A „Zar“ is born!

Man könnte meinen, der Fasching hat jetzt sogar schon im Tierreich Einzug gehalten. Dieses Raubkatzenbaby wäre demnach ein Tiger, der sich als Löwe verkleidet hat – oder umgekehrt. Im Ernst: Es handelt sich bei dem Tier um einen sogenannten Liger, eine Kreuzung  zwischen Löwe und Tiger. Er besitzt das beige Fell eines Löwen und hat im Gesicht die Zeichnung eines Tigers. Das seltene Exemplar hat in einem Wanderzoo bei Rostow am Dom (Südrussland) das Licht der Welt erblickt und heißt – typisch russisch – Zar. Das passt, denn seine Tiger-Mama heißt Prinzessin, sein Löwen-Vater Cäsar. Und als ob das ganze Arten-Kuddelmuddel nicht schon genug wäre, auch das noch: Eine Ziege aus dem Wanderzoo ist als Amme für den kleinen Zar eingesprungen und säugt ihn.

Liger gelten als die größten Raubkatzen der Welt. In der Wildnis kommen sie praktisch nicht vor, weil Tiger bekanntlich nur in Asien leben und Löwen in Afrika – abgesehen von den ganz wenigen Persischen oder Indischen Löwen. Solche wiederum kann man immerhin im Nürnberger Tiergarten sehen. Momentan soll es weltweit nur rund 20 Liger geben. Einer davon heißt Herkules und lebt – na klar, dort, woll alles „great“ ist seit Trump – in den USA. Er ist laut Guinness-Buch der Rekorde derzeit die größte Raubkatze der Welt: 418 Kilogramm bringt er auf die Waage und ist 3,33 Meter lang. Mal sehen, ob ihn der vor zweieinhalb Monaten in Russland geborene Zar nicht eines Tages verdrängt, wenn er erst mal erwachsen ist!

Aljoscha wird ein Hannoveraner

aljoschaSchade – er ist eine echte Tiger-Schönheit und jetzt leider nicht mehr  im Tiergarten Nürnberg zu sehen: Der am Schmausenbuck geborene Sibirische Tiger-Kater Aljoscha ist umgezogen. Seine neue Adresse lautet: Erlebnis-Zoo Hannover. Auch wenn es bedauerlich für die Besucher ist – das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP hat das so empfohlen. Derzeit befindet sich Aljoscha in Hannover noch hinter den Kulissen, er wechselt aber bald in eine neugestaltete Anlage.

Dank des Trainings, das die Tierpfleger in den vergangenen Wochen mit Aljoscha durchgeführt haben, damit er sich an die Transportkiste gewöhnt, gab es keine Probleme bei seiner Reise von Franken nach Niedersachsen. Er zögerte keinen Augenblick, die Box zu betreten. Nicht einmal eine halbe Stunde nach seinem letzten Streifzug durch den Außenbereich des Raubtierhauses hat er schon den Tiergarten verlassen. Noch am selben Nachmittag erreichte er wohlbehalten sein neues Zuhause in Hannover. Begleitet wird er von einer ihm vertrauten Tierpflegerin und einem erfahrenen Tiertransporteur.

Wie es mit Aljoschas Zwillingsbruder Volodya weitergeht, haben die Tiger-Koordinatoren des EEP noch nicht entschieden. Beide Jungtiger sind Söhne von Katinka, die 2011 in Moskau geboren wurde und im Mai 2013 in den Tiergarten kam, sowie von Samur, der 2012 in Wuppertal zur Welt kam und im November 2013 am Schmausenbuck als Partner für Katinka eintraf.  Seine Großeltern lebten – wie auch Katinkas Eltern –  in der Moskauer Auffangstation, einer Außenstelle des dortigen Zoos. Katinka und Samur gehören aufgrund ihrer Abstammung zu den sehr seltenen, genetisch noch reinen Vertretern Sibirischer Tiger (auch Amurtiger genannt) und sind deshalb für die europäischen Zoos äußerst wertvolle Tiere.

Glück in Frankfurt, Entsetzen in Breslau

Herzlichen Glückwunsch an den Frankfurter Zoo! Dort hat die  Gorilladame Dian Zwillinge bekommen – die erste Zwillingsgeburt bei diesen Menschenaffen in Frankfurt seit fast 50 Jahren. Noch ist das Geschlecht der Gorillababys nicht bekannt, weil Dian ihre Kleinen ganz eng am Körper hält, so dass die Pfleger nicht sehen können, ob es sich um Männchen oder Weibchen handelt. Die beiden Kleinen sind das zweite und dritte Baby von Dian. Vater der Zwillinge ist der Silberrücken Viatu. Nachdem die Geburt unter den Augen einer Pflegerin problemlos abgelaufen war, macht man sich im Zoo inzwischen Sorgen um eines der Zwillingsbabys, das sehr schwach wirkt. Die Pfleger kommen aber nicht an die Gorillamutter und ihren Nachwuchs heran, um das Kleine zu untersuchen. Besorgt sind die Zoomitarbeiter vor allem deshalb, weil erst im Juli das Baby des Gorillaweibchens Shira aus bisher unbekannten Gründen gestorben war.

So sehr man sich in Frankfurt über die Gorilla-Zwillingsgeburt freut, so groß ist das Entsetzen im Zoo von Breslau: Ein Sumatra-Tiger hat in seinem Außengehege einen Pfleger tödlich verletzt, der dort anscheinend den Rasen mähte. Schockierte Kollegen des 57-jährigen Mannes haben angegeben, dass er ein sehr erfahrener Tierpfleger gewesen sei. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, weiß man noch nicht. Der schreckliche Vorfall überschattet die Jahreskonferenz des europäischen Zooverbands EAZA, die noch bis zum 19. September im Breslauer Tierpark stattfindet und zu der über 700 Teilnehmer aus aller Welt angereist sind.

Nachtrag: Wie ich oben angedeutet hatte, sorgten sich die Tierpfleger in Frankfurt gestern schon um eines der beiden Gorillababys. Nun ist das Kleine tatsächlich gestorben, die Todesursache ist noch unklar. Gorillamutter Dian trägt immer noch beide Babys mit sich herum. Die Pfleger wollen ihr das tote Baby nicht wegnehmen, sondern warten, bis sie es von selbst ablegt. Dem Geschwisterchen geht es aber – Gott sei Dank! – nach wie vor gut.

Tiger top, Panda tot

KatinkamitjungenEnde Januar habe ich hier noch über das „Liebesglück“ der beiden Tiger im Tiergarten Nürnberg geschrieben. Das war während der ersten Rolligkeit von Tigerin Katinka. Die damaligen Deckungsversuche von Samur waren dann letztlich doch nicht von Erfolg gekrönt. Aber bei der „zweiten Rolle“, wie die Tierpfleger sagen, hat es dann geklappt: Katinka wurde trächtig. Am 6. Juli hat sie ihre zwei Babys zur Welt gebracht – zwei Jungs, die von den Tierpflegern die Namen Aljoscha und Volodya bekommen haben.

Das Brüderpaar wurde jetzt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, nachdem das Raubtierhaus in den letzten beiden Monaten geschlossen war, um Katinka mit ihrem Nachwuchs die nötige Ruhe zu gewähren. Die Kleinen haben mittlerweile schon ganz schön zugelegt und bringen schon 9,1 und 8,3 Kilo auf die Waage. Sie werden noch gesäugt, knabbern aber auch schon an Katinkas Fleischportionen mit herum. Geimpft wurden Aljoscha und Volodya ebenfalls schon, bei dieser Gelegenheit wurden sie auch mit Transpondern versehen.

Ab kommendem Montag, 7. September, dürfen die ersten Zoobesucher wieder ins Raubtierhaus: Vorerst täglich zwischen 10 und 11.30 Uhr lassen die Pfleger immer wieder kleinere Gruppen ins Raubtierhaus, um die Tigerin und ihre Babys nach und nach an Publikum zu gewöhnen. Wenn das klappt, soll das Haus so bald wie möglich wieder regulär geöffnet werden.

PatnaLeider wird das gedeihliche Heranwachsen der Tigerbabys vom Tod der Kleinen Panda-Dame Patna überschattet, die tot in ihrem Gehege gefunden wurde. Das ist vor allem auch deshalb tragisch, weil Patna hat zwei Junge hat, die erst vor zwei Monaten geboren wurden. Sie müssen nun von Hand aufgezogen und langsam auf feste Nahrung umgestellt werden. Woran Patna gestorben ist, bleibt vorerst ein Rätsel, denn noch am Tag vor ihrem Tod hat sich die fünf Jahre alte Katzenbärin ganz unauffällig verhalten. An ihrem Körper waren auch keine Verletzungen sichtbar. Per Obduktion will der Tiergarten nun hausfinden, was die Todesursache war. Schon einmal hatte es ja im Jahr 2009 im Tiergarten zwei tote Kleine Pandas gegeben. Damals kam es zu wilden Theorien, warum die Tiere von einem damals noch im selben Gehege lebenden Muntjak umgebracht wurden.

Ein Austragsstüberl für Tiger

AuffangtigerDas ist doch mal eine richtig gute Nachricht: Der Verein Tierart und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten haben im Pfälzer Wald  auf einem ehemaligen US-Militärgelände eine Großkatzen-Station für Tiger aus Zirkussen oder Privathaltung eröffnet. In diese neue Auffangstation sind die ersten Tiere schon eingezogen. Auf dem Foto sieht man die Tiger-Geschwister Bela und Shahrukh. Die beiden stammen aus einer privaten Haltung in Baden-Württtemberg, die nicht artgerecht war, weshalb die Behörden einschritten.

Die Station ist bisher einzigartig in Deutschland. Sie bietet Platz für sechs bis acht Großkatzen. Die Großkatzenkäfige in der neuen Einrichtung hat sich Vier Pfoten laut dpa 1,1 Millionen Euro kosten lassen. Und der Verein Tierart hat mit Landeszuschüssen ein Gebäudedach für 100 000 Euro instand gesetzt. Schon bald soll der nächste Bewohner in der Anlage ein neues Zuhause finden: ein Tiger aus einem französischen Zirkus. Den Betreibern schwebt außerdem vor, dass die Auffangstation ein Lernort etwa für Schulklassen wird.

P.S. Auf Facebook haben mich Leser darauf aufmerksam gemacht, dass es ja schon länger auch das Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach gibt. Danke!

Tigerbabys weiter unter Verschluss

Katinkababys
Die Tiergartenbesucher werden wohl enttäuscht sein, aber die Zooleitung bleibt konsequent: Damit die Sibirische Tigerin Katinka und ihre beiden Babys nicht gestört werden, bleiben sie auch während der kommenden Sommerferienwochen von der Öffentlichkeit abgeschirmt im Raubtierhaus des Nürnberger Tiergartens – und das, bis die Kleinen acht bis zehn Wochen alt sind. Fürs Publikum gibt es aber zumindest ein kleines Trostpflaster: Ab diesem Wochenende werden Bilder von der Tigermutter und ihrem Nachwuchs auf einen Monitor am Eingang des Raubtierhauses übertragen. So bekommt man wenigstens einen gewissen Eindruck. Und den Vater der beiden, Tiger Samur, kann man bei seinen Streifzügen durchs Freigehege auch beobachten.

Die zwei kleinen Tiger wurden am 6. Juli geboren und entwickeln sich offenbar sehr gut. Katinka ziehe ihre Babys mit großer Gelassenheit auf, teilt die Zooleitung mit. Sie kümmere sich vorbildlich um sie und mache alles richtig, obwohl sie ja zum ersten Mal Mutter geworden ist.

 

Jetzt geht es nur noch um das Eine

samursexneuSeit 14 Monaten lebten sie in derselben Anlage im Raubtierhaus des Nürnberger Tiergartens, doch „getrennt von Tisch und Bett“- ich erlaube mir hier diesen Ausdruck, auch wenn es sich nicht um Menschen, sondern um Sibrische Tiger handelt: Katinka und Samur, zwei wahre Prachtexemplare ihrer Art. Zu jung sind die beiden jungen Raubkatzen bisher gewesen, um als Paar  zusammenzuleben, ohne dass es sozusagen zu Mord und Totschlag geführt hätte. Denn Tiger sind in freier Wildbahn Einzelgänger, die sich einander nicht grün sind. Selbst Weibchen und Männchen treffen sich nur, wenn es ihnen um das Eine geht, das im Tierreich an oberster Stelle steht: sich vermehren, um als Art zu überleben.

Die dreijährige Katinka und der um ein Jahr jüngere Samur kamen über das Europäische Arterhaltungsprogramm EEP an den Schmausenbuck, auf dass sie dort wachsen, gedeihen und sich mehren mögen. Letzteres scheiterte bislang daran, dass die aus Moskau stammende Tigerdame als gleichzeitig kratzbürstiger und scheuer Typ gilt und deshalb nicht auf den gutmütigen Kater aus dem Wuppertaler Zoo losgelassen werden konnte. Seine „Zukünftige“ war Samur ihm auch körperlich überlegen.

Doch nun ist Katinka rollig und damit bereit zur Empfängnis, Samur ist fast ausgewachsen; die zwei sind geschlechtsreif. Es kann also losgehen – richtiger: Es ist schon losgegangen. Katze und Kater haben in jeder Hinsicht Gefallen aneinander gefunden und gönnen sich kaum eine ruhige Minute. Wenn sie sich weiter so stark zueinander hingezogen fühlen, dürfen sie ihre „Flitterwochen“  ungestört und allein im Raubtierhaus verbringen – ohne die indiskreten Blicke der Besucher: Die müssen nämlich erst mal draußen bleiben.

Die Löwen wohnen in den nächsten Tagen und Nächten in der Außenanlage und überlassen das Tigerpaar im Raubtierhaus seinem Liebesglück – kein Problem für asiatische Löwen, schon gar nicht in diesem milden Winter. Jetzt brauchen sie sich die Aufmerksamkeit der Besucher einmal nicht mit den attraktiven Tigern zu teilen. – Nennt man so etwas eine Win-Win-Situation? Ich glaube, ja.

Kann Samur Katinkas Herz erobern?

Ob er Katinka, die scheue Sibirische Tigerin im Tiergarten Nürnberg, aus der Reserve locken kann? Gestern ist jedenfalls ein Gefährte für sie am Schmausenbuck eingetroffen: Samur heißt  er und kommt aus dem Zoo Wuppertal. Wie der Tiergarten mitteilt, hat der junge Tiger – er ist noch nicht ganz eineinhalb Jahre alt – den Transport sehr entspannt hinter sich gebracht.  Derzeit gewöhnt er sich schon im Raubtierhaus an seine neue Umgebung. Die Zoobesucher können ihn bereits sehen.
Samurs Eltern sind im Zoo geboren, seine acht Jahre alte Mutter hat in Moskau das Licht der Welt erblickt, sein knapp siebenjähriger Vater in Schwerin. Anders als Katinka, die seit Mai dieses Jahres im Nürnberger Tiergarten lebt und in einer Außenstation des Moskauer Zoos aufgewachsen ist, ist Samur an Menschen gewöhnt. Katinka und Samur wurden vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP als künftiges Zuchtpaar für den Tiergarten ausgewählt. Noch steht allerdings nicht fest, wann genau die beiden Tiere zusammengeführt werden sollen.

Katinka war Anfang September in die Schlagzeilen geraten, weil sie beinahe über die Mauer an ihrem Außengehege gesprungen wäre, nachdem Besucher sie provoziert und angelockt hatten. Seitdem lebt sie im Raubtierhaus und zeigt sich den Besuchern an manchen Tagen nur selten.

Besucher an Katinkas Beinahe-"Ausbruch" schuld?

Vor drei Tagen habe ich hier über den Ausbruchsversuch(?)/ Fluchtversuch (?) /Freiheitsdrang (?) von Tigerin Katinka im Tiergarten Nürnberg geschrieben. Der Raubkatze wäre es fast gelungen, vom Wassergraben aus die Mauer des Freigeheges zu erklimmen, nachdem sie sich auf einem unter Wasser verlaufenden Rohr abgestützt hate. – Zu diesem Beitrag hat sich Stephan Koch in einem Kommentar folgendermaßen geäußert:

Ich finde es an der Stelle nicht richtig, immer von einem Ausbruchsversuch zu sprechen. Viel wahrscheinlicher – weil ich kaum nen Stück daneben stand am Sonnabend – ist, dass sie denjenigen, der sie zu triezen versuchte einen gehörigen Schrecken einjagen wollte…

Ich bin für die „Nürnberger Zeitung“ der Sache nachgegangen und habe mich bei Zoochef Dag Encke erkundigt, ob an dieser Beobachtung etwas dran sein könnte. Hier seine Antwort:

Tatsächlich wurde sowohl vom Revierleiter an verschiedenen Tagen als auch von einer Besucherin an besagtem Samstag beobachtet, dass sich Besucher einen Spaß daraus gemacht hatten, die Tigerin zu provozieren, sobald sie ins Wasser ging. In einem Fall schlug ein Besucher mit der flachen Hand an die Innenseite (Tierseite) der Mauer, um sie zu sich zu lotsen und nahm dann eine Plastikflasche. Ziel schien es zu sein, sie gezielt anzulocken, um einen Film und/oder Fotos davon zu machen. Die Plastikflaschen fielen dann ins Wasser, wo sie heute noch schwimmen. Ein Besucher hat seinen Rucksack als Lockmittel benutzt, um die Tigerin direkt an die Mauer zu locken, indem er ihn an der Mauerinnenseite hin- und herschwang. Der Revierleiter bestätigte, dass er schon einen Tag vor dem Vorfall Besucher gebeten hatte, ihr Verhalten einzustellen und auch Kinder, die ohne sichernde Elternhand auf der Mauer saßen, von dort hat entfernen lassen. Insgesamt ist es den Menschen wohl nicht bewusst, welche Gefahren von Großkatzen ausgehen können. Nichts von alledem aber kann entschuldigen, dass die Tigerin  höher hinauslangen konnte,  als wir es je für möglich erachtet hatten. Das besagte Rohr wurde Anfang der 80-er Jahre installiert, und seither war dies der erste kritische Vorfall, der uns bekannt geworden ist. Keine Entschuldigung, aber vielleicht eine Erklärung, warum die Gehegeumwehrung von uns als sicher eingestuft wurde.

Ich möchte es meinen Lesern überlassen, sich einen Reim auf die Geschichte zu machen. Vielleicht sollte man künftig lieber Zoobesucher in Gehege stecken anstelle der Tiere? Wäre vielleicht eine Lösung, oder?

Tigerin Katinka und der Drang nach Freiheit

Tigerin Katinka, die seit Mai im Nürnberger Tiergarten lebt, hat am Wochenende einen weiteren Beweis für ihren ganz eigenen Charakter geliefert: Am Samstagmittag haben Zoobesucher Tiergartenmitarbeiter darüber informiert, dass die Sibirische Tigerin in der Freianlage aus dem Wasser springt und versucht, den Rand der Umfassungsmauer zu erreichen. Daraufhin haben Pfleger die Raubkatze ins Raubtierhaus gesperrt. Anschließend wurden Bilder der Überwachungskamera gesichtet, um den Ablauf des Ausbruchversuchs besser nachvollziehen zu können.

Die Pfleger fanden Kratzspuren an der Oberkante der Mauer. Das werteten sie als sicheres Anzeichen dafür, dass die Tigerin mit den Pranken diese Stelle erreicht hatte. Die Untersuchung erbrachte noch mehr: Die Raubkatze hat sich auf einem Rohr abgestützt, das unterhalb der Wasseroberfläche verläuft, um das Wasserbecken im Winter von Eis freizuhalten. Katinka ließ sich nicht dadurch stören, dass dieses Rohr mit Stacheldraht umwickelt ist – sie ist eben ziemlich hart im Nehmen.

In dem Freigehege am Raubtierhaus leben Tiger seit dem Jahr 1939; damals wurde der Tiergarten am Schmausenbuck eröffnet. Die Außenanlage ist seitdem baulich nicht verändert worden, während das Raubtierhaus innen vor ein paar Jahren mit einer hochmodernen Schließanlage und dicken Panzerglasscheiben nachgerüstet wurde. Das Rohr zur Eisfreihaltung hatte man vor rund 20 Jahren installiert. Bisher hat noch kein Tiger im Tiergarten Nürnberg einen Fluchtversuch unternommen. Aber die zweijährige Katinka ist ein ganz besonderes Tier – das haben nicht nur ihre Pfleger längst festgestellt, sondern auch Besucher, die häufig im Tiergarten sind. Die starke Tigerdame wurde nicht direkt im Moskauer Zoo geboren, sondern in einer Außenstelle des Zoos für gefährdete Tierarten, die  für Zoobesucher nicht zugänglich ist. Deshalb war die Raubkatze, als sie nach Nürnberg kam, zunächst sehr scheu. Aber sie ist auch wilder als andere Tiger, die aus Zoos stammen.

Die Tiergartenleitung nimmt die gezielten Fluchtversuche von Katinka sehr ernst. Deshalb soll nun das Rohr entfernt und die Mauer zusätzlich mit Elektrodraht gesichert werden. Katinka muss während dieser Arbeiten im Haus bleiben und darf erst wieder nach draußen, wenn alles fertig ist. Sie kann sich aber wenigstens damit trösten, dass sie bald – vorausichtlich im Oktober – einen männlichen Partner bekommt.