mal ein Riesenerfolg für Tierschützer und passt wunderbar zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April: Durch jahrelange Proteste haben Tierschützer es geschafft, dass das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen seine Versuche an Affen endgültig eingestellt hat.  Einem als Pfleger arbeitenden Tierschützer war es gelungen, die Affenversuche und die Haltung der Tiere im Herbst 2014 heimlich zu filmen. Dadurch kamen Aufnahmen ans Licht, die zum Beispiel Affen mit Gehirnimplantaten zeigen. Eines der Tiere ist mit blutverschmiertem Kopf zu sehen, einem anderen Affen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Gegen die unhaltbaren Zustände hatten Tierschützer immer wieder Demonstrationen und Mahnwachen veranstaltet. Ein Durchhaltevermögen, das sich wirklich gelohnt hat!

Alternativen zu Tierversuchen?

Das Thema Tierversuche ist ein äußerst leidiges und wurde auch in diesem Blog von mir immer wieder beackert, zum Beispiel hier. Da es bestimmt noch Jahrzehnte dauern wird, bis die Forschung auch ohne Tierversuche auszukommen glaubt, kann man sich schon freuen, wenn jetzt in Deutschland – und zwar an der Uni Konstanz – wenigstens ein Wissenschaftler Alternativen zu Tierversuchen erforscht: der Toxikologe Marcel Leist. Er ist auch Leiter des 2010 gegründeten Zentrums für Alternativen zum Tierversuch in Europa (CAAT-Europe). Leist plädiert dafür, Tierversuche wenigstens so stress- und schmerzfrei wie möglich zu halten.

In den Vereinigten Staaten ist man auf diesem Gebiet schon etwas weiter. Man forscht in den USA an Organen im Miniformat („organs on a chip“) die von Wissenschaftlern hergestellt werden. Dafür gab es auch entsprechend viel Geld: etwa 150 Millionen Euro allein im vergangenen Jahr. Von der EU kamen auch 150 Millionen Euro – aber in einem Zeitraum von sage und schreibe 15 Jahren!

Sogar im guten alten Europa existieren ja schon Alternativen zu Tierversuchen. So werden etwa bei In-Vitro-Verfahren Substanzen an menschlichen oder tierischen Zellen getestet. Außerdem werden tierversuchsfreie Testverfahren entwickelt, um Chemikalien auf ihre Schädlichkeit für das Nervensystem zu untersuchen. Doch derzeit ist die Zahl der Tiere, die hierzulande für – teils sogar tödliche – Experimente herangezogen werden, noch erschreckend hoch: Über eine halbe Million Wirbeltiere waren es beispielsweise im Jahr 2012 nur in Baden-Württemberg, in ganz Deutschland im selben Jahr fast 3,1 Millionen Tiere. Am häufigsten mussten Mäuse dafür herhalten, gefolgt von Ratten, Fischen und Kaninchen. Dagegen sind Tierschützer ohne Erfolg Sturm gelaufen. Es gibt auch den Verein „Ärzte gegen Tierversuche“, der diese Tests aus ethisch-moralischen Gründen ablehnt. Und auch aus medizinischen, denn menschliche Krankheiten lassen sich diesen Medizinern zufolge nicht durch Tierversuche erforschen, die Ergebnisse nicht auf Menschen übertragen.

Der in Konstanz forschende Marcel Leist spricht erfreulicherweise endlich auch mal Klartext in Richtung Industrie: Es geht bei Tierversuchen um Geld, um viel Geld. Und er fordert seine Kollegen auf, sich zu fragen, ob es ihnen nicht nur um die Befriedigung ihrer Neugier geht. Das finde ich sehr mutig, und ich fürchte, dieser Mann wird sich nicht sehr beliebt machen. Hoffentlich bekommt er mit dieser Einstellung überhaupt weiterhin Forschungsmittel.

Teilerfolg in Sachen Tierversuche

Tierschützer sind aus ethischen Gründen strikt gegen Tierversuche. Sie können sich immerhin darüber freuen, dass ab heute in Europa keine Kosmetika mehr verkauft werden dürfen, die an Tieren erprobt wurden. Davon sind sowohl in Europa als auch anderswo hergestellte Schönheits- und Pflegemittel betroffen. Allerdings muss man davon ausgehen, dass es auch weiterhin Möglichkeiten gibt, das Verbot zu umgehen. Tierversuchsgegner weisen darauf hin, dass für Inhaltsstoffe, die auch in anderen Bereichen zur Verwendung kommen, das Chemikalienrecht gilt. Und dieses erlaubt Tierversuche nach wie vor.

Zum Thema Tierversuche gibt es ein paar ganz interessante Zahlen: So mussten im Jahr 2011 fast drei Millionen Wirbeltiere für Tierversuche herhalten, das waren knapp zwei Prozent mehr als im Jahr 2010. Im Jahr 2000 lag die Zahl der Versuchstiere noch deutlich niedriger, nämlich bei 1,8 Millionen. Die starke Zunahme  ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in den letzten Jahren mehr genetisch veränderte Mäuse für die Forschung gezüchtet wurden.

Und so setzten sich die Versuchstiere zusammen: Der größte Anteil, nämlich 85 Prozent, waren Nagetiere, vor allem Mäuse und Ratten. Bei sieben Prozent handelte es sich um Fische, bei vier Prozent um Vögel, und Kaninchen machten drei Prozent aus. Fast 75 Prozent aller Versuchstiere dienten einer gezielteren Erforschung von Krankheiten.

 

Makaken leiden weiter für die Hirnforschung

Schön ist es nicht, wenn man darüber berichten muss, dass Tiere leiden. Noch weniger schön ist es, wenn so etwas auch noch unter dem Deckmantel der Gesetzlichkeit geschieht. Wie an der Uni Bremen, wo im Rahmen der Hirnforschung seit 1998 Tierversuche mit Makaken durchgeführt werden, über die ich hier schon geschrieben habe. Neurobiologen wollen durch ihre Experimente mit den Affen herausfinden, wie man Menschen helfen kann, die unter Krankheiten wie Epilepsie oder Alzheimer leiden.

Seit 2008 dauert nun bereits ein Rechtsstreit darüber an, ob die Forschung auf diesem Gebiet so weitergeführt werden darf. Ursprünglich hatte die Bremer Gesundheitsbehörde das genehmigt, inzwischen ist sie aber überzeugt, dass die Makaken bei den Versuchen zu sehr leiden.

Das Oberverwaltunsgericht hat nun wieder eine Entscheidung gefällt. Demnach dürfen die Experimente mit den Makaken erst einmal weitergehen – allerdings nur vorläufig, betonen die Richter. Die Verlängerung der Erlaubnis ist auf ein weiteres Jahr befristet. Die Richter folgten in ihrer Anordnung dem Argument der Hirnforscher, dass ein Abbruch der Tierversuche den Erfolg der bisherigen Forschungsergebnisse in Frage stellen würde. Dann hätten die Tiere also auch noch umsonst gelitten. In der Angelegenheit gibt es auch noch ein Hauptsacheverfahren, bei dem es um die grundsätzliche Genehmigung von Tierversuchen geht.

Solche feinen Unterschiede dürften den Makaken, die an der Uni Bremen unter Qualen Denksportaufgaben lösen, allerdings schnurzpiepegal sein. Sie müssen sich dafür weiterhin, angeschnallt auf Stühlen, Elektroden ins Hirn jagen lassen. Zur Belohnung gibt es dann erst mal leckeren Saft – und später den Tod, denn das Gehirn muss ja auseinandergenommen werden, damit man richtig darin forschen kann. Der Bremer Tierschutzverein ist ebenso wie der Deutsche Tierschutzverein enttäuscht, dass diese Grausamkeiten jetzt wieder ein Jahr lang so weitergehen dürfen.

Da laust mich doch der Affe!

Also, ich möchte den Blick in meinem Blog ja nicht einzig und allein auf interessante Prozesse richten, die sich um Tiere und Recht drehen. Aber nachdem ich vor fast einem Monat über einen Fall in Bremen geschrieben habe, in dem es um Tierversuche mit Makaken geht, fühle ich mich doch verpflichtet, auch den Ausgang der Sache zu vermelden. Ich habe nämlich einige Leser(innen), die sehr genau darauf achten, dass einmal hier im Blog angerissene oder angekündigte Themen auch zu Ende gebracht werden – stimmt´s, „mandy wagenknecht“?

Deshalb hier das Urteil im Makaken-Prozess von Bremen: Die Stadt Bremen muss die umstrittenen Versuche an der Uni Bremen mit den Affen weiterhin erlauben. Die Stadt hatte die Genehmigung für diese Tierversuche nicht mehr verlängern wollen – aus ethischen Gründen – und war deshalb vors Gericht gezogen . Damit die Angelegenheit endgültig entschieden werden kann, muss die Stadt Bremen dem Gericht laut dessen Sprecherin  „Gutachten zum Wert der Experimente für die Forschung und zum Maß des Leidens der Tiere“ beibringen. Mit den bisher vorgelegten Gutachten gibt sich das Gericht nicht zufrieden.

Tja, nach dem Tigerbaby-Urteil von Magdeburg also schon wieder ein Gerichtsentscheid, der Tierfreunde und Tierschützer nicht wirklich zufriedenstellen kann, oder? Vor allem wenn man bedenkt, wie schwach die Kommunen zurzeit – finanziell gesehen – auf der Brust sind, frage ich mich, ob  sich Bremen weitere Gutachten überhaupt leisten kann. Denn die wollen schließlich auch bezahlt sein.

Alles in allem: Schon wieder ein schwarzer Tag für die Tierwelt.